Camerarius an Turnèbe, 1559

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
Turnèbe an Camerarius, 15XX1556 JL
Camerarius an Turnèbe, 15561556 JL
Turnèbe an Camerarius, 15.05.155515 Mai 1555 JL
 Briefdatum
Turnèbe an Camerarius, 10.07.155910 Juli 1559 JL
Camerarius an Turnèbe, 12.03.156012 März 1560 JL
Turnèbe an Camerarius, 23.05.156023 Mai 1560 JL
Werksigle OCEp 0375
Zitation Camerarius an Turnèbe, 1559, bearbeitet von Manuel Huth und Alexander Hubert (24.09.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0375
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae doctorum, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. K7v-L1r
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Adrien Turnèbe
Datum 1559
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Ursprünglich ermitteltes Datum: Sommersonnenwende (o.J.) (τῇ τῆς τοῦ ἡλίου ἐκ τούτων χηλῶν ἐξόδου). Tatsächlich folgt Camerarius wohl dem siderischen Tierkreis und das Datum liegt zwar auf keinen Fall später als Ende September, jedoch durchaus einen guten Monat später. Dies ergibt sich aus Turnèbe an Camerarius, 10.07.1559, auf den Camerarius hier antwortet. Dessen Datum dient als Terminus post quem.

Terminus ante quem für das Jahr ist außerdem Camerarius an Turnèbe, 12.03.1560, in dem sich Camerarius auf den vorliegenden Brief bezieht. Somit ergibt sich als Briefjahr 1559.

Unscharfes Datum Beginn 1559/07/10
Unscharfes Datum Ende 1559/10/01
Sprache Griechisch
Entstehungsort o.O.
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit κἀγὼ, Ἀδριανὲ σοφίας καὶ ἀρετῆς
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Edikt von Écouen (1559); Werkanfrage
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:HIWI
Gegengelesen von Benutzer:JS; Benutzer:US
Datumsstempel 24.09.2019
Werksigle OCEp 0375
Zitation Camerarius an Turnèbe, 1559, bearbeitet von Manuel Huth und Alexander Hubert (24.09.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0375
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae doctorum, 1568
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. K7v-L1r
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Adrien Turnèbe
Datum 1559
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Ursprünglich ermitteltes Datum: Sommersonnenwende (o.J.) (τῇ τῆς τοῦ ἡλίου ἐκ τούτων χηλῶν ἐξόδου). Tatsächlich folgt Camerarius wohl dem siderischen Tierkreis und das Datum liegt zwar auf keinen Fall später als Ende September, jedoch durchaus einen guten Monat später. Dies ergibt sich aus Turnèbe an Camerarius, 10.07.1559, auf den Camerarius hier antwortet. Dessen Datum dient als Terminus post quem.

Terminus ante quem für das Jahr ist außerdem Camerarius an Turnèbe, 12.03.1560, in dem sich Camerarius auf den vorliegenden Brief bezieht. Somit ergibt sich als Briefjahr 1559.

Unscharfes Datum Beginn 1559/07/10
Unscharfes Datum Ende 1559/10/01
Sprache Griechisch
Entstehungsort o.O.
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit κἀγὼ, Ἀδριανὲ σοφίας καὶ ἀρετῆς
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Edikt von Écouen (1559); Werkanfrage
Datumsstempel 24.09.2019


Regest

Camerarius habe sich selbst schon oft getadelt, weil er auf Turnèbes Brief noch nicht geantwortet habe, nun aber fühle er sich erst recht schuldig, da dieser in einem erneuten Schreiben seiner eigenen Verspätung die Schuld für Camerarius' Schweigen gebe (s. Anm.). Er sei aber, obgleich er oft zur Feder habe greifen wollen, beunruhigt worden von den sich verbreitenden Gerüchten über die blutigen und menschenverachtenden Taten, von denen auch Turnèbe geschrieben habe, und habe befürchtet, mit seiner Antwort dem Empfänger des Briefes zu schaden, da er bei einigen verhasst sei, die eine gotteslästerliche und unmenschliche Frömmigkeit lebten und "unheilige Opfer verbrennen" (θύματα ὁλοκαυτοῦσιν ἀνόσια). Denn wie er gehört habe, seien diese immer auf der Jagd und betrieben ein ταυρικόν τι σόφισμα καὶ ἀνθρωποκτόνον oder streiften, treffender gesagt, wie Raubtiere umher auf der Suche nach Menschen, die sie ins Verderben stürzen könnten (s. Anm.).

Die Getöteten aber seien nicht zu beklagen, denn nicht das Sterben sei schlimm, sondern in Schande zu sterben (Menander: Τὸ γὰρ θανεῖν οὐκ αἰσχρόν, ἀλλ᾽ αἰσχρῶς θανεῖν); diejenigen dagegen, die die ganze Sache begonnen hätten, die Menschen abschlachteten, die nichts verbrochen hätten und nicht aufrührerisch gewesen seien und sich nur den einen bei den Leuten leicht zu verleumdenden Vorwurf zugezogen hätten und diesen nicht nur ununtersucht, sondern auch ungeprüft und ohne Urteil: Diese nun müssten für unglücklich gehalten und auch so genannt werden, gleichsam Schreckgespenster ganzer Städte und Völker. Solches Blutvergießen werde nicht ungerächt bleiben und sowohl für ihre Anführer als auch für ihre Unterstützer werde Übel auf Übel folgen (πῆμ᾽ ἐπὶ πήματι κεῖται, Herodot 1, 67). Denn Gott sehe alles und werde seine Anhänger aus der Gefahr retten; so wolle man die Rettung vor dem Unheil am Tage des Herrn fromm erwarten und sich um den Lohn für alles Ungemach bemühen, den Rest seiner Sorgen aber Gott anvertrauen.

Camerarius aber bitte Turnèbe ihm zu schreiben, wann immer der Überbringer eines Briefes den Weg zu ihm finde. Turnèbe solle weiterhin zeigen, womit er sich selbst unaufhörlich Ruhm und allen anderen eine Hilfe und Freude verschaffe, etwa mit allem, was er schaffe, dem Camerarius; denn man habe nach der Edition (mit Kommentar) von Ciceros "De legibus" (ἀπὸ τῆς ἐκδόσεως τῶν νομικῶν τῶν Τυλλιανῶν) nichts mehr von ihm gehört (s. Anm.). Bei deren Lektüre vergnüge er sich nämlich gerade.

Denn manchmal passiere ihm Lächerliches, was zu berichten er sich auch Turnèbe gegenüber nicht schäme. Turnèbes Gelehrsamkeit betrübe ihn nämlich manchmal, da sie seinen eigenen Bemühungen kaum Freiraum und seinem eigenen Wissen kaum Möglichkeit lasse, hervorzustechen (was aber freundschaftlich als Scherz verstanden werden solle); Turnèbe habe viel in seinem eigenen Genie, aber auch viele Schätze in ihren dortigen Bibliotheken gefunden und Camerarius zur Verfügung gestellt.

(Alexander Hubert)

Anmerkungen

  • "Camerarius habe sich selbst schon oft getadelt, weil er auf Turnèbes Brief noch nicht geantwortet habe, nun aber fühle er sich erst recht schuldig, da dieser in einem erneuten Schreiben seiner eigenen Verspätung die Schuld für Camerarius' Schweigen gebe": Camerarius bezieht sich hier auf Turnèbe an Camerarius, 15XX als Brief, auf den er noch nicht geantwortet hat, und Turnèbe an Camerarius, 10.07.1559 als Turnèbes zweiten Brief.
  • "Er sei aber... die sie ins Verderben stürzen könnten": In Turnèbe an Camerarius, 15XX berichtet Turnèbe vom Edikt von Écouen, wonach Häretiker mit dem Tode zu bestrafen waren. Die Rede ist von Verbrennungen auf dem Scheiterhaufen, worauf Camerarius sich hier wohl mit den "unheiligen Opfern" bezieht. Insgesamt gemeint ist in diesem und dem folgenden Absatz das harte Vorgehen in Frankreich gegen die Hugenotten, das letztlich in den Hugenottenkriegen münden wird.
  • "man habe nach der Edition (mit Kommentar) von Ciceros "De legibus" (ἀπὸ τῆς ἐκδόσεως τῶν νομικῶν τῶν Τυλλιανῶν) nichts mehr von ihm gehört": Diese Edition ist 1552 herausgekommen (s. Turnèbe, Ciceronis De legibus, 1552. 1553 ist eine Synesiosausgabe von Turnèbe herausgekommen, die Camerarius auch kannte, s. Camerarius an Turnèbe, 13.03.1555. Möglicherweise meint Camerarius hier also, dass er seit dem Cicero-Kommentar nichts Eigenes mehr von Turnèbe erschienen ist.