Camerarius an Irenäus, 02.06.1544

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
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 Briefdatum
Camerarius an Irenäus, 01.09.15471 September 1547 JL
Werksigle OCEp 1459
Zitation Camerarius an Irenäus, 02.06.1544, bearbeitet von Jochen Schultheiß (17.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1459
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad
Erstdruck in Camerarius, De invocatione sanctorum (gr., Druck), 1545
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. C2r-D6v
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Matthäus Irenäus
Datum 1544
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum 2. Pfingsttag 1544: δευτέρᾳ τῆς Πενττηκοστῆς
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Griechisch
Entstehungsort Leipzig
Zielort O.O.
Gedicht? nein
Incipit Ἐπειδὴ οὐ παύῃ ἐντυγχάνων
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Theologie; Polemik (konfessionell); Türkenkriege/Türkengefahr
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von
Datumsstempel 17.12.2019
Werksigle OCEp 1459
Zitation Camerarius an Irenäus, 02.06.1544, bearbeitet von Jochen Schultheiß (17.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1459
Erstdruck in Camerarius, De invocatione sanctorum (gr., Druck), 1545
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. C2r-D6v
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Matthäus Irenäus
Datum 1544
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum 2. Pfingsttag 1544: δευτέρᾳ τῆς Πενττηκοστῆς
Sprache Griechisch
Entstehungsort Leipzig
Zielort O.O.
Gedicht? nein
Incipit Ἐπειδὴ οὐ παύῃ ἐντυγχάνων
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Theologie; Polemik (konfessionell); Türkenkriege/Türkengefahr
Datumsstempel 17.12.2019


Regest

Camerarius möchte aufgrund der Bitten des Irenäus auf den Brief reagieren, der Philipp Melanchthon aus Venedig von Antonios Eparchos geschickt worden sei (MBW – Regesten online, Nr. 3179). In diesem Brief hatte der Grieche Eparchos seine Bedenken über die innerchristlichen Konflikte zum Ausdruck gebracht, die eine Destabilisierung gegenüber der Bedrohung durch die Türken darstellten.
Melanchthons Antwort erwarte Camerarius selbst. Dieser habe versprochen, aus Köln zu ihm zu kommen. Da sich Eparchos rühmlich über Melanchthon geäußert habe und sich der Sache Luthers gegenüber maßvoll gezeigt habe, hoffe Camerarius, dass er dem sich durch seine Weisheit auszeichnenden Griechen antworten werde. Auch Camerarius selbst wolle eine Antwort verfassen, wenn Melanchthon und andere es ihm erlauben werden. Eparchos habe Melanchthon dazu aufgefordert, er solle die Deutschen dazu ermahnen, Ruhe zu bewahren. Melanchthon fehle nach Camerarius' Ansicht auch nicht der Wille dazu, möchte er Eparchos schreiben. Camerarius stellt Melanchthon als eine Person dar, die stets um Frieden und Eintracht bemüht sei, gerade auch wenn es um kirchlichen Zwiespalt gehe. Dass er nun auf der Seite einer von zwei Konfliktparteien stehe, sei nicht Ergebnis seines Willens, sondern von Zwang. Das Ziel des Zusammenhalts zu verfolgen sei dadurch umso schwieriger, dass die Fürsten und Mächtigen im Konflikt miteinander ihre Kräfte zerreiben. Camerarius fährt fort, den konfessionellen Konflikt in Deutschland zu beschreiben. Die Auseinandersetzung gehe um die Wahrheit, das heißt, über die richtige Gottesauffassung. Das führe zwangsläufig auch zu kriegerischen Konflikten.
Anschließend möchte Camerarius der Frage nachgehen, welcher der beiden Seiten, die sich über den Glauben streiten, man zurecht den Einsatz für den wahren Glauben zuschreiben kann. Hierzu führt er die Bezeichnungen der beiden Seiten ein: zum einen sind es die "Evangelischen", die die Lehre Luthers vertreten, auf der anderen Seite stehen die "Papisten". Deren Irrtümer habe Luther als erster mutig und unter Hinweise auf die Wahrheit des Evangeliums zu Licht gebracht. Der hieraus entstandene Konflikt wird beschrieben. Hierbei zeigt Camerarius scharfe Polemik gegen die katholische Seite. In diesem Zusammenhang stellt er den Umgang mit der Heiligen Schrift als das unterscheidende Merkmal der Konfessionen heraus. Der katholischen Seite wirft er einen selektiven Umgang mit der Bibel vor.
Vom Thema der Religion leitet Camerarius sodann auf die politischen Verhältnisse über. Hierbei klagt er insbesondere die Bischöfe und die Adligen in ihrer Gesamtheit an. Als eine Lichtgestalt hingegen stellt er Karl V. dar. Den Fürsten unterstellt er moralische Depraviertheit. Hierauf geht Camerarius auf das Problem ein, dass die Macht der Türken gewachsen sei, während das Christentum dem Niedergang entgegenstrebe. Hieran schließt wiederum eine Klage über die kirchlichen und weltlichen Oberhäupter an.
Am Ende des Briefes fordert Camerarius Irenäus dazu auf, Melanchthon zu ermahnen, wie er selbst es tue. Er solle sich gegen die wenden, die unter dem Vorwand kirchlicher Angelegenheiten ihren eigenen Ruhm und ihre eigene Macht förderten. Camerarius räumt ein, dass nicht alle "Papisten" so seien. Dennoch müssten Fehlentwicklungen durch aktives Einschreiten verhindert werden.
Der Brief endet in einem Gebet mit der Bitte, Gott möge das Wüten des Antichristen unterbinden und seine Herden vor den Wölfen schützen.

(Jochen Schultheiß)

Anmerkung

Der Brief wird 1546 von Melchior Isinder ins Lateinische übersetzt.