Camerarius, Παραινέσεις siue admonitiones, 1583

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 0931
Zitation Παραινέσεις, siue admonitiones ad praecipuae familiae adolescentem, familiari genere orationis conscriptae a Ioach(imo) Camerario Pabenperg(ensi), bearbeitet von Marion Gindhart (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0931
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel Παραινέσεις, siue admonitiones ad praecipuae familiae adolescentem, familiari genere orationis conscriptae a Ioach(imo) Camerario Pabenperg(ensi)
Kurzbeschreibung Mit zahlreichen Gnomen, antiken Zitaten und exempla durchzogene Paränese für einen ungenannten jungen Mann, der sich vor seiner ersten peregrinatio academica befindet.
Erstnachweis 1583
Bemerkungen zum Erstnachweis Der Widmungsbrief des Druckes, der die "Παραινέσεις" enthält, datiert vom 01. Juli 1583
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1583/07/01
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1583/12/31
Schlagworte / Register Rede; Paränese; Ethik; Pädagogik; Gnomik
Paratext zu
Paratext? nein
Paratext zu
Überliefert in
Druck Camerarius, Opuscula moralia, 1583
Erstdruck in
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MG
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 4.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0931
Zitation Παραινέσεις, siue admonitiones ad praecipuae familiae adolescentem, familiari genere orationis conscriptae a Ioach(imo) Camerario Pabenperg(ensi), bearbeitet von Marion Gindhart (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0931
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Latein
Werktitel Παραινέσεις, siue admonitiones ad praecipuae familiae adolescentem, familiari genere orationis conscriptae a Ioach(imo) Camerario Pabenperg(ensi)
Kurzbeschreibung Mit zahlreichen Gnomen, antiken Zitaten und exempla durchzogene Paränese für einen ungenannten jungen Mann, der sich vor seiner ersten peregrinatio academica befindet.
Erstnachweis 1583
Bemerkungen zum Erstnachweis Der Widmungsbrief des Druckes, der die "Παραινέσεις" enthält, datiert vom 01. Juli 1583
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1583/07/01
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1583/12/31
Schlagworte / Register Rede; Paränese; Ethik; Pädagogik; Gnomik
Paratext zu
Paratext? nein
Überliefert in
Druck Camerarius, Opuscula moralia, 1583
Carmen
Gedicht? nein
Bearbeitungsdatum 4.02.2020


Aufbau und Inhalt

Camerarius apostrophiert einen jungen Mann, dessen Freunde zu einem Aufenthalt im Ausland raten, da dies das Beste und Nützlichste für ihn wäre. Ob dies so ist, liege bei Gott. Dessen Schutz sei der Adressat anempfohlen, den er zu einem frommen Leben ermahnt: Alles müsse auf das ewige Leben ausgerichtet sein, das Christus für die Gläubigen erworben habe. Jeder müsse seinen Platz im Gemeinwesen einnehmen und erfüllen, nach Tugend und Ruhm streben und seine Unbescholtenheit bewahren. Sündhaftes Verhalten erzeuge den Zorn Gottes. Nur die Wahrung der Wahrheit und die rechte Gottesverehrung sicherten das ewige Leben. Jeder Christ müsse täglich gegen die Laster und für die Tugend kämpfen und sich bessern. Er ermahne ihn also, das Evangelium Jesu Christi zu hören und zu verinnerlichen und sich an den Dekalog zu halten. Dies sei gerade in diesen Zeiten von höchster Wichtigkeit (Zeitklage).
Manche könnten durch disputationes doctrinae (184) gebessert und zu einem anständigen Leben geführt werden, viele nicht. Diese müssten durch Strafen bzw. der Angst davor dazu gezwungen werden. Da der Mensch zur Schwäche neige, müsse er sich durch dauernde Gebete stärken und Gottes Hilfe für gute Taten erbeten. Denn er habe von Gott nicht nur das Leben, sondern auch – im Unterschied zu den Tieren – Verstand und Intellekt erhalten. Diese zu pflegen und die natura animae zu zieren (187) sei die Pflicht jedes Menschen (mit Rekurs auf Platon). Man müsse stets dem Besseren folgen und versuchen, aus dem Schlechteren das Beste zu machen. Doch nütze die gute Lehre nicht, wenn sie nicht aufgenommen werde. Nach Aristoteles gehören drei Dinge zur Entwicklung der Tugend: natura seu ingenium, consuetudo, & doctrina (189). Durch die Lehre könnten auch Menschen, die nicht von Natur aus oder aus Gewohnheit zum Guten neigten, dazu erzogen werden. Voraussetzung sei aber die Bereitschaft dazu.
Erziehen könne man auch, indem man als Abschreckung die Abscheulichkeit direkt vor Augen stelle. So wurde etwa in Sparta die Jugend mit betrunkenen Sklaven konfrontiert. Vor allem in der Trunkenheit trete alles Hässliche zutage (mit plastischer Schilderung und Warnung). Ein Laster sei auch die luxuria in all ihren Facetten, die schlimme Folgen nach sich ziehe. Deswegen dürfe man der dementia vulgi (194) nicht folgen, solle sich mäßigen und nur das Gute und Notwendige begehren. Auch hier gebe es jedoch viele, bei denen die Anweisungen zur Tugend auf taube Ohren stießen und die ihren Begierden weiter folgten. Wer Tag und Nacht von Verlangen getrieben werde, solle sich klar werden, dass dies ein Zeichen mangelnder Vernunft sei und zu Gott beten, um dessen Zorn zu besänftigen und um Gnade und Hilfe zu erbitten. Er solle das Gespräch mit ehrbaren Menschen suchen (oder gute Schriften lesen) und den Umgang mit schlechten Menschen (und Büchern) meiden.
Zu warnen sei auch vor den vielfältigen Formen der Zügellosigkeit (petulantia, 197), die etwa bei der Kleidung und insbesondere bei Spiele(r)n zutage trete. Wolle ein Gemeinwesen stabil bleiben und florieren, so müssten Spiel und Alkoholkonsum eingedämmt werden. Man solle darauf achten, bei aller Art von Zusammenkünften Streit und Eskalationen zu vermeiden. Man solle niemanden mit Wort und Schrift verfolgen, zumal wenn es um eine Sache gehe, die der Taten bedürfe. Manchmal müsse man auch Unrecht um des Friedens willen ertragen und dadurch Streit vermeiden. Im Zorn könne nichts Kluges geschehen, deswegen müsse man ihn zügeln und überlegt agieren. Schlimm sei auch die Libertinage im (Ver-)Fluchen und die Angeberei mit erkauften Abzeichen. Man solle sich nicht über das Mittelmaß erheben – je höher man stehe, desto tiefer der Fall. Man müsse sich selbst und seine Mitmenschen erkennen, Fehler und schlechten Umgang und Hochmut meiden, um zur Tugend zu gelangen. Die Reinheit der Seele sei mit der Reinheit des Körpers zu verbinden.
Soweit seine Ratschläge, die der Adressat durch die eigene Praxis und Reflexion noch vermehren solle. Er habe nicht über Unbedeutendes gesprochen, auch wenn es um nugae wie Spiele und Abzeichen ging, da die Folgen für die virtus gravierend seien, die guten Anlagen depraviert würden, daraus viele Übel folgten und die Gemeinschaft destabilisierten. Xenophon berichtet, dass die Perser von Kindheit an das verinnerlicht hätten, was ihnen als verbindliches Gut vorgeschrieben worden sei, um spätere Verfehlungen zu vermeiden. Es gebe nichts Schädlicheres, als wenn Kinder ihren cupiditates & appetitus (210) folgen dürfen, über die doch die ratio die Herrschaft besitzen sollte. So hätten die Vorfahren zur Affektkontrolle etwa den Kindern einen Apfel angeboten und ihn entzogen, wenn sie danach griffen, denn Tugend bestehe im Verzicht. Es folgen Verhaltensregeln für Kinder. Man dürfe nicht tun, was man wolle, sondern tun wollen, was die ratio officii erfordere (211, mit Anweisungen 211f.). Sich selbst zu besiegen, sei schwer – aber je schwieriger, desto ruhmvoller. Die licentia fange klein an, weite sich dann aber enorm aus, so dass nur noch nach Belieben gehandelt werde. Dagegen brauche man dann die Ratschläge, die Camerarius dem Adressaten als Leitfaden gebe. Er solle ich daran erinnern und sie nutzen.