Camerarius an Sabinus, 01.08.1545

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
Sabinus an Camerarius, 29.06.154429 Juni 1544 JL
Sabinus an Camerarius, 15xx27 Dezember 1543 JL
Camerarius an Sabinus, 11.1536November 1536 JL
 Briefdatum
Camerarius an Sabinus, 07.1546Juli 1546 JL
Sabinus an Camerarius, 18.02.154818 Februar 1548 JL
Sabinus an Camerarius, 28.07.154828 Juli 1548 JL
Werksigle OCEp 0778
Zitation Camerarius an Sabinus, 01.08.1545, bearbeitet von Manuel Huth und Ulrich Schlegelmilch (07.04.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0778
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1583
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 396-401
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Georg Sabinus
Datum 1545-08-01
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum o.D.; nach Tschackert (1890, Bd. 3, S. 104, Nr. 1787a) gleichzeitig mit dem Schreiben Melanchthons und C.s an Albrecht von Preußen vom 1.8.1545 (= MBW 3977); s. Hinweise zur Datierung / Vorbemerkung zum Regest
Unscharfes Datum Beginn 1545-07-28
Unscharfes Datum Ende 1545-08-01
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort Königsberg (Preußen)
Gedicht? nein
Incipit Tabellarius vester huc venit cum ego forte abessem
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Biographisches (Universitätswesen); Biographisches (Reise)
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen US: S. 400 Mitte "omittendi" verstehe ich nicht, eher widersinnig - Druckfehler?
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:US
Gegengelesen von Benutzer:US
Datumsstempel 7.04.2019
Werksigle OCEp 0778
Zitation Camerarius an Sabinus, 01.08.1545, bearbeitet von Manuel Huth und Ulrich Schlegelmilch (07.04.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0778
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1583
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 396-401
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Georg Sabinus
Datum 1545-08-01
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum o.D.; nach Tschackert (1890, Bd. 3, S. 104, Nr. 1787a) gleichzeitig mit dem Schreiben Melanchthons und C.s an Albrecht von Preußen vom 1.8.1545 (= MBW 3977); s. Hinweise zur Datierung / Vorbemerkung zum Regest
Unscharfes Datum Beginn 1545-07-28
Unscharfes Datum Ende 1545-08-01
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort Königsberg (Preußen)
Gedicht? nein
Incipit Tabellarius vester huc venit cum ego forte abessem
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Biographisches (Universitätswesen); Biographisches (Reise)
Datumsstempel 7.04.2019


Entstehungsort ermittelt, Zielort mutmaßlich.

Hinweise zur Datierung / Vorbemerkung zum Regest

Die 1544 von Albrecht von Preußen gegründete Universität Königsberg besaß nicht das Recht, Promotionen durchzuführen, da dieses Privileg von Kaiser und Papst verliehen werden musste. Vom Herzog um Rat gebeten, erarbeitete Philipp Melanchthon ein auf den 28.07.1545 datiertes Gutachten (MBW, Nr. 3970), das er am selben Tag an Camerarius schickte (MBW, Nr. 3969), der es unterschrieb (s.u.). Schließlich wurde das Gutachten zusammen mit einem von Melanchthon und Camerarius unterschriebenen Brief vom 01.08.1545 (MBW, Nr. 3977) aus Wittenberg an den Fürsten geschickt.

Regest

Der Bote (Unbekannt) des Sabinus sei hierher (nach Leipzig) gekommen, als Camerarius abwesend war. Also sei er weitergereist. Danach habe Sabinus' Schwiegervater (Philipp Melanchthon) an Camerarius den Brief des Fürsten (Albrecht von Preußen) und den des Sabinus geschickt sowie bald darauf auch sein Gutachten (vgl. MBW, Nr. 3970), das Camerarius durch seine Unterschrift (nomine meo asscripto) umfassend gebilligt habe. Die Briefe des Sabinus an (Melanchthon) und an Camerarius habe er mit großer Freude gelesen. Aber sie enthielten Nachrichten, die ihn teils traurig stimmten, teils seine Empörung hervorriefen. Er werde sie nach der Reihenfolge (der in ihnen behandelten Themen) durchgehen:

Er freue sich, dass Sabinus dafür dankbar sei, dass Camerarius ihn bisweilen in seinen Schriften erwähne. Gleichwohl habe er Sabinus noch nicht in dem Maße gelobt, wie dieser es eigentlich verdient hätte. Camerarius habe nur das geschrieben, was er auch tatsächlich so empfunden habe. Er habe die Gelehrtheit und Freundlichkeit (doctrina et humanitas) des Sabinus herausgestellt und freue sich, dass Sabinus das gefalle. Doch eigentlich sprächen Sabinus' Charakter und Werke für sich und bedürften keiner zusätzlichen Empfehlung durch Camerarius.

Es freue ihn, dass, wie Sabinus schreibe, dem Fürsten (Albrecht von Preußen) Camerarius' Zuneigung gefalle (s. Anm.). Sabinus wisse ja selbst, wie dünkelhaft einige (andere Fürsten) seien. Es fänden sich tatsächlich wenige, die der Pflege der schönen Künste wohlgesonnen seien, und auch wenn sie als Mäzene der Künste gelten wollten, handelten sie arglistig und betrügerisch. Was Camerarius über den Fürsten geschrieben habe, sei ehrlich und entspreche auch der Meinung anderer. Und vielleicht gebe es auch noch einen weiteren, geheimeren Grund für sein dem Fürsten gezeigtes Wohlwollen (s. Anm.). Dies liege ihm umso mehr am Herzen, je gnädiger sich dieser Fürst ihm gegenüber zeige.

Sabinus schreibe, dass er einige Neider und Widersacher habe, die den edlen Unterfangen des Fürsten nicht gewogen seien. Es sei nur natürlich, dass Sabinus, tüchtig wie er sei, Rivalen habe und dass die göttlichen Vorhaben des Fürsten Ränkeschmiede auf den Plan riefen. Sabinus solle den Fürsten bei seinen Vorhaben unterstützen und dem Druck derjenigen nicht nachgeben, die ihm Übles wollten.

Bezüglich der herrschenden Kontroverse habe ihm Sabinus bereits einiges mitgeteilt, als er Camerarius die Abschrift eines im Namen des Herzogs (an einen zumindest im Druck Ungenannten) geschriebenen Briefes geschickt hatte. Aber etwas Derartiges, wie Sabinus es nun berichte, habe Camerarius noch nie befürchtet, und er hatte eigentlich fest geglaubt, dass die Sache bereits erledigt sei. Derjenige aber (unbekannt), der dieser Angelegenheit soviel Aufmerksamkeit widme - wenn man überhaupt unnötiges Fragen und überflüssige Aufregung als Aufmerksamkeit bezeichnen könne - werde sich vielleicht nicht von seiner Meinung abbringen lassen. Man solle den Mann also diese sonderbare Lehre (sapientia) ergreifen und gleichsam wie sein Töchterlein küssen lassen. Camerarius und Sabinus hingegen wollten die Wahrheit (des Evangeliums), so gut sie könnten, verteidigen, solange die Urteile und Meinungen so durcheinandergingen und eine solche Unruhe im Staat herrsche. Tatsächlich, dies sage er Sabinus im Vertrauen, habe jener kein Recht auf die Wahrheit. Camerarius habe sich bei einigen Leuten erkundigt, aber sofort erkannt, dass man über eine abgesprochene Sache streite.

Camerarius wolle dies gern mit einem guten Bekannten (nicht identifiziert) besprechen, sobald sich dieser von einem Beinbruch erholt habe. Auch wenn der von (Melanchthon) aufgezeigte Weg am sichersten sei, so hatte Camerarius schon zuvor selbst etwas heimlich ausgearbeitet, das er Sabinus schicken wollte. Obwohl alles deutlich darauf hindeute, dass ein bedeutender Wandel bevorstehe, sei es doch erstaunlich, dass man lieber auf die jüngste Vergangenheit seines Lebens zurückblicke als auf das Wahre und Rechte und die ungeschriebenen und unwandelbaren Gesetze der Götter (Sophokles, Antigone, V. 454-455). Sabinus möge dem Fürsten also mitteilen, dass in dieser Angelegenheit alle redlichen Männer seine Meinung billigten, ihm beipflichteten, und, sollte es nötig sein, ihn auch verteidigten. Camerarius wisse, dass der Fürst auf deren Urteil viel gegeben habe und gebe.

Gleichwohl wünschte Camerarius, der Fürst könnte von dieser Last befreit werden. Wenn nun die Hoffnung auf jenem jenen Mann (unbekannt), den Sabinus einst als Patron für Camerarius gewinnen konnte, sie enttäusche, warum wende man sich dann nicht an N. (im Druck anonymisiert)? Dies könne man über Albrecht (Alkibiades), den Sohn des Bruders (Kasimir) des Herzogs, tun, der auch im Krieg gegen Frankreich geholfen habe und dem vermutlich am Wohlergehen und Wachstum Preußens gelegen sei. Nichts sei augenblicklich löblicher, fruchtbarer und hoffnungsvoller als die Errichtung einer Gemeinschaft von Lehrern der Tugenden und der Weisheit und ihrer Schüler. Er verspreche dem Herzog seine umfassende Unterstützung, falls dieser glaube, Camerarius könne und solle dazu etwas unternehmen.

Hier (in Leipzig) heiße es, dass der Herzog in diesem Sommer nach Torgau komme. Wenn er dies tue, werde er dort Gelegenheit haben, über diese Dinge zu beraten. Andernfalls werde Sabinus dem Fürsten trotzdem sagen können, dass der Beschluss zur Errichtung der Universität (Königsberg) wunderbar, fromm und auf der Wahrheit (des Evangeliums) gegründet sei, weswegen diese Sache eifrig betrieben und gegen alle Widersacher verteidigt werden müsse. Er solle sich auch nicht davon abschrecken lassen, dass sein Vorhaben neu und unerhört sei, wenn es doch recht löblich und Christus gefällig sei. Er könne sich damit trösten, dass er ja nicht aus eigenem Willen und unüberlegt etwas vielleicht Beispielloses tue, sondern weil es keine andere Möglichkeit gebe. Es sei klar, wer den Staat erschüttert habe und auch jetzt noch in Unordnung bringe, nämlich diejenigen, die nichts unversucht ließen, um der Wahrheit (des Evangeliums) den Weg zu versperren, indem sie Irrtümer bestärkten. Die Lage sei deshalb unsicher, weil schon die Ursachen (d.h.: die Grundlagen, caussae) in großem Maße erschüttert seien. Wenn nämlich die Anfänge (ἀρχαί) bewegt würden, so Aristoteles, dann müsse notwendigerweise auch vieles von dem, was ihnen folge, in Veränderung geraten (Aristoteles, De generatione animalium, 766a, 28 f.). Aber Camerarius habe genug philosophiert.

Was aus seiner geplanten Reise (nach Königsberg) werde, wisse er nicht, denn Sabinus' Schwiegervater (Melanchthon) habe ihm nichts darüber geschrieben und man werde diesem wohl kaum gestatten, so lange der Universität (Wittenberg) fern zu bleiben. Die Mutwilligkeit einiger Leute habe dort Unwillen hervorgerufen. Camerarius wisse nicht, worum es gehe, habe aber beschlossen, in diesen Tagen (Melanchthon) zu treffen. Wenn (Melanchthon) doch die Reise (nach Königsberg) antreten sollte, wie könnte Camerarius dann zurückbleiben, obgleich seine universitären Pflichten und seine privaten Verhältnisse einer solch langen Reise im Wege stünden? Sollte Camerarius in diesem Jahr schon nicht (nach Königsberg) reisen könne, werde er im kommenden Frühling versuchen, sein Versprechen einzulösen.

Lebewohl.

(Manuel Huth)

Anmerkungen

Literatur und weiterführende Links

  • Tschackert 1890, Bd. 3, S. 104, Nr. 1787a (Kurzregest: "Giebt den dringenden Rath, das zufällige historische Recht des Papstes und des Kaisers auf Privilegisierung der Universitäten zu ignorieren und Promotionen auch ohne solches "Privilegium" vorzunehmen.")