Camerarius an Crato, mutmaßlich 1568

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
Camerarius an Crato, 25.11.156725 November 1567 JL
Camerarius an Crato, 20.11.156720 November 1567 JL
Camerarius an Crato, 25.05.156725 Mai 1567 JL
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 11.04.156811 April 1568 JL
Camerarius an Crato, 05.08.15685 August 1568 JL
Camerarius an Crato, 15.01.156915 Januar 1569 JL
Werksigle OCEp 0439
Zitation Camerarius an Crato, mutmaßlich 1568, bearbeitet von Manuel Huth, Anne Kram und Ulrich Schlegelmilch (26.04.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0439
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae doctorum, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. R8v-S2r
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1568
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum im Druck o.D. und o.J.; mutmaßlich 1568 (s. Hinweise zur Datierung)
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende 1568
Sprache Latein
Entstehungsort o.O.
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Inter ea quae praecipientibus diversis didicisse se M. Antoninus Imperator commemoravit
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:AK; Benutzer:US
Gegengelesen von Benutzer:US
Datumsstempel 26.04.2020
Werksigle OCEp 0439
Zitation Camerarius an Crato, mutmaßlich 1568, bearbeitet von Manuel Huth, Anne Kram und Ulrich Schlegelmilch (26.04.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0439
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae doctorum, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. R8v-S2r
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1568
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum im Druck o.D. und o.J.; mutmaßlich 1568 (s. Hinweise zur Datierung)
Unscharfes Datum Ende 1568
Sprache Latein
Entstehungsort o.O.
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Inter ea quae praecipientibus diversis didicisse se M. Antoninus Imperator commemoravit
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Datumsstempel 26.04.2020


Hinweise zur Datierung

Camerarius' Bemerkung am Briefende, dass dieser Brief zusammen mit den beigefügten Gedichten gedruckt werden solle, rückt den Brief ins engere zeitliche Umfeld des Briefbandes. Vermutlich ist er also 1568 selbst oder kurz vorher entstanden.

Regest

Von allem, was Kaiser Marcus (Aurelius) Antoninus laut eigener Aussage von verschiedenen Lehrern gelernt habe, sei folgende Anweisung des Platonikers Alexander (Camerarius glaube, damit sei Alexander von Aphrodisias gemeint; s. Anm.) wichtig: Er solle nicht ohne Grund sagen oder in einem Brief schreiben, dass er zu beschäftigt sei (M. Aurel. 1,12). Denn er glaube nicht, dass irgendeine Beschäftigung die vernachlässigte Pflicht ausreichend entschuldigen könne. Camerarius' Aufgaben seien nicht so einnehmend, als dass sie ihn davon abhalten könnten, Briefe an seine Freunde zu schreiben. Warum Crato also so selten Briefe von ihm bekomme? Aus drei Gründen geschehe dies gewöhnlich. Entweder weil man krank sei, keinen Briefboten finde oder nichts Mitteilungswürdiges schreiben könne. Letzteres werde ihm Crato wohl nicht durchgehen lassen, da er bekräftige, beim Lesen von Camerarius' Briefen immer zur Ruhe zu kommen, und seinen Einfallsreichtum so hoch einschätze, dass er glaube, Camerarius könne täglich etwas schreiben, was er gerne lesen würde. Von den beiden übrigen Gründen sei der Mangel an Briefboten der wichtigere. Denn er glaube nicht, dass der Gesundheitszustand, auch wenn er mit dem Alter schwächer und wegen eines Crato bekannten Übels anfälliger werde, in dieser Hinsicht einen Aufschub bewirken dürfe, es sei denn, es träten zeitweise Paroxysmen auf. Es bleibe, wie gesagt, der Mangel an Briefboten als einziger Grund übrig. Er hoffe, dass dieser in Kürze als Grund ausfallen werde, sobald Crato näher zu ihm komme. Denn es gehe das Gerücht, dass der Kaiser nach Böhmen kommen werde.

Worüber Crato schreibe, rufe Schmerz und Empörung hervor – Schmerz wegen des blinden, Empörung wegen des maßlosen Wahnsinns der Menschen. Aber so sei es eben in bedeutenden Zeiten, die eine schicksalhafte Wendung mit sich brächten. Über diese traurigen Angelegenheiten wolle er aber nicht mehr schreiben, weil gewöhnlich alles, was man sage, durch eine böswillige und ungerechte Auslegung ins Gegenteil verkehrt werde. Deshalb erinnere er sich an die plautinischen Worte in den Bacchides: Er dürfe nichts mehr wissen und habe alles vergessen. Und er wisse auch das nicht, was er wisse (Plaut. Bacch. 790f.). Über den Zustand der Dinge klage er still bei sich und die bevorstehenden Ereignisse beurteile er mit Blick auf ähnliche Ereignisse in der Vergangenheit. Das übrige überlasse er Gott.

Was die Briefe anbelange, die Crato erwähnt habe, so müsse er die Angelegenheit überdenken. Die Briefe, die Philipp Melanchthon ihm geschrieben habe, wolle er sammeln und veröffentlichen. Dass dieser in jeder Hinsicht herausragende Mann immer noch von manchen angefeindet werde, ärgere sie beide und Crato tue das, was ein anständiger und gebildeter Mensch tun müsse. Denn Camerarius wisse, dass Crato diese Frechheit nicht nur wegen des Mannes schmerze, den er zu Lebzeiten sehr geschätzt und zu recht verehrt habe, sondern viel mehr noch weil er erkenne, dass hier ein wohlbestelltes und durchdachtes Gebäude so dreist beschädigt und schamlos eingerissen werde. Von allen Seiten stürzten sich nun gewisse Leute wie Hornissen oder Wespen auf seine Schriften, und jeder versuche seinen Stachel in eine andere zu bohren. Einer von ihnen habe Melanchthons Loci (communes) nicht nur klug und gebildet, sondern auch geistreich und redegewandt eigene Loci mit dem Titel Topica gegenübergestellt. Andere zögerten nicht, die Schriften zu zerpflücken und einzelne Stellen herauszupicken, um sie zu verspotten. Aber die Schriften Melanchthons seien so fundiert, dass sie leicht vor nichtigen Angriffen verteidigt werden könnten. Er wisse nicht, ob die Verse, von denen Crato – wie er schreibe – gehört habe und die er haben wolle, veröffentlicht seien. Und er wisse nicht, ob er sie einigen gezeigt oder in Abschrift gegeben habe. Aber weil er überzeugt davon sei, dass die Idee jener Verse richtig sei und ihr Inhalt noch viel mehr gelobt werden müsse, habe er sie diesem Brief zur Wiederansicht unten angefügt und dafür gesorgt, dass sie mit ihm zusammen gedruckt würden (s. Hinweise zum Druck). Er könne wohl darauf vertrauen, dass Crato sich darüber freue. Denn obwohl er ihm dies privat geschrieben habe, habe er geglaubt bzw. sei er sich sicher gewesen, dass Crato wolle, dass sie auch in der Öffentlichkeit gelesen werden könnten.

Lebewohl.

(Anne Kram)

Anmerkungen

  • "damit sei Alexander von Aphrodisias gemeint": Alexander von Aphrodisias ist aufgrund seiner Lebensdaten unwahrscheinlich als Lehrer Mark Aurels, die Forschung identifiziert ihn derzeit als Alexander Peloplaton.

Hinweise zum Druck

Es folgen mehrere Gedichte: Εἰς θεολογικοὺς τόπους Φιλίππου Μελάνγχθονος und Περὶ τῆς ἐξομολογήσεως γεγονυῖας ἐπὶ Καρόλου αὐτοκράτορος ἐν τῇ αὐγούστῃ, ἔτει ἀπὸ χριστογονίας α. Φ. Λ. (Η πρὸ σεβαστείου μακρόν ποτ' ἄυσε θρόνοιο (Inc.)) und Τόνδε ποθ' οἰ θεῖον συναθροισθέντες πρὸς ἀγῶνα (Inc.).

Literatur und weiterführende Links