Camerarius an Stiebar, 13.08.1536

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
Wechseln zu: Navigation, Suche


Chronologisch vorhergehende Briefe
Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Camerarius an Stiebar, 21.07.153621 Juli 1536 JL
Camerarius an Stiebar, 18.05.153618 Mai 1536 JL
Camerarius an Stiebar, 19.01.153619 Januar 1536 JL
 Briefdatum
Camerarius an Stiebar, 26.08.153626 August 1536 JL
Camerarius an Stiebar, nach dem 24.09.153625 September 1536 JL
Camerarius an Stiebar, 16.10.153516 Oktober 1536 JL
Werksigle OCEp 0462
Zitation Camerarius an Stiebar, 13.08.1536, bearbeitet von Manuel Huth (24.06.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0462
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae doctorum, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. X1r-X2v
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Daniel Stiebar von Rabeneck
Datum 1536/08/13
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Id. Sextil.
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Tübingen
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Quod scribis dolori tibe esse dilationem congressionis nostrae
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Türkenkriege/Türkengefahr; Astrologie
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen 1 Stelle unklar; Regest in Arbeit
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH
Gegengelesen von
Datumsstempel 24.06.2019
Werksigle OCEp 0462
Zitation Camerarius an Stiebar, 13.08.1536, bearbeitet von Manuel Huth (24.06.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0462
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae doctorum, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. X1r-X2v
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Daniel Stiebar von Rabeneck
Datum 1536/08/13
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Id. Sextil.
Sprache Latein
Entstehungsort Tübingen
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Quod scribis dolori tibe esse dilationem congressionis nostrae
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Türkenkriege/Türkengefahr; Astrologie
Datumsstempel 24.06.2019


Regest

Camerarius drückt sein Bedauern über ein nicht zustande gekommenes Treffen mit Stiebar aus. Seine Krankheit habe ihn daran gehindert. Ihretwegen sei er in Thermen gewesen, die man fälschlich als solche benannt hätte, denn das Wasser dort sei nicht warm, sondern müsse erst erhitzt werden (s. Anm.). Ihm gehe es jetzt noch schlechter als vorher und er suche woanders nach natürlichen Thermen. Wo befinde sich denn Moritz von Hutten? Er könnte sich doch Camerarius anschließen und ihn begleiten.

Camerarius erwarte Philipp Melanchthon, der seinen Besuch neulich angekündigt habe.

Am 04.08. (Prid. Non.) habe Camerarius eine Nacht voller Schwermut verbracht, als sich der Mond in Opposition zu Mars im Sternbild der Fische befand. Stiebars (geschätzter) (Johann Georg) Faust sei der Grund dafür, dass Camerarius ihm dies erzähle. Hätte Faust Stiebar doch lieber etwas von dieser Kunst gelehrt, als ihn mit seinem Aberglauben und seiner Scharlatanerie zu beeinflussen. Was sage Faust ihnen denn schon voraus? Ja, was denn? Camerarius wisse, dass sich Stiebar begierig über alles erkundigt habe. Ob der Kaiser (Karl V.) siege? Dies müsse ja zwangsläufig so geschehen, obgleich es heiße, der Papst (Paul III.) werde als Vermittler auftreten und beide Akteure (Karl V.) und Franz I. (Frankreich) um 20.000 Soldaten bitten, um die Friedensverhandlungen schützen und die (ggf.) widerspenstigen Herrscher zurecht zu weisen. So berichteten es die französischen Studenten an der Tübinger Universität.

Camerarius habe die Lobgedichte auf Kaiser Karl (=Camerarius, Carolus sive Tunete, 1536 und Camerarius, Carolus sive Vienna Austriaca, 1536) nicht abwarten können und deshalb nicht so gut ausgearbeitet. Aber man müsse seine gute Absicht billigen. Er habe das Werk Stiebar gewidmet (=Widmungsbrief vom 18.05.1536). (Im Widmungsbrief) finde sich eine unbesonnene, aber ehrenvolle Erwähnung Philipps von Hutten (s. Anm.), weshalb sie seinem Bruder (Moritz von Hutten) sicher willkommen sein werde. Camerarius fürchte, dass diese Seeschlacht (nur ein) Teil von noch größeren Unruhen sei.

Klage über Stiebars lange Abwesenheit und Ankündigung eines Besuches. Camerarius bittet dafür um ein Pferd, wobei er sich aber nicht, wie von Stiebar in Aussicht gestellt, mit einem geliehenen Pferd zufrieden geben wolle. Vielmehr wolle er ein eigenes haben, mit dem er von Tübingen nach (Würzburg) reisen und wieder fliehen könnte, sollte dies nötig sein. Aber dies sei nicht der Ort für Scherze.

Dank für das Hilfsangebot Stiebars bezüglich des Verwandten von Camerarius (vermutlich ein Schwager), der beinahe um seinen ganzen Besitzes gebracht worden sei. Camerarius wisse auch nicht, wie er ihm helfen könne. Er habe sich in einem nahen Ort niedergelassen, wo sich ein Silberbergwerk (vielleicht das Bergwerk Freudenstadt) befinde. Dort, so hoffe er, werde sich seine Situation bessern. Camerarius bleibe nur, sein Schicksal zu bedauern, und durch sein Unglück vervielfachten sich die Sorgen des Camerarius. Auch wenn Stiebar den Verwandten von Camerarius gern bei sich aufnehmen wollte, was dürfte dies schon nutzen? Der Schwager müsse sich nun Gedanken machen, was er nun tun und in Angriff nehmen wolle, wo er gleichsam aus dem Meer aufgetaucht sei. Wäre er doch nur schon dem Meer entronnen. Aber dazu ein anderes Mal.

Der Brief Stiebars scheine irgendein Übel anzudeuten. Stiebar habe nämlich geschrieben, dass jene Männer es so wollten. Camerarius glaube nicht, dass Stiebar die Franzosen meine, aber erkläre sich nicht, vielleicht weil er das für zu gefährlich halte. Camerarius lasse ihm dies durchgehen. Nicht durchgehen lasse er ihm allerdings die Sorge und Respekt vor Camerarius. Warum, so frage Stiebar? Niemals habe Camerarius so sehr den Rat Stiebars gesucht wie zu diesem Zeitpunkt, wo ihn verschiedene komplizierte Überlegungen plagten. Doch weder könne noch wage er es, alles deutlich zu schildern. Aber im Wesentlichen sei es die Tatsache, dass seit seiner Ankunft in Tübingen noch gar nichts für die Ehre des Staates und die Studien getan wurde (s. Anm.). Camerarius habe dies wohl oder übel ertragen. Nun verwirrte ihn nicht eine neue Krankheit, sondern geistige Anspannung. Im Stillen nämlich bäten ihn eben jene Leute um seine Dienste, die ihn neulich so bereitwillig fortgeschickt hätten. Auch andere bäten um seine Dienste, neulich hätten dies erst die Sachsen (sc. der Georg der Bärtige) getan. Melanchthon werde den Brief des Herzogs bringen, wie er schreibe. Camerarius wolle aber sein Dienstverhältnis keineswegs verraten und (angesichts seiner finanziellen Situation) nicht schon wieder einen teuren, beschwerlichen und gefährlichen Umzug auf sich nehmen. Camerarius sei unentschlossen und werde gleichsam im Meer der Gedanken umhergetrieben. Aber erblicke schon den sicheren Hafen, nämlich den Willen Gottes. Auf ihn wolle er Kurs nehmen. Mehr könne er nicht schreiben.

Er erwarte Melanchthon. Bis zu dessen Ankunft wolle sich Camerarius entscheiden.

Bezüglich des privaten Problems von Stiebar empfinde Camerarius Mitleid, auch wenn Stiebar etwas übertreibe. Camerarius weist die ungebührlich hochtrabende Anrede praefectus, die Stiebar in seinem Brief gebrauchte, mit dem (scherzhaften) Verweis zurück, dass Stiebar sich wohl eine vergleichbare Anrede erhofft hatte. Camerarius werde diesem Wunsch aber nicht nachkommen und ihn als consul betiteln, damit nicht ein (namentlich nicht genannter) Bekannter sie auslache und des Heidentums bezichtige und sich Camerarius irgendwann schämen müsse.

Anbei das Buch, um das Stiebar gebeten hätte, dessen Sprache er fast überdrüssig sei (unklar).

Lebewohl.

(Manuel Huth)

Anmerkungen

  • "Ihretwegen sei er in Thermen gewesen (...)": Das Wort "Thermen" kommt von griech. θερμός (= warm).
  • "eine unbesonnene, aber ehrenvolle Erwähnung (...)": Dort steht fälschlicherweise, Philipp von Hutten sei als Feldherr aus Amerika zurückgekehrt.
  • "Aber im Wesentlichen sei es die Tatsache (...)": Die Reformbestrebungen des Camerarius waren in Tübingen auf nicht unerheblichen Widerstand gestoßen, vgl. Schultheiß 2017, S. 2.

Literatur und weiterführende Links