Camerarius, De figurarum sermonis notatione in quatuor evangeliorum libris praefatio, 1572

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 0876
Zitation De figurarum sermonis notatione: in quatuor evangeliorum libris, et operae istius ratione, ad illustriss(imum) principem ac dominum, d(omi)n(um) Ioachim(um) Fridericum (...) autoris praefatio, bearbeitet von Jochen Schultheiß (03.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0876
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel De figurarum sermonis notatione: in quatuor evangeliorum libris, et operae istius ratione, ad illustriss(imum) principem ac dominum, d(omi)n(um) Ioachim(um) Fridericum (...) autoris praefatio
Kurzbeschreibung Camerarius rückt seine exegetischen Kommentar in den Kontext einer methodisch betriebenen Theologie. Er versteht seine Herangehensweise als eine mögliche bei einem Pluralismus der Methoden. Er lobt antike Versuche und setzt sich von mittelalterlichen ab. Dann sei es jedoch ausgehend von einem wiederbelebten Interesse an den alten Sprachen, insbesondere des Griechischen und des Lateinischen, zu einer Wiedergeburt der Wissenschaften gekommen. Diese habe auch in der Theologie Korrekturen und neue Erkenntnisse mit sich gebracht. Auch dem Hebräischen werde nun wieder Aufmerksamkeit geschenkt. Im Gefolge von Lorenzo Valla und Erasmus von Rotterdam seien zahlreiche bibelexegetische Werke entstanden. Camerarius möchte sich jedoch eines Vergleichs enthalten. Er legt seine bibelhermeneutischen Grundgedanken um das Wirken des Sohnes Gottes und des Heiligen Geistes dar. Wichtige Grundlagen hätten Notizen gebildet, die Camerarius bei der Lektüre lateinischer und griechischer Autoren zusammengetragen habe. Es folgen weitere Hinweise zur Werkgenese. Er betont die Unerlässlichkeit einer Beschäftigung mit der Grammatik und der Semantik für den Zugang zur Wahrheit. Zielpublikum seinen nicht diejenigen, die in den Alten Sprachen bereits bestens bewandert seien. Von der Polemik gegen andere Autoren und konfessionellen Auseinandersetzungen wolle sich Camerarius fernhalten.
Erstnachweis 1572
Bemerkungen zum Erstnachweis Datierung nach dem Erstdruck
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn)
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende)
Schlagworte / Register Bibelexegese; Sprache; Prooemium; Patristik; Bibelhermeneutik; Bildungsdiskurs; Werkgenese
Paratext zu
Paratext? ja
Paratext zu Camerarius, Notatio figurarum sermonis in libris quatuor evangeliorum (Druck), 1572
Überliefert in
Druck Camerarius, Notatio figurarum sermonis in libris quatuor evangeliorum (Druck), 1572
Erstdruck in
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 3.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0876
Zitation De figurarum sermonis notatione: in quatuor evangeliorum libris, et operae istius ratione, ad illustriss(imum) principem ac dominum, d(omi)n(um) Ioachim(um) Fridericum (...) autoris praefatio, bearbeitet von Jochen Schultheiß (03.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0876
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Latein
Werktitel De figurarum sermonis notatione: in quatuor evangeliorum libris, et operae istius ratione, ad illustriss(imum) principem ac dominum, d(omi)n(um) Ioachim(um) Fridericum (...) autoris praefatio
Kurzbeschreibung Camerarius rückt seine exegetischen Kommentar in den Kontext einer methodisch betriebenen Theologie. Er versteht seine Herangehensweise als eine mögliche bei einem Pluralismus der Methoden. Er lobt antike Versuche und setzt sich von mittelalterlichen ab. Dann sei es jedoch ausgehend von einem wiederbelebten Interesse an den alten Sprachen, insbesondere des Griechischen und des Lateinischen, zu einer Wiedergeburt der Wissenschaften gekommen. Diese habe auch in der Theologie Korrekturen und neue Erkenntnisse mit sich gebracht. Auch dem Hebräischen werde nun wieder Aufmerksamkeit geschenkt. Im Gefolge von Lorenzo Valla und Erasmus von Rotterdam seien zahlreiche bibelexegetische Werke entstanden. Camerarius möchte sich jedoch eines Vergleichs enthalten. Er legt seine bibelhermeneutischen Grundgedanken um das Wirken des Sohnes Gottes und des Heiligen Geistes dar. Wichtige Grundlagen hätten Notizen gebildet, die Camerarius bei der Lektüre lateinischer und griechischer Autoren zusammengetragen habe. Es folgen weitere Hinweise zur Werkgenese. Er betont die Unerlässlichkeit einer Beschäftigung mit der Grammatik und der Semantik für den Zugang zur Wahrheit. Zielpublikum seinen nicht diejenigen, die in den Alten Sprachen bereits bestens bewandert seien. Von der Polemik gegen andere Autoren und konfessionellen Auseinandersetzungen wolle sich Camerarius fernhalten.
Erstnachweis 1572
Bemerkungen zum Erstnachweis Datierung nach dem Erstdruck


Schlagworte / Register Bibelexegese; Sprache; Prooemium; Patristik; Bibelhermeneutik; Bildungsdiskurs; Werkgenese
Paratext zu
Paratext? ja
Paratext zu Camerarius, Notatio figurarum sermonis in libris quatuor evangeliorum (Druck), 1572
Überliefert in
Druck Camerarius, Notatio figurarum sermonis in libris quatuor evangeliorum (Druck), 1572
Carmen
Gedicht? nein
Bearbeitungsdatum 3.02.2020


Widmung und Entstehungskontext

Der Adressat dieser praefatio ist der Verwalter des Erzstiftes Magdeburg Joachim Friedrich von Brandenburg.

Aufbau und Inhalt

Für ein erfolgreiches Gelingen bedürfe es der Bemühungen mehrerer Personen (A2r). Wetteifer wirke belebend. Auf diese Weise seien auch die freien Künste gefördert worden. Hierbei sei auch an die Philosophie zu denken (A2r/v). Von dieser setzt Camerarius die nicht weltliche, sondern himmlische Schule der Weisheit und Tugend ab, die wahr und unvergänglich sei (A2v). Camerarius beschreibt die Theologie, deren Lehre in der Heiligen Schrift festgehalten sei. Die Grundlagen der Lehre Gottes seien Glaube, Liebe und Hoffnung. Wie die menschlichen Künste Schriften kennen, durch die sie erklärt würden, so sei auch die Theologie damit beschäftigt, alle Geisteskräfte auf der Interpretation der Heiligen Schrift zu bündeln (A2v-A3r). Hierbei bedürfe es der Bemühungen vieler, da nicht einer alles sehen könne (A3r). Die Einstellung, mit der man an die Sache gehe, sei wichtig für ihren Erfolg.
Es gebe griechische Werke, die die Heilige Schrift erklärten. Wer diese sorgfältig lese, werde feststellen, dass zwischen diesen große Unterschiede bestünden, sei es Hinblick auf die Zeit, in der sie entstanden sind, sei es in Hinblick auf die Personen. Von den antiken lateinischen Autoren seien berühmte Werke erhalten, während es von den späteren Autoren solche gebe, die überhaupt nicht bedeutsam oder sonderlich lesenswert seien. Dennoch scheine es einige zu geben. denen es an Talent nicht gefehlt habe, aber die Barbarei, die zu ihrer Zeit die Bildung niedergedrückt habe, habe alle Früchte des Geistes weggerafft (A3r/v). Der Aberglaube habe zum Zerfall von Staaten geführt und die Menschen von der Wahrheit abgebracht (A3v). Dann sei es jedoch durch Gottes Zutun zur Wiedergeburt der richtigen Studien gekommen (renasci recta studia). Dies habe ermöglicht, dass über alles angemessener gesprochen und gedacht werden könne. Auch in Glaubensdingen habe diese Veränderung zu Korrekturen (nonnulla errata piorum corrigi) und neuen Erkenntnissen geführt. Die Ursache sie die erneuerte Kenntnis des Griechischen und des Lateinischen gewesen, in denen die meisten Schriften, die man in den Händen habe, veröffentlicht seien. Auch die Beherrschung (intelligentia et usus) des Hebräischen sei hinzugekommen.
Camerarius hebt Lorenzo Vallas Werk der Anmerkungen und Interpretationen zu den Büchern der Heiligen Schrift hervor, die in griechischer Sprache verfasst göttliche Macht und Autorität besäßen (Anm. 1). In diesen Büchern sei die göttliche Wahrheit enthalten und auf ihnen beruhe der Konsens der katholischen und der orthodoxen Kirche (A3v-A4r). Dieselbe Aufgabe nahm dann Desiderius Erasmus auf sich (A4r; Anm. 2). Angeregt von diesen beiden hätten sich sehr viele in diesem Bereich getummelt und zahlreiche Kommentare hervorgebracht. Hierüber wolle Camerarius jedoch nicht mehr schreiben, zumal die Schriften des Erasmus viele davon abhalten sollten, mit ihren Schriften dieses Thema noch weiter zu behandeln.
Camerarius wolle, dass sein Werk der Verehrung Gottes diene, deren Grundlage die Kenntnis der in der Sprache offenbarten himmlischen Wahrheit darstelle (A4r). Hierbei gebe es einen gleichewigen Deuter, oder wie die Kirche sage, eine "hypostatische Sprache". Diese liege in der Lenkung des Sohnes Gottes und des Heiligen Geistes. Für das Verständnis der Sprache greife Camerarius auf seine Lektüre von Autoren beider alten Sprachen zurück. Sobald er hier etwas Bedeutsames gefunden habe, habe er versucht, dies zu notieren. In einigen Jahren sei er aufgefordert worden, das, was er für einen Kommentar zusammengetragen habe, zu sammeln und zu veröffentlichen. Dies wolle er sich nicht in der Art eines Erasmus, sondern gemäß seiner Profession, die die Grammatik sei, tun (A4r/v). Bedeutungen von Wörtern und Erklärungen von Figuren seien von ihm in den Briefen des Paulus und in anderen kanonischen Briefen vorgenommen worden. Diese habe er in einem Buch zusammengefasst und zu seinem Drucker gebracht, damit sie publiziert und unter den Interessierten verbreitet würden (Anm. 3). Daraufhin sei Camerarius gebeten worden, auch noch seine vergleichbares Bemühungen zu den Evangelien publik zu machen (A4v). Diesem Verlangen habe er gerne nachgegeben, allerdings hätten noch einige Hindernisse im Weg gestanden, nicht zuletzt auch gesundheitliche Beschwerden. Camerarius betont, dass auf dem Studium der Grammatik und der Semantik jeder Zugang zur Wahrheit beruhe. Dies habe er schon andernorts ausführlicher abgehandelt.
Zielpublikum des Werkes seien nicht diejenigen, die selbst die alten Sprachen beherrschten. Diese bedürften dieser Hinweise nicht (A5r). Die zeitgenössischen Autoren, die Camerarius in großer Zahl herangezogen habe, wolle er nicht namentlich nennen und er wolle auch kein Urteil über sie fällen. Dies liege ihm im Negativen wie im Positiven fern. Auch an konfessionellen Polemiken wolle er sich nicht beteiligen (A5v).
Camerarius endet das Proömium mit der Widmung an Joachim Friedrich. Das frühere Werk zu den kanonischen Briefen habe Camerarius Sigismund, dem Onkel väterlicherseits des jetzigen Widmungsempfängers, zugesandt. Es folgt ein abschließendes Lob auf Joachim Friedrich (A5v-A6v).


Anmerkungen

  • Anm. 1: Camerarius meint hier wohl Vallas "Collatio novi testamenti".
  • Anm. 2: Es ist hier kaum zu bestimmen, an welches Werk unter Erasmus' bibelexegetischen Schriften Camerarius hier besonders gedacht haben könnte.
  • Anm. 3: Hiermit meint Camerarius seine 1556 erstmals publizierten Anmerkungen zu den Apostelschriften.