Camerarius, Expositio de apostolis, 1566

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 0761
Zitation Expositio eorum, quae de apostolis Iesu Christi singilatim recte & utiliter commemorari posse visa sunt, bearbeitet von Jochen Schultheiß (03.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0761
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel Expositio eorum, quae de apostolis Iesu Christi singilatim recte & utiliter commemorari posse visa sunt
Kurzbeschreibung Biographische Darstellung zu den Aposteln. Eingangs fordert Camerarius programmatisch die Zusammenführung von humanistischer Herangehensweise und theologischer Fragestellung. Ferner behandelt er vorab die Quellenlage. In der Darstellung reflektiert er über seine Quellen und wägt ihre Glaubwürdigkeit ab. Besondere Aufmerksamkeit widmet er Paulus. Auch steht die historische Biographie, nicht die Theologie seiner Briefe im Blickpunkt. Die Echtheit des Briefwechsels zwischen Paulus und Seneca zieht Camerarius in Zweifel und lehnt die Vorstellung ab, dass Fälschungen im Namen des Christentums gerechtfertigt werden könnten. Eine Verehrung des Paulus als eines Heiligen weist Camerarius deutlich zurück.
Erstnachweis 1566
Bemerkungen zum Erstnachweis Datierung nach dem Erstdruck.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1565/12/21
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1566/12/31
Schlagworte / Register Biographie; Theologie; Heiligenverehrung; Echtheitskritik
Paratext zu
Paratext? nein
Paratext zu
Überliefert in
Druck Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566; Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566a
Erstdruck in
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 3.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0761
Zitation Expositio eorum, quae de apostolis Iesu Christi singilatim recte & utiliter commemorari posse visa sunt, bearbeitet von Jochen Schultheiß (03.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0761
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Latein
Werktitel Expositio eorum, quae de apostolis Iesu Christi singilatim recte & utiliter commemorari posse visa sunt
Kurzbeschreibung Biographische Darstellung zu den Aposteln. Eingangs fordert Camerarius programmatisch die Zusammenführung von humanistischer Herangehensweise und theologischer Fragestellung. Ferner behandelt er vorab die Quellenlage. In der Darstellung reflektiert er über seine Quellen und wägt ihre Glaubwürdigkeit ab. Besondere Aufmerksamkeit widmet er Paulus. Auch steht die historische Biographie, nicht die Theologie seiner Briefe im Blickpunkt. Die Echtheit des Briefwechsels zwischen Paulus und Seneca zieht Camerarius in Zweifel und lehnt die Vorstellung ab, dass Fälschungen im Namen des Christentums gerechtfertigt werden könnten. Eine Verehrung des Paulus als eines Heiligen weist Camerarius deutlich zurück.
Erstnachweis 1566
Bemerkungen zum Erstnachweis Datierung nach dem Erstdruck.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1565/12/21
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1566/12/31
Schlagworte / Register Biographie; Theologie; Heiligenverehrung; Echtheitskritik
Paratext zu
Paratext? nein
Überliefert in
Druck Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566; Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566a
Carmen
Gedicht? nein
Bearbeitungsdatum 3.02.2020


Widmung und Entstehungskontext

Das Werk ist Joachim Friedrich, Kurfürst von Brandenburg, gewidmet.

Aufbau und Inhalt

Wie die Christusvita beginnt Camerarius auch seine Darstellung zu den Aposteln mit methodischen Vorüberlegungen (88-89). Camerarius weist eingangs auf eine grundsätzliche Problematik hin, die entsteht, wenn Autoren die Geschichte von Personen niederschreiben, die sich in der Vergangenheit durch ihre Frömmigkeit hervorgetan haben. Dies täten sie häufig mit dem Ziel, dass die beschriebenen Akteure mehr Zuneigung als andere Menschen finden mögen und dass bei ihnen eine gewisse Wirkungskraft offensichtlich würde, die das gewöhnliche menschliche Maß übersteige. Solche Schriftsteller folgten entweder dem guten Ruf, der das Gehörte zu übertreiben pflege, oder sie steigerten das Überlieferte aus Beflissenheit, um die Gemüter der Leser mit Religiosität zu füllen und um die Vorbilder bedeutungsvoller zu machen. Bei vielem, woran in solchen Werken erinnert werde, merke der vorsichtige und erfahrene Leser, dass die Glaubwürdigkeit der Erzählung durch ein solches Bemühen um Steigerung an nicht wenigen Stellen beträchtlich gemindert werde und dass die Darstellung häufig kühn und widersprüchlich sei.
Camerarius warnt vor einer unkritischen Erhöhung des Vergangenen, aber auch vor der Unterstellung, dass das, was in der Vergangenheit das Gegenwärtige überrage, gleich erfunden sein müsse. Camerarius halte es nicht für nötig, auch die sorgsame Umsicht zu tadeln, wenn man solche Schriften betrachte und beurteile. Diese seien allerorten herausgegeben worden und würden noch herausgegeben. Sie würden, wie wenn man sie von Hand zu Hand gereicht bekommen habe, entweder durch die Bücher anderer oder durch eine Reihe von Gesprächen, die auf Griechisch παράδοσις genannt würden, durchwoben (88-89). Es sei bekannt, dass es schon immer aufgrund der Bereitwilligkeit und der Neugier der Menschen vorgekommen sei, dass durch Leichtgläubigkeit Irrtümer angehäuft würden. Irgendwelche Leute hätten dann leichtgläubig zugestimmt (89). Wenn diese schließlich Keimlinge von wundersamen Geschichten aufnähmen, entstünde das verderbliche Unheil der Meinungskonflikte und Sekten. Deshalb müsse das Alter(tum) (antiquitas) von allen hochgeschätzt werden, es müsse jedoch "heilig, unverdorben und rein" (sancta, incorrupta, sincera) erhalten bleiben. Wenn es jemals geboten gewesen sei, in Abhandlungen über Religiöses nach dem Alten zu fragen, dann scheine dies gerade zur gegenwärtigen Zeit der Fall zu sein. Insbesondere stelle sich jetzt die Notwendigkeit, danach zu fragen, wenn man nicht mit ansehen wolle, wie alles vom Aberglauben durcheinandergebracht oder durch gottlose Schrankenlosigkeit zugrunde gerichtet werde.
Eine solche Vorrede zu halten, sei Camerarius nötig erschienen, als er beschlossen habe, nach den älteren und jüngeren Werken verschiedener Autoren auch selbst etwas über die Apostel des Herrn Jesus Christus zu schreiben. Niemand solle meinen, Camerarius wolle alles, was vor ihm geschrieben worden sei, geringschätzen oder verwerfen. Dass dies aber mit Urteilsvermögen gelesen werden sollte und dass nicht alles gleich für wahr und sicher gehalten werden sollte, diese Ermahnung dürfte wohl nicht unnütz und überflüssig sein.
Im Folgenden geht Camerarius auf die Quellenlage ein (89-90). Es sei bekannt, dass bereits zur Zeit der Apostel sowohl in Reden/Predigten (sermones) Verschiedenes überliefert worden sei, dass Bücher von mehreren Autoren geschrieben wurden und dass dies in der folgenden Zeit immer freizügiger praktiziert worden sei, bis es zur schlimmsten Verderbnis der Wahrheit gekommen sei (100). Damit der Zusammenhalt innerhalb der Kirche (congregatio Ecclesiae Iesu Christi) erhalten bleibe, habe es dazu kommen müssen, dass in einem Ausleseprozess das Wahre erhalten und das Falsche abgelehnt werde. Camerarius beschreibt die Aussonderung der apokryphen Schriften (100-101). Er legt sein Vorgehen im Umgang mit den Quellen dar. Stets müsse die Übereinstimmung mit der Lehrmeinung der Kirche gewahrt bleiben (102-103). Camerarius zeigt sich zuversichtlich, dass sein Werk als nützlich erachtet werde.

In der Reihenfolge der Apostel wolle sich Camerarius nach dem Evangelisten Lucas richten (118). Petrus an die erste Stelle zu setzen, sei allgemein üblich (Anm. 1):

  • Simon Petrus (103-116).
  • Andreas (116-121).
  • Jacobus (Sohn des Zebedeus) (121-124).
  • Johannes (124-136).
  • Philippus (136-139).
  • Bartholomaeus (139-143).
  • Matthaeus (143-150).
  • Thomas (150-154).
  • Jakobus, mit dem Beinamen Iustus (154-161).
  • Simon Zelotes (161-163).
  • Iudas, auch Lebbaeus und Thaddaeus genannt (163-165).
  • Matthias (165-167).
  • Paulus (168-195).
  • Barnabas (195-199).


Paulus und seinem Begleiter Barnabas wolle Camerarius eine besonders ausführliche Betrachtung widmen (168). Bereits Heinrich Bullinger habe hierzu vor Jahren unter Rückgriff auf den Evangelisten Lukas eine Sammlung erstellt und eine gründliche chronologische Gliederung und Verknüpfung der historischen Ereignisse vorgenommen. Da in diesem Bereich nichts Weiteres herausgegeben sei, scheine Camerarius dieses Werk weniger bedeutsam (170; Anm. 2). Camerarius hingegen beabsichtige, in dem vorliegenden Werke eine summa und gleichsam einen index über das Leben des Paulus zu geben, an der sich eine ausführlichere Darlegung orientieren könne. Mit index scheint Camerarius, wie im Folgenden (170-171) deutlicher wird, ein historisches Datengerüst zu meinen, das er jedoch in ausformuliertem Fließtext präsentiert. Camerarius widmet sich der historischen Biographie des Paulus. Eine vertiefte Betrachtung der Theologie seiner Briefe bleibt aus. In der Frage nach der Identität des biblischen Dionysius Areopagita mit dem gleichnamigen Autor will sich Camerarius nicht endgültig festlegen, zeigt aber deutlich an, dass er von Pseudepigraphie ausgeht (175) Über die Deo-ignoto-Inschrift hält Camerarius einige religionsgeschichtliche Ausführungen für nötig (176-177). In Hinblick auf die Paulusbriefe verweist Camerarius nochmals auf Bullinger. Bei ihm fänden sich treffliche Überlegungen über Absendezeit und Absendeort der jeweiligen Briefe, die er an theologischen Aspekten festmache (180). Aber auch bei solchen Untersuchungen könne man sich täuschen, und es sei deshalb nicht empfehlenswert, Zeit und Mühe dafür zu investieren. Aber Bullinger wolle wohl nur, dass alle ihm statt anderen zustimmen. Vor der christlichen Gemeinde in Milet hält Paulus eine Rede (Apg. 20,17-38), die Camerarius für so einmalig und herausragend halte, dass er sie einst in lateinische Verse übersetzt habe (181). Den Briefwechsel zwischen Paulus und Seneca hält Camerarius für unecht. Er verurteilt es, wenn im Namen des Christentums solche Fälschungen verfasst werden (191). Dies gelte unabhängig davon, mit welcher Intention es geschehe. Zu solchen Praktiken neigten die Griechen stärker, ebenso wie zur Bilderverehrung, die in paganer Tradition stehe (192). Diese wurde in eine Verehrung und Anbetung verstorbener Menschen übergeführt, womit jedoch nur ein Übel durch ein anderes geheilt worden sei. Hierbei wendet sich Camerarius gegen Johannes von Damaskus. Camerarius geht hierbei auf eine Stelle in der Schrift des Johannes von Damaskus mit dem Titel "De imaginibus" ein, in der dieser beschreibt, dass Johannes Chrysostomus in seinem Zimmer ein geheiligtes Bild des Paulus besessen habe, das er in den Arbeitspausen bei der Abfassung seiner Kommentierungen zu den Paulusbriefen intensiv zu betrachten pflegte (193-194). Dieses Verhalten verstoße nach Camerarius noch nicht gegen den christlichen Lehre, mache jedoch klar, wohin die Sache gehe. Die Verehrung von Bildern und die Anbetung in der Erwartung von Hilfe lehnt Camerarius ab. Der Blick des Chrysotomus habe sich jedoch nicht auf das Abbild, sondern (bei seiner Kommentierung) auf das Innere des Paulus gerichtet.

Auch in diesem Werk führt Camerarius abwägende Vergleiche seiner Quellen durch. Neben biblischen Schriften zieht Camerarius weitere Quellen heran. Unter diesen sind von zentraler Bedeutung: Epiphanius, Clemens von Alexandria, Eusebius (aus dem 3. Buch seiner "Kirchengeschichte" übersetzt Camerarius einen Passus zu Simon Petrus, 107), Rufinus (Übersetzer der "Kirchengeschichte" des Eusebius), Philon, Socrates Scholasticus, Epitoma Stephani (? 138), Hieronymus, Flavius Josephus, Tacitus, Johannes Chrysostomus, Sueton.

Anmerkungen

  • Anm. 1: Die Angabe der Namen erfolgt nach Camerarius.
  • Anm. 2: Quae mihi aliis nullis in hoc genere editis visa sunt minoris facienda. Der Grund für die negative Bewertung des Werkes Bullingers ist nicht ganz klar. Meint Camerarius mit in hoc genere vielleicht die Form der tabellarischen Zusammenstellung von historischen Ereignissen, wie sie bei Bullinger zu finden ist?