Camerarius, In grammaticae Graecae libellum Philippi Melanchthonis prooemium, 1545

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 0477
Zitation In grammaticae Graecae libellum Philippi Melanchth(onis) Prooemium Ioachimi Camer(arii) Paberg(ensis) ad (...) Michaelem a Werthaimio, bearbeitet von Jochen Schultheiß (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0477
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel In grammaticae Graecae libellum Philippi Melanchth(onis) Prooemium Ioachimi Camer(arii) Paberg(ensis) ad (...) Michaelem a Werthaimio
Kurzbeschreibung Camerarius fragt nach der Stellung der Grammatik innerhalb der Wissenschaften und verteidigt ihre große Bedeutsamkeit.
Erstnachweis 1545
Bemerkungen zum Erstnachweis Datum des Druckes
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn)
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende)
Schlagworte / Register Prooemium; Grammatik; Bildungsdiskurs; Elementarunterricht; Grammatik (Griechisch); Grammatik (Latein); Herrscherbild
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Paratext? ja
Paratext zu Camerarius, Libellus Graecae grammaticae Philippi Melanchthonis, 1545
Überliefert in
Druck Melanchthon, Libellus Graecae grammaticae, 1545; Melanchthon, Libellus Graecae grammaticae, 1548; Melanchthon, Libellus Graecae grammaticae, 1550; Melanchthon, Libellus Graecae grammaticae, 1555; Melanchthon, Libellus Graecae grammaticae, 1557; Melanchthon, Grammatica Graeca, 1571.
Erstdruck in Melanchthon, Libellus Graecae grammaticae, 1545
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. A2r-A8v
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 4.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0477
Zitation In grammaticae Graecae libellum Philippi Melanchth(onis) Prooemium Ioachimi Camer(arii) Paberg(ensis) ad (...) Michaelem a Werthaimio, bearbeitet von Jochen Schultheiß (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0477
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Latein
Werktitel In grammaticae Graecae libellum Philippi Melanchth(onis) Prooemium Ioachimi Camer(arii) Paberg(ensis) ad (...) Michaelem a Werthaimio
Kurzbeschreibung Camerarius fragt nach der Stellung der Grammatik innerhalb der Wissenschaften und verteidigt ihre große Bedeutsamkeit.
Erstnachweis 1545
Bemerkungen zum Erstnachweis Datum des Druckes


Schlagworte / Register Prooemium; Grammatik; Bildungsdiskurs; Elementarunterricht; Grammatik (Griechisch); Grammatik (Latein); Herrscherbild
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Paratext zu Camerarius, Libellus Graecae grammaticae Philippi Melanchthonis, 1545
Überliefert in
Druck Melanchthon, Libellus Graecae grammaticae, 1545; Melanchthon, Libellus Graecae grammaticae, 1548; Melanchthon, Libellus Graecae grammaticae, 1550; Melanchthon, Libellus Graecae grammaticae, 1555; Melanchthon, Libellus Graecae grammaticae, 1557; Melanchthon, Grammatica Graeca, 1571.
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Gedicht? nein
Bearbeitungsdatum 4.02.2020


Widmung und Entstehungskontext

Das Proömium ist zugleich Widmungsbrief an Michael von Wertheim. Die von Camerarius in Druck gegebene Grammatica Graeca Philipp Melanchthons war erstmals 1518 in Hagenau im Elsass bei Thomas Anshelm gedruckt worden.

Aufbau und Inhalt

Nach Camerarius stünden gerade diejenigen Künste in geringem Ansehen, die Lehrsätze (praecepta et doctrina) für Texte (literae) enthielten. Dies gelte insbesondere für die Grammatik. Ebenso schlage sich dieser Missstand auch in der prekären sozialen Lage derer nieder, die sie unterrichteten. Die hohe Stellung der Grammatiker am Hof der Ptolemäer wird von Camerarius als historische Ausnahmeerscheinung gedeutet. Es folgen Beispiele für die Geringschätzung der Grammatik in der Geschichte.
Camerarius wirft einen Blick auf die Formen des Grammatikunterrichts zu seiner Schulzeit und bei den Vorfahren. Zunächst hätten grammatische Grundstrukturen im Fokus gestanden, die sich auf Einzelwörter bezogen, wie Flexionen oder Genera. Dann folgten Wendungen mit übertragener Bedeutung. Camerarius erinnert sich an seine eigene Schulzeit. Viele seien wegen des Rufs des Lehrers dorthin gekommen. Dann sei er im Alter von 13 Jahren an die Universität Leipzig gekommen, wo die Grammatik "beträchtlich einfacher und aufrichtiger" unterrichtet worden sei (simplicius aliquanto atque sincerius scio grammitae nobis praeceptiones nobis traditas fuisse, A4r). Camerarius schreitet in seinem Gang durch die Bildungsgeschichte weiter zurück und wendet sich auch anderen Disziplinen zu, der Dialektik, Rhetorik und Philosophie. Deren Zustand habe immer auch von dem der Grammatik abgehangen. Camerarius fragt nach dem Grund der Geringschätzung der Grammatik. Als Antwort führt er die allgemeine Undankbarkeit für empfangene Wohltaten an und belegt dies mit einem Zitat aus Menander. Wie die Fundamente eines Gebäudes erfreut sich auch die Grammatik als Grundlage des sprachlichen Ausdrucks einer geringeren Sichtbarkeit. Jedoch gäbe es auch zahlreiche historische Persönlichkeiten, die sich mit der Grammatik beschäftigt hätten, wie etwa Ptolemaeus Philadelphos, Caesar, Mesalla oder Sisenna. Aus der späteren Geschichte nennt Camerarius Kaiser Sigismund. Frühere Staatsmänner hätten mit ihrer Redemacht ihre Gemeinwesen gelenkt. Camerarius zitiert Xenophon, nach dessen Aussage eine göttliche Herrschaft bedeute "über Willige zu herrschen" (A6v).
Sodann möchte Camerarius noch auf didaktische Aspekte zu sprechen kommen. Er betont die Notwendigkeit, beide alten Sprachen zu erlernen, denn Latein könne ohne Griechisch gar nicht, Griechisch ohne Latein nur mit Schwierigkeiten erfasst werden. Hierüber habe er schon in einer früheren Schrift gehandelt. Fortgeschrittenes Niveau in nur einer Sprache zu erreichen ist für Camerarius unmöglich.
Schließlich kommt Camerarius auf den Autor des Werkes, Philipp Melanchthon, zu sprechen (A7r). Camerarius habe von ihm eine Druckerlaubnis seiner Grammatik erhalten können, die er einst gewissermaßen als Gesellenstück in diesem Fachgebiet verfasst hat (quasi tirocinium quoddam absolvens huius generis studiorum), als er noch jung (adulescens) war. Camerarius habe die Vorlage für den Druck mit der Zielsetzung einer didaktischen Verwendung überarbeitet (ut hic multo quam ante et plenior et emendatior et nitidior quoque prodiret in publicum, et in manus veniret puerorum, A7v). Hinzufügen wolle Camerarius noch seine Anmerkungen zur Grammatik des Theodorus Gaza. Dies solle ebenfalls dem Nutzen der Schüler dienen. Ebenso habe er Homers Batrachomyomachia anhängen wollen, die er als sehr nützlich für den Unterricht einstuft. Zeitdruck habe die Umsetzung dieses Vorhabens jedoch verhindert. Eine besser ausgereifte Ausgabe solle jedoch noch folgen.
Zum Abschluss wünscht Camerarius, diese Bildung möge auch einer sehr großen Anzahl an Prinzen und Adligen zuteil werden, damit die nachfolgende Welt hoffnungsvoll auf die zukünftige Staatsführung blicken könne. Camerarius schließt mit dem nachdrücklichen Hinweis auf die Bedeutung der Bildung für einen Fürsten, der durch sie seinen Ruhm mehrt und auf ihrer Grundlage die Förderung von Staat und Kirche bewirkt. Abschließend erwähnt Camerarius den Lehrer des Adressaten Christoph Schaub.

Forschungsliteratur

  • Detlef Haberland / András Varga: Zu einem raren Melanchthon-Druck der Universitätsbibliothek Szeged, in: Wolfenbütteler Notizen zur Buchgeschichte 39 (2014), S. 153-163 (bes. S. 155, allgemein zu Melanchthons Grammatica Graeca).