Camerarius, Oratio funebris (auf Moritz von Sachsen), 1553

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
Wechseln zu: Navigation, Suche


Opus Camerarii
Werksigle OC 0587
Zitation Oratio funebris, bearbeitet von Jochen Schultheiß (18.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0587
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel Oratio funebris
Kurzbeschreibung In seiner laudatio funebris leistet Camerarius eine Apologie des Kurfürsten Moritz von Sachsen, indem er seinen Einsatz für die Einheit des Vaterlandes herausstreicht.
Erstnachweis 1553/08/05
Bemerkungen zum Erstnachweis Siehe Datierung des Druckes.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn)
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende)
Schlagworte / Register Herrscherbild; Panegyrik; Türkenkriege/Türkengefahr; Kirchenordnung; Bildungsdiskurs; Leichenrede; Bildungsreform; Zweiter Markgrafenkrieg (1552-1554); Universität (Leipzig); Universitätsrede; Biographie
Paratext zu
Paratext? nein
Paratext zu
Überliefert in
Druck Camerarius, Oratio habita ad funus principis Mauricii, 1553; Camerarius, Oratio habita ad funus principis Mauricii, 1556; Camerarius, Orationes funebres, 1569
Erstdruck in
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck
Carmen
Gedicht? nein
Nachruf auf Moritz (Sachsen)
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 18.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0587
Zitation Oratio funebris, bearbeitet von Jochen Schultheiß (18.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0587
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Latein
Werktitel Oratio funebris
Kurzbeschreibung In seiner laudatio funebris leistet Camerarius eine Apologie des Kurfürsten Moritz von Sachsen, indem er seinen Einsatz für die Einheit des Vaterlandes herausstreicht.
Erstnachweis 1553/08/05
Bemerkungen zum Erstnachweis Siehe Datierung des Druckes.


Schlagworte / Register Herrscherbild; Panegyrik; Türkenkriege/Türkengefahr; Kirchenordnung; Bildungsdiskurs; Leichenrede; Bildungsreform; Zweiter Markgrafenkrieg (1552-1554); Universität (Leipzig); Universitätsrede; Biographie
Paratext zu
Paratext? nein
Überliefert in
Druck Camerarius, Oratio habita ad funus principis Mauricii, 1553; Camerarius, Oratio habita ad funus principis Mauricii, 1556; Camerarius, Orationes funebres, 1569
Carmen
Gedicht? nein
Nachruf auf Moritz (Sachsen)
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Bearbeitungsdatum 18.02.2020


Widmung und Entstehungskontext

Aus dem Widmungsbrief geht hervor, dass Camerarius die Rede beim Begräbnis gehalten hat (A2r). Ebenso erhellt aus dem Widmungsbrief, dass Christoph von Karlowitz den Druck der Rede gewünscht hat.
Kurfürst Moritz von Sachsen erlag zwei Tage nach der Schlacht von Sievershausen (9. Juli 1553) am 11. Juli 1553 seinen Verwundungen. Camerarius hielt seine Leichenrede am 20. Juli 1553. Am 23. Juli wurde der Kurfürst im Dom von Freiberg bestattet (vgl. Woitkowitz 2003, S. 283f.).

Aufbau und Inhalt

Camerarius eröffnet seine oratio mit einer Anrede der Zuhörerschaft, die er in Personen ausmacht, die aufgrund ihres Adels, ihrer Leistung und ihrer Bildung herausragen. Gemäß der gewöhnlichen Bescheidenheitstopik äußert er den Wunsch, dass die Aufgabe dieser Rede einer würdigeren und fachlich besser ausgewiesenen Person hätte übertragen werden sollen. Aus diesem Grund bitte er die Zuhörerschaft um Wohlwollen. Dieses Verständnisses bedürfe er aufgrund seiner Mittelmäßigkeit, der schwierigen zeitlichen Umstände und der Schrecklichkeit des Anlasses. Über mehrere Sätze hinweg tut Camerarius seine Betroffenheit kund (A4v-B1r).
Gleich zu Beginn führt Camerarius die zentralen Eigenschaften des Verstorbenen an: Er zeichne sich durch seine Loyalität gegenüber dem Vaterland (pietas erga patriam) und seine Tapferkeit (virtus) aus. Infolgedessen sei sein vorzeitiger Tod für alle sowohl in seinem persönlichen Umfeld als auch im Staat sehr schmerzhaft (B1r). Der Redner spricht auch schon früh die unmittelbaren Todesumstände an. Als die Feinde in der Schlacht schon besiegt und in die Flucht geschlagen waren, erlitt Moritz eine Verletzung. Er wurde von einer Kanonenkugel durch einen nicht vorhersehbaren Schlag durchstoßen. Am dritten Tag sei er dann einen sanften Tod gestorben. Moritz habe sich selbstlos einem in ganz Deutschland wütenden Unwetter entgegenstellen wollen und sei dadurch zu einem Vorbild an Geistesgröße (animi magnitudo) und Tapferkeit (virtus) geworden. Wiederholt betont Camerarius seine starke emotionale Betroffenheit vom Tod des Fürsten.
Moritz sei sowohl aufgrund seiner geistigen Fähigkeiten als auch seiner Tatkraft wohl der einzige gewesen, der Deutschland vor dem Zusammenbruch hätte bewahren können (B1r/v). Camerarius fügt ein kurzes Gebet ein, in dem er Jesus Christus darum bittet, Deutschland zu schützen. Christus habe gewollt, dass in Deutschland die Wahrheit der himmlischen Lehre gefeiert werde (in qua voluit veritatem coelestis doctrinae celebrari, B1v; Anm. 1). Ebenso habe er gewollt, dass hier die Bildung blühe zu seinem Lob, zur Förderung der Moral und der Gesellschaft (oriri lucem optimarum disciplinarum et artium, ad ipsum laudandum ac venerandum, et vitae atque morum honestatem ac decus et cultum societatis humanae). Diese Wohltaten sollten nicht missbraucht werden, und man sollte nicht den Begierden nachgeben.
Nachdem der tugendhafte Fürst gestorben sei, verbleiben nun die noch Lebenden - Camerarius spricht in der 1. Person Plural - in Trauer und müssen sich ängstigen. Nachdem Moritz von seinem Vater Heinrich die Herrschaft übernommen habe, sei er jetzt - wie Alexander der Große - in seinem zwölften Jahr an der Herrschaft gewesen. Wechselnde Glücksumstände hätten seine Regierungszeit geprägt (B1v-B2r). Dies hätte er jedoch in einer Weise gemeistert, dass er weder gegen die Gottesverehrung noch gegen die menschliche Gerechtigkeit je verstoßen musste (B2r). Positive Eigenschaften und ererbte Vorzüge habe er nicht nur bewahrt, sondern noch gemehrt. Zu den Widrigkeiten, gegen die er sich zu Wehr setzen musste, gehörten Hass und Anfeindungen. Durch Milde habe er viele feindliche Schmäher für sich gewonnen (non modo non laeserit, sed clementer etiam protexerit). Dennoch habe er die Missgunst (invidia) nicht ganz besiegen können.
Es folgen Daten zu seiner Lebensgeschichte: Geburtsjahr und Herrschaftsjahre (B2v). Seine hohe kriegerische Aktivität war stets auf das Staatswohl ausgerichtet. Auch in externe Konflikte war er involviert. Moritz' Treue gegenüber dem Kaiser wird betont (B3r). Unter seinen Kriegen wird die Teilnahme am Feldzug gegen die Türken in Ungarn hervorgehoben (1542). Sodann kam es aber innerhalb Deutschlands zu einer verderblichen Erschütterung (Anm 2). In allgemeiner Form geht Camerarius mit Äußerungen des Bedauerns auf die innere Zerrissenheit Deutschlands ein (B3r/v). Der Krieg wird als ein noch von einem äußeren Feind verursachter Bürgerkrieg beschrieben (unter Rückgriff auf Lucan: Germania...suis ipsa viribus ruit). Camerarius lobt Moritz' Einsatz gegen die Zerteilung Deutschlands. Über die Zerfleischung des gemeinsamen Vaterlandes habe er Schmerz empfunden (dolens dilaceratione patriae communis; B3v-B4r). Camerarius verteidigt Moritz für seinen letzten Kriegseinsatz. Er habe nach wiederholten, aber gescheiterten diplomatischen Versuchen schließlich ungern (invitus) gegen die Mitbürger zu den Waffen greifen müssen, um Deutschland wieder zum Frieden zu bringen (B4r). Die Liebe zum Vaterland wird immer wieder als eine herausragende Eigenschaft von Moritz hervorgehoben. Den Tod des Fürsten beschreibt Camerarius als eine Enttäuschung von Erwartungen und Ursache großer Verunsicherung. Der Tod in der Schlacht wird ausführlich thematisiert. Unheilvolles Wetter und eigene Andeutungen des Fürsten hatten als Vorzeichen auf das Kommende hingewiesen. In einer fiktiven Rede des verstorbenen Moritz lässt Camerarius den Fürsten beteuern, dass er ganz auf den Frieden im Vaterland bedacht gewesen sei (C2r/v).
Zwei weitere Bereiche aus dem Wirken des Kurfürsten, dem Camerarius eine gesonderte und eingehende Darstellung widmet, ist sein Wirken im Bereich der Kirche und der Bildung (C2v-C3r). Die Kirche hat er geordnet (res Ecclesiastica constitueretur), die Unterrichtsorte gemehrt (scholastici coetus augerentur). In dem zweiten Bereich sei er sehr erfolgreich gewesen, in dem ersten, der Ordnung der Kirche, hätten sich ihm hingegen in der Praxis viele Widerstände entgegengestellt. Camerarius verteidigt seinen verstorbenen Landesherrn: Auf diesem Gebiet sei kaum etwas zu erreichen, ohne dass es bei einigen Leuten auf Ablehnung stoßen müsse. An diesem Punkt bürgt Camerarius durch eine persönliche Aussage (Nos autem scimus et res ipsa gratia Christo demonstrat): Alle Überlegungen, die der Fürst auf dem Gebiet der Religion anstellte, hätten ausschließlich auf die göttliche Wahrheit und Ehre sowie auf die Ruhe in der Kirche und die Übereinstimmung mit den leitenden Personen abgezielt (C3r). Hierbei war er auf die Reinheit der Lehre bedacht.
Daraufhin kommt Camerarius auf Moritz' Förderung der Bildung zu sprechen. Der Kurfürst habe erkannt, dass zur Erhaltung der kirchlichen Ordnung die Bildung und die Künste von höchster Bedeutung seien (C3v). Nur durch sie könne das öffentliche und das private Leben richtig gedeihen. Dabei habe der Fürst nicht nur die höheren Bildungsinstitutionen im Blick gehabt, sondern auch den Elementarunterricht (C3v-C4r).
Die Rede bedient die Vorstellung der Ars moriendi, indem die letzten Stunden des Sterbenden als Quintessenz des Lebens und Ausdruck der persönlichen Frömmigkeit präsentiert werden. Gegen den Tod habe sich Moritz nicht gesträubt (neque ... invitum). Auch mit einem Pfarrer hat er noch gesprochen (C4r-D1r). Es folgt eine Abschiedsansprache, in der der Verstorbene mit "du" angeredet wird (D1r). Camerarius spricht den Nachruf auch im Namen der Universität Leipzig aus (tua academia, D2r).
Die "Oratio funebris" schließt mit einem Gebet an Jesus Christus (D2v).

Anmerkungen

  • Anm. 1: Dies ist wohl als eine Umschreibung der Reformation aufzufassen.
  • Anm. 2: Aufgrund der Nähe zu Moritz' Tod bezieht sich Camerarius hier wohl auf den Zustand des Reiches während des Zweiten Markgrafenkrieges. Jedoch beschreibt die dargestellte politische Situation ebenso die Lage während des Schmalkaldischen Krieges.

Überlieferung

Als Verfasser eines "publice propositum" des Leipziger Universitätsrektors anläßlich des Todes von Kurfürst Moritz 1553 ist Joachim Camerarius auf der Abschrift eines Aushangs in der RSB Zwickau, Hs. U 32, bezeichnet. Siehe Otto Clemen: Beiträge zur deutschen Reformationsgeschichte, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 26 (1905), S. 133-141, hier S. 135 f. = Otto Clemen: Kleine Schriften zur Reformationsgeschichte 1897-1944. Hg. v. Ernst Koch. Bd. 2: 1904-1907, Leipzig 1983, S. 157-165, hier S. 159 f.