Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Werk), 1566

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 0762
Zitation Historiae Iesu Christi (...) expositio, bearbeitet von Jochen Schultheiß (03.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0762
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel Historiae Iesu Christi (...) expositio
Kurzbeschreibung Die Einleitung des Werks stellt ein Proömium dar, in dem sich Camerarius zu den Entstehungsbedingungen und zur Intention des Werkes äußert. In der Biographie wird das Leben Christi als historisches Ereignis nachgezeichnet. Er ordnet das Werk in den Kontext seiner Bemühungen um die Gattung der Biographie ein. Bedeutender Bestandteil der Darlegung sind Fragen der historischen Chronologie. Camerarius geht quellenkritisch vor, zieht breites Referenzmaterial heran und wägt bei widersprüchlichen Angaben zwischen Alternativen ab. Neben der Geschichte steht jedoch auch die Christologie und Fragen nach der richtigen Form der Verehrung im Blickpunkt.
Erstnachweis 1566
Bemerkungen zum Erstnachweis Datierung nach dem Erstdruck
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1565/12/21
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1566/12/31
Schlagworte / Register Biographie; Theologie; Geschichtsschreibung; Stilkritik; Bibelhermeneutik; Judenkritik; Marienverehrung; Christologie; Bibelexegese
Paratext zu
Paratext? nein
Paratext zu
Überliefert in
Druck Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566; Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566a
Erstdruck in
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 3.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0762
Zitation Historiae Iesu Christi (...) expositio, bearbeitet von Jochen Schultheiß (03.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0762
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Latein
Werktitel Historiae Iesu Christi (...) expositio
Kurzbeschreibung Die Einleitung des Werks stellt ein Proömium dar, in dem sich Camerarius zu den Entstehungsbedingungen und zur Intention des Werkes äußert. In der Biographie wird das Leben Christi als historisches Ereignis nachgezeichnet. Er ordnet das Werk in den Kontext seiner Bemühungen um die Gattung der Biographie ein. Bedeutender Bestandteil der Darlegung sind Fragen der historischen Chronologie. Camerarius geht quellenkritisch vor, zieht breites Referenzmaterial heran und wägt bei widersprüchlichen Angaben zwischen Alternativen ab. Neben der Geschichte steht jedoch auch die Christologie und Fragen nach der richtigen Form der Verehrung im Blickpunkt.
Erstnachweis 1566
Bemerkungen zum Erstnachweis Datierung nach dem Erstdruck
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1565/12/21
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1566/12/31
Schlagworte / Register Biographie; Theologie; Geschichtsschreibung; Stilkritik; Bibelhermeneutik; Judenkritik; Marienverehrung; Christologie; Bibelexegese
Paratext zu
Paratext? nein
Überliefert in
Druck Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566; Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566a
Carmen
Gedicht? nein
Bearbeitungsdatum 3.02.2020


Widmung und Entstehungskontext

Das Werk ist Joachim Friedrich, Kurfürst von Brandenburg, gewidmet. Hinweise zum Entstehungskontext finden sich nicht nur im Widmungsbrief, sondern auch am Werkbeginn, der als Proömium fungiert (siehe unten).

Aufbau und Inhalt

Die Einleitung des Werks stellt ein Proömium dar, in dem sich Camerarius zu den Entstehungsbedingungen und zur Intention äußert (1-3). Camerarius stellt seine Darlegungen zum Leben Christi in die Tradition der Biographie. Viele Autoren hätten ihre literarischen Bemühungen der Zielsetzung gewidmet, durch ihre Werke die Erinnerung an das Leben, den Erfolg oder den Tod von solchen Männern aufrechtzuerhalten, die sich durch ihre Tüchtigkeit auszeichneten oder durch Schicksalsfälle bekannt waren (1). Denn sie hätten geglaubt, dass entweder die Erzählung für die Leser wegen der erlangten Kenntnis der Geschichte erfreulich sei oder dass die Beispiele wegen der Erziehung der Sinnesart nützlich seien. Auf diesem Gebiet habe sich nun auch Camerarius betätigen wollen. Er habe sich nichts davon versprochen, außer etwas Zerstreuung zu finden von seinem privaten und dem öffentlichen Elend der damaligen Zeit. So habe er sich an eine Zusammenstellung aller Zeugnisse gemacht, die von den antiken Autoren über die griechischen Redner überliefert sind.
Die Unbill der Zeit habe ihn jedoch gezwungen, dieses Vorhaben beiseite zu legen. Stattdessen habe er, wenn es die Umstände zulassen sollten, doch lieber eine bestimmte Geschichte des Christentums und der Kirche kommentieren und in seinem eigenen Stil darlegen wollen (1-2; Anm. 1). Dies würde ihm selbst nicht nur Nutzen, sondern sogar Seelenheil bringen (2). Anderen, die es lesen würden, wäre es willkommen. Hiermit würde er nicht nur seinem eigenen Willen genüge leisten, sondern auch seine Willfährigkeit gegenüber Gott zum Ausdruck bringen. So habe er begonnen, die Darstellungen zu der Zeit und den Ereignissen in den Büchern zu durchforsten, derer er habhaft werden konnte, und Anmerkungen zu den Worten und Taten sowie zu den Lebenswegen und Todesarten Jesu Christi und der Apostel zu machen.
Sobald er das Gefühl habe gewinnen können, daraus einigen Nutzen gezogen zu haben, habe er beschlossen, unversehens einige Zusammenstellungen dieser Art zu veröffentlichen und mit anderen Christen zu teilen. Camerarius sei sich bewusst, dass auch schon antike Autoren, deren Schriften er noch nicht habe einsehen können, diese Bemühung auf sich genommen hätten. Auszunehmen seien hier eine Schrift, die unter dem Namen eines gewissen Abdias (Abdias von Babylon, "Historia certaminis Apostolici") verbreitet worden sei, sowie das Werk eines anonymen Autors. Neben diesen habe er noch ein weiteres Oeuvre einsehen können, das weniger gelehrt und eher wertlos sei, das einige versucht jedoch hätten, durch rhetorische Eleganz aufzuputzen (Anm. 2).
Camerarius erinnere sich, dass sich Freunde wunderten, als sie hörten, was er vorhabe (2-3): (Sie hätten ihn gefragt:) Was könne er denn darlegen, ohne es aus der Überlieferung früherer Autoren zu leihen oder es gewissermaßen abzuschreiben? Nichts sei seiner Art jedoch fremder, wie sie wüssten (3). Er sei zugegebenermaßen lange mit dem Werk nicht vorangekommen, weil er habe vermeiden wollen, dass die Darstellung abgedroschen wirke. Aber was er geleistet habe, brauche er nicht laut zu verkünden. Und er überlasse es dem Leser, darüber zu urteilen. Camerarius wolle auch andere Autoren dazu ermuntern, sich auf diesem Gebiet hervorzutun. Über den Erfolg des Werkes brauche er sich keine Gedanken zu machen, den er habe es für sich selbst verfasst. Daraufhin beginnt die Darstellung (expositio).

In der Biographie wird das Leben Jesu als historisches Ereignis nachgezeichnet. Die Darlegung nimmt ihren Anfang mit der Geburt Christi und einer grundlegenden christologischen Bestimmung (4-5). Camerarius behandelt die Abstammung, die Heilige Familie (5) und die Geschichte Israels zur römischen Zeit (6-13). Die Abhandlung folgt der historisch-chronologischen Abfolge der Ereignisse. In der Darstellung wägt Camerarius widersprüchliche Informationen gegeneinander ab (z.B. 12). Einen bedeutenden Platz nehmen in der Vita Feststellungen zur Chronologie ein (z.B. 13-15, 20-24 zur Bestimmung des Geburtstermins Christi).
Unter den herangezogenen Quellen erwähnt Camerarius explizit Flavius Josephus, dem er großes Vertrauen schenkt. In Hinblick auf die generelle Schwierigkeit der Feststellung von Amtsjahren bezieht er sich auf Thukydides (14). Als weitere Quellen führt Camerarius Epiphanius (wohl Epiphanius Scholasticus) an. Porphyrius, Celsus und Philosabatius steht er ablehnend gegenüber. Den Evangelien weist er als historischen Quellen nur begrenzten Wert zu, da sie zwar eine knappe Darbietungen der Wahrheit darstellten (breves esse expositiones veritatis, 18), jedoch keine ausführlichen historischen Berichte (non exquisitas aut copiosas descriptiones historiae, 18). Anders, als dies infolge der menschlichen Begabung und der Beredsamkeit gewöhnlich der Fall sei, erläuterten die Evangelien nicht die Gründe und Umstände, nähmen keine zeitlichen Einteilungen oder Erklärungen von Ereignissen vor. Eine solche Darstellungsform habe nicht der göttlichen Intention entsprochen. Camerarius betont die Unterschiede zwischen dem weltlichen und dem religiösen Präsentationsstil (18-19). Nicht alle Themen eignen sich nach Camerarius für eine historische Darstellung. So will er die Geschichte von Jesu Fasten lieber im Bereich der frommen Betrachtung belassen, als sie zum Gegenstand einer wortreichen Erzählung zu machen (37). Das eigentliche Wirken Jesu durch Wunder und die Gewinnung einer Anhängerschaft fasst Camerarius in nur ganz knappen Worten zusammen und verweist auf die Evangelien (44). Möge es auch Abweichungen zwischen den Evangelien geben, so lasse sich doch leicht die Übereinstimmung feststellen, wenn man das Dargestellte in eine geordnete Reihenfolge bringe.
Dann macht Camerarius einen Sprung zu den Umständen um Jesu Tod und stellt ausführlich die politischen Hintergründe im Israel der damaligen Zeit dar (45-47). Es folgt eine konzise Zusammenfassung zu den Hauptpunkten der theologischen Bedeutung Jesu Christi (summa religionis & pietatis Christianae), wobei Camerarius das Heilswirken für den sündhaften Menschen herausstreicht (48-51). Über diese Grundlagen des Glaubens gebe es ständig Kontroversen (51). In diesem Kontext erwähnt Camerarius auch die Juden, womit er einen Bogen zurück zur Geschichte schlägt. Die Juden hätten in ihrem Irrtum verharrend Jesus Christus sogar umgebracht (interemerunt; zur antijüdischen Polemik: 52-54, 65-66, 71-73). Es folgt die Darstellung der letzten Tage Christi mit Ausführungen zur Bestimmung des Jahres (54-73). Auch Überlegungen zu Christi Aussehen bringt Camerarius vor (73-75). Gegenüber dem Schweißtuch der Veronika verhält sich Camerarius ablehnend. Er fährt fort mit dem Leben Marias und Josephs (75-78). Bildliche Darstellungen bergen Gefahren und sollten sich deshalb so nahe wie möglich an die Originalquellen halten (79-80). Daraufhin betrachtet Camerarius die Verehrung, die Jesus und Maria zuteil wurde (80-82). Insbesondere einen falschen Marienkult prangert er an. Hier hätte sich schon seit Jahrhunderten falsche Vorstellungen verfestigt. Hiergegen ziehe man auch schon lange zu Felde, wie etwa Epiphanius gegen die Kollyridianer. Man wundere sich, wie sich hier der Aberglaube noch halten könne. Ebenso verweist Camerarius auf Epiphanius' Schrift gegen die Antidikomarianiten, die Maria herabzusetzen versuchten. Camerarius hält es für angebracht, an dieser Stelle eine lateinische Übersetzung aus dieser Schrift folgen zu lassen (83-84). Camerarius stellt unter Verweis auf Epiphanius klar, dass der Leib Marias zwar heilig, sie selbst jedoch keine Göttin gewesen sei (85). Sie sei eine Jungfrau und verdiene, als solche geehrt zu werden (honorata). Sie sei den Menschen jedoch nicht zur Verehrung (ad adorationem) gegeben worden, vielmehr verehre sie auch selbst ihren Sohn, den sie aus ihrem Fleisch geboren habe. Übertreibungen seien stets zu meiden (86). Camerarius schließt mit der Forderung, dass sich jede kirchliche Lehrmeinung und moralische Besserung an den Schriften zu Jesus Christus auszurichten habe (87).
Zu den sonstigen Quellen, auf die sich Camerarius stützt, zählen: Hieronymus, Eusebius, Justinus, Clemens von Alexandria, Nicephorus, Dion (?) und (Pseudo-)Dionysius Areopagita. Auf Irenäus könne er sich nur indirekt beziehen, da ihm die Schriften nicht vorlägen (62-63). Daneben bezieht sich Camerarius auch auf zeitgenössische Autoritäten, wenn er sich etwa bei der Frage nach den Verwandtschaftsverhältnissen um Maria und Joseph auf Martin Luther beruft (41), oder auf Paul von Middelburg, wenn es um die Berechnung des Kreuzigungs- bzw. Ostertermins geht (62).

Anmerkungen

  • Anm. 1: Um welche antike kirchenhistorische Schrift es sich dabei gehandelt haben könnte, ist nicht mehr zu bestimmen.
  • Anm. 2: Auch hier hält sich Camerarius, wohl absichtlich, mit einer Nennung von Autor und Werktitel zurück.

Forschungsliteratur