Camerarius an Lindemann, 14.10.1547

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
Wechseln zu: Navigation, Suche


Chronologisch vorhergehende Briefe
Chronologisch folgende Briefe
kein passender Brief gefunden
 Briefdatum
Camerarius an Lindemann, 05.06.15645 Juni 1564 JL
Camerarius an Lindemann, 11.10.156711 Oktober 1567 JL
Werksigle OCEp 0599
Zitation Camerarius an Lindemann, 14.10.1547, bearbeitet von Ulrich Schlegelmilch und Alexander Hubert (03.05.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0599
Besitzende Institution Weimar, ThHStA
Signatur, Blatt/Seite Nachlaß Karl Wilhelm Schumacher Nr. 77, Bl. 19-20
Ausreifungsgrad Original
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1583
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 188-190
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Cyriacus Lindemann
Datum 1547/10/14
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum prid. Id. Oct.; Jahr ermittelt, s. Anmerkungen

im Druck o.D.

Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort o.O.
Zielort Gotha
Gedicht? nein
Incipit Litteras tuas accepi et una Theognidem a te in Latinos versus translatum
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Briefe/Parallelüberlieferung; Übersetzung
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen Digi +

im Druck ohne Zielort

Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:US; Benutzer:HIWI
Gegengelesen von Benutzer:US
Datumsstempel 3.05.2020
Werksigle OCEp 0599
Zitation Camerarius an Lindemann, 14.10.1547, bearbeitet von Ulrich Schlegelmilch und Alexander Hubert (03.05.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0599
Besitzende Institution Weimar, ThHStA
Signatur, Blatt/Seite Nachlaß Karl Wilhelm Schumacher Nr. 77, Bl. 19-20
Ausreifungsgrad Original
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1583
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 188-190
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Cyriacus Lindemann
Datum 1547/10/14
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum prid. Id. Oct.; Jahr ermittelt, s. Anmerkungen

im Druck o.D.

Sprache Latein
Entstehungsort o.O.
Zielort Gotha
Gedicht? nein
Incipit Litteras tuas accepi et una Theognidem a te in Latinos versus translatum
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Briefe/Parallelüberlieferung; Übersetzung
Datumsstempel 3.05.2020


Regest

Lindemanns Brief und seine Übersetzung des Theognis habe Camerarius erhalten; letztere sei ihm sehr willkommen. Daran aber, das Lindemann ihn nun zum Beurteiler (Aristarchus) seines Werkes erhebe, erkenne Camerarius seine Wertschätzung für ihn. Die Handschriften seien sehr korrupt, das habe auch Camerarius bei der Beschäftigung mit Theognis vor einigen Jahren festgestellt. Daher habe er damals einige Magister hier den Text ihren Schülern erklären lassen, von denen einer, der inzwischen Arzt sei, eine nicht schlecht geratene lateinische Übersetzung begonnen habe. Diese Bemühungen habe er aber wegen eines Studienortswechsels nicht weiter verfolgen können.
Auch Helius Eobanus Hessus habe einmal eine Übersetzung des Theognis begonnen, sie dann nach seiner Trennung von Camerarius aber abgebrochen. Ansonsten sei ihm niemand außer Lindemann bekannt, der dieses Unterfangen zu Ende geführt habe. Deshalb werde Camerarius Lindemanns Schrift lesen und nicht nur zu den markierten Stellen seine Meinung abgeben.
Die von Lindemann mitgesandte Klage über den Schmerz der Wunde, die ihm von einem schlechten Menschen beigebracht worden sei, brauche Camerarius nicht zu beurteilen, doch habe er stets deutlich gemacht, daß ihm der Verlauf der ganzen Geschichte mißfalle. Es kämen allerdings solche Zeiten näher, von denen man in alten Schriften lese und dabei die Menschen jener Zeiten bedauere; nur dass es nun sie selbst treffe. Bisher habe Camerarius sich aber noch heraushalten können und auf die Seite keiner Partei stellen müssen, worüber er sehr froh sei. Alle Bürgerkriege seien furchtbar, besonders aber die, wo Verwandte gegeneinander stünden. Er werde unterdessen solange wie möglich die Arbeit machen, die er gelernt habe; andere müssten sehen, was sie zu tun oder zu sagen hätten, er aber empfehle, die Studien zu pflegen und den Krieg denen zu überlassen, denen er immer ein Freund sei.
Camerarius schreibe Lindemann dies in der Gewissheit, dass der es nicht falsch verstehe und missbillige. Er bedauere selbst, dass er Lindemann neulich nicht besucht habe, als er in der Gegend gewesen sei. Er sei damals so beschäftigt gewesen mit der Person, die er unbedingt habe treffen wollen, habe mancherlei mit (Justus) Menius besprochen und sei so in Gedanken gewesen, dass er zwar körperlich anwesend, geistig jedoch dennoch abwesend gewesen sei. Lindemann werde ihm verzeihen. Diesen Brief habe Camerarius eigentlich dem Überbringer von Lindemanns Brief mitgeben wollen, habe aber die Gelegenheit verpasst, da er am Tag von dessen Abreise nicht da gewesen sei.

(Alexander Hubert/Ulrich Schlegelmilch)

Anmerkungen

Der von Camerarius eingangs erwähnte (Leipziger) Theognis-Übersetzer ist nicht zu ermitteln; ebenso scheint Lindemanns Version nicht publiziert worden zu sein. Weiteres zum Thema siehe im Brief vom 3.1.15(48?).

Zur Datierung

Justus Menius trat 1546 in Gotha die Nachfolge von Friedrich Myconius an; Lindemann verließ nach längeren Querelen, auf die der Brief Bezug zu nehmen scheint, Schulpforta (wohl 1547), heiratete 1548 Myconius' Tochter in Gotha und wurde dort 1549 Konrektor. Der Brief dürfte aufgrund der Hinweise auf den sich abzeichnenden Schmalkaldischen Krieg in das Jahr 1547 fallen.