Camerarius an Fabricius, 25.09.1546

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
Camerarius an Fabricius, 05.08.15465 August 1546 JL
Camerarius an Fabricius, 1544-1546 (?)1544 JL
 Briefdatum
Camerarius an Fabricius, vor dem 24.10.154724 Oktober 1547 JL
Camerarius an Fabricius, ca. 07.1549Juli 1549 JL
Fabricius an Camerarius, 28.06.155028 Juni 1550 JL
Werksigle OCEp 1440
Zitation Camerarius an Fabricius, 25.09.1546, bearbeitet von Marion Gindhart (17.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1440
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Vergil, Opera, 1546
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. Aa2r-Aa5v
Zweitdruck in Vergil, Opera, 1548
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck Bl. Aa2r-Aa5v
Sonstige Editionen Vergil, Opera, 1551, Bl. Aa2r-Aa5v; Vergil, Opera, 1553, Bl. Aa2r-Aa5v; Vergil, Opera, 1556, Bl. Aa2r-Aa5v; Vergil, Opera, 1561, Bl. Aa2r-Aa5v; Vergil, Opera, 1563, Bl. Aa2r-Aa5v; Vergil, Opera, 1565, Bl. Aa2r-Aa5v; Vergil, Opera, 1566, Bl. Aa2r-Aa5v; Vergil, Opera, 1568, Bl. Aa2r-Aa5v
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Georg Fabricius
Datum 1546/09/25
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Der Widmungsbrief datiert auf den 25. September s.a. (VII. Cal. Octobr.), der Erstdruck auf das Jahr 1546.
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort Meißen
Gedicht? nein
Incipit Ecquid tibi fortes videmur Fabrici
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu Vergil, Opera, 1546; Vergil, Opera, 1548
Kurzbeschreibung Camerarius reflektiert über die eigene literarisch-philologische Tätigkeit in der aktuellen Krisenzeit und die des Georg Fabricius, von dessen Produktivität er sich bei einem Besuch in Meißen überzeugen konnte. In dessen Bibliothek habe er eine Handschrift mit den Werken Vergils gefunden und diese für eine Ausgabe beigezogen, die Bapst in Leipzig vorbereitete. Er nennt die einzelnen Bestandteile der Ausgabe, für die er verantwortlich zeichnet, und betont die Unübertroffenheit Vergils und den Stellenwert einer aemulatio Vergilii.
Anlass
Register Widmungsbrief; Werkgenese; Bibliothek (Fabricius); Edition; Editionsphilologie; Textkritik; Elementarunterricht; Briefe/Parallelüberlieferung
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen Die Blattzahlen für die Erstausgabe 1546 müssen noch am Original (UBA) verifiziert werden

Ggf. noch die erwähnten Hss. (Vergil, Eusebius) anlegen?

Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MG
Gegengelesen von Benutzer:MH; Benutzer:US
Datumsstempel 17.12.2019
Werksigle OCEp 1440
Zitation Camerarius an Fabricius, 25.09.1546, bearbeitet von Marion Gindhart (17.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1440
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Vergil, Opera, 1546
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. Aa2r-Aa5v
Zweitdruck in Vergil, Opera, 1548
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck Bl. Aa2r-Aa5v
Sonstige Editionen Vergil, Opera, 1551, Bl. Aa2r-Aa5v; Vergil, Opera, 1553, Bl. Aa2r-Aa5v; Vergil, Opera, 1556, Bl. Aa2r-Aa5v; Vergil, Opera, 1561, Bl. Aa2r-Aa5v; Vergil, Opera, 1563, Bl. Aa2r-Aa5v; Vergil, Opera, 1565, Bl. Aa2r-Aa5v; Vergil, Opera, 1566, Bl. Aa2r-Aa5v; Vergil, Opera, 1568, Bl. Aa2r-Aa5v
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Georg Fabricius
Datum 1546/09/25
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Der Widmungsbrief datiert auf den 25. September s.a. (VII. Cal. Octobr.), der Erstdruck auf das Jahr 1546.
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort Meißen
Gedicht? nein
Incipit Ecquid tibi fortes videmur Fabrici
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu Vergil, Opera, 1546; Vergil, Opera, 1548
Kurzbeschreibung Camerarius reflektiert über die eigene literarisch-philologische Tätigkeit in der aktuellen Krisenzeit und die des Georg Fabricius, von dessen Produktivität er sich bei einem Besuch in Meißen überzeugen konnte. In dessen Bibliothek habe er eine Handschrift mit den Werken Vergils gefunden und diese für eine Ausgabe beigezogen, die Bapst in Leipzig vorbereitete. Er nennt die einzelnen Bestandteile der Ausgabe, für die er verantwortlich zeichnet, und betont die Unübertroffenheit Vergils und den Stellenwert einer aemulatio Vergilii.
Register Widmungsbrief; Werkgenese; Bibliothek (Fabricius); Edition; Editionsphilologie; Textkritik; Elementarunterricht; Briefe/Parallelüberlieferung
Datumsstempel 17.12.2019



Regest

Camerarius setzt seine aktuelle literarisch-philologische Aktivität (die vorliegende Vergil-Ausgabe) in Krisen- und Kriegszeiten in Konnex mit der schriftstellerischen Tätigkeit Vergils. Dies könne man unter fortitudo fassen. Ebenso, dass er dies tue, obwohl er davon in Anspruch genommen sei, die Pflege der Wissenschaften (opt(imarum) artium atque disciplinarum cultura, Aa2r) zu festigen und voranzutreiben. Er fahre allen Unbilden und allem Pessimismus zum Trotz mit seiner ihm zugedachten Aufgabe fort: Hoc est enim opificium nostrum, εἶναι ἐν μούσαις ἀεί (Aa2v).
Fabricius übertreffe sowohl in der Lehre als auch im Schreiben Camerarius, da er jede freie Minute zum "Musenwerk" (opus Musicum, Aa2v) nutze. Von dessen Produktivität konnte sich Camerarius kürzlich bei einem Besuch in Meißen überzeugen.
Camerarius sei desillusioniert und sehe nicht, warum es noch richtig und löblich sein solle, dass er in dieser Zeit seine studia pflege (vgl. auch: At mihi maxime nunc caussa videtur esse, ut quidvis potius agamus, quam incumbamus litteris, his quidem quibus neque nunc quicquam despectius, neque in posterum ulla bona spes proposita sit, Aa3r). Es folgt eine Zeitklage mit Bitte um Gottes Schutz für die Zukunft und eine Reflexion über diese Passage: Camerarius habe sie aus seiner aktuellen Befindlichkeit niedergeschrieben und belassen, auch wenn er wisse, dass andere seine Klage anders lesen werden als Fabricius.
Camerarius berichtet, dass er in der mit viel Sachverstand, Mühe und finanziellem Aufwand erworbenen Bibliothek des Fabricius die drei zweifelsfrei von Vergil stammenden Werke als Handschrift gefunden habe. Da in Leipzig (von Bapst) gerade eine Druckausgabe vorbereitet wurde, habe er Fabricius um sein Handschriftenexemplar gebeten (petiimus a te & facile impetravimus copiam libri istius, Aa4r). Mit dem Text (cum quo, ebd.) sei er dann sofort nach Leipzig zurückgekehrt und habe sich dort um weitere Textexemplare gekümmert. Er habe festgestellt, dass im Codex Lesarten begegneten, die Anmerkungen verdienten, und habe diese zum Nutzen der Schüler/Studenten, die sich mit Vergil beschäftigen, am Ende der gedruckten Ausgabe beigeben lassen. Desgleichen habe er sich dazu entschlossen, aus denjenigen Dichtungen, die Vergil größtenteils (!) zu Unrecht zugeschrieben wurden, eine Auswahl beizufügen, die der Ausbildung der Schüler/Studenten nützten (und ihnen zumutbar seien). Zu diesem Komplex habe er auch einen Text von Mariangelo Accursio (aus dessen in den "Diatribae" enthaltenen "Castigationes Ausonianae") abdrucken lassen sowie die von ihm kürzlich in einem Codex mit Eusebius' Kirchengeschichte aufgefundene griechische Fassung der 4. Ekloge Vergils. Beigegeben seien zudem Kommentierungen (annotatiunculae) zu Vergils Werken, die von dem Artes-Studenten Philipp Bech stammen. Diese seien freilich eine Anfängerarbeit und sollten durch Kommentierungen des Fabricius verbessert bzw. ersetzt werden (Aa4r). Camerarius schicke die Ausgabe an Fabricius und die Meißener Fürstenschule und hoffe, von ihm eine editio retexta zurückzuerhalten (Aa4v).
Camerarius betont die Unübertroffenheit der Vergilischen Werke und ihre Hochschätzung in der Antike und damit verbunden die Bedeutung einer aemulatio Vergilii. Dessen Werke seien durch göttliche Fügung ad spem eruditionis & cultum litterarum (Aa5r) erhalten geblieben. Ein seines Erachtens dazu gut passendes Gedicht des Fabricius habe er ebenfalls der Edition beigegeben. Schon Quintilian habe darauf verwiesen, dass Vergil bereits im Elementarunterricht gelesen werden solle, und auch Camerarius spricht sich für eine frühe Lektüre der besten Autoren aus.
Er wünscht Fabricius weiterhin viel Erfolg bei der Ausbildung der Schüler (institutio puerilis, Aa5r), empfiehlt seine Arbeit Christus an und entrichtet Grüße an Dritte: an den Verwalter der Fürstenschule in Meißen (Johann Roßbach) sowie an seine Kollegen Matthias (Marcus Dabercusius), Hiob (Magdeburg) und Laurentius (Hofmann) (Oeconomum vestrum & tuos collegas viros opt(imos) & doctiss(imos) Matthiam Hiobum & Laurentium a me officiose salutes velim, Aa5v).

(Marion Gindhart)