Camerarius, Prooemium ad Philippum landgrafium Hassiae, 1566

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 0774
Zitation Prooemium ad Illustriss(imum) principem ac dom(inum) d(ominum) Philippum Landgrafium Hassiae, principem Cattorum & c, bearbeitet von Marion Gindhart (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0774
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel Prooemium ad Illustriss(imum) principem ac dom(inum) d(ominum) Philippum Landgrafium Hassiae, principem Cattorum & c
Kurzbeschreibung Camerarius berichtet über die langen Verzögerungen, die ihn - trotz inständigen Drängens der Freunde schon zu Lebzeiten Melanchthons - erst einige Zeit nach Melanchthons Tod dessen Biographie verfassen ließen. Er sehe sie als officium gegenüber dem Freund und hoffe, dass der Widmungsempfänger Philipp von Hessen den Ruhm Melanchthons wahre, den einige seiner Gegner postum noch zu schädigen trachten.
Erstnachweis 1566
Bemerkungen zum Erstnachweis Der Druck datiert auf das Jahr 1566 (Kolophon), das Proöm selbst enthält keine Datumsangabe.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn)
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende)
Schlagworte / Register Prooemium; Biographie; Gnesiolutheranismus
Paratext zu
Paratext? ja
Paratext zu Camerarius, De Philippi Melanchthonis ortu, 1566
Überliefert in
Druck Camerarius, De Philippi Melanchthonis ortu, 1566
Erstdruck in
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MG
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 4.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0774
Zitation Prooemium ad Illustriss(imum) principem ac dom(inum) d(ominum) Philippum Landgrafium Hassiae, principem Cattorum & c, bearbeitet von Marion Gindhart (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0774
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Latein
Werktitel Prooemium ad Illustriss(imum) principem ac dom(inum) d(ominum) Philippum Landgrafium Hassiae, principem Cattorum & c
Kurzbeschreibung Camerarius berichtet über die langen Verzögerungen, die ihn - trotz inständigen Drängens der Freunde schon zu Lebzeiten Melanchthons - erst einige Zeit nach Melanchthons Tod dessen Biographie verfassen ließen. Er sehe sie als officium gegenüber dem Freund und hoffe, dass der Widmungsempfänger Philipp von Hessen den Ruhm Melanchthons wahre, den einige seiner Gegner postum noch zu schädigen trachten.
Erstnachweis 1566
Bemerkungen zum Erstnachweis Der Druck datiert auf das Jahr 1566 (Kolophon), das Proöm selbst enthält keine Datumsangabe.


Schlagworte / Register Prooemium; Biographie; Gnesiolutheranismus
Paratext zu
Paratext? ja
Paratext zu Camerarius, De Philippi Melanchthonis ortu, 1566
Überliefert in
Druck Camerarius, De Philippi Melanchthonis ortu, 1566
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Bearbeitungsdatum 4.02.2020


Inhalt

Camerarius sei bereits zu Lebzeiten Melanchthons von Freunden gedrängt worden, mit der Niederschrift einer Biographie zu beginnen, da er mit diesem schon lange eng vertraut sei und deswegen am meisten über ihn wisse. So könne auch der gegenseitige Gewinn aus dieser Freundschaft dargestellt und erinnert werden. Jedem sei die besondere Nähe der beiden aufgefallen (Anrede des Camerarius als frater in den Briefen Melanchthons, öffentliche Umarmung, ehrenvolle Erwähnung in Gesprächen mit Dritten), die auch Camerarius als nostra coniunctio singularis (A2v) bezeichnet. Leider habe er jedoch das Vorhaben bis zum Tod Melanchthons nicht umsetzen können und auch danach dauerte es noch, bis das drängende Mahnen der Freunde an das officium (A3v) gegenüber Melanchthon ihn zum Schreiben brachte. Die zwischenzeitlich erschienenen Schriften anderer über Melanchthon hemmten ihn nun nicht mehr, sondern spornten ihn an: Er hoffe, die Leser durch eine Verschiedenartigkeit der Sprachstile (diversae orationis varietas, ebd.) zu erfreuen und sie mit weiteren Informationen zu versehen.
Es folgt eine Apostrophe an Philipp von Hessen, dem Camerarius die Biographie widmet. Er sei Melanchthon immer gewogen gewesen, habe dessen überragende Bedeutung für das Reich erkannt und könne vieles, was in der Biographie berichtet wird, bezeugen. Deswegen solle er helfen, den Ruhm Melanchthons zu schützen, da dieser hervorragende und unbescholtene Mann auch noch postum mit ungerechter Kritik und Beleidigungen verfolgt werde, deren Urheber dadurch den Beifall der einfachen Menschen suchten (mit Zeitklage). Melanchthon, den sie verächtlich machen wollen, werde aber umso strahlender hervortreten. Zu Lebzeiten sei diese Intensität des Hasses und Neides nicht möglich gewesen, jetzt aber griffen sie den Ruf des Verstorbenen mit ihren Schmähungen so an wie die Griechen den Leichnam Hektors mit ihren Speeren (mit Invektiven gegen einige nicht namentlich genannte Melanchthongegner wie Tilemann Heshusen oder Nicolaus Gallus). Doch fällt diese Schmach auf sie selbst zurück. Jetzt wolle er aber mit seiner Biographie Melanchthons beginnen, die sich auf seinen eigenen Umgang mit ihm, Nachforschungen und den verlässlichen Zeugnissen Dritter stützt und dabei auch einige Exkurse (cum negotiorum tum personarum mentiones huc pertinentes, vel non abhorrentes certe ab instituto opusculo, B2r) enthält.

Anmerkungen

Eine Übersetzung des Proöms bietet Werner 2010, S. 33-38.
Die genannte intensivierte postume Kritik an Melanchthon dürfte in Zusammenhang mit dem Heidelberger Abendmahlsstreit stehen, zu dem er sich mit einem Iudicum positioniert hatte (der Begleitbrief an Friedrich von der Pfalz datiert vom 01.11.1559). Es wurde 1560 veröffentlicht und löste entsprechende Reaktionen seitens der Melanchthongegner (etwa von Nicolaus Gallus oder Tilemann Heshusen) aus - sowie Gegenreaktionen (dazu Wengert 1995, hier: S. 120-123).
Bei den genannten Schriften Dritter dürfte es sich um Nachrufe auf Melanchthon wie die Reden von Veit Winsheim (VD16 O 446) oder Jakob Heerbrand (VD16 H 1055) handeln, die 1560 gedruckt wurden (dazu Wartenberg 1999, hier: S. 182f.).
Der literarische Anspruch, den Camerarius für die Vita proklamiert (rhetorische Vielfalt, wie sie etwa durch die Progymnasmata vermittelt wurde), wird von Scheible verneint: "Auch der literarische Anspruch ist bescheiden. Ohne Gliederung schrieb er nieder, was ihm durch den Kopf ging und in die Feder floss." (Scheible in Werner 2010, S. 23-25). Als durchrhetorisiertes Modell biographischen Schreibens sieht die Melanchthonvita demgegenüber Wengert 1995 passim. Zum Stil des Camerarius vgl. auch Stählin 1936, S. 21-28, der in den Biographien ein starkes Zurücktreten des Rhetorischen konstatiert (S. 26) und "die Macht einer guten Tradition, aber nicht die Herrschaft einer großen Form" (S. 39) sieht.