Camerarius an Sebald Hauenreuter, 05.01.1562

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
Camerarius an Sebald Hauenreuter, 01.12.15671 Dezember 1567 JL
Werksigle OCEp 1239
Zitation Camerarius an Sebald Hauenreuter, 05.01.1562, bearbeitet von Manuel Huth und Michael Pöschmann (10.03.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1239
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 452-453
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Sebald Hauenreuter
Datum 1562/01/05
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort Straßburg
Gedicht? nein
Incipit Sero sunt mihi redditae literae vestrae
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Biographisches (Familie); Biographisches (Finanzielles)
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:HIWI4
Gegengelesen von Benutzer:HIWI4; Benutzer:US
Datumsstempel 10.03.2020
Werksigle OCEp 1239
Zitation Camerarius an Sebald Hauenreuter, 05.01.1562, bearbeitet von Manuel Huth und Michael Pöschmann (10.03.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1239
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 452-453
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Sebald Hauenreuter
Datum 1562/01/05
Datum gesichert? ja
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort Straßburg
Gedicht? nein
Incipit Sero sunt mihi redditae literae vestrae
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Biographisches (Familie); Biographisches (Finanzielles)
Datumsstempel 10.03.2020


Zielort mutmaßlich.

Regest

Zu spät seien die Briefe Hauenreuters bei Camerarius angekommen. Hauenreuter hatte sie dem Sohn des Camerarius (wohl Philipp Camerarius; s. Anm) mitgegeben, als dieser in Camerarius' Heimat (Bamberg) reiste. Dort hätten ihn allerdings Probleme aufgehalten, die Camerarius schon seit langer Zeit plagten. (Philipp) sei deswegen immer noch in (Bamberg). Die Probleme seien so geartet, dass sein bescheidener Besitz (s. Anm.), wie er mit ansehen musste, durch die Umstände dahingerafft werde und in hohem Grade bedroht sei. Eigentlich hatte sich Camerarius erhofft, durch den Ertrag aus diesem Besitz seinen Kindern eine gute Ausbildung und ein angenehmes Leben verschaffen zu können. Es sei schließlich die Schuld des ungerechten Schicksals, seiner eigenen Versäumnisse und einiger Bösartigkeiten gewesen, dass diese Hoffnung unerfüllt blieb, sodass er tun müsse, was er könne, da das, was er wolle, nicht möglich sei.

Sein Sohn habe diesen Brief nun einem Kameraden (unbekannt) mitgegeben, der allerdings solange brauchte, dass er erst nach der Wintersonnenwende (12. Dezember) bei ihm ankam. Zweifellos habe sein Sohn Geld von Hauenreuter erhalten (s. Anm.). Es sei Camerarius unangenehm, dieses solange schuldig zu bleiben. Er sei Hauenreuter wegen seiner Verdienste so sehr verpflichtet, dass er es ihm niemals vergelten könne (s. Anm.).

Da Hauenreuter aber nur in höchsten Tönen vom Sohn des Camerarius gesprochen habe, wolle man jenen entschuldigen und annehmen, daß er geglaubt habe, schneller ans Ziel zu gelangen, und (nur deswegen) es unterlassen, Camerarius auf die erfolgte finanzielle Unterstützung hinzuweisen. Auch Hauenreuter habe ja nichts davon in seinem Brief geschrieben und möge diese Verzögerung nun mit Geduld hinnehmen. Das Geld, das Hauenreuter dem Sohn gegeben habe, werde Camerarius zuverlässig erstatten.

Täglich habe er die Ankunft seines Sohnes erwartet – nicht ohne Sorgen, da es nämlich zu Auseinandersetzungen zwischen dem Fürsten von Bamberg (Veit II. von Würzburg) und der Reichsstadt Nürnberg gekommen sei (s. Anm.), die auf Waffengewalt zusteuerten. Camerarius habe auch nicht gewusst, wie es weitergehen werde.

Die Bekundung von Hauenreuters Freundschaft zu Camerarius und das Wohlwollen, das er dem Sohn vielfach erwiesen habe, könne er mit nichts angemessen vergelten. Hauenreuter möge einstweilen mit dem Dank und der Ergebenheit des Camerarius zufrieden sein (bis dieser ihn auszahlen werde).

Die Lage in Leipzig sei ruhig. Allerdings stifte das Geschrei (clamores) einiger Leute nicht wenig Verwirrung. Die Vernünftigeren ließen sich davon zwar mit der Zeit immer weniger verunsichern, aber dennoch werde das Volk, wie es seine Art sei, in Unruhe versetzt und spiele verrückt.

Aber er mache sich vergeblich Sorgen: sie wollten darum beten, daß Christus seine Kirche schütze. Segenswunsch für Hauenreuter und dessen Familie.

Diesen Brief habe er einem vornehmen Allobroger (d.h. einem Mann aus Genf) mitgegeben, da dies die erste Möglichkeit zum Verschicken darstellte.

Lebewohl.

(Michael Pöschmann/Manuel Huth)

Anmerkungen

  • "sein bescheidener Besitz": Gemeint dürfte wohl in erster Linie Land in Bamberg sein. Camerarius erwähnte bereits in früheren Briefen, dass er Land als Anlage für seine Kinder erwerben wolle (Camerarius an Stiebar, 28.09.1540).
  • "Hauenreuter hatte sie dem Sohn des Camerarius": Es ist nachgewiesen, dass Philipp Camerarius 1560 in Straßburg studiert hatte (vgl. Seibold 2007, S. 127).
  • "Zweifellos habe sein Sohn Geld von Hauenreuter erhalten": Es handelt sich vielleicht um finanzielle Unterstützung während der Studienzeit in Straßburg, vgl. die nächste Anmerkung.
  • "Er sei Hauenreuter wegen seiner Verdienste so sehr verpflichtet, dass er es ihm niemals vergelten könne": Möglicherweise hatte Philipp Camerarius bei Hauenreuter in Straßburg gewohnt. Es war üblich, dass die eigenen Kinder während ihrer Studienzeit im Haus eines befreundeten oder bekannten Gelehrten lebten.
  • "da es nämlich zu Auseinandersetzungen zwischen dem Fürsten von Bamberg (Veit II. von Würtzburg) und der Reichsstadt Nürnberg gekommen sei": Zu den Hintergründen vgl. Weiss, Dieter J.: Das exemte Bistum Bamberg, Bd. 3: Die Bischofsreihe von 1522 bis 1693. Berlin / New York 2000, S. 168 f.

Literatur und weiterführende Links