Camerarius, Oratio de cultu pietatis (Werk), 1545

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 0461
Zitation Oratio dicta de cultu pietatis ac virtutis et studiis bonarum artium, exordiis doctrinae publicae semestri aestivo, bearbeitet von Marion Gindhart (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0461
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel Oratio dicta de cultu pietatis ac virtutis et studiis bonarum artium, exordiis doctrinae publicae semestri aestivo
Kurzbeschreibung Camerarius hält die Rede zur Eröffnung des Sommersemesters 1545, in dem er nach einer Freistellung seine Lehre wieder aufnimmt. Er ermahnt nachdrücklich dazu, sich mit vollem Engagement den studia bonarum artium und der verae pietatis erga Deum cura zu widmen. Er pariert Angriffe gegen die Leipziger Universität, räumt aber auch ein, dass es ein paar 'Schwarze Schafe' gebe, deren Treiben der Landesherr (Moritz von Sachsen) nicht dulden werde. Die Studierenden fordert er zu intensivem Studium und integrem Verhalten auf, so dass kein Makel auf die Universität fällt und die Freiheit der studia gewahrt bleibt. Er nennt seine Lehrveranstaltungen und verweist darauf, dass er den Mathematiker Rheticus mit einem Kurs vertrete.
Erstnachweis 1545
Bemerkungen zum Erstnachweis Der Widmungsbrief ist auf die Kalenden des Juli datiert.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1545/07/01
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1545/07/31
Schlagworte / Register Universitätsrede; Bildungsdiskurs; Universität (Leipzig); Mathematik
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Überliefert in
Druck Camerarius, Oratio de cultu pietatis (Druck), 1545
Erstdruck in Camerarius, Oratio de cultu pietatis (Druck), 1545
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck A3r-B7v
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MG
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 4.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0461
Zitation Oratio dicta de cultu pietatis ac virtutis et studiis bonarum artium, exordiis doctrinae publicae semestri aestivo, bearbeitet von Marion Gindhart (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0461
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Latein
Werktitel Oratio dicta de cultu pietatis ac virtutis et studiis bonarum artium, exordiis doctrinae publicae semestri aestivo
Kurzbeschreibung Camerarius hält die Rede zur Eröffnung des Sommersemesters 1545, in dem er nach einer Freistellung seine Lehre wieder aufnimmt. Er ermahnt nachdrücklich dazu, sich mit vollem Engagement den studia bonarum artium und der verae pietatis erga Deum cura zu widmen. Er pariert Angriffe gegen die Leipziger Universität, räumt aber auch ein, dass es ein paar 'Schwarze Schafe' gebe, deren Treiben der Landesherr (Moritz von Sachsen) nicht dulden werde. Die Studierenden fordert er zu intensivem Studium und integrem Verhalten auf, so dass kein Makel auf die Universität fällt und die Freiheit der studia gewahrt bleibt. Er nennt seine Lehrveranstaltungen und verweist darauf, dass er den Mathematiker Rheticus mit einem Kurs vertrete.
Erstnachweis 1545
Bemerkungen zum Erstnachweis Der Widmungsbrief ist auf die Kalenden des Juli datiert.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1545/07/01
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1545/07/31
Schlagworte / Register Universitätsrede; Bildungsdiskurs; Universität (Leipzig); Mathematik
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Paratext? nein
Überliefert in
Druck Camerarius, Oratio de cultu pietatis (Druck), 1545
Carmen
Gedicht? nein
Bearbeitungsdatum 4.02.2020


Inhalt

Camerarius würde die ganze Macht des orphischen Gesangs aufbieten, so er sie besäße, um zu den studia bonarum artium ac humanitatis (A3r) aufzurufen. Er könne aber lediglich zu Ermahnungen und Bitten greifen.

Sprache, Literatur und Bildung zeichnen die Menschen vor den Pflanzen und Tieren aus. Trotzdem gebe es nur wenige, die sich um diese mit Nachdruck bemühen. Wer etwas wirklich will, brennt dafür und setzt alles daran, es zu erwerben. Höchste Priorität sollte hierbei freilich das Streben nach virtus, honestas und sapientia haben, deren Güte allerdings von den in der Dunkelheit ihrer Fehler befangenen Menschen nicht erkannt bzw. deren Erkenntnis vermieden werde. Jedem stehen Bildung und Wissen offen (und zwar auch jedem Geschlecht – omni aetati & sexui parata est copia cognitionis & scientiae, A4v), aber nur wenige nutzen dies. Stattdessen werde den Lastern nachgegangen und die studia honesta verschwänden aus dem Blickwinkel der Menschen, so dass es verwunderlich sei, dass sie noch nicht vollständig vertrieben sind. Dies sei zu befürchten und hätte - verbunden mit dem Verlust der Erkenntnis Gottes - den Rückfall in schlimmste barbaries zur Folge. Was dies bedeutet, wird durch einen Katalog einst blühender und hochzivilisierter Städte illustriert, die jetzt nur noch ihre "Gerippe" darböten (A6v).

Es gebe nichts Schöneres und Erfreulicheres als die studia bonarum artium, die das menschliche Leben überhaupt ausmachten, nichts Bemitleidenswerteres als diejenigen, die die studia vernachlässigten, und nichts Schlimmeres als die, die sich gegen sie stellen (A7r). Nach den bonae artes soll jeder mit voller Kraft streben und zwar durch die verae pietatis erga Deum cura (A7v). Auch er selbst sei natürlich nicht frei von Fehlern, aber eben von Gott zum Lehrer bestellt, so dass er qua officium zu dieser Mahnrede verpflichtet sei. Außerdem könne er aus eigener Erfahrung die Jugend vor Gefahren warnen. Die Studenten müssten nicht nur durch Gehorsam das Anliegen der Lehrer unterstützen, sondern sich selbst durch moderatio & humanitas (A8v) auszeichnen und so zeigen, dass sie zur Verherrlichung Gottes und zum Nutzen des Staates beitragen und die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen.

Camerarius wendet sich gegen Widerstand und Vorurteile gegenüber der Leipziger Hohen Schule (Magna nuper turba excitata fuit. Spero nunc etiam immerito tum quidem fuisse accusatam improbitatem et petulantiam nostrorum, B1r), räumt aber ein, dass es überall auch "Schwarze Schafe" gäbe. Als größter Fürsprecher der Universität gelte der Landesherr (Herzog Moritz von Sachsen); die führenden Männer der Universität seien in ihrer Integrität über jeden Zweifel erhaben. Das Treiben der feroculi (B1v) werde der Herzog nicht dulden. Im äußersten Fall müssten sie von der Universität gehen, da ihr Verhalten in der akademischen Gemeinschaft nicht geduldet werden kann.

Camerarius ruft zu einer intensiven Beschäftigung mit den optimae artes atque disciplinae (B2v) auf und zu einem integren Verhalten, so dass kein Makel auf die Universität fällt und die Freiheit der studia gewahrt bleibt. Er kehre nach einer Lehrpause (Freistellung, andere Verpflichtungen und Reisen) wieder zur disciplina ordinaria an die Artistenfakultät zurück und werde sie noch intensiver als zuvor betreiben. Der Erfolg seiner Lehre und der der Kollegen hänge allerdings vom Engagement der Studierenden ab. Dieses mahnt Camerarius nachdrücklich an, zumal die Studierenden durch ihre studia sowohl Gott als auch der Gemeinschaft dienen. Allem voran steht freilich die Pflege der pietas.

Camerarius stellt sein Lehrprogramm vor (Interpretation von Homers 5. Iliasbuch und Ciceros 3. Tuskulanenbuch) und bietet seine Unterstützung an. Zudem werde er seinen Kollegen Georg Joachim Rheticus vertreten, der verreisen müsse, und (Stöfflers?) Kommentar zu Proklos' "Sphaera" erläutern. Er ermahnt alle Studienanfänger zur Beschäftigung mit der Mathematik (Hortor autem omnes ut initio studiorum suorum mathematicas disciplinas ament & complectantur (…), B4v). Die faulen Studierenden weist er darauf hin, dass nur stete Arbeit zu Glück (felicitas, B5r) und Erfolg führe und warnt vor Ungezügeltheit. Er reflektiert über den erzieherischen Umgang (Nachsicht gegenüber Besserungswilligen, zumal niemand ohne Fehler sei) und ruft abschließend zur gemeinsamen Stärke auf, so dass der ordo scolasticus gegen alles gewappnet sein könne. Alle studia sollen der Verherrlichung des Namens Christi dienen und die Wahrheit des Evangeliums erfassen. Damit stehe man als Schar Gottes unter dessen Schutz.

Widmung

Camerarius widmet die gedruckte Programmrede seinem Leipziger Kollegen Ludwig Fachs, Ordinarius der Juristischen Fakultät.