Camerarius an Crato, 13.11.1553

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
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Camerarius an Crato, 15.12.155215 Dezember 1552 JL
Camerarius an Crato, 18.10.155218 Oktober 1552 JL
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 13.11.155413 November 1554 JL
Camerarius an Crato, 05.01.15575 Januar 1557 JL
Camerarius an Crato, 21.06.155721 Juni 1557 JL
Werksigle OCEp 1432
Zitation Camerarius an Crato, 13.11.1553, bearbeitet von Marion Gindhart (17.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1432
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Prophetae Hieremiae lamenta, 1554
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. A2r-A5v
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1553/11/13
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Das Briefgedicht gibt als Datum: Id. Novembr. anno Christi M.D.LIII.
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort Breslau
Gedicht? ja
Incipit Quod tua, docte Crato, studiis aequalia nostris
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? ja
Paratext zu Camerarius, Threni Hieremiae prophetae, 1554
Kurzbeschreibung Das Briefgedicht an Crato (205 Hexameter) kreist um die deplorable Situation des von inneren Kriegen gebeutelten Reiches, die Camerarius unter anderem zur Übersetzung und Versifikation der Klagen Jeremias veranlasst habe. Implementiert ist eine Versübertragung der "Volksklage" (Klgl. 5,1-22).
Anlass
Register Briefgedicht; Zweiter Markgrafenkrieg (1552-1554); Bibeldichtung; Übersetzung; Werkgenese; Schmalkaldischer Krieg (1546-1547); Belagerung Leipzigs (1547); Belagerung Magdeburgs (1550-1551); Fürstenaufstand (1552)
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen Entstehungs- und Zielort mutmaßlich
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MG
Gegengelesen von
Datumsstempel 17.12.2019
Werksigle OCEp 1432
Zitation Camerarius an Crato, 13.11.1553, bearbeitet von Marion Gindhart (17.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1432
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Prophetae Hieremiae lamenta, 1554
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. A2r-A5v
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1553/11/13
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Das Briefgedicht gibt als Datum: Id. Novembr. anno Christi M.D.LIII.
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort Breslau
Gedicht? ja
Incipit Quod tua, docte Crato, studiis aequalia nostris
Regest vorhanden? ja
Paratext ? ja
Paratext zu Camerarius, Threni Hieremiae prophetae, 1554
Kurzbeschreibung Das Briefgedicht an Crato (205 Hexameter) kreist um die deplorable Situation des von inneren Kriegen gebeutelten Reiches, die Camerarius unter anderem zur Übersetzung und Versifikation der Klagen Jeremias veranlasst habe. Implementiert ist eine Versübertragung der "Volksklage" (Klgl. 5,1-22).
Register Briefgedicht; Zweiter Markgrafenkrieg (1552-1554); Bibeldichtung; Übersetzung; Werkgenese; Schmalkaldischer Krieg (1546-1547); Belagerung Leipzigs (1547); Belagerung Magdeburgs (1550-1551); Fürstenaufstand (1552)
Datumsstempel 17.12.2019


Regest

Das lange Briefgedicht (205 Hexameter) beginnt mit einer Anrede an Crato. Er und Camerarius seien über ihre studia verbunden, auch wenn der Arzt Crato im Licht stehe, während der Philologe Camerarius im Verborgenen arbeite. Deswegen schreibe er ihm immer wieder, in Prosa und Versen, da er wisse, dass sich Crato darüber freue, der sich nicht nur um die Medizin, sondern auch um die Werke der Musen kümmere. Andere wären davon vielleicht nicht angetan, aber die Menschen seien eben verschieden. Obwohl er wisse, dass die Pflege der Musen weder das Vermögen mehre, noch großes Lob verschaffe, habe er sich dieser cura (v. 21) neben anderer angenommen. Ihn erwarte für den Rest seines Lebens weder viel Gewinn noch viel Verlust und das (horazische) Dictum treffe zu: Vixisse haud male, qui natus moriensque fefellit. (v. 39, est: Nec vixit male, qui natus moriensque fefellit., Hor. ep. 1,17,10).
Das siebte Jahr werde nun schon Krieg im eigenen Land geführt (bellum civile inciviliter gestum, vv. 41f.), in dem sich das Reich selbst zerstöre und in seinem Wahn nicht auf Gefahren (von außen) blicke (Anm. 1). Ohne Rücksicht auf Verluste stürze es sich ins Verderben und denke nicht an den guten Ruf und die Tugenden der Vorfahren, bei denen schon allein das Berühren von geheiligten Orten ohne Plünderung als ungeheuerlicher Frevel angesehen wurde (Anm. 2), wie auch Übergriffe gegen Frauen, Waisen und Kindern. Auch Geistliche und Gelehrte seien sicher gewesen. Doch wolle er jetzt nicht auf die Gründe für den Sittenverfall eingehen, um sich nicht noch mehr zu gefährden. Der Verursacher der gegenwärtigen Gräuel werde sich jedoch vor Gott nicht verbergen können. Die Situation sorge für Betrübnis, zumal noch größere Übel zu befürchten seien. Er selbst reiße gegen seinen Willen mit Klagen die eigenen Wunden angesichts dieses gemeinsamen Unheils immer wieder auf. Doch der Geist nehme voll Angst Zuflucht zu den Klagen und finde dadurch in den Wogen und Stürmen des Krieges ein wenig Ruhe.
Als dieses Unwetter der Heimat seinen Schrecken zu zeigen begann und vier Jahre vergangen waren, habe Camerarius angefangen, die Klagen des Jeremia (nach der Zerstörung Jerusalems) in lateinische Verse umzusetzen. Doch als der Himmel zwischenzeitlich aufklarte, habe er das Werk beiseite gelegt. Nun jedoch rufe es der klirrende Winterfrost wieder hervor, doch habe er erfahren, dass jemand Drittes bereits eine Versifikation fertig gestellt habe. Allerdings habe dieser Distichen verwendet (also Hexameter und Pentameter), während er sich auf ein einziges Versmaß beschränkte, das zum traurigen Inhalt passe (i.e. auf Anapäste). Während des Schreibens seien ihm oft selbst Tränen gekommen und die Angst habe ihn bald gelähmt und ihm bald das Herz hochschlagen lassen. Große Furcht habe ihm der Gedanke an die göttliche Strafe gemacht, bis er nach dem Vorbild Jeremias dort Hilfe suchte, wo sie nur Frömmigkeit und Glauben finden könnten. Deswegen möchte er nun beten und Crato soll dies mit ihm tun:
Das folgende Gebet (vv. 119-190), ist eine Versübersetzung von Klgl. 5,1-22 (Volksklagelied, Anm. 3). Ein Einschub (vv. 165-172) formuliert die Hoffnung, dass Gottes Zorn wie einst auch jetzt besänftigt werden könne. Camerarius wolle nun aber das Schiff aus dem Meer der Trauer in den Hafen bringen und verabschiedet sich von Crato, mit dem er, wie es unter Freunden üblich ist, auch seinen Schmerz geteilt habe.

  • Anm. 1: In diese Zeitraum fallen der Schmalkaldische Krieg, die Belagerungen von Leipzig und Magdeburg, der Fürstenaufstand und der Zweite Markgrafenkrieg.
  • Anm. 2: Die Übergriffe auf die "geheiligten Orte" dürfte sich auf die Plünderung der Hochstifte durch Albrecht Alcibiades beziehen.
  • Anm. 3: Eine Variante des Gebets (ohne den Einschub) findet sich unter dem Titel "Precatio Hieremiae" in der späteren Sammlung "Disputatio de precibus" (232-234).

(Marion Gindhart)