Grynäus an Camerarius, 10./11.1536

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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 Briefdatum
Camerarius an Grynäus, 05.06.15355 Juni 1535 JL
Grynäus an Camerarius, 31.05.153531 Mai 1535 JL
Grynäus an Camerarius, 10.07.153410 Juli 1534 JL
 Briefdatum
Grynäus an Camerarius, 06.01.15366 Januar 1536 JL
Camerarius an Grynäus, frühestens 10.1536Oktober 1536 JL
Camerarius an Grynäus, nach 03.11.15363 November 1536 JL
Werksigle OCEp 0282
Zitation Grynäus an Camerarius, 10./11.1536, bearbeitet von Ulrich Schlegelmilch und Manuel Huth (07.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0282
Besitzende Institution München, BSB
Signatur, Blatt/Seite Clm 10357, Nr. 34
Ausreifungsgrad Original
Erstdruck in Camerarius, Epistolae Eobani, 1561
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. L7v-L8v
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Simon Grynäus
Empfänger Joachim Camerarius I.
Datum 1536
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum im Druck o.D.; ermitteltes Datum: Oktober/November 1536; s. Hinweise zur Datierung
Unscharfes Datum Beginn 1536-10-01
Unscharfes Datum Ende 1539-11-30
Sprache Latein
Entstehungsort Basel
Zielort Tübingen
Gedicht? nein
Incipit Placet ut in hoc argumento pergamus
Link zur Handschrift http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00103462-7
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Briefe/Parallelüberlieferung; Biographisches (Rezeption); Werkgenese
Handschrift nicht gesehen
Bearbeitungsstand korrigiert
Notizen An US/Korrekturleser: Erster Absatz unsicher; Abgleich mit Handschrift nachholen - erledigt. 612.19

Wegen Datierung: Abgleich mit OCEp 0284

MH an mich selbst: Theon verlinken

Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:US; Benutzer:MH
Gegengelesen von Benutzer:US
Datumsstempel 7.12.2019
Werksigle OCEp 0282
Zitation Grynäus an Camerarius, 10./11.1536, bearbeitet von Ulrich Schlegelmilch und Manuel Huth (07.12.2019), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_0282
Besitzende Institution München, BSB
Signatur, Blatt/Seite Clm 10357, Nr. 34
Ausreifungsgrad Original
Erstdruck in Camerarius, Epistolae Eobani, 1561
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. L7v-L8v
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Simon Grynäus
Empfänger Joachim Camerarius I.
Datum 1536
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum im Druck o.D.; ermitteltes Datum: Oktober/November 1536; s. Hinweise zur Datierung
Unscharfes Datum Beginn 1536-10-01
Unscharfes Datum Ende 1539-11-30
Sprache Latein
Entstehungsort Basel
Zielort Tübingen
Gedicht? nein
Incipit Placet ut in hoc argumento pergamus
Link zur Handschrift http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00103462-7
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Briefe/Parallelüberlieferung; Biographisches (Rezeption); Werkgenese
Datumsstempel 7.12.2019


Zielort ermittelt.

Hinweise zur Datierung

  • Das Almagest war noch nicht gedruckt, i. e. der Brief entstand vor dem 22.08.1538.
  • Ein kürzlich zurückliegender Besuch von Melanchthon in Tübingen wird erwähnt. Diese Reise fand im September/Oktober 1536 statt (vgl. Scheible 2016, S. 336).

Regest (basierend auf dem Druck)

Grynäus wolle sich weiterhin mit diesem Thema (hoc argumentum; die Handschrift legt nahe, dass es um religiöse Themen geht) beschäftigen. Camerarius habe das einzige exemplar des Briefes, den Grynäus an ihn über diese Sache schrieb. Er solle es an Grynäus zurückschicken, damit er den Rest wie geplant vollenden könne, falls Camerarius einverstanden sei. Gleichwohl hätte Camerarius alles Wesentliche über die Absichten des Grynäus auch von Philipp (Melanchthon) erfahren, der neulich (in Tübingen) gewesen war und von Grynäus in Kenntnis gesetzt wurde. Man müsse nichts weiter tun, als das Sichere, Deutliche und für beide Seiten Klare zu behalten. Es sei nicht recht, sich auf unbekanntes, verborgenes und zweifelhaften Gelände zu begeben, da man einen unsicheren Weg niemals ohne zu fehlen betrete. (s. Anm.)

(Der folgende Absatz bezieht sich auf den noch nicht erfolgten Druck des 1538 erschienenen Almagest): Grynäus schicke ihm den Ptolemaios, soweit er bisher gedruckt sei. Er solle nichts davon an andere weitergeben, damit der Drucker (Johann Walder) sich nicht verraten fühle. Die ersten Seiten seien nicht besonders genau abgedruckt. Dies liege am unbekannten Stoff, den ungewohnten Buchstaben und den zahlreichen Anmerkungen. Den Theon werde er in Angriff nehmen, sobald der Ptolemaios abgeschlossen sei, was vor der nächsten Messe kaum der Fall sein dürfte. In der Zwischenzeit solle sich Camerarius entscheiden, was mit dem Theon passieren solle. Die Bücher könnten im Verbund gedruckt werden, wenn Camerarius nichts dagegen habe.

Was er nun schreibe, möge Camerarius gut, friedlich und freundlich aufnehmen. Wie Camerarius wisse, sei zu ihnen (nach Basel) ihr Peripatetiker (sc. Guillaume Bigot) gekommen. Er sei ein begabter und gelehrter, aber ein hitziger, ja sogar frecher Mann. Falls sich Grynäus nicht täusche, wolle er etwas gegen sie (vermutlich Camerarius, Melanchthon usw.) ins Werk setzen. Er verheimliche nämlich nicht, dass er ein Werk gegen gewisse "Sophisten" verfasse. Wen genau er angreife und wie er es bewerkstellige, wisse Grynäus nicht. Hier (in Basel) werde er kaum jemanden finden, der die Schrift drucke und verbreite. Was zwischen Camerarius und Bigot vorgefallen sei, welche Beleidigung oder Rivalität zwischen ihnen herrschte, das könne nicht einmal (Bigot) selbst deutlich erklären. (Bigot) solle einigen Leuten gegenüber die Wahrheit angedeutet haben, um die mit ungewissem Ertrag gekämpft werde, gleichsam so als kämpfe man nicht für Helena, sondern ihr euripideisches Abbild (s. Anm.).

Grynäus habe ihm dies wegen ihrer engen Freundschaft mitteilen wollen. Camerarius möge nun klug und mit Mäßigung handeln. Grynäus rate ihm, einen freundlichen Brief an (Bigot) zu schreiben. Was Grynäus bei diesem Mann für und über Camerarius gesagt habe, werde er nicht ausführen, damit Camerarius nicht noch die Lobhymnen des Grynäus seinem Brief an (Bigot) hinzufüge und dadurch sein Brief weniger aufrichtig scheine. Auch wenn Grynäus nicht mit diesem Mann verfeindet sei, so seien sie doch nicht allzu gute Freunde. Durch einen Brief könne Camerarius in Erfahrung bringen, wie (Bigot) ihm gegenüber denke. Camerarius müsse in diesem Schreiben dann auch nicht verheimlichen, dass er von Grynäus erfahren habe, dass (Bigot) etwas plane. Vielleicht werde der Mann sich dann in seinem Zorn mäßigen, so sehr er auch jetzt wüte. Sie seien schon erbärmliche und unglückselige Menschen, da sie andere an Weisheit und Tugend übertreffen sollten, stattdessen aber durch ihr eigenes Beispiel viele verletzten und den Studienfortschritt anderer hemmten.

Während Grynäus dies schrieb, sei ihr necessarius (gemeint ist der oben erwähnte Bigot) zu ihm gekommen – und wieder gebe es Klagen, Zurechtweisungen und Tadel. Aber er habe Grynäus versprochen, an Camerarius zu schreiben und offen zu erklären, was er beabsichtige und unternehme. Am nächsten Tag sei er wieder zu Grynäus gekommen, kurz nachdem der Brief des Camerarius eingetroffen sei, in dem er (Bigot) hochoffiziell grüßen ließ. Grynäus habe den ganzen Brief vorgelesen und es sei erstaunlich gewesen, wie schnell sich Bigots Stimmung änderte. Er sagte, er wolle sein Werk zurückziehen. Dies könne aber vielleicht nicht mehr bewerkstelligt werden, weil es bereits vor 14 Tagen in irgendeine Offizin geschickt wurde, wie es heiße. Was das erbrochene Briefsiegel betreffe (de epistola resignata), so habe (Bigot) offen zugegeben, dass er es getan hatte. Aber Grynäus wolle nicht ausführlich darüber schreiben. Camerarius solle sich so zeigen, wie es Grynäus immer von ihm erwartet habe. Hoffentlich lasse sich dieser Streit beilegen. Offensichtlich habe sich ja schon die Stimmung (Bigots) geändert. Denn das Herz der erdebewohnenden Menschen ändere sich, wie (Gott) die Tage sende (Homer, Odyssee 18, 136 f.). Grynäus halte es für ein Zeichen keines schlechten Charakters, wenn man sich durch gewandtes Reden überzeugen lasse. In dem Brief, den Camerarius dem aus Tübingen Abreisenden (unklar: vielleicht ein Bote oder Bigot selbst) gegeben hatte, gab es eine undeutlich formulierte Stelle, die ihn etwas anderes vermuten ließ als gemeint war. Dies konnte jeder leicht erkennen, dem Grynäus den Brief zum Lesen gab. Aber genug davon. Lebewohl.

(Manuel Huth)

Anmerkungen

  • "Man müsse nichts weiter tun...": Camerarius hat hier für den Druck zunächst eine Erwähnung Bucers durch Grynäus unterdrückt und sodann den gesamten folgenden Absatz nachhaltig umgeschrieben.
  • "ihr euripideisches Abbild": Bezieht sich auf die Tragödie "Helena" des Euripides, in der sie keine Schuld am Krieg von Troja trägt, da sie dort selbst niemals gewesen war, sondern nur ihr Abbild.