Camerarius, Περὶ Ἰόλλα, 1543

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 0429
Zitation Περὶ Ἰόλλα, ᾠδή βωκολοκή αὐτοσχεδιαθεῖσα ὑπò τινος τῶν ποιμενικῶν ὑπουργῶν., bearbeitet von Jochen Schultheiß (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0429
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Griechisch
Werktitel Περὶ Ἰόλλα, ᾠδή βωκολοκή αὐτοσχεδιαθεῖσα ὑπò τινος τῶν ποιμενικῶν ὑπουργῶν.
Kurzbeschreibung Ekloge auf Iolla, der mit Kaiser Karl V. zu identifizieren ist. In ihr kommt eine kämpferische Haltung des mit Camerarius zu identifizierenden Sprechers in inter- und innerkonfessionellen Konflikten zum Ausdruck. Er warnt vor falschen "Hirten" und ruft die politischen und religiösen Entscheidungsträger zur Einheit auf.
Erstnachweis 1543
Bemerkungen zum Erstnachweis Datum des Erstdruckes
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn)
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende)
Schlagworte / Register Polemik (konfessionell); Bukolik; Wormser Religionsgespräch (1541); Regensburger Religionsgespräch (1541); Hagenauer Religionsgespräch (1540); Innerprotestantische Krise; Herrscherbild
Paratext zu
Paratext? nein
Paratext zu
Überliefert in
Druck Stigel, Iolas, 1543; Oporinus, Bucolicorum autores, 1546
Erstdruck in
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck
Carmen
Gedicht? ja
geehrte Person Karl V.
Incipit Οὐκ ἕτυμ' ἀκροάσασθ' ὧ ποιμένες. ἧν τ' ἄρ' ἐκείνη
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 4.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0429
Zitation Περὶ Ἰόλλα, ᾠδή βωκολοκή αὐτοσχεδιαθεῖσα ὑπò τινος τῶν ποιμενικῶν ὑπουργῶν., bearbeitet von Jochen Schultheiß (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0429
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Griechisch
Werktitel Περὶ Ἰόλλα, ᾠδή βωκολοκή αὐτοσχεδιαθεῖσα ὑπò τινος τῶν ποιμενικῶν ὑπουργῶν.
Kurzbeschreibung Ekloge auf Iolla, der mit Kaiser Karl V. zu identifizieren ist. In ihr kommt eine kämpferische Haltung des mit Camerarius zu identifizierenden Sprechers in inter- und innerkonfessionellen Konflikten zum Ausdruck. Er warnt vor falschen "Hirten" und ruft die politischen und religiösen Entscheidungsträger zur Einheit auf.
Erstnachweis 1543
Bemerkungen zum Erstnachweis Datum des Erstdruckes


Schlagworte / Register Polemik (konfessionell); Bukolik; Wormser Religionsgespräch (1541); Regensburger Religionsgespräch (1541); Hagenauer Religionsgespräch (1540); Innerprotestantische Krise; Herrscherbild
Paratext zu
Paratext? nein
Überliefert in
Druck Stigel, Iolas, 1543; Oporinus, Bucolicorum autores, 1546
Carmen
Gedicht? ja
geehrte Person Karl V.
Incipit Οὐκ ἕτυμ' ἀκροάσασθ' ὧ ποιμένες. ἧν τ' ἄρ' ἐκείνη
Bearbeitungsdatum 4.02.2020


Widmung und Entstehungskontext

In dem vorausgehenden "Iolas" Johann Stigels, zu dem das Camerarius-Gedicht beigefügt ist, erscheint Camerarius als der Hirte von der Pegnitz, der entgegen anderslautenden Gerüchten berichtet, dass Karl V. noch am Leben und an der Macht sei (Anm. 1).

Aufbau und Inhalt

Der Titel des Werkes gibt als Autor eine Person an, die als "einer der Helfer der Hirten" bezeichnet wird.

Der Sprecher beginnt mit dem Hinweis, dass die Nachricht von Iollas Tod falsch sei (vv. 1-6). Mit Iolla wird auf Karl V. verwiesen. Darauf folgt der Wunsch, Iolla möge lange leben. Dieser unterliegt jedoch der Gefahr, von falschen "Hirten" getäuscht zu werden.
Es folgt ein Appell an die Hirten des "von Maria geborenen Hirten" (Jesus Christus) und an die Hirten des Völkerhirten (Karl V.) zur Einheit und zum Beistand für den Kaiser (vv. 7-14). Die Hirten in den verschiedenen Gegenden Deutschlands sollen den Täuschungen der unfrommen Hirten Einhalt gebieten und Iolla beistehen. Bei diesem Aufruf an die Hirten, sich vor Betrug in Acht zu nehmen, bezieht sich Camerarius wohl auf die Polemik bei verschiedenen Religionsgesprächen. Die Flussnamen verweisen auf die wesentlichen Orte, an denen diese stattgefunden haben: der Rhein (Ρῆνος) auf Hagenau und Worms, die Donau (Δανύβιος) auf Regensburg als Orte der Religionsgespräche. Ebenso verweisen sie auf die Zentren der reformatorischen Bewegung: die Elbe (Ἀλβίς) auf Wittenberg, der Rhein auf Straßburg und der Neckar (Νικρός) auf Tübingen (vgl. Mundt 2004, S. 300). Der Sprecher warnt davor, sich den Verführungen falscher Mitarbeiter des Hirten anzuschließen (vv. 26-34). Wenn der Dichter die Hirten dazu auffordert, das menschliche Wort nicht über das göttliche zu stellen, deutet er damit auch auf die Auseinandersetzung mit den Altgläubigen hin. Er warnt auch vor Hirten, die sich besser als die früheren fühlten (vv. 21-29; Anm. 2). Der "verderbliche Haufen, der vom Tiber kommt" (v. 32) weist deutlich auf Rom und somit auf den Papst hin. Das Gedicht endet mit einer Ermahnung an Iolla, nichts Böses zu tun und stets die Gottesfurcht zu bewahren, sowie mit dem Wunsch, Iolla möge seine Feinde besiegen (vv. 35-42). Der abschließende Wunsch nach Iollas Sieghaftigkeit über seine Feinde schließt an andere Gedichte des Camerarius aus dieser Zeit an (Anm. 3).
Wenn sich der Dichter im Titel des Gedichts als "Helfer der Hirten" bezeichnet, so kann dies als ein Verweis auf Camerarius‘ Funktion als Begleiter Melanchthons bei konfessionspolitischen Ereignissen gedeutet werden (Anm. 4).
Markantes sprachliches Charakteristikum ist der Name Ἰόλλα als indeklinables Nomen, wodurch seine Erhabenheit über (morphologische) Regeln zum Ausdruck kommt (vgl. Mundt 2004, S. 301). Die Darstellung Christi als eines Hirten (v.a. vv. 14-21) ist deutlich von der Bibel geprägt.

Anmerkungen

Überlieferung

Die Ekloge ist nicht in die Gesamtausgabe der Camerarius-Eklogen von 1568 aufgenommen. Mundt 2004, S. 302, schlägt als mögliche Erklärung hierfür die Distanzierung des Camerarius von Karl V. nach dem Schmalkaldischen Krieg vor. Man könnte nun dagegen einwenden, dass Camerarius hier jedoch die beiden Karls-Panegyriken durchaus abdruckt. Dennoch ist Mundts Vermutung plausibel. Zumindest in Hinblick auf die an den Kaiser gerichteten Hoffnungen, dass er über den konfessionellen Konflikten stehen und einigend wirken könnte, hatte Camerarius berechtigten Grund zur Enttäuschung. Eine positive Haltung gegenüber Karl als Reichsoberhaupt und Heerführer gegen die Türken konnte davon jedoch unbeschadet bleiben.

Forschungsliteratur

  • Mundt 2004, S. 196-199 (Text und Übersetzung), S. 299-302 (Kommentar).