Camerarius an Unbekannt, 13.12.1557

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
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 Briefdatum
Camerarius an Unbekannt (drei junge Adlige), 21.05.156521 Mai 1565 JL
Camerarius an Unbekannt (Fürst), 09.11.15709 November 1570 JL
Camerarius an Unbekannt, 28.12.157128 Dezember 1571 JL
Werksigle OCEp 1521
Zitation Camerarius an Unbekannt, 13.12.1557, bearbeitet von Jochen Schultheiß (07.06.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1521
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae Eobani, 1561
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. P3v-P6v
Zweitdruck in Chyträus, Hodoeporica sive itineraria, 1575
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck S. 158-164
Sonstige Editionen Reusner, Hodoeporica sive itinera, 1580, S. 480-485
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Unbekannt
Datum 1557/12/13
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Die Jahresangabe erfolgt aufgrund der Sphragis am Ende (155-156) und aus dem Titel des Briefgedichts: "Odoepoericum hiemale Ann. MDLVII". Ferner ist der Brief an seinem Ende datiert: Ioachim(us) scr(ipsit) Id(ibus) X(decem)br(is).
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort O.O.
Zielort O.O.
Gedicht? ja
Incipit Lipsidos egressi renovatis moenibus urbis
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Briefe/Parallelüberlieferung; Briefe/Briefgedichte; Hodoeporicum; Biographisches (Reise); Wormser Religionsgepräch (1557); Biographisches; Universität (Heidelberg)
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von Benutzer:US
Datumsstempel 7.06.2020
Werksigle OCEp 1521
Zitation Camerarius an Unbekannt, 13.12.1557, bearbeitet von Jochen Schultheiß (07.06.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1521
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae Eobani, 1561
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. P3v-P6v
Zweitdruck in Chyträus, Hodoeporica sive itineraria, 1575
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck S. 158-164
Sonstige Editionen Reusner, Hodoeporica sive itinera, 1580, S. 480-485
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Unbekannt
Datum 1557/12/13
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Die Jahresangabe erfolgt aufgrund der Sphragis am Ende (155-156) und aus dem Titel des Briefgedichts: "Odoepoericum hiemale Ann. MDLVII". Ferner ist der Brief an seinem Ende datiert: Ioachim(us) scr(ipsit) Id(ibus) X(decem)br(is).
Sprache Latein
Entstehungsort O.O.
Zielort O.O.
Gedicht? ja
Incipit Lipsidos egressi renovatis moenibus urbis
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Briefe/Parallelüberlieferung; Briefe/Briefgedichte; Hodoeporicum; Biographisches (Reise); Wormser Religionsgepräch (1557); Biographisches; Universität (Heidelberg)
Datumsstempel 7.06.2020


Regest

Eine Gruppe bestehend aus Camerarius selbst, einem nicht namentlich genannten Begleiter (nato uno comite) und Jakob Lechner, der an dieser Stelle apostrophiert wird, sei an einem Morgen aus dem sich durch neue Befestigungen (Anm. 1) auszeichnenden Leipzig aufgebrochen. Man habe die fruchtbaren Felder Thüringens, das mehr als alle anderen Länder von Ceres begünstigt werde, durchquert und habe Saale und Unstrut, wo Weinbau betrieben werde, passiert. Im bewaldeten und unebenen hessischen Bergland habe man fünf stürmische Tage bei Regen ausgeharrt. Camerarius habe sich auf dem Weg zu dem ebenfalls apostrophierten Melanchthon befunden (Anm. 2). Auch die Festung von Ziegenhain habe er gesehen. Dann seien sie weiter nach Marburg gereist. Hier erwähnt Camerarius auch das vom Fürsten gegründete Gymnasium (V. 15-16; Anm. 3). Auch Adam, ein alter Freund (wohl Adam Krafft), habe ihn hier erfreut. Camerarius erinnert an ihre gemeinsame Studienzeit in Erfurt.
In einer Apostrophe wendet sich Camerarius an Melanchthon (V. 27-42). Die Anrede erfolgt vom Standpunkt des Sprechers innerhalb der erzählten Zeit: Camerarius überkommen nun Sorgen. Wie gehe es Melanchthon? Wo sei er? Was mache er, dem so sehr von den Feinden zugesetzt werde, und dem dennoch liege der Frieden, das Streben nach der Wahrheit und die Reinheit des Glaubens am Herzen lägen? Er wisse jedoch noch nicht, welches trauervolle Unheil ihn aus der Heimat erwarte. Während er sich um religiöse Stabilität und Einheit bemühe, sei die Frau, mit der er 35 Jahre zusammengelebt habe (Katharina Melanchthon), gestorben.
Camerarius fährt mit der Reisebeschreibung fort: Die nächste Station sei Frankfurt am Main, bei Sonnenuntergang gelange man schließlich zur Bromia domus (Wirtshaus ?), wo sie Unterkunft finden. Weiter gehe es an den Rhein, nach Worms und schließlich nach Heidelberg, wo sich Melanchthon in der Pfalz aufhielt (V. 49-110). In Heidelberg habe sich der Fürst (Ottheinrich von der Pfalz) daran gemacht, Kultur und Bildung zu fördern. Deshalb habe sich Camerarius so schnell wie möglich dorthin begeben. Aus der Heimatstadt Bretten sei auch Melanchthons Bruder (Georg Schwartzerdt) herbeigekommen, was Camerarius sehr willkommen gewesen sei. Auch Caspar Peucer sei anwesend gewesen, nachdem er aus Sachsen zu seinem Schwiegervater (Philipp Melanchthon) gekommen sei. Camerarius erinnert an die emotionale Begegnung mit Melanchthon, als er in Heidelberg ankam. Ein heiterer Tag unter Freunden sei dies gewesen. Am Morgen habe Melanchthon an der Reform der Universität gewirkt (erudiit scholam), nach dem Mittagessen habe man die wunderbaren Gärten Ottheinrichs besucht. Camerarius beschreibt sie mit Bewunderung. Hier sei Melanchthon vom Tod seiner Frau in Kenntnis gesetzt worden (Anm. 4). Camerarius beschreibt die Gefasstheit, mit der Melanchthon die Nachricht aufgenommen habe. (Hierbei berichtet Camerarius Melanchthons Worte in direkter Rede). Bei allen Versuchen, sich abzulenken, habe ihn der Schmerz dann doch immer wieder übermannt. Melanchthon beklage sich über die Belastung durch seine Verpflichtungen, bei denen er allseits auf Eigenliebe und Ehrsucht stoße. Dann seien alle in seinem Haus zusammengekommen. Unter dieser Gruppe befand sich auch der greise Arzt (Johann) Lange, den Camerarius bereits als Student in Leipzig bewunderte. Man habe die Nacht bei Musik verbracht. Im Haus des Cyrlerus (Stephan Zirler) sei das Abendessen bereitet worden. Daraufhin habe Melanchthon eine noch schwerere Krankheit ergriffen als gewöhnlich; vor allem als Camerarius wieder abgereist sei. Wichtige äußere Umstände hätten es Camerarius nicht erlaubt, noch lange zu bleiben. Nur drei Tage hätten sie sich in dieser Stadt aufgehalten.
Am Rhein (gemeint wohl: Neckar) entlang hätten sie sich auf den Heimweg über Franken begeben (V. 111-148). Aufnahme hätten sie bei den Brüdern von Erbach gefunden. Es folgt ein Lob auf Georg (wohl Georg II. von Erbach) und seine Frau. Daniel Stiebar habe diesen als Freund in höchsten Ehren gehalten. Nach drei Tagen habe man Würzburg erreicht. Ihren Namen habe die Stadt vom Most (mustum) und sei einst Hauptstadt Frankens gewesen. Auch jetzt sei sie noch Sitz eines Fürsten und werde "Vurcipurgiacum" von den Einwohnern genannt. Camerarius geht auch auf den hier betriebenen Weinbau ein. Camerarius bringt seine Sympathie gegenüber der Stadt zum Ausdruck. Er verbindet die Darstellung seines Aufenthalt in Würzburg mit einem gefühlvollen Nachruf auf den verstorbenen Stiebar: Mit schwerem Herzen sei Camerarius an dessen Haus vorbeigefahren. Am folgenden Tag sei er dann in seiner Heimatstadt Bamberg angekommen, dann habe er Aufnahme in Nürnberg gefunden. Die Reise geht weiter zur Eger und über Joachimsthal, Annaberg, Chemnitz und Penig.
Camerarius endet in eigener Sache als Autor. Er habe nun Grund und Weg seiner Reise dargelegt. Wer das Gedicht lese, solle gut darüber urteilen. Geschrieben habe er auf dem Weg. Er habe das beschrieben, was ihm die Liebe bald aufzuschreiben befohlen habe. Die Liebe stufe alles, was sie betreffe, für bedeutsam ein. Camerarius schließt mit der Jahresangabe (1557) und einer autobiographischen Sphragis mit der Angabe seines Geburtstages (12. April), seines Geburtsortes (Bamberg) und seiner Betätigungsfelder (Dichtung und Gelehrsamkeit). Der letzte Satz endet in einer Beteuerung der eigenen Bescheidenheit.
Das Gedicht umfasst 83 elegische Distichen.


(Jochen Schultheiß)

Anmerkungen

  • Anm. 1: Nach der Belagerung Leipzigs während des Schmalkaldischen Krieges (1547) wurden die Befestigungsanlagen neu gestaltet.
  • Anm. 2: Die in dem Hodoeporicum beschriebene Reise des Camerarius zu dem sich in Worms zu Religionsgesprächen aufhaltenden Melanchthon lässt sich auch im Melanchthonbriefwechsel nachvollziehen. In einem Brief vom 13.10.1557 informieren Wittenberger Professoren Melanchthon darüber, dass seine Frau gestorben und dass Camerarius auf dem Weg zu ihm sei (MBW – Regesten online, Nr. 8394). In einem Brief vom 29.10. informiert Philipp Melanchthon seinen Neffen Sigismund Melanchthon, dass Camerarius ihn am 27.10. getröstet habe, als ihm die Nachricht vom Tod seiner Frau zugegangen sei (MBW – Regesten online, Nr. 8409). In einem Brief vom 31.10. teilt Melanchthon Petrus Vincentius mit, dass Camerarius in Heidelberg gewesen sei (MBW – Regesten online, Nr. 8411).
  • Anm. 3: Das 1527 von Landgraf Philipp dem Gutmütigen gegründete protestantische Pädagogium (heute: Gymnasium Philippinum).
  • Anm. 4: Weder aus dieser Erzählung noch aus dem Melanchthon-Briefwechsel wird klar ersichtlich, ob Camerarius' Besuch zufällig mit diesem Vorkommnis zusammenfällt und Melanchthon die Nachricht von Dritten erhält (z.B. durch den Brief der Wittenberger Professoren) oder ob es Camerarius ist, von dem Melanchthon die Todesnachricht erhält und somit die Überbringung dieser Botschaft der Grund für die Reise war. Für die zweite Deutung spricht das in der Marburg-Episode vom Sprecher Camerarius dargelegte Wissen vom Ableben Katharina Melanchthons und dass der Sprecher Camerarius bereits im Vorfeld zu erkennen gibt, dass ihm die Anwesenheit des Bruders Melanchthons willkommen sei. Camerarius hat dann Melanchthon wohl noch nicht sofort in Kenntnis gesetzt, sondern einen angemessenen Augenblick gewählt.

Adressaten

Im Titel des Briefes sind keine Adressaten angegeben. Zwar werden mehrere Personen im Vokativ apostrophiert (Jakob Lechner, Philipp Melanchthon, Adam Krafft, Georg von Erbach u.a.). Dies scheint jedoch eher Ausdruck einer subjektiv-emphatischen Erzählhaltung als die Anrede an Briefadressaten zu sein. Die genannten Personen wohnen zudem an sehr unterschiedlichen Orten und können nicht in einem einzigen Brief angeschrieben worden sein.

Titel

Das Briefgedicht trägt in der ältesten für uns fassbaren Ausgabe von 1561 den Titel "Odoeporicum hiemale Anni M.D.LVII" und ebenso in der zweiten von 1575 den Titel "Hoedoeporicon hyemale anno 1557". Reusner betitelt es schließlich mit "Iter hyemale". Hier finden sich ferner in den Marginalien Auflösungen zu den Ortsangaben.

Forschung

Das Briefgedicht nimmt Elemente aus dem Hodoeporicum "Nemetum" (Camerarius an Ebner und Sabinus, 13.04.1529) auf. Anregungen könnten auch von Thomas Morus gekommen sein (vgl. Wiegand 1984, S. 122-123).

Überlieferung

Das Gedicht ist zwar bei Fabricius 1726, S. 519 unter Camerarius' Werke aufgenommen, aber nicht bei Baron/Shaw 1978 verzeichnet. Erst Wiegand 1984, 122 hat wieder auf dieses Hodoeporicum aufmerksam gemacht.

Forschungsliteratur