Camerarius, De Theriacis antidotis, 1533

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
Wechseln zu: Navigation, Suche


Opus Camerarii
Werksigle OC 0126
Zitation De Theriacis antidotis ad Iohannem Magenbuchium Medicum Noricum amicum suum Ioachimi Camerarii Commentariolus, bearbeitet von Manuel Huth (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0126
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel De Theriacis antidotis ad Iohannem Magenbuchium Medicum Noricum amicum suum Ioachimi Camerarii Commentariolus
Kurzbeschreibung In der Johannes Magenbuch gewidmeten Schrift erläutert Camerarius, dass die oft erfolglosen Therapieversuche zeitgenössischer Ärzte auf mangelnde Erfahrung (experientia) im Umgang mit Medikamenten zurückzuführen seien. Die Schrift sei vor dem Hintergrund der in Nürnberg herrschenden Pest verfasst worden. Sie fasst antikes Wissen (vor allem Galens) zu den Gegengiften Theriak und Mithridateion zusammen. Den Abschluss bildet eine Auflistung der Zutaten von Theriak.
Erstnachweis 1533
Bemerkungen zum Erstnachweis
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1533/07/14
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1533/09/13
Schlagworte / Register Theriak; Werkgenese; Analogie
Anlass Pest (Nürnberg)
Paratext zu
Paratext? ja
Paratext zu Camerarius, Antidotus Antiochi, 1533; Camerarius, Medicamentum Theriacae, 1533; Camerarius, Philonis Antidotus, 1533; Camerarius, Theriaca Antidotus, 1533; Camerarius, Δαμοκράτους θηριακή ἀντίδοτος, 1533; Camerarius, (Δαμοκράτους) τὸ διὰ βοτάνης πάγχρηστον, 1533; Camerarius, Θηριακή, 1533; Camerarius, Ἐκ τῶν Εὐδήμου Ἀντιόχειος ἀντίδοτος, 1533; Camerarius, Ἀνδρομάχου θηριακή, 1533; Camerarius, Ἀντίδοτος προγνωστικὴ Δαμοκράτους, 1533; Camerarius, Ἡ τοῦ Χάρμιδος πολυτελής (Inc.), 1533
Überliefert in
Druck Camerarius, De Theriacis, 1533
Erstdruck in Camerarius, De Theriacis, 1533
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. a2r-b6r
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 4.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0126
Zitation De Theriacis antidotis ad Iohannem Magenbuchium Medicum Noricum amicum suum Ioachimi Camerarii Commentariolus, bearbeitet von Manuel Huth (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0126
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Latein
Werktitel De Theriacis antidotis ad Iohannem Magenbuchium Medicum Noricum amicum suum Ioachimi Camerarii Commentariolus
Kurzbeschreibung In der Johannes Magenbuch gewidmeten Schrift erläutert Camerarius, dass die oft erfolglosen Therapieversuche zeitgenössischer Ärzte auf mangelnde Erfahrung (experientia) im Umgang mit Medikamenten zurückzuführen seien. Die Schrift sei vor dem Hintergrund der in Nürnberg herrschenden Pest verfasst worden. Sie fasst antikes Wissen (vor allem Galens) zu den Gegengiften Theriak und Mithridateion zusammen. Den Abschluss bildet eine Auflistung der Zutaten von Theriak.
Erstnachweis 1533
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1533/07/14
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1533/09/13
Schlagworte / Register Theriak; Werkgenese; Analogie
Anlass Pest (Nürnberg)
Paratext zu
Paratext? ja
Paratext zu Camerarius, Antidotus Antiochi, 1533; Camerarius, Medicamentum Theriacae, 1533; Camerarius, Philonis Antidotus, 1533; Camerarius, Theriaca Antidotus, 1533; Camerarius, Δαμοκράτους θηριακή ἀντίδοτος, 1533; Camerarius, (Δαμοκράτους) τὸ διὰ βοτάνης πάγχρηστον, 1533; Camerarius, Θηριακή, 1533; Camerarius, Ἐκ τῶν Εὐδήμου Ἀντιόχειος ἀντίδοτος, 1533; Camerarius, Ἀνδρομάχου θηριακή, 1533; Camerarius, Ἀντίδοτος προγνωστικὴ Δαμοκράτους, 1533; Camerarius, Ἡ τοῦ Χάρμιδος πολυτελής (Inc.), 1533
Überliefert in
Druck Camerarius, De Theriacis, 1533
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Bearbeitungsdatum 4.02.2020


Widmung und Entstehungskontext

Die dem Arzt Johannes Magenbuch gewidmete Schrift ist lt. Camerarius während einer in Nürnberg grassierenden Pestepidemie (Juli 1533-Februar 1534) verfasst worden, während der Camerarius aufs Land (nach Gut Eschenau) geflohen war. Die Widmung legt nahe, die Schrift als Dank für medizinische Hilfe zu sehen (Magenbuchi, quem, ut semper cognovi, promptissima erga me meosque voluntate, et opera fuisse, ita confido libenter, admissurum hanc significationem gratitudinis et memoriae nostrae; vgl. Stannard/Dilg 1978, S. 181).

Aufbau und Inhalt

Das Werk zerfällt in drei Teile:

  • Reflexionen über die zeitgenössische Medizin (Bl. a2r-a5r).
  • Widmung an Magenbuch (Bl. a5v-a6r).
  • Sammlung von „Lesefrüchten“ über Theriak (Bl. a6r-b6r).
Reflexionen über die zeitgenössische Medizin (Bl. a2r-a5r)

Camerarius eröffnet den Commentariolus mit der Frage, warum in seiner Gegenwart nur so wenig Ärzte erfolgreich bei ihren Behandlungsversuchen seien, obwohl sie doch über großes naturkundliches Wissen (scientia) verfügten. Dies liege an ihrer mangelnder Erfahrung (experientia) im Umgang mit Medikamenten. Camerarius kritisiert an der zeitgenössischen Medizin, dass sie zu stark buchwissenschaftlich auf das Studium und die Adaption antiker Medikamente ausgerichtet sei, und die Ärzte ihre Aufgaben nicht wahrnähmen, wozu die Qualitätskontrolle vor allem ausländischer Medikamente gehöre, die sie in der Regel den Apothekern überließen. Die meisten Ärzte besäßen ja kaum Medikamente oder unternähmen den Versuch, die Inhaltsstoffe kennenzulernen.

Camerarius geht nun genauer auf die Faktoren ein, die die Imitation antiker Medikamente beeinträchtigen: Die Medikamente der Apotheker seien oft verdorben, gepanscht oder verschnitten. Viele antike Öle, Flüssigkeiten und Salben seien heute völlig unbekannt. Gleichwohl gebe es erstaunliche neue Verfahrensweisen (wie die Destillation von Blütenextrakten), die hingegen den Griechen unbekannt waren.

Anhand antiker Ärzte und insbesondere Galen zeigt Camerarius im Folgenden auf, dass diese Autoritäten nicht nur über naturkundliches Wissen (scientia) verfügten, sondern selbst Arbeit und Mühe in den Bereich der Arzneikunde investiert sowie den heutigen Apothekern nicht alles tradiert hätten. Er betont erneut die Bedeutung der experientia sowie der Praxis (usus), der Autopsie und der Sorgfalt (cura).

Camerarius bewundert die Begabung und die Weisheit (sapientia) der antiken Ärzte, die so verschiedene (d.h. ihrer Qualität nach unterschiedliche) Inhaltsstoffe in das Corpus eines Medikaments verbinden konnten. Diese Herstellung von Kompositdrogen vergleicht er mit der Schöpfung des Menschen durch den als Demiurgen beschriebenen Gott. Die Alten hätten dies mit Hilfe der Geometrie und die Arithmetik, die genauesten Künste in jeder Disziplin, zu beschreiben und lehren versucht. Camerarius betont dabei die Rolle der ἀναλογία, denn wo sie herrsche, könne es keine Fehler geben. Sie besitze eine universelle Kraft bei der Herstellung von Medikamenten, denn sie ermögliche die richtige Temperierung der Qualitäten. Wenn er dies bedenke, sei es umso tadelnswerter, wenn jemand die Herstellung übereilt betreibe.

Die Erfinder jener Kompositdrogen verdienten größte Bewunderung und es sei kein Wunder, dass man sie nicht mehr für Menschen, sondern Götter oder deren Kinder oder Schüler hielt.

Widmung an Magenbuch (Bl. a5v-a6r)

Vorbemerkung: Die Widmung ist komplementär zur Dedikationsepistel von Camerarius an Schütz, 13.09.1533 verfasst, die den Libellus ad Pamphilianum einleitet. Hier präsentiert sich Camerarius eher als Naturkundler, während er sich dort eher als Literat stilisiert.

Wie oft habe der naturkundlich gelehrte Camerarius im Bekanntenkreis über medizinische Themen gesprochen? Zum Beispiel habe er die Gegengifte Theriak und Mithridat vorgestellt, denen die Alten größte Wirkung zugeschrieben hatten und deren Zusammenstellung wirklich bewundernswert sei. Einige hätten ihn dann gebeten, irgendwann einmal auf Latein auszuführen, was er darüber bei den griechischen Schriftstellern gefunden habe. Er habe also nicht nur irgendeinen einzelnen Autoren übersetzt, sondern sei nach seinem Dafürhalten die Schriften und Erfindungen der Griechen durchgegangen. Zu dieser Vorgehensweise hätten ihn nicht nur die aktuellen gegenwärtigen Umstände ermutigt (sc. die Pest), hatte er sich doch mit seiner Familie auf das der Stadt benachbarte Land (sc. Gut Eschenau) geflüchtet, während die Bürger von der Furcht vor der Pest erschüttert waren und mein Dienstverhältnis gleichsam aufgehoben war, da alle sich auf hastiger Flucht befanden.

Auf dem Land habe ihm genug Zeit zur Verfügung gestanden und so habe er, vom Wunsch seiner Freunde ermutigt, dieses Werk in Angriff genommen. Dabei sei er gleichsam durch die Schriften Galens gestreift und habe einiges zu den Theriak-Gegengiften festgehalten. (Diesem eigentlichen Commentariolus) habe er einige griechische Rezepte dieser Gegengifte hinzugefügt - teilweise mit lateinischer Übersetzung (s. Anm.). Er hoffe dadurch den jungen Studenten kein unnützes Werk zu erweisen, wenn er ihnen jene wunderschönen Zeugnisse der Alten vor Augen führte. Denn dass sie für den Gebrauch in der Gegenwerk ausgearbeitet würden, das wage er zwar kaum zu hoffen, wiewohl er es wünsche.

Er widme diese Arbeit Magenbuch, denn dieser habe sich ihm und seiner Familie gegenüber immer äußerst hilfsbereit gezeigt. Er vertraue darauf, dass Magenbuch dieses Zeichen seiner Dankbarkeit und Erinnerung zulasse. Er habe es aber hauptsächlich deswegen Magenbuch geschickt, damit er sehen könne, dass Camerarius auch den Beruf des Mediziners schätze und damit ein erfahrener Arzt ein Urteil über dieses Werk fälle.

Sammlung von „Lesefrüchten“ über Theriak (Bl. a6r-b6r)

Der letzte Abschnitt enthält kaum eigene theoretische Erläuterungen zu naturkundlichen Themen. Er stellt vielmehr eine von vielen Anekdoten und Exkursen durchzogene Zusammenfassung verschiedener Schriften Galens dar. Camerarius schreibt dort über Gegengifte, die Pest, sowie Unterschied, Erfindung und Eigenschaften der Gegengifte Theriak und Mithridateion. Größeren Raum nehmen noch Erläuterungen zu der Zutat "Vipernfleisch" ein. Eine (Rezept-)Beschreibung des Theriak, die unter dem Namen des Andromachos überliefert sei, habe er, wie er schreibt, nach Kräften emendiert und ins Lateinische übersetzt. In den letzten Zeilen listet Camerarius noch kurz die Zutaten des Theriak auf.

Anmerkungen

Forschungsliteratur