Camerarius an Schwendi, 16.10.1562

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
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 Briefdatum
Camerarius an Schwendi, 15631563 JL
Camerarius an Schwendi, 06.04.15636 April 1563 JL
Camerarius an Schwendi, 01.08.15651 August 1565 JL
Werksigle OCEp 0928
Zitation Camerarius an Schwendi, 16.10.1562, bearbeitet von Manuel Huth und Vinzenz Gottlieb (03.06.2022), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0928
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 042-045
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Lazarus von Schwendi
Datum 1562/10/16
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum 17. Cal. IXbr. 62
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Epistolae Laconicae
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Biographisches (Familie); Biographisches (Trauerfall)
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen VG, 30.5.22: Der genaue Anlass für diese ungewöhnlich langen Klagen über den Zustand des Staates ist nicht ersichtlich.
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:VG
Gegengelesen von
Datumsstempel 3.06.2022
Werksigle OCEp 0928
Zitation Camerarius an Schwendi, 16.10.1562, bearbeitet von Manuel Huth und Vinzenz Gottlieb (03.06.2022), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0928
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 042-045
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Lazarus von Schwendi
Datum 1562/10/16
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum 17. Cal. IXbr. 62
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Epistolae Laconicae
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Biographisches (Familie); Biographisches (Trauerfall)
Datumsstempel 3.06.2022


Regest

Bei Xenophon gebe es eine Klage, dass Gutes unbemerkt entgleite. Ebenso sei Gutes entglitten, als der gelehrte Johann Hommel, den S. ja auch kenne, aus dem Leben gerissen worden sei. Das sei besonders für C. traurig wegen des Schmerzes seiner verwitweten Tochter. Schlimmer aber sei dies für die nun verwaiste Universität (Leipzig), die einen herausragenden Künstler und Lehrer verloren habe. Freilich seien öffentliche Begräbnisse trauriger, hier seien private Trauer und öffentlicher Schaden mit gleichem Gleichmut zu ertragen. C. aber sei dazu nicht in der Lage, während er den Todesfall an S. melde. Dieser habe Hommel viele Wohltaten erwiesen, besonders bei Christoph von Karlowitz (Kontext ist unklar), der C. gedrängt habe, einige Briefe an S. zu verfassen. Karlowitz gedenke in Kürze mit S. zusammenzutreffen. Es habe sich keine Gelegenheit geboten, über den Zustand des Staates zu diskutieren. Aber bei den Guten und Vaterlandsfreunden gebe es jetzt eine Entfremdung der Interessen, und weder rationale Überlegung noch viele Worte könnten helfen. Und alles sei so verwirrt, dass man es mit menschlichem Ermessen nicht erfassen könne. Zwar gäben Intellektuelle und Gelehrte genaue Instruktionen heraus, wie man den Staat ordnen oder zumindest seine Ruinen abstützen könne. Aber der Sinn erschließe sich nicht, wenn Phemius, gemäß einem Dichter, für taube Ohren singe. Erfahrene Ärzte würden bei hoffnungslosen Erkrankungen keine Medizin zur Heilung versuchen, sondern schmerzlindernde oder lebensverlängernde Mittel einsetzen. Dass aber C.‘s Alter in einen solchen Wendepunkt gefährlicher Entwicklungen falle, das wäre offensichtlich, sofern man nicht, wie Oedipus bei Sophokles sage, et auribus est mente captus et oculis. C. fürchte aber, dass solche Heilmittel, die jene (unklar) in ihrem Scharfsinn für den Staat zu finden meinten, nicht nur unerfreulich, sondern auch schädlich seien. Und gemäß den Worten von Entellus Virgilianus: wenn die Jugend nun würde, was sie einst gewesen war, so würde C. vor einem solch freien Spiel nicht zurückschrecken. Wie aber der Hirt Theocrit sage, dass auch eitle Küsse ein süßes Vergnügen bereiteten, so wie die Frucht dieser Überlegungen und Disputationen verschwinde. S. möge C. verzeihen, dass er so freimütig und lang schreibe.

(Vinzenz Gottlieb)