Camerarius an Gremp und Münch, 1544

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Werksigle OCEp 1451
Zitation Camerarius an Gremp und Münch, 1544, bearbeitet von Jochen Schultheiß (17.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1451
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Eclogae, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 64-72
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Ludwig Gremp von Freudenstein;Barbara Münch von Münchenstein
Datum 1544
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Der Erstdruck erfolgt 1568. Als mutmaßlicher Entstehungszeitpunkt muss jedoch das wahrscheinliche Hochzeitsdatum 1544 betrachtet werden.
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Griechisch
Entstehungsort Leipzig
Zielort Straßburg
Gedicht? ja
Incipit Καί μοι τήνδε φίλη σύσπευδ' Ἀρεθουσιὰς ᾠδὴν
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung Epithalamium als Briefgedicht.
Anlass
Register Bukolik; Epithalamium; Briefgedicht; Poetik; Städtelob; Nachruf
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von Benutzer:HIWI4; Benutzer:US
Datumsstempel 17.12.2019
Werksigle OCEp 1451
Zitation Camerarius an Gremp und Münch, 1544, bearbeitet von Jochen Schultheiß (17.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1451
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Eclogae, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 64-72
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Ludwig Gremp von Freudenstein;Barbara Münch von Münchenstein
Datum 1544
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Der Erstdruck erfolgt 1568. Als mutmaßlicher Entstehungszeitpunkt muss jedoch das wahrscheinliche Hochzeitsdatum 1544 betrachtet werden.
Sprache Griechisch
Entstehungsort Leipzig
Zielort Straßburg
Gedicht? ja
Incipit Καί μοι τήνδε φίλη σύσπευδ' Ἀρεθουσιὰς ᾠδὴν
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Kurzbeschreibung Epithalamium als Briefgedicht.
Register Bukolik; Epithalamium; Briefgedicht; Poetik; Städtelob; Nachruf
Datumsstempel 17.12.2019


Regest

Das Briefgedicht ist unter dem Titel "Ἐπιθαλάμιον" in die Eklogensammlung von 1568 aufgenommen. Das Epithalamium ist für die Hochzeit des Ludwig Gremp von Freudenstein entstanden, der als Professor der Rechte Camerarius' Kollege in Tübingen gewesen war, dann ab 1541 aber die Position des Syndikus in der Reichsstadt Straßburg einnahm. Vermutlich im Jahr 1544 heiratete er in Straßburg die Bürgerstochter Barbara Münch von Münchenstein. Camerarius hat das Gedicht wohl infolge einer Einladung zur Feier geschrieben (vgl. Mundt 2004, S. 267).
Gemäß der Charakteristik von Gelegenheitsdichtung kommen bei diesem Epithalamium Anlass und Inhalt des Gedichts zur Deckung. Die Hochzeit ist sowohl Anlass für das Dichten als auch Thema des Gedichtes (zur Definition vgl. Schmitzer, Ulrich, Gelegenheitsdichtung, in: DNP 4, Stuttgart/Weimar 1998, S. 893-894). Spezifikum dieses Epithalamiums scheint es zu sein, dass der Sprecher jedoch an der Teilnahme des Ereignisses verhindert ist und so die Feierlichkeit als Imagination darstellt. In das Gedicht sind unterschiedliche Traditionen des Hochzeitsgedichts integriert. So greift der Chor der Brautjungfern vor dem Schlafzimmer des Brautpaares auf die Entstehung des Epithalamium zurück.

Aufbau (nach Mundt 2004, S. 269)

  • 1-33: Proömium mit Musenanruf an die Muse der Bukolik; poetologische Selbstreflexion des Dichters.
Die Reflexion Camerarius an Georg III. (Anhalt-Plötzkau) enthält einen Nachruf auf den nicht namentlich erwähnten "Mithirten" Helius Eobanus Hessus.
  • 34-50: Darstellung der Hochzeitsgesellschaft.
  • 50-84: Bekenntnis zum Dichten.
  • 84-98: Anrede des Bräutigams.
  • 115-130: Anrede der Braut.
  • 131-167: Heimführung der Braut.
  • 144-150: Epithalamium der Freundinnen der Braut vor dem Brautgemach.
  • 151-167: Erwiderung durch den Begleiter des Bräutigams.
  • 171-189: Schluss.

In die Gestaltung des Gedichts lässt er Motive aus der griechischen Tradition einfließen. Wichtigstes Modell ist Theokrit, Id. 18 ("Ἑλένης Ἐπιθαλάμιον"). In seiner Form gehört das Epithalamium unter diejenigen, die am Hochzeitsabend dargebracht werden. Im Gegensatz zu vielen Epithalamien der Zeit tritt ständische Präsentation, die auch Biographie und bedeutsame Familienmitglieder und deren Ämter thematisiert, in diesem Gedicht zurück (vgl. Mundt 2004, S. 269-270).
Bereits mit dem Musenanruf zu Beginn gibt der Dichter seinen eigenen Ort an: er befindet sich im "Land der Meißener" (χθόνα Μεισῶν). Hiermit ist das albertinische Sachsen gemeint, womit wiederum auf Leipzig als Entstehungs- und Absendeort verwiesen ist. Im Anruf an Arethusias macht er deutlich, auf welchem Weg ihn die Muse, also die bukolische Dichtung begleitet habe: Der Weg habe von den "benachbarten Franken" (Φραγκῶν ἄπο πλησιοχώρων), womit er seine Heimatstadt Bamberg meinen muss, nach Nürnberg (Νώρικας ἐς) geführt. Dann sei er an den Neckar (ποτὶ Νεκκαρικὰν ἄρουραν), das heißt nach Tübingen, schließlich in das Land der Meißener, also nach Leipzig, gelangt. Das Proömium gibt das poetologische Programm des Dichters zu erkennen: ἵμερος soll es beschwingen (ἐξανεγείρει). Von den möglichen Bedeutungsnuancen, die ἵμερος (Sehnsucht, Verlangen, (erotisches) Verlangen/Begehren, Liebreiz, Anmut) haben kann, entspricht "Sehnsucht" am besten der bukolischen Poetik. Diese Sehnsucht soll mit "Freude verbunden" (χαρμοσύνᾳ ξύμμικτος) sein. Der Dichter gedenkt eines "Mithirten" an Neckar und Ammer, mit dem er in den Gesinnungen harmonierte (Anm. 1). Daraufhin lobt Camerarius für die glückliche Wahl des Wohnorts Straßburg. Hierin ist ein kurzes Städtelob eingefügt: die Stadt zeichne sich durch "Tüchtigkeit" (ἀρετή), "Weisheit" (σοφίη) und "Frömmigkeit" (εὐσεβίη) aus. Mit dem letzten Aspekt spielt Camerarius auf die Tatsache an, dass Straßburg ein bedeutendes Zentrum der Reformation war (vgl. Mundt 2004, S. 271).
Bei der Präsentation der Hochzeitsgesellschaft bemüht Camerarius den Vergleich des Bräutigams mit einem Hirten, der an dem Fluss Breusch seine Herde, die Hochzeitsgäste weidet. Als bedeutsame Hochzeitsgäste werden Johannes Sturm und Nikolaus Gerbel hervorgehoben (Anm. 2).
Literarische Modelle für einzelne Passagen liefert Homer, "Ilias" und "Odyssee". Camerarius schreibt aus der Perspektive des Abwesenden, der gerne bei der Hochzeit zugegen wäre. Wiederholt beschreibt er sich als Schüler Eobans in der bukolischen Dichtung. Hierbei betont er, dass zu jener Zeit die Dichtung noch in besserem Ansehen gestanden habe (v. 57). Durch die Erinnerung an Eoban, der am 4.10.1540 gestorben war, wird das Gedicht auch zu einem in das Epithalamium integrierten Nachruf auf diesen (vv. 51-82). Mundt 2004, 273, weist darauf hin, dass Camerarius, der eigentlich selbst Eoban mit Theokrit vertraut gemacht hatte, hier dezente Zurückhaltung beweist. Das bukolische Dichten wird mit der Darstellung einer Szene aus dem Goldenen Zeitalter als locus amoenus umschrieben (vv. 58-67.) (vgl. Mundt 2004, 273 mit Verweis auf die beiden hier verarbeiteten Theokritstellen). Es folgt ein Lob auf die Ehefrau Barbara (vv. 99-130), ausgehend von einer idyllischen Szene, in der sie an Breusch und Rhein badet (v. 110). Für ihre Darstellung bedient sich Camerarius u.a. auch beim Roman "Kallirhoe" des Chariton von Aphrodisias. Das Lob auf die Ehefrau wird mit einem Preis ihrer Abstammung und der Bemühung um die Fortsetzung der Familientradition verbunden. Die Bezugnahme auf die Ereignisse in der Hochzeitsnacht, die im Epithalamium eigentlich in direkter Präsenz des Sprechers dargestellt werden, legt Camerarius aufgrund seiner Abwesenheit als hypothetisch dar. Das Gedicht schließt mit Glückwünschen auf das Paar (vv. 175-189). Wichtigstes literarisches Modell stellt das Epithalamium Theokrit, Idyll 18 ("Helenas Hochzeitslied") dar. Aber auch auf weitere Idylle wird rekurriert.


(Jochen Schultheiß)

Anmerkungen

Absende- und Zielort aus den biographischen Daten der Personen erschlossen.

  • Anm. 1: Der Flussname Ἁμερίης ist schwierig zu deuten. Mundt 2004, S. 271 weist auf die Ammer, einem Zufluss zum Neckar in Tübingen hin. Da Hessus sich jedoch nie längerfristig in Tübingen aufhielt, kann hier höchstens die dichterische Beziehung zwischen den beiden beschrieben sein. Möglicherweise ist doch ein anderer Fluss gemeint.
  • Anm. 2: Johannes Sturm stammt aus dem Mosel-Maas-Raum. Die Angabe des Flusses (οἶδμα Μοσελλᾶ) dient als Hinweis auf seine regionale Herkunft. Die Form eine Deminutivform der Mass (vgl. Mundt 2004, S. 271-272).

Forschungsliteratur

Mundt 2004, S. 108-117 (Textedition und Übersetzung); S. 266-276 (Kommentar).