Camerarius an Opsopoeus, 05.01.1527

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Werksigle OCEp 0424
Zitation Camerarius an Opsopoeus, 05.01.1527, bearbeitet von Jochen Schultheiß (07.07.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0424
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae doctorum, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. Q2v-Q3v
Zweitdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck S. 307-309
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Vincentius Opsopoeus
Datum 1527/01/05
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Non. Ian.
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort o.O.
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Quod per epistolam ex me quaesivisti
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Textkritik; Metrik; Kunsttheorie; Philosophie; Briefe/Parallelüberlieferung
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von Benutzer:US
Datumsstempel 7.07.2019
Werksigle OCEp 0424
Zitation Camerarius an Opsopoeus, 05.01.1527, bearbeitet von Jochen Schultheiß (07.07.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0424
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae doctorum, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. Q2v-Q3v
Zweitdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck S. 307-309
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Vincentius Opsopoeus
Datum 1527/01/05
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Non. Ian.
Sprache Latein
Entstehungsort o.O.
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Quod per epistolam ex me quaesivisti
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Textkritik; Metrik; Kunsttheorie; Philosophie; Briefe/Parallelüberlieferung
Datumsstempel 7.07.2019


Regest

In dem Brief antwortet Camerarius auf verschiedene Fragen, die Opsopoeus an ihn gerichtet hat.

Camerarius wolle eine Antwort auf Opsopoeus' briefliche Anfrage geben. Nach der Definition des Lukian, die in ihrer lateinischen Wiedergabe Diomedes Grammaticus dem Cicero zuschreibt, sei Kunst die Gesamtheit der angewandten (oder: eingeübten?) Regeln, die auf einen bestimmten Zweck, der für das Leben nützlich ist, ausgerichtet sind (ars est compraehensio praeceptionum excercitatarum ad unum exitum vitae utilem pertinentium). Der (bei Lukian zu findende) Begriff der ἐγκατάληψις (von ἐγκαταλαμβάνειν = "dabei erfassen") impliziere, dass diese Gesamtheit erworben sein müsse (significat autem ἐγκατάληψις acquisitam compraehensionem). Hierfür (d.h. ἐγκατάληψις) stehe in der vorliegenden Definition "Regeln" (praeceptio wörtl. "Vor-(an)nahme"; pro quo illic est: praeceptionum). Regeln würden gewöhnlich zu gesicherten (apriorischen) und aus der Erfahrung gewonnenen (empirischen) Phänomenen weitergegeben. Camerarius sei sehr wohl bewusst, dass nach der Meinung einiger Cicero mit praecepta (als Synomym zu praeceptio) das übersetzen wolle, was die Griechen θεωρήματα nennen. Neben der semantischen Problematik gibt Camerarius auch textkritische Unsicherheiten hinsichtlich der besprochenen Definition zu bedenken: Während andere die Lesart praecepta bevorzugten, könnte es in der vorausgehenden Definition nicht um praeceptionum, sondern um perceptionum ("Erkenntnisse") handeln. Hierüber jedoch ein anderes Mal.

Als nächstes geht er auf eine Textstelle im 2. Buch der "Memorabilien" Xenophons ein. Camerarius äußert seine Meinung zu dem von Opsopoeus aufgeworfenen textkritischen Problem. Auch über das Metrum der darin enthaltenen Fragmente von Epicharm äußert sich Camerarius (septenarii sunt) und zitiert die Sentenzen in der seiner Meinung nach richtigen Textgestalt.

(Jochen Schultheiß)

Anmerkungen

Die von Camerarius besprochenen Prätexte zur Definition der ars:

  • Lukian, "De Parasito" / "Περὶ Παρασίτου ὅτι Τέχνη ἡ Παρασιτική, 4:
Τέχνη ἐστίν, ὡς ἐγὼ διαμνημονεύω σοφοῦ τινος ἀκούσας, σύστημα ἐκ καταλήψεων συγγεγυμνασμένων πρός τι τέλος εὔχρηστον τῷ βίῳ."
"Kunst ist, wie ich mich erinnere, von einem Weisen gehört zu haben, ein System von deutlichen Begriffen, die durch öftere Übung mechanisch worden sind, und auf einen gewissen, im menschlichen Leben nützlichen Zweck abzielen.'" (Übersetzung aus: Lukian von Samosata, Lügengeschichten und Dialoge, Aus dem Griechischen übersetzt und mit Anmerkungen und Erläuterungen versehen von Christoph Martin Wieland, Nördlingen 1985, 288).
Definition identisch mit der bei Sextus Empiricus 2, 10.
  • Diomedes Grammaticus (Cic. frg. inc. I 26):
Tullius hoc modo eam definit: ars est perceptionum exercitatarum constructio ad unum exitum utilem uitae pertinentium.
"Tullius definiert sie folgendermaßen: 'eine Wissenschaft ist ein System angewandter Erkenntnisse, die auf einen einzigen, lebensförderlichen Zweck hinauslaufen." (Text und Übersetzung aus: Dammer, Raphael, Diomedes grammaticus, Trier 2001, 184-185).
  • Quintilian, Inst. orat. 2, 17,41 (Vergleichbare Definition, auf die sich Camerarius jedoch explizit bezieht):
artem constare ex praeceptionibus consentientibus et coexercitatis ad finem utilem vitae.
"Die Kunst besteht aus widerspruchsfreien und zur Erreichung eines praktischen Lebensziels angewandten Regeln." (Lateinischer Text und Übersetzung aus: Lukian von Samosata, Lügengeschichten und Dialoge, Aus dem Griechischen übersetzt und mit Anmerkungen und Erläuterungen versehen von Christoph Martin Wieland, Nördlingen 1985, 288, Fn 7).