Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem, 1563

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 0712
Zitation Dialogus de vita decente aetatem puerilem, bearbeitet von Marion Gindhart (03.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0712
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel Dialogus de vita decente aetatem puerilem
Kurzbeschreibung In einer Art Musterdisputation setzen sich ein Schüler des Camerarius als Respondent und ein Gast als Opponent mit Fragen der (gottgefälligen) Kindererziehung und des spezifischen decorum puerile auseinander. Anknüpfungspunkt sind Camerarius' "Praecepta morum ac vitae accommodata aetati puerili" (Erstdruck 1544).
Erstnachweis 1563
Bemerkungen zum Erstnachweis Der Widmungsbrief von Ludwig Camerarius datiert auf den 13. Februar 1563.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1563/02/13
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1563/12/31
Schlagworte / Register Dialog; Disputation; Pädagogik; Bildungsdiskurs
Paratext zu
Paratext? nein
Paratext zu
Überliefert in
Druck Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem et al., 1563; Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem et al., 1567; Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem et al., 1570; Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem et al., 1570a; Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem et al., 1572
Erstdruck in
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MG
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 3.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0712
Zitation Dialogus de vita decente aetatem puerilem, bearbeitet von Marion Gindhart (03.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0712
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Latein
Werktitel Dialogus de vita decente aetatem puerilem
Kurzbeschreibung In einer Art Musterdisputation setzen sich ein Schüler des Camerarius als Respondent und ein Gast als Opponent mit Fragen der (gottgefälligen) Kindererziehung und des spezifischen decorum puerile auseinander. Anknüpfungspunkt sind Camerarius' "Praecepta morum ac vitae accommodata aetati puerili" (Erstdruck 1544).
Erstnachweis 1563
Bemerkungen zum Erstnachweis Der Widmungsbrief von Ludwig Camerarius datiert auf den 13. Februar 1563.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1563/02/13
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1563/12/31
Schlagworte / Register Dialog; Disputation; Pädagogik; Bildungsdiskurs
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Paratext? nein
Überliefert in
Druck Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem et al., 1563; Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem et al., 1567; Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem et al., 1570; Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem et al., 1570a; Camerarius, Dialogus de vita decente aetatem puerilem et al., 1572
Carmen
Gedicht? nein
Bearbeitungsdatum 3.02.2020


Aufbau und Inhalt

Der Dialog wird in Form einer Musterdisputation zwischen einem Schüler (des Camerarius) und einem Gast (hospes) geführt. Ausgangspunkt ist ein Exemplar der "Praecepta morum ac vitae accomodata aetati puerili" (Erstdruck 1544), das der Junge in den Händen hält und nach dem sich der Gast erkundigt. Es entspinnt sich ein Gespräch darüber, was speziell unter dem decorum für christliche Kinder zu verstehen sei (Frage, ob gutes Benehmen und Bildung gottgefällig sind) und was das Buch enthalte. Auf die Frage, ob auch die praecepta doctrinae Christianae verhandelt werden, verweist der Junge auf die (beigebundenen) "Capita pietatis Christianae" (Erstdruck 1545) und betont, dass diese zum obersten Bildungsziel im Unterricht zählten. Gekonnt und bestens geschult (!) pariert der Junge spitzfindige Fragen und Einwände des Erwachsenen und zitiert aus dem Gedächtnis griechisch und lateinisch (in der Übersetzung seines Lehrers) aus der Bibel und legt die Stellen aus. Unter anderem argumentiert er mit der Gottgefälligkeit eines anständigen Lebens, mit Verhaltensregeln aus dem Munde Jesu und vor allem mit der Bildung des jungen Jesus.
Auch stellt er umgekehrt Fragen an den Gast und argumentiert, dass man so früh wie möglich beginnen müsse, die Kinder in der Ausbildung von Tugenden und in der Vermeidung von Lastern und Fehlern zu fördern. Dies sei – so muss auch der Gast einräumen – zweifelsfrei gottgefällig. Dies sei der Grundstock, um das oberste Ziel der Bildung zu erreichen, die Ausrichtung der menschlichen Taten auf die Verherrlichung Gottes. Wie alle müssten die Christen in der menschlichen Gemeinschaft virtus und iustitia pflegen und dies ob ihres Glaubens intensiver als die anderen. Ein tugendsamer Mensch werde freilich von den Schlechten gehasst und habe es ob seiner Gegner im Staatswesen schwer. Die Tugenden aber, die auch die Kinder zierten (modestia, temperantia, verecundia, mores placidi atque mansueti, B5v) gefielen Gott und den (guten) Menschen. Da auch der Gast die friedliebenden, rechts- und gesellschaftswahrenden Menschen lobe, müsse dies ja auch für die Kinder gelten; da es aber keine eigenen Gesetze für sie gebe, brauchten sie spezielle Leitlinien.
Referenztext wird nun das 7. Buch von Platons "Gesetzen": Ohne erzieherische Regeln im privaten Bereich werde ein Staatswesen instabil. Platon veranschlage für die Erziehung der Kinder custodia, castigatio, disciplina & eruditio (B7v), dabei müsse alles mit Anstand und ohne frechen Übermut ausgeführt werden. Nur eine gute Erziehung der Kinder gewährleiste tapfere und gute Bürger und eine stabile Gemeinschaft. Maxime dieser instituta maiorum & disciplina domestica (ebd.) habe der Lehrer in seinem Buch dargelegt. Um eine Destabilisierung und einen Zerfall des Staatswesens zu vermeiden, müsse deshalb von Beginn an eine auf die Kinder zugeschnittene legitima institutio (D8v) erfolgen, über die sich freilich manche Kritiker erheben. Auf Nachfrage des Gastes zählt der Junge die in der Schrift des Camerarius enthaltenen Verhaltensregeln und Praktiken auf und verweist darauf, dass ein zentraler Punkt die Pflege der religiösen Wahrheit sei. Der Gast zeigt sich zufrieden und beendet die disputatiuncula (C2r) mit Blick auf die fortgeschrittene Zeit. Der Junge bedankt sich für ein abschließendes Aristoteles-Zitat des Gastes über den Wert der praktischen Umsetzung von guten Lehren und bittet ihn um Wiederholung von Zitat und Auslegung; dieser verspricht eine erweiterte schriftliche Fassung für den nächsten Tag.

Herausgeber des Werke ist Ludwig Camerarius.