Estienne an Camerarius, 1561

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
Camerarius an Estienne, 13.08.156513 August 1565 JL
Werksigle OCEp 1539
Zitation Estienne an Camerarius, 1561, bearbeitet von Jochen Schultheiß (17.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1539
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Xenophon, Xenophontis quae extant opera, 1561
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. *2r/v
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Henri Estienne
Empfänger Joachim Camerarius I.
Datum 1561
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Datierung des Widmungsbriefes nach dem Druckjahr.
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort o.O.
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit En tibi Xenophontem Latinum
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? ja
Paratext zu Xenophon, Xenophontis quae extant opera, 1561
Kurzbeschreibung In dem Widmungsbrief muss sich Camerarius von Estienne den Vorwurf gefallen lassen, trotz seiner Expertise in Sachen Xenophon den Bitten des Herausgebers um Hilfestellung nicht nachgekommen zu sein. Der Drucker legt die Zusammenstellung der von ihm herangezogenen Xenophonwiedergaben dar. Übersetzungen von noch lebenden Autoren habe er nicht überarbeitet. Am Ende fordert Estienne Camerarius dazu auf, seine Übersetzung doch noch durchzuschauen und mit Anmerkungen zu versehen. Die Veröffentlichung von ausführlicheren Erläuterungen habe Estienne nämlich in seinen Marginalien an verschiedenen Stellen in Aussicht gestellt.
Anlass
Register Briefe/Widmungsbriefe; Werkgenese; Übersetzung; Übersetzungstheorie
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von
Datumsstempel 17.12.2019
Werksigle OCEp 1539
Zitation Estienne an Camerarius, 1561, bearbeitet von Jochen Schultheiß (17.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1539
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Xenophon, Xenophontis quae extant opera, 1561
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. *2r/v
Fremdbrief? nein
Absender Henri Estienne
Empfänger Joachim Camerarius I.
Datum 1561
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Datierung des Widmungsbriefes nach dem Druckjahr.
Sprache Latein
Entstehungsort o.O.
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit En tibi Xenophontem Latinum
Regest vorhanden? ja
Paratext ? ja
Paratext zu Xenophon, Xenophontis quae extant opera, 1561
Kurzbeschreibung In dem Widmungsbrief muss sich Camerarius von Estienne den Vorwurf gefallen lassen, trotz seiner Expertise in Sachen Xenophon den Bitten des Herausgebers um Hilfestellung nicht nachgekommen zu sein. Der Drucker legt die Zusammenstellung der von ihm herangezogenen Xenophonwiedergaben dar. Übersetzungen von noch lebenden Autoren habe er nicht überarbeitet. Am Ende fordert Estienne Camerarius dazu auf, seine Übersetzung doch noch durchzuschauen und mit Anmerkungen zu versehen. Die Veröffentlichung von ausführlicheren Erläuterungen habe Estienne nämlich in seinen Marginalien an verschiedenen Stellen in Aussicht gestellt.
Register Briefe/Widmungsbriefe; Werkgenese; Übersetzung; Übersetzungstheorie
Datumsstempel 17.12.2019


Regest

In dem Widmnungsbrief rügt Estienne Camerarius dafür, ihm bei seinem großen Projekt zu Xenophon nicht zur Seite gestanden zu haben (Bl. *2r). Camerarius solle den lateinischen Xenophon entgegennehmen. Auch wenn dieser häufig in Estiennes Worten um Camerarius' Hilfe gebeten habe, habe er es ertragen müssen, dass ihm diese verwehrt geblieben sei. Für den Herausgeber und alle Gelehrten sei dies schmerzlich, für Camerarius hingegen beschämend. Estienne habe sich aus dem Grund an Camerarius gewandt, weil niemand in der Kenntnis der griechischen Sprache solche Fortschritte gerade durch die Lektüre dieses Autors erzielt habe wie Camerarius.
Estienne legt im Folgenden die Zusammenstellung seiner Ausgabe von Xenophon-Übersetzungen dar. Nachdem er nicht auf Camerarius' Mithilfe hoffen konnte, musste er nun selbst die wenige Freizeit, die ihm das Druckerhandwerk lasse, für dieses Vorhaben aufwenden. Estienne führt sodann die Werke auf, die er aufgenommen hat: Zunächst Filelfos Übersetzung der "Kyrupädie". Diese habe er überarbeiten und verbessern müssen. An manchen Stelle habe er die Verbesserungen in den Marginalien vermerkt. Ob sich seine Mühe gelohnt habe, mögen andere beurteilen. Zeitdruck habe ihn jedoch gezwungen, manches für die Anmerkungen aufzusparen, manches sei ihm in der Eile auch entgangen. Dabei habe er bemerkt, dass eine derartige Textverbesserung nicht für die gesamte Ausgabe durchgeführt werden könnte. Den sonst so fleißigen Franciscus Portus habe er geradezu nötigen müssen, seine Übersetzung der "Hellenika" zu überarbeiten; so sehr sei dieser mit Arbeit überhäuft. Schließlich sei er Estiennes Bitte doch noch in bester Weise nachgekommen. Auch Pirckheimers Übersetzung habe er erheblich überarbeitet. Übersetzungen von Autoren, die noch am Leben seien, musste er unberührt (intactas) lassen, für den Fall, dass diese sie noch selbst überarbeiten wollten. Bei den übrigen habe er nur so weit eingegriffen, wie es der Entlastung der Leser dienen konnte. Die Übersetzung der "Anabasis" von Romulus Amasaeus sei zwar durchwegs elegant aber nicht immer textnah (eleganter quidem ubique sed alicubi non satis fideliter versam). Für den "Agesilaos" und die "Staatsverfassung Spartas" habe er wieder auf Filelfo zurückgegriffen und dabei feststellen müssen, dass dieser Autor allzu sehr sich selbst gleiche (quem interpretem ubique nimium sui similem esse comperi; Bl. *2r/v). Die "Apologie des Sokrates" sei in der Wiedergabe von Aretinus (Leonardo Bruni) aufgenommen. Hier habe Estienne viele Korrekturen in den Marginalien verzeichnet und im Text vorgenommen (Bl. *2v). Aufgrund seiner Hochachtung für Bessarion habe Estienne in dessen Übersetzung der "Memorabilien" nur Anmerkungen am Rand vorgenommen; ähnlich habe er es mit dem "Oikonomikos" von Strebaeus (Jacques-Louis Strebée) gehalten. Weniger Mühe habe der Drucker und Herausgeber auch mit dem "Symposion" des Johannes Ribittus und dem "Hieron" des Erasmus gehabt. Verbesserungen musste er wiederum bei den "Poroi" und dem "Buch vom Reiterbefehlshaber" des Ribittus vornehmen. Camerarius' "Über die Reiterei" habe Estienne unberührt gelassen (integrum & illibatum servavi). Konrad Geßner musste er bitten, aus Omnibonis sehr schlechter Wiedergabe der Schrift "Über die Jagd" eine sehr gute zu machen.
Auf diese Übersicht hin wolle Estienne nun Camerarius aufzeigen, wie er sich hinsichtlich Xenophon wieder ins gerade Licht rücken könne. Camerarius solle, damit er nicht für lieblos gehalten werden, doch zumindest seine Übersetzung zu "De re equestri" überarbeiten. Die Überarbeitung eines Werkes dem Urteil eines anderen zu überlassen, zeuge von mangelnder Klugheit. Estienne fordere jedoch nicht nur die Überarbeitung der Übersetzung, sondern auch die Hinzufügung von Anmerkungen. Estiennes Plan sei es nämlich, auch Anmerkungen zu den Xenophonwerken zu drucken, da er auf diese in seinen Marginalien bereits verweise. Deshalb wolle er die Erläuterungen des Franciscus Portus zu den "Hellenika", die des Konrad Geßner zu dem Werk "Über die Jagd" und die des Camerarius zum Buch "Über die Reiterei" mit seinen eigenen Kommentierungen zu den Büchern zusammenführen. Hierbei sollen auch über die von Estienne bereits angemerkten fehlerhaften Stellen hinaus auch noch weitere erläutert werden, die er übergangen habe und die ihm erst aufgefallen seien, als er diesen Autor einigen Jugendlichen vorzulesen begonnen habe.
Estienne endet damit, dass er gespannt sei, von dem Vergnügen zu erfahren, mit dem Camerarius seine Rede über die Verbindung der Musen mit Mars (das erste Werk im Druck) aufgenommen habe.

(Jochen Schultheiß)

Anmerkungen

Noreen Humble liest den Brief als einen Beleg für Camerarius' verbreiteten Ruf als Experte für Xenophon (vgl. Humble 2017, S. 174f.)

Forschungsliteratur