Camerarius, Prolegomena in libellum Ciceronis De officiis, 1550

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 0517
Zitation Prolegomena in libellum Ciceronis ad filium De officiis, bearbeitet von Marion Gindhart (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0517
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel Prolegomena in libellum Ciceronis ad filium De officiis
Kurzbeschreibung In den "Prolegomena" zu Ciceros "De officiis" geht Camerarius unter anderem auf den Titel, auf Inhalt und Anliegen der Schrift sowie die stoischen Grundlagen ein. Ein längerer Exkurs verweist auf die Unterschiede zwischen Philosophie und Theologie und warnt vor einer Vermengung. Der Primat komme der doctrina Christiana zu, die den einzigen Weg zum wahren – nicht weltimmanenten – glückseligen Leben weise. Unter ihrer Ägide seien die studia litterarum von höchstem Nutzen, ja unabdingbar für die menschliche Gesellschaft. Der doctrina Ethica zu folgen sei göttlicher Wille.
Erstnachweis 1550
Bemerkungen zum Erstnachweis Die Ausgabe, in der die "Prolegomena" enthalten sind, wurde 1550 gedruckt.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1550/01/01
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1550/12/31
Schlagworte / Register Theologie; Willensfreiheit; Ethik; Bildungsdiskurs; Stoizismus
Paratext zu
Paratext? ja
Paratext zu Cicero, De officiis et al., 1550
Überliefert in
Druck Cicero, De officiis et al., 1550; Cicero, De officiis et al., 1554; Cicero, De officiis et al., 1558; Cicero, De officiis et al., 1562; Cicero, De officiis et al., 1567
Erstdruck in Cicero, De officiis et al., 1550
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. AA2r-BB8v
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MG
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 4.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0517
Zitation Prolegomena in libellum Ciceronis ad filium De officiis, bearbeitet von Marion Gindhart (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0517
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Latein
Werktitel Prolegomena in libellum Ciceronis ad filium De officiis
Kurzbeschreibung In den "Prolegomena" zu Ciceros "De officiis" geht Camerarius unter anderem auf den Titel, auf Inhalt und Anliegen der Schrift sowie die stoischen Grundlagen ein. Ein längerer Exkurs verweist auf die Unterschiede zwischen Philosophie und Theologie und warnt vor einer Vermengung. Der Primat komme der doctrina Christiana zu, die den einzigen Weg zum wahren – nicht weltimmanenten – glückseligen Leben weise. Unter ihrer Ägide seien die studia litterarum von höchstem Nutzen, ja unabdingbar für die menschliche Gesellschaft. Der doctrina Ethica zu folgen sei göttlicher Wille.
Erstnachweis 1550
Bemerkungen zum Erstnachweis Die Ausgabe, in der die "Prolegomena" enthalten sind, wurde 1550 gedruckt.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1550/01/01
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1550/12/31
Schlagworte / Register Theologie; Willensfreiheit; Ethik; Bildungsdiskurs; Stoizismus
Paratext zu
Paratext? ja
Paratext zu Cicero, De officiis et al., 1550
Überliefert in
Druck Cicero, De officiis et al., 1550; Cicero, De officiis et al., 1554; Cicero, De officiis et al., 1558; Cicero, De officiis et al., 1562; Cicero, De officiis et al., 1567
Carmen
Gedicht? nein
Bearbeitungsdatum 4.02.2020


Aufbau und Inhalt

In den "Prolegomena" zu Ciceros "De officiis" definiert Camerarius zunächst die Grundanliegen der doctrina litterarum atque eruditio (AA2r): die Betrachtung der behandelten Materie (tractatio) und der literarischen Form (expositio) sowie des Ziels des Werkes und der Intention des Autors.
Die antiken Werktitel seien programmatisch gewählt, um auf Inhalt und Anliegen der Schrift zu verweisen. Cicero etwa behandele in "De officiis" die honestas morum ac actiones laudabiles (AA2r). Camerarius reflektiert über die Wahl des Titels und verteidigt den Plural (de officiis - περὶ καθηκόντων) gegen den Singular.
Aus dem Gebiet der Ethik greift Cicero also in "De officiis" den Bereich der actiones laudabiles heraus und folgt dabei der stoischen Maxime virtutem solum esse bonum & turpitudinem malum (AA4v; Et ab his (scil. Stoicis) sensit officiorum certissima praecepta dari, ideoque illos potissimum in hac disputatione sequi voluit, sic quidem inventa illorum ut arbitrio iudicioque suo explicaret, ebd.). Er adaptiert die stoische Lehre für die Lebenspraxis und vermittelt sie - expliziter Adressat ist sein Sohn - im sermo Latinus continuus (ebd.).
In einem Exkurs rekurriert Camerarius auf die Unterschiede von Philosophie und christlicher Lehre und weist letzterer den absoluten Primat zu, da sie allein den Weg zu einem glückseligen Leben weisen könne (In hac omnis rerum divinarum veritas, humanarumque bonitas continetur. Haec ad beatam vitam certissimam quippe unicam viam demonstrat, BB1v). Dennoch seien die studia litterarum und die Philosophie von höchstem Nutzen für die menschliche Gesellschaft und ihren Bestand, woraus folgt: Est igitur eruditio litterarum & philosophia una vel pulcerrima, vel maxime necessaria ars, vel potius in necessitate speciosissima. Quae tamen (…) cum doctrina Christiana non confundi, sed inservire illi debet, quemadmodum omnes res atque partes par est destinari ad laudem & gloriam Dei, BB2v). Es sei die Pflicht des Menschen, sich zu bilden und seine ihm von Gott verliehenen Fähigkeiten zu entfalten (v.a. durch die cura animi), damit daraus eben lobens- und ehrenwerte Handlungen für die Gemeinschaft resultieren können. Alles habe jedoch sein Ziel in der Verherrlichung Gottes. Der doctrina Ethica zu folgen und sie zu bewahren sei göttlicher Wille.
Nach diesem ausführlichen Exkurs geht Camerarius auf die Inhalte von "De officiis" ein. Grundthese sei, dass die Seelen der Menschen von drei Dingen bewegt werden: dem Ehrenhaften (honestum), dem Nützlichen (utile) und dem Vergleich von Ehrenhaftem und Nützlichem unter- und miteinander. Die ratio und das iudicium Naturae leiten zum Nützlichen wie zum Ehrenhaften, wobei es nichts Nützliches gibt, was nicht ehrenhaft ist. Das 1. Buch widmet sich ausführlich dem Ehrenhaften, das 2. Buch dem Nützlichen, das 3. Buch ethischen Kontroversen. Camerarius reflektiert über die Gründe, etwas zu tun oder zu vermeiden (mit Rekurs auf Aristoteles‘ "Nicomachische Ethik" und Ciceros ablehnende Haltung gegen die voluptas als Movens für die Ausführung eines officium: Hic autem motus est expers rationis & consilii, ideo ad officia voluptatis quaestio non pertinet, BB6v). Doch auch wenn ratio und iudicium Naturae das Nützliche erkennen, steht doch der Ausführung oft die menschliche Defizienz entgegen (Etsi autem ratio iudiciumque Naturae recte & vera quae sunt approbat, & commendat utilia, ac contraria his damnat, tamen summa est animi atque voluntatis, & in appetendo pigritia, & in persequendo inconstantia, & in perficiendo ignavia atque debilitas, BB7v).
Die antiken Philosophen banden die vita beata an die Taten der virtus und konnten nicht erkennen, dass diese auf Erden und allein durch menschliche Anstrengung gar nicht möglich ist. Deswegen dürfen eben divina doctrina und Philosophie nicht vermengt werden. Das Urteil über die virtus sei den Menschen angeboren (nam ratio perfectio est Naturae humanae, & vera ratione virtus constituitur, BB7v), was aber nicht heißt, dass alle Menschen gut seien, da hier der freie Wille eine Rolle spiele. Auch wenn alles Lebendige nach Unversehrtheit strebe, richten sich nicht alle nach der Garantin dafür, der virtus. Für die paganen Philosophen ist die Erklärung ein Problem, für die Christen nicht (Sündenfall). Camerarius appelliert daran, statt über die Gründe zu disputieren, im Leben zur Tat zu schreiten und schließt ein Gebet an Gott um Unterstützung an.