Camerarius, De cometis (Werk), 1558

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 0641
Zitation De cometis disputatio et narratio historiarum memorabilium Ioachimi Camerarii Pabeperg(ensis), bearbeitet von Marion Gindhart (03.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0641
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel De cometis disputatio et narratio historiarum memorabilium Ioachimi Camerarii Pabeperg(ensis)
Kurzbeschreibung Die Christoph von Karlowitz zugeeignete Kometenschrift besteht aus zwei Teilen: Die "Disputatio de cometis" enthält kurze Ausführungen zum Anlass der Schrift und zu den von Camerarius 'erlebten' Kometen seit den 1530er Jahren und entfaltet ein Spektrum pluralen Kometenwissens. Die umfangreicheren "Exempla historiarum" bringen historische Ereignisse mit Kometenerscheinungen in Verbindung und sollen dem Leser zeigen, wie er aus dem Lauf der Geschichte und dem wechselhaften Schicksal lernen kann.
Erstnachweis 1558
Bemerkungen zum Erstnachweis Das Titelblatt des Druckes datiert auf den 01. September 1558.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1558/09/01
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende)
Schlagworte / Register Komet 1556 (C/1556 D1); Komet 1558 (C/1558 P1); Komet 1531 (1P/Halley); Werkgenese; Kometen; Astrologie; Astronomie; Meteorologie; Divination und Prodigien; Schweifrichtungsgesetz
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Überliefert in
Druck Camerarius, De cometis (Druck), 1558; Camerarius, De cometis (Druck), 1559; Camerarius, Von den Cometen (Druck), 1561 (dt. Teilübersetzung von Blasius Fabricius); Camerarius, De cometis (Druck), 1578; Camerarius, De cometis (Druck), 1582; Camerarius, De cometis (Druck), 1661; Camerarius, De cometis (Druck), 1661a
Erstdruck in Camerarius, De cometis (Druck), 1558
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. (1)-92
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen Der Werktitel folgt der Werküberschrift (A2r), nicht dem Titel.
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MG
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 3.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0641
Zitation De cometis disputatio et narratio historiarum memorabilium Ioachimi Camerarii Pabeperg(ensis), bearbeitet von Marion Gindhart (03.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0641
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Latein
Werktitel De cometis disputatio et narratio historiarum memorabilium Ioachimi Camerarii Pabeperg(ensis)
Kurzbeschreibung Die Christoph von Karlowitz zugeeignete Kometenschrift besteht aus zwei Teilen: Die "Disputatio de cometis" enthält kurze Ausführungen zum Anlass der Schrift und zu den von Camerarius 'erlebten' Kometen seit den 1530er Jahren und entfaltet ein Spektrum pluralen Kometenwissens. Die umfangreicheren "Exempla historiarum" bringen historische Ereignisse mit Kometenerscheinungen in Verbindung und sollen dem Leser zeigen, wie er aus dem Lauf der Geschichte und dem wechselhaften Schicksal lernen kann.
Erstnachweis 1558
Bemerkungen zum Erstnachweis Das Titelblatt des Druckes datiert auf den 01. September 1558.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1558/09/01
Schlagworte / Register Komet 1556 (C/1556 D1); Komet 1558 (C/1558 P1); Komet 1531 (1P/Halley); Werkgenese; Kometen; Astrologie; Astronomie; Meteorologie; Divination und Prodigien; Schweifrichtungsgesetz
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Überliefert in
Druck Camerarius, De cometis (Druck), 1558; Camerarius, De cometis (Druck), 1559; Camerarius, Von den Cometen (Druck), 1561 (dt. Teilübersetzung von Blasius Fabricius); Camerarius, De cometis (Druck), 1578; Camerarius, De cometis (Druck), 1582; Camerarius, De cometis (Druck), 1661; Camerarius, De cometis (Druck), 1661a
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Bearbeitungsdatum 3.02.2020


Widmung und Entstehungskontext

Adressat des Werkes ist Camerarius' langjähriger Korrespondenzpartner Christoph von Karlowitz.
Camerarius erwähnt Gespräche, die beide über die Natur der Kometen und deren Klassifikation geführt hatten ((1)). Da, so Camerarius, ihr Austausch über den Kometen von 1556 (C/1556 D1) viel zu knapp ausgefallen war (beide hatten sich nur kurz gesehen und mussten auch anderen Verpflichtungen nachkommen, 2), wollte er eine ausführlichere, Karlowitz dedizierte Schrift verfassen und sich darin auch kritisch zu den Druckwerken positionieren, die anlässlich des erwähnte Kometen entstanden waren (ebd.). Dabei geriet er jedoch in Verzug und das Werk erschien nicht im Druck. Der aktuelle Komet (August 1558, C/1558 P1) habe ihn nun veranlasst, die Arbeit wieder zur Hand zu nehmen, sie schnellstmöglich zu überarbeiten bzw. zu ergänzen und zu veröffentlichen (ebd.). Als weiteres Movens diente ein Brief von Karlowitz ((1)).
Camerarius erwähnt in diesem Zusammenhang auch eine frühe Druckschrift, die er anlässlich eines vor 24 Jahren erschienenen Kometen verfasst hatte, mit der er aber - vorgeblich - stilistisch wie inhaltlich unzufrieden ist (3f.). Da Camerarius in Folge den Komet von 1531 (1P/Halley) nennt (Quae quidem flamma anno Christi M.D.XXXI, 5), dürfte er - trotz der unstimmigen Datierung - auf die "Norica" anspielen, die diese Erscheinung zum Ausgangspunkt nehmen.

Aufbau und Inhalt

Das Werk besteht aus zwei ineinander übergehenden, durch unterschiedliche Kopfzeilen separierten Teilen:

Teil 1 ("Disputatio de cometis", (1)-21) enthält kurze Ausführungen zum Anlass der Schrift und zu den von Camerarius 'erlebten' Kometen seit den 1530er Jahren bis zur aktuellen Erscheinung im Sommer 1558 (mit einigen Observationsdaten). Es folgen antike Termini und Klassifikationen, verschiedene Theorien zu Entstehung und Wesen der Kometen (Aristoteles vs. Pythagoreer, Stoiker, Albumasar), zu ihren Bedeutungen und Folgen (Synesios, Claudian). Dazu auch der Verweis auf die schöpferische göttliche Allmacht. Die Entscheidung über die Frage, ob Kometen sub- oder superlunare (also meteorologische oder kosmische) Erscheinungen sind, wird dem Leser überlassen (Verum de natura & origine Cometarum, id quisque licet, sentiat, quod ipsi probatur maxime, & veri esse similimum videtur, 13). Camerarius kommt zu folgender, allgemeiner Definition: esse hoc corpus quoddam fulgens, &, ut videtur, rotundum, & aliqua de caussa radiis hanc aut illam formam exprimens (14), allerdings räumt er ein, dass die Sonne Einfluss auf die Schweifbildung haben könnte, da die cauda sich sonnenabgewandt zeigt. Ohne es explizit zu kennzeichnen, rezipiert er hier die Schweiftheorie Peter Apians. Dass Kometen rein optische Phänomene sein könnten, verneint er.
Kometen zeigen seit jeher bevorstehende Unglücke an. Indem die Menschen sich dies vergegenwärtigen und sich an historischen exempla schulen, können sie sich auf die drohenden Unbilden einstellen. Gläubige Menschen sind gegen die Katastrophen nicht nur durch die schützende Hand Gottes gefeit, für sie wird letztendlich alles ein positives Ende nehmen (quicquid fiat, id piis & religiosis convertat in bonum, 19).

Der weitaus umfangreichere Teil 2 ("Exempla historiarum", 21-92) bringt historische Ereignisse mit Kometenerscheinungen und anderen Prodigien in Verbindung und soll dem Leser zeigen, wie er aus dem Lauf der Geschichte und dem wechselhaften Schicksal lernen kann. Die exempla setzen mit dem großen Kometen ein, der vor dem Untergang von Helike und Bura erschienen ist, und enden im 16. Jahrhundert. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt auf der römischen Antike. Hierbei werden etwa die Ereignisse der Bürgerkriege und die Schicksale während der Proskriptionen oder die Stadien des Jüdischen Krieges breit ausgeführt, ebenso werden die Greueltaten Neros oder der Vesuvausbruch mit Kometenerscheinungen in Verbindung gebracht. Die Schrift endet mit einer Zeitklage und einer kurzen Vorhersage, welche Folgen der aktuelle Komet zeitigen wird.

Überlieferung

Die Schrift erhält bereits im Folgejahr 1559 eine unveränderte Neuauflage und wird in den kommenden Jahrzehnten immer wieder nachgedruckt, stets in Zusammenhang mit Kometenerscheinungen, namentlich denen der Jahre 1577/78 (ND Leipzig 1578), 1582 (ND Leipzig 1582) und sogar noch 1661 (ND Braunschweig 1661 mit 2 Titelvarianten). Eine deutsche Teilübersetzung erfolgt durch Blasius Fabricius 1561. Diese setzt erst am Ende der "Disputatio" ein, blendet also die gelehrte Diskussion aus.

Forschungsliteratur

Zur Korrespondenz von Camerarius und Karlowitz bis 1553