Camerarius an Joachim Friedrich (Brandenburg), 21.12.1565

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Werksigle OCEp 1461
Zitation Camerarius an Joachim Friedrich (Brandenburg), 21.12.1565, bearbeitet von Jochen Schultheiß (17.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1461
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. A2r-Aa3r
Zweitdruck in Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566a
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck Bl. A2r-B3r
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Joachim Friedrich (Brandenburg)
Datum 1565/12/21
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Datierung am Briefende: die brumali anni instantis MDLXVI.
Unscharfes Datum Beginn 1565/12/21
Unscharfes Datum Ende 1565/12/21
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Quod sapientum veterum affirmatione
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? ja
Paratext zu Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566
Kurzbeschreibung Zunächst streicht Camerarius den Nutzen einer Beschäftigung mit der Geschichte heraus: Aus ihr gehe eine allgemeine Weisheit hervor. Zudem liefere die Geschichte Beispiele. Einen besonders hohen Wert habe eine solche Beschäftigung dann, wenn es sich um Äußerungen eines Christen handle, denn dann gehe es auch um Gotteserkenntnis. Camerarius äußert sich zum methodischen Vorgehen bei der Abfassung der vorliegenden Viten Christi und der zwölf Apostel. Ziel sei die Förderung der Frömmigkeit. Als Quelle sei Nicephorus' "Chronologia" herangezogen worden. Auch andere Referenztexte habe Camerarius verwendet, die die Darstellung der Evangelien ergänzten. Fehlerhafte Quellen verdienten, getadelt zu werden. Dies gilt insbesondere für Einfügungen, die gänzlich fiktiv seien und auf Modelle aus der Dichtung zurückgeführt werden könnten.
Anlass Geschichtsschreibung;Bibelhermeneutik;Werkgenese;Biographie;Polemik (konfessionell);Heiligenverehrung
Register Briefe/Widmungsbriefe
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von
Datumsstempel 17.12.2019
Werksigle OCEp 1461
Zitation Camerarius an Joachim Friedrich (Brandenburg), 21.12.1565, bearbeitet von Jochen Schultheiß (17.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1461
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. A2r-Aa3r
Zweitdruck in Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566a
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck Bl. A2r-B3r
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Joachim Friedrich (Brandenburg)
Datum 1565/12/21
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Datierung am Briefende: die brumali anni instantis MDLXVI.
Unscharfes Datum Beginn 1565/12/21
Unscharfes Datum Ende 1565/12/21
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Quod sapientum veterum affirmatione
Regest vorhanden? ja
Paratext ? ja
Paratext zu Camerarius, Historiae Iesu Christi expositio (Druck), 1566
Kurzbeschreibung Zunächst streicht Camerarius den Nutzen einer Beschäftigung mit der Geschichte heraus: Aus ihr gehe eine allgemeine Weisheit hervor. Zudem liefere die Geschichte Beispiele. Einen besonders hohen Wert habe eine solche Beschäftigung dann, wenn es sich um Äußerungen eines Christen handle, denn dann gehe es auch um Gotteserkenntnis. Camerarius äußert sich zum methodischen Vorgehen bei der Abfassung der vorliegenden Viten Christi und der zwölf Apostel. Ziel sei die Förderung der Frömmigkeit. Als Quelle sei Nicephorus' "Chronologia" herangezogen worden. Auch andere Referenztexte habe Camerarius verwendet, die die Darstellung der Evangelien ergänzten. Fehlerhafte Quellen verdienten, getadelt zu werden. Dies gilt insbesondere für Einfügungen, die gänzlich fiktiv seien und auf Modelle aus der Dichtung zurückgeführt werden könnten.
Anlass Geschichtsschreibung;Bibelhermeneutik;Werkgenese;Biographie;Polemik (konfessionell);Heiligenverehrung
Register Briefe/Widmungsbriefe
Datumsstempel 17.12.2019


Regest

Camerarius sei aufgrund der Bestätigung durch weise Männer aus der Antike überzeugt, dass das Wissen über Vergangenes nicht nur Freude (voluptas), sondern auch Nutzen bringe (A2r). Weil er zudem geglaubt habe, dass man sich um jene Studien bemühen müsse, die die "Guten Künste" (bonae artes) genannt würden, habe er es für geboten erachtet, sich durch Lektüre und durch eigenes schriftstellerisches Schaffen auch mit der Geschichte zu beschäftigen (in historiarum quoque lectionem atque tractatum). Zwar wisse Camerarius um den Genuss und den Ertrag, den die Freien Künste brächten; diese seien jedoch ohne die Hinzufügung von Beispielen weniger ersprießlich. Deshalb habe Gregor von Nazianz in einem Vers die Geschichte eine "vereinte Weisheit" (ἱστορίην συμφερτὴν σοφίην, Anm. 1) genannt (A2r/v). In diesem Bereich der Gelehrsamkeit sei nämlich die gesamte Weisheit enthalten.
Camerarius habe aufmerksam griechische und lateinische Schriften zur Geschichte (Anm. 2) gelesen, die bis zur Gegenwart fortgesetzt würden (A2v; Anm. 3). Sie behandelten Ereignisse und Handlungen, die von Personen und in Völkern geplant und durchgeführt worden seien, durch welche und bei welchen zwar die größten Imperien aufgrund der Tüchtigkeit im Krieg errichtet worden seien und das Staatsdenken zu einer Ordnung der Lebensform geführt habe, welche aber dennoch in Unkenntnis der himmlischen Wahrheit in falschen religiösen Vorstellungen verhaftet geblieben seien.
Camerarius werde mit zunehmendem Alter immer mehr bewusst, dass man leicht erkennen könne, dass beides - sowohl das Erfreuliche als auch das Nützliche - insbesondere da enthalten sei, wo sich die Äußerung eines christlichen Menschen finde. Liege dieser Fall vor, handle es sich in der Tat um eine herausragende Erkenntnis des Göttlichen (cognitio illustris rerum divinarum). Es stehe nämlich fest, dass diese (sc. die Erkenntnis des Göttlichen) vermittels der historischen Übereinstimmung nicht nur gemehrt, sondern durch die Betrachtung der Personen und der Ereignisse auch erklärt und erhellt werde. Aus diesem Grund habe sich Camerarius entschlossen, zuerst alles gründlich durchzulesen, was sich in der Heiligen Schrift dargelegt finde, und bei der Kommentierung (dieser Passagen) all das zusammenzutragen, wodurch gleichsam eine gewisse Fähigkeit zur Frömmigkeit gefördert werde (A2v-A3r). Er habe es für richtig gehalten, so etwas wie einen Apparat aus anderen Schriften, die das Thema betreffen, hinzuzufügen, damit eine vollständige Untersuchung zu einer begrüßenswerten Erkenntnis beitragen könne (A3r). Hierbei sei Camerarius auf ein griechisches Büchlein gestoßen, das mit dem Autornamen des Nicephorus überschrieben sei. Dieses enthalte annotierte Zeitangaben. Die Anmerkungen seien nach der Abfolge der Jahre vom Anfang der Welt bis zum Zeitalter des Autors angebracht. Solche Werke hätten die Griechen χρονολογίαι genannt. Camerarius habe sich bemüht, dieses Werk zu erläutern und durch passende Darstellungen zu erweitern. Wenn dieses (wohl das Werk des Nicephorus) nun ein zweites Mal, aber in beträchtlich ausführlicherer Form gedruckt werde, dann möge der Leser hoffentlich befinden, dass es die Mühe wert gewesen sei.
Als Camerarius alle überlieferten Schriften über Jesus Christus gelesen habe, habe er begonnen, immer mehr zu reflektieren und mit dem inneren Auge zu betrachten und auch das zu untersuchen, was über seine zwölf Apostel schriftlich überliefert sei (A3r/v). Dann habe Camerarius aber bemerkt, dass die verbreiteten Erzählungen über die Apostel in viele Teile zerfielen, dass jedoch bei der Geschichte Jesu sehr vieles eine gründliche Betrachtung erlaube (A3v). Deshalb habe er das, was er zu Zwecken der Erklärung und Erläuterung bei der Lektüre der antiken Kirchenschriftsteller über die Lehre Christi und die Heiligkeit herausragender Griechen (Anm. 4) exzerpiert habe, mit frommer Behutsamkeit in die Darstellung der zeitlichen Abfolge der evangeliengemäßen Geschichte Jesu Christi eingefügt. Zu den Aposteln habe Camerarius unter Missachtung anderer gängiger Quellen sich auf das beschränkt, was ihm nicht unnütz oder gar gefährlich erschienen sei. Er habe bemerkt, dass einiges auch eingeschoben worden sei, sei es durch Leichtsinn, sei es durch falsche Vorstellungen. Was sich durch Fehler eingeschlichen habe, dürfe nicht verheimlicht werden. Dies könne auch in die Gespräche / Predigten (sermones) anderer eindringen und zu falschen Meinungen führen (A3v-A4r). Hier wolle sich Camerarius aber kurz halten und im Rahmen des Nötigen bleiben. Es folgen weitere Darlegungen zur Methodik und zum Entstehungskontext (A4r-A5r). Er wendet sich insbesondere gegen fehlerhafte Herangehensweisen an christliche Texte, ohne dabei aber konkret Personen zu benennen (A5r/v). Irrtümer macht er insbesondere auf der katholischen Seite aus (A6r). Camerarius' Ausführungen geraten zu einer generellen Polemik und zu einer Auseinandersetzung mit falschen Formen des Umgangs mit den Texten (A6r-A7v).
Durch den Urteilsspruch der Kirche seien auch alte Schriften zurückgewiesen worden (A7v). Dabei habe man die Autoren nicht der boshaften Lüge bezichtigt, vielmehr habe man festgestellt, dass sich irrtümliche Meinungen anderer eingeschlichen hätten und dass sie dadurch schlecht wurden. Unter Berufung auf Aurelius Augustinus (über das Buch Enoch) lehnt Camerarius die Apokryphen ab. Spätere Autoren hätten sich immer mehr von der Wahrheit entfernt. Als Beispiel führt Camerarius ein Werk an, das vor etwa 500 Jahren herausgegeben worden sei (A7v-A8v; Anm. 5). Hier seien poetische Stoffe umgeformt worden. Camerarius fordert eine Beschränkung auf das, was sich auf Kirche und Christentum beziehe (quicquid ad sanctam ecclesiam et nomen Christianum pertinet; A8v-Aa1r). Alles andere möge bitte in ewige Vergessenheit geraten (Aa1r), denn es sei fingiert.
Für die nun vorgelegte Ausgabe habe es Camerarius weder an Sorgfalt und Urteil bei der Suche und der Zusammenstellung, noch an Mühe bei der Niederschrift fehlen lassen. Es folgt ein abschließender Dank an den Adressaten Fürst Joachim Friedrich verbunden mit einem Segenswunsch für ihn. Camerarius lobt den Herrscher für seine Förderung der Bildung, der Kirche und der Gemeinschaft seiner Untertanen. Hiermit trage er zur Mehrung des Rufes seines Hauses bei (Aa1r-Aa3r). Über das Wohlwollen des Fürsten sei Camerarius von Thomas Hübner durch Briefe und mündliche Botschaften unterrichtet.

(Jochen Schultheiß)

Anmerkungen

  • Anm. 1: Vgl. Gregor von Nazianz, "Carmina quae spectant ad alios", 1510, 6f.
  • Anm. 2: scripta historica eher "historiographische Schriften" als "historische Schriften".
  • Anm. 3: ad nos propagati: Hiermit könnte vielleicht auch einfach nur "bis zu uns überliefert" gemeint sein. Jedoch dürfte Camerarius wohl an Weltchroniken denken. Die folgende Erläuterung zu diesen Werken würde zumindest für die pagane Antike zutreffen. Auf die Chronologia des Nikephorus geht er später ein (A3r).
  • Anm. 4: Bei diesem Satz liegt wohl eine fehlerhafte Textgestalt vor.
  • Anm. 5: An welches Werk Camerarius hier denkt, ist unklar. Möglicherweise meint er die "Legenda aurea". Hierfür spricht die beispielhafte Erwähnung der Heiligen Georg, der nach Perseus gestaltet sei, und Gregor sowie die von Camerarius angesprochene Berufung auf die Kirchenväter in dieser Sammlung von Heiligenlegenden.