Camerarius, De dissidio in religione, 1595 (1549)

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
Wechseln zu: Navigation, Suche


Opus Camerarii
Werksigle OC 0943
Zitation De dissidio in religione, et collatione veterum cum recentioribus, libellus, bearbeitet von Jochen Schultheiß (03.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0943
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel De dissidio in religione, et collatione veterum cum recentioribus, libellus
Kurzbeschreibung In dem Traktat über die Differenzen zwischen den aktuellen Missständen in der (katholischen) Kirche und altkirchlichen Positionen ist der Blick zuerst auf den geistlichen Stand gerichtet. Camerarius fordert eine Höherbewertung der Bildung derer, die die Bibel auslegen, denn nur wer über die notwendigen Sprachkenntnisse verfüge, könne auch die Heilige Schrift interpretieren. Zahlreiche andere Themen werden erörtert: Heiligenverehrung, keusche Lebensformen, Priester, Zölibat, Gottesdienste, Festtage, Fasten und andere religiöse Gebräuche. Eine vertiefte Betrachtung erhalten auch die Sakramente. Es folgen Bestattungsbräuche, die asketische Lebensform, Tugenden und Laster, menschliches Verdienst sowie die göttliche Gnade. Sehr häufig zitierter Gewährsmann für die Vorstellungen und Praktiken in der Alten Kirche ist Epiphanios von Salamis.
Erstnachweis 1595
Bemerkungen zum Erstnachweis Die Angabe des Erstnachweises gibt den Zeitpunkt des Erstdruckes an.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn)
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende)
Schlagworte / Register Theologie; Schmalkaldischer Krieg (1546-1547); Glaubensbekenntnis; Sakramentenlehre; Polemik (konfessionell); Heiligenverehrung; Idololatrie; Fasten; Diätetik; Ethik; Astrologie; Divination und Prodigien; Rechtfertigungslehre; Bildungsdiskurs
Paratext zu
Paratext? nein
Paratext zu
Überliefert in
Druck Camerarius, De dissidio in religione, 1595
Erstdruck in
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 3.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0943
Zitation De dissidio in religione, et collatione veterum cum recentioribus, libellus, bearbeitet von Jochen Schultheiß (03.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0943
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Latein
Werktitel De dissidio in religione, et collatione veterum cum recentioribus, libellus
Kurzbeschreibung In dem Traktat über die Differenzen zwischen den aktuellen Missständen in der (katholischen) Kirche und altkirchlichen Positionen ist der Blick zuerst auf den geistlichen Stand gerichtet. Camerarius fordert eine Höherbewertung der Bildung derer, die die Bibel auslegen, denn nur wer über die notwendigen Sprachkenntnisse verfüge, könne auch die Heilige Schrift interpretieren. Zahlreiche andere Themen werden erörtert: Heiligenverehrung, keusche Lebensformen, Priester, Zölibat, Gottesdienste, Festtage, Fasten und andere religiöse Gebräuche. Eine vertiefte Betrachtung erhalten auch die Sakramente. Es folgen Bestattungsbräuche, die asketische Lebensform, Tugenden und Laster, menschliches Verdienst sowie die göttliche Gnade. Sehr häufig zitierter Gewährsmann für die Vorstellungen und Praktiken in der Alten Kirche ist Epiphanios von Salamis.
Erstnachweis 1595
Bemerkungen zum Erstnachweis Die Angabe des Erstnachweises gibt den Zeitpunkt des Erstdruckes an.


Schlagworte / Register Theologie; Schmalkaldischer Krieg (1546-1547); Glaubensbekenntnis; Sakramentenlehre; Polemik (konfessionell); Heiligenverehrung; Idololatrie; Fasten; Diätetik; Ethik; Astrologie; Divination und Prodigien; Rechtfertigungslehre; Bildungsdiskurs
Paratext zu
Paratext? nein
Überliefert in
Druck Camerarius, De dissidio in religione, 1595
Carmen
Gedicht? nein
Bearbeitungsdatum 3.02.2020


Entstehungskontext

Nach Angabe im Titel ist das Werk 46 Jahre vor dem Druck (1595) geschrieben worden. Das Entstehungsjahr ist folglich mit 1549 anzusetzen. Der Autor ist nicht namentlich genannt, jedoch entspricht der Darstellungsstil durchaus dem des Camerarius, wodurch die gängige Zuordnung an ihn unterstützt wird.

Aufbau und Inhalt

Camerarius erinnert zunächst daran, dass er eine Schrift anlässlich anstehender Religionsgespräche verfasst und seinem Freund Valens (unbekannt) geschickt habe, der jedoch zu sehr in seine Geschäfte verstrickt gewesen sei (4). Danach sei die bereits angesetzte Unterredung jedoch verhindert worden, und es sei zum Krieg gekommen (Anm. 1). Trotz der schwierigen Umstände habe der Autor das vor vielen Jahren begonnene Werk nun aber fertigstellen und das, was noch fehlte, hinzufügen wollen (6/7). Dies möchte er nun mit dem Adressaten Galatinus (unbekannt) teilen. Camerarius betont die Notwendigkeit der Wahrheitssuche und der Richtigkeit der Lehre bei religiösen Belangen (ante omnia veritas exquirenda & doctrinae sinceritas retinenda). Diese Bemühung um die Wahrheit könne ihren Ausgang ausschließlich vom Wort Gottes nehmen, da nur darin die Natur und der Wille Gottes für die Menschen erkennbar werden, sofern diese mit frommer Zuneigung hören und verstehen wollen (8). Die Gewohnheit (consuetudo) hingegen sei kein hinreichender Maßstab für die Wahrheit (Anm. 2). Zentrales Thema des Werkes sind die Interpreten der Bibel, die eine Bildung in den schönen Künsten erfahren haben müssen (9). Nur wer über die entsprechenden Sprachkenntnisse verfüge, könne auch die Heilige Schrift auslegen. Aus diesem Grund fordert Camerarius eine Höherachtung der Bildung (11).
Große Hoffnungen setzt Camerarius auf Kaiser Karl, dem von göttlicher Seite außergewöhnliche Begünstigungen übertragen worden seien. Diese möge er nicht nach dem Belieben derer verwenden, die kirchliche Macht missbrauchten, sondern im Sinne der Gläubigen und zum Aufbau der Kirche. Camerarius wünscht eine Besserung in allen Ständen, aber von besonderer Bedeutung sei der geistliche Stand (11-12). Dieser müsse wieder zu einer unverdorbenen Verfassung zurückgeführt werden. Im Blickpunkt steht hierbei auch das Glaubensbekenntnis, das zum Gegenstand der Uneinigkeit geworden sei (13-15). Wichtiger Referenztext für Camerarius bildet über den gesamten Traktat hinweg die Schrift "Gegen die Häretiker" ("Panarion") des Epiphanios von Salamis. Als ein weiterer Punkt des Dissenses werden die Sakramente behandelt (15-21). Als nächstes Thema folgen keusche Lebensformen (21-26). Als Beleg für deren Verfall verweist Camerarius auch auf die Erzählungen des Boccaccio (23). Der Fokus liegt im Folgenden auf den Priestern und kirchlichen Würdenträgern (26-32). Eine weitere Problematik stellt die Heiligenverehrung / Idololatrie dar (32-33). Ebenso setzt sich Camerarius mit dem Zölibat auseinander, den er mit ausführlicher Argumentation ablehnt: Entscheidend sei nicht äußerer Zwang, sondern innere Keuschheit (35-41). Die von Epiphanius dargestellte Praxis hinsichtlich des Zölibats und der Keuschheit heißt Camerarius gut (41-45). Als nächstes wird die kirchliche Hierarchie und verschiedene kirchliche Ämter behandelt (45-55). Auch die Gottesdienste, Feststage, das Fasten und andere religiöse Gebräuche wie Vigilien werden thematisiert (55-73). Von besonderem Interesse ist hierbei die apostolische Tradition. Vertiefte Betrachtung erfahren ferner die Sakramente (73-81). Hierbei werden auch weitere christliche Autoren aus der Spätantike herangezogen (z.B. Dionysius Areopagita, Isidor von Sevilla). Neben Epiphanius bildet Basilius der Große durchgehend einen wichtigen Bezugspunkt für Camerarius. Weitere behandelte Themen sind die Einfachheit der in der Kirche zu verwendenden Sprache (81-82), Bestattungsbräuche (83-88), Diätetik, Askese und die monastische Lebensform (89-93, 95), Tugenden und Laster (93-96), menschliches Verdienst und göttliche Gnade (96-97). In knapper Abfolge werden verschiedene Themen wie die Astronomie/Astrologie und verschiedene Formen des Aberglaubens behandelt (99-100). Der Traktat endet in einer Schlussbetrachtung, in der Camerarius zusammenfassend den scharfen Gegensatz betont, in dem die Aussagen der Autoren aus der christlichen Antike und der beklagenswerte Zustand der gegenwärtigen Kirche zueinander stehen (100-103). Das Werk endet mit einem Zitat aus Epiphanius, in dem die die Kirche in ihrer idealen Gestalt beschrieben wird.

Anmerkungen

  • Anm. 1: Die Zusammenhänge, die Camerarius beschreibt, sind nicht eindeutig zu identifizieren. Weder wird ersichtlich, wer der genannte "Valens" sein könnte, noch welches Religionsgespräch bzw. Konzil gemeint ist. Mit dem beschriebenen Krieg ist vermutlich der Schmalkaldische Krieg (1546/47) gemeint.
  • Anm. 2: Hiermit ist der reformatorische Grundsatz sola scriptura benannt.