Bedrott an Camerarius, 13.01.1539

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
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 Briefdatum
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Bedrott an Camerarius, 06.07.15406 Juli 1540 JL
Werksigle OCEp 0259
Zitation Bedrott an Camerarius, 13.01.1539, bearbeitet von Ulrich Schlegelmilch und Manuel Huth (11.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0259
Besitzende Institution München, BSB
Signatur, Blatt/Seite Clm 10368, Nr. 74
Ausreifungsgrad Original
Erstdruck in Camerarius, Epistolae Eobani, 1561
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. I5r-I6v
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Jakob Bedrott
Empfänger Joachim Camerarius I.
Datum 1539/01/13
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Straßburg
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Tuum diuturnius silentium, mi Ioach., nobis permolestum fuit
Link zur Handschrift http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00104172-2
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Briefe/Parallelüberlieferung; Briefe/Redaktionelle Überarbeitung; Biographisches (Rezeption); Poetik
Handschrift gesehen
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen Anmerkung zu Wilhelm von Fürstenberg fehlt - US 11.12.19
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:US; Benutzer:MH
Gegengelesen von Benutzer:US
Datumsstempel 11.12.2019
Werksigle OCEp 0259
Zitation Bedrott an Camerarius, 13.01.1539, bearbeitet von Ulrich Schlegelmilch und Manuel Huth (11.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0259
Besitzende Institution München, BSB
Signatur, Blatt/Seite Clm 10368, Nr. 74
Ausreifungsgrad Original
Erstdruck in Camerarius, Epistolae Eobani, 1561
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. I5r-I6v
Fremdbrief? nein
Absender Jakob Bedrott
Empfänger Joachim Camerarius I.
Datum 1539/01/13
Datum gesichert? ja
Sprache Latein
Entstehungsort Straßburg
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Tuum diuturnius silentium, mi Ioach., nobis permolestum fuit
Link zur Handschrift http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00104172-2
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Briefe/Parallelüberlieferung; Briefe/Redaktionelle Überarbeitung; Biographisches (Rezeption); Poetik
Datumsstempel 11.12.2019


Der Brief wurde für den Druck redaktionell überarbeitet.

Regest

Erleichterung darüber, dass Camerarius nach langem Schweigen mitgeteilt habe, dass er wieder gesund sei. Beste Wünsche. Bedrott selbst gehe es gut (in Straßburg).

Bedrott habe (Leonhart) Fuchs um das Herbarium (s. Anm.) gebeten und es erhalten. Er könne nichts über die Qualität des Buches sagen und habe im Moment auch nicht genug Zeit, es zu lesen. Er habe es aber versprochen – seinet- und ihretwegen. Camerarius möge über Fuchs beim Drucker erwirken, dass dieser sich nicht betrogen fühle und sein Vertrauen in Bedrott und Camerarius verliere (s. Anm.).

Bedrott habe keine zuverlässigen Nachrichten über die Soldaten. Sie seien vielleicht hoffnungsvoll, glücklich seien aber sie nicht. Eck von Reischach solle neulich in Freiburg Hauptleute angeworben haben. (Anton) von Lothringen hebe Soldaten aus, um Geldern zu besetzen. Der Franzose (Franz I.) werde, so heiße es, Mailand einnehmen und zwar mit Billigung des Kaisers (Karl V.).

Was die Gegner ihrer Religion planten und vorbereiteten, werde man bald erfahren. Bedrott fürchte, dass man einen friedlosen Frieden haben werde, wie Camerarius es voraussage. Ihr Rat der Dreizehner, das sanctius consilium, denen die Aufgabe übertragen worden sei, Krieg zu verhindern und einzuleiten, komme öfter als üblich zusammen; und es eilten so viele Boten hin und her, dass Bedrott Unruhen fürchte. Hoffentlich sei seine Furcht unnötig.

(Nikolaus) Gerbel gräme sich sehr wegen des Büchleins eines gewissen Mannes (sc. Erasmus Sarcerius), der, wo er die status behandle, unbesonnen einen Nikolaus Gerbel als Beispiel anführe, der eines Religionsfrevels angeklagt und überführt wurde (s. Anm.). Bedrott und die anderen hiesigen Dozenten hätten diesen Fall nun zu ihrem gemeinsamen gemacht (= unterstützten Gerbel). Camerarius könne die ganze Geschichte aus dem von ihnen allen verfassten Schreiben an den Autor erfahren. Anbei eine Abschrift dieses Schriftstücks. Gerbel hätte Camerarius selbst geschrieben, wenn er nicht zu beschäftigt gewesen wäre. Auch Camerarius möge an Gerbel schreiben und ihm Mut zusprechen.

Anbei ein Brief von (Johann) Oporinus. Empfehlung desselben.

Bedrott habe (Adam) Krafft über die Möglichkeit, diesen Boten zu nutzen, informiert. Ob er die Gelegenheit genutzt und Camerarius ebenfalls geschrieben habe, wisse Bedrott nicht.

Camerarius möge bitte Homer (öffentlich) verteidigen, nicht so sehr vor Platon als vor jenen, die die Kritik eines so großen Philosophen (s. Anm.) mißbrauchten, um Homer in die Schranken zu weisen und fortzujagen. Bedrott trage diese Bitte nicht unbesonnen vor, denn zweifellos könne Camerarius dies erfolgreich bewerkstelligen, zumal er ja in seiner Praefatio zu Homer an der Stelle, wo er das consilium Homers darlege (S. 30), eine solche Verteidigung in Aussicht gestellt hatte. Aber was Camerarius von dieser Sache halte, habe er ja bereits in seinen Scholien zu Sophokles angedeutet. Vielleicht könne ihm auch Proklos helfen, dessen Ausdeutung bestimmter Fragen der Politeia Camerarius ja gelesen habe, wie seine Kommentare zum ersten der Buch der Ilias deutlich zeigten. Bedrott lese zurzeit über die Nomoi Platons, was auch ein Grund dafür sei, dass er Camerarius um diese Sache bitte. Er wolle aber Camerarius nicht weiter zur Last fallen. Lebewohl.

Um die Gesundheit Frobens (s. Anm.) stehe es unverändert: Seit sieben Monaten habe er nicht laufen können. Innerhalb eines Monats werde er nach Bad Wildbad aufbrechen, um die verhärteten Sehnen um sein Knie zu lockern. Er lasse Camerarius zurückgrüßen.

(Johannes) Sturm habe Camerarius nur einen kurzen Brief schicken können. Heute nämlich hätten sie alle, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, Gerbel zu verteidigen, das Schreiben (an Sarcerius) aufsetzen müssen. Beinahe hätten sie es vergessen, was Bedrott Camerarius nicht verschweigen wolle.

Ein Verwandter oder Bekannter des Camerarius (unbekannt; necessarius tuus), der Camerarius einen Drohbrief geschrieben hatte, habe den heftigen und gefährlichen Hass einer einflussreichen Person ([[Erwähnte Person:: Wilhelm von Fürstenberg|Wilhelms von Fürstenberg; s. Anm.) entfacht, weil er irgendwelche Lästereien über irgendwelche Leute verbreitet hatte. Da sich der mächtige Mann für ihren Beschützer halte, glaube er, dass auch ihm selbst Unrecht angetan wurde.

Wenn es irgendeinen Menschen gebe, für den es einen Nutzen habe, die Worte des Erasmus (Sarcerius) sorgsam und ganz zu lesen, dann dürfte es für diesen Menschen am Nützlichsten sein, wenn er einmal merke, dass wahr sei, was Calaber über Thersites sage: Die Verblendung räche eine dreiste Zunge, die das Leid der Sterblichen vermehre (Quintus von Smyrna, 1, 753 f.).

Erneutes Lebewohl und Entschuldigung für den langen Brief.

(Manuel Huth)

Anmerkungen

  • "das herbarium": Gemeint ist vielleicht die handschriftliche Vorlage von Fuchs' 1542 gedrucktem De historia stirpium.
  • "und sein Vertrauen in Bedrott und Camerarius verliere": Vermutlich befürchtete Bedrott, der Drucker könne sich Sorgen machen, wenn ein Dritter die Druckvorlage erhielte.
  • "der eines Religionsfrevels angeklagt und überführt wurde": Vgl. hierzu: Gerbel an Camerarius, 10.03.1539 und Gerbel an Camerarius, 09.04.1539.
  • "die Aussage eines so großen Philosophen": Gemeint ist die Aussage Platons, dass alle Dichter von Homer an nur Schattenbilder der Tugenden nachbildeten und die Wahrheit gar nicht berührten (vgl. Platon, rep. 10, 374).
  • "Um die Gesundheit Frobens": Es ist unklar, ob Hieronymus Froben d.Ä. oder Johann Erasmius Froben gemeint ist.