Camerarius, Prooemium in libellum Progymnasmatum Aphthonii, 1567

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 0784
Zitation Prooemium in libellum Progymnasmatum Aphthonii, conversum in Latinum sermonem, bearbeitet von Jochen Schultheiß (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0784
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel Prooemium in libellum Progymnasmatum Aphthonii, conversum in Latinum sermonem
Kurzbeschreibung Das Proömium stellt den Widmungsbrief zu dem Druck dar. Camerarius weist auf die Nützlichkeit eines Druckes dieses Lehrwerkes zur Rhetorik für die Schüler hin. Er fordert unter Rekurs auf Aristoteles eine Verbindung von wissenschaftlicher Kontemplation und aktivem Leben. Hiermit sei die Bildung im irdischen Leben verhaftet, eine geistliche Erziehung sei hiervon zunächst zu trennen.
Erstnachweis 1567
Bemerkungen zum Erstnachweis Datierung nach Erstdruck
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1567/01/01
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1567/01/21
Schlagworte / Register Prooemium; Rhetorik; Übersetzungstheorie; Bildungsdiskurs; Zwei-Reiche-Lehre; Werkgenese
Paratext zu
Paratext? ja
Paratext zu Aphthonius, Progymnasmata, 1567
Überliefert in
Druck Aphthonius, Progymnasmata, 1567
Erstdruck in
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft am Original überprüft
Bearbeitungsstand korrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 4.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0784
Zitation Prooemium in libellum Progymnasmatum Aphthonii, conversum in Latinum sermonem, bearbeitet von Jochen Schultheiß (04.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0784
Name Joachim Camerarius I.


Sprache Latein
Werktitel Prooemium in libellum Progymnasmatum Aphthonii, conversum in Latinum sermonem
Kurzbeschreibung Das Proömium stellt den Widmungsbrief zu dem Druck dar. Camerarius weist auf die Nützlichkeit eines Druckes dieses Lehrwerkes zur Rhetorik für die Schüler hin. Er fordert unter Rekurs auf Aristoteles eine Verbindung von wissenschaftlicher Kontemplation und aktivem Leben. Hiermit sei die Bildung im irdischen Leben verhaftet, eine geistliche Erziehung sei hiervon zunächst zu trennen.
Erstnachweis 1567
Bemerkungen zum Erstnachweis Datierung nach Erstdruck
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1567/01/01
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1567/01/21
Schlagworte / Register Prooemium; Rhetorik; Übersetzungstheorie; Bildungsdiskurs; Zwei-Reiche-Lehre; Werkgenese
Paratext zu
Paratext? ja
Paratext zu Aphthonius, Progymnasmata, 1567
Überliefert in
Druck Aphthonius, Progymnasmata, 1567
Carmen
Gedicht? nein
Bearbeitungsdatum 4.02.2020


Widmung und Entstehungskontext

Das Prooemium ist an Albrecht Friedrich von Preußen adressiert. Trotz der Überschrift "Prooemium" kann der Text auch als Widmungsbrief gelesen werden.

Aufbau und Inhalt

Camerarius thematisiert unmittelbar am Beginn die für ihn wahre und herausragende Erziehung und Bildung, die bewirkt zu haben scheine, dass die zarte Kindheit auf direktem Wege zum kräftigen Alter geführt werde. Hiermit könne ein zuträgliches, lobenswertes und glückliches Leben auf Erden geführt werden (A2r). Über diese Erziehung und Bildung hätten viele gründlich und eifrig gelehrt. Da ihre nützlichen und guten Schriften noch erhalten seien, wäre es besser, dass man sie lese, als dass Camerarius das Thema in rückblickender Darstellung erkläre. Als Camerarius dieses Buch, das er und auch andere für nützlich hielten, für die Schule beschafft habe, sei es ihm in den Sinn gekommen, dass er solche Schriften herausgeben sollte. Es habe ihm nämlich geschienen, dass es für den Leser nützlich wäre, wenn man sie in die Erinnerung zurückrufe. Wenn er richtig liege, müsse dieses Werk nicht wenigen willkommen erscheinen (A2v). Was jedoch nützlich sei, könne nicht in gleicher Weise erfreulich sein. Dies habe er insbesondere bedacht, als er sich mit jener Schrift beschäftigt habe, die er nun in einer Übersetzung aus dem Griechischen ins Lateinische herausgebe, und als er darüber sinniert habe, was in ihr behandelt werde.
Unter Rückgriff auf Aristoteles fordert Camerarius eine Einheit von wissenschaftlicher Kontemplation und politischem Handeln. Der griechische Philosoph habe in seinen ethischen Schriften festgehalten, dass es drei Formen des menschlichen Lebens gebe: Die erste sei die der Handlung (auf Bl. A2r auch mit dem griechischen Terminus bezeichnet: βίος πρακτικός), die zweite die des Wissens und der Erkenntnis (βίος θεωρητικός), die dritte die der Lust. Das Leben in der Lust sei eines Menschen unwürdig. Die Lebensformen der Handlungen und des Wissens sollten jedoch nicht unabhängig voneinander bestehen.
So sehr Camerarius davon überzeugt sei, dass irdische Bestrebungen der himmlischen Wahrheit und dem christlichen Glauben dienen sollten, vertrete er doch die Auffassung, dass in der Bildung Irdisches und Himmlisches getrennt sein sollte (A3r). Der Unterricht in den göttlichen Dingen sei eigenständig und für diejenigen da, die Bürger (cives) der christlichen Kirche genannt werden wollen (Anm. 1). Im weltlichen Leben jedoch rage die Verbindung der Handlungen und des Wissens heraus. Die Sorge um den Körper überlasse Camerarius der Medizin und dem Sport. Die Gesundheit der Seele jedoch sei durch die Lehren der Weisheit zu schützen und aufrechtzuerhalten (A3r/v). Sie vermittelten moralische Grundvorstellungen (A3v-A4r). All dies gehöre zu einer freien Bildung (A4r). Dieses Thema jedoch insgesamt abzuhandeln, würde an dieser Stelle zu weit führen. Damit man diese Bildung jedoch erlangen könne, bedürfe es der antiken Werke. Es gebe nämlich keinen Bereich, der sich auf die Gesetze, auf die Sitten und auf die Ordnung des Staates bezöge, den die antiken Autoren ausgelassen hätten (A4v). Von ihnen abzuweichen, führe zum Scheitern.
Nachdem nun aufgewiesen sei, dass die Schriften der antiken Lehrer der Weisheit und der Tugend den Verstand ausbildeten und den Willen auf die Wahrheit und den Ruhm ausrichteten, sei es folgerichtig, wenn man ihre Werke gründlich lese und sich die Inhalte eifrig aneignete. Das göttliche Wohlwollen habe die Gelehrsamkeit vor allen anderen den Griechen gebracht (A4v-A5r). Deren Nachfolger seien die Römer gewesen, die dann das Übernommene noch verbessert hätten.
Für ein gutes Leben auf Erden bedarf es des Strebens nach Weisheit und nach Tugend (A5r). Hierfür sei wiederum die antike Gelehrsamkeit nötig. Allein die Unterweisung der Kinder biete die Voraussetzungen, dass die Schriften in beiden Sprachen gelesen und memoriert werden könnten. Von diesem Anfang gelange man zur Vollendung, auf diesen Fundamenten könne ein prächtiges Haus errichtet werden.
Das nun herausgegebene Buch solle die Lehrmittel der Schulen mehren (A5v). Camerarius vertraue darauf, dass das Ergebnis den Erwartungen genügen werde. Ehrlich gesagt habe das Buch ihn in Hinblick auf die Lehren, in der Auswahl der Beispiele und in der stilistischen Qualität weder befriedigt, als er es vor vielen Jahren gelesen habe, noch jetzt, als er es gründlicher durchgearbeitet habe. Das sage er deshalb weniger zurückhaltend, weil ein griechischer Erklärer - um wen auch immer es sich handeln möge - geschrieben habe, dass der Autor (Aphthonios) nicht unbewandert in der Kunst der Rhetorik gewesen sei, dass aber dennoch keine Eleganz der Sprache zum Vorschein komme. In der in griechischer Originalsprache zitierten Quelle werden dem Autor fehlerhafte Syntax vorgeworfen. Auf die Rhetorik verstehe er sich vielleicht genau, keinesfalls jedoch auf das kunstvolle Bücherschreiben. Camerarius meine jedoch, die Fehler seien nicht so gravierend, dass das Buch aus den Schulen verbannt werden müsse. Die Kinder, die einen solchen Anfangsunterricht genossen hätten, gelangten umso besser vorbereitet zu den bedeutenderen Zusammenhängen.
In der Gattung der προγυμνάσματα sei er dereinst an eine umfangreiche Schrift eines gewissen Theon gelangt (A5v-A6r). Er habe sich darum bemüht, dass die lateinische Übersetzung dieses griechischen Werkes gedruckt werde, wenngleich das Original auch sehr fehlerhaft und an nicht wenigen Stellen verstümmelt gewesen sei. Dieses Original, von dem für Camerarius eine Abschrift erstellt worden sei, sei möglicherweise das einzige (Textzeugnis) gewesen. Wenn die Lehrer jedoch sorgfältig lesen und ihren Schülern nichts unbedacht vorlegen wollten, würden sie feststellen, dass zur Zeit nichts Besseres für den Unterricht zur Verfügung stehe. Es sei weit entfernt, dass dieses Buch (=Theons Werk zur Rhetorik) von irgendjemandem abgestoßen werden müsste, weil es unnütz und überholt sei. Aber jenes Buch (=Aphthonios' Progymnasmata) habe Camerarius um einige Beispiele gemehrt, die aus den Schriften antiker Autoren gewonnen worden seien, da zur Verdeutlichung einer jeden Lehre Beispiele von größter Bedeutung seien. Camerarius habe diese aus dem Griechischen in der Weise ins Lateinische übertragen, dass die Eigenheit der Sprache hoffentlich erhalten geblieben sei. Er habe auch angefangen, eine Erläuterung zu verfassen, wobei er einiges dargestellt und nicht wenige Anmerkungen gemacht und die Rhetoriklehre wie mit dem Finger angezeigt habe (Anm. 2). Andere Beschäftigungen hätten die Vollendung dieses Vorhabens verhindert. Dieses Projekt sei zwar unterbrochen und beiseite gelegt, jedoch nicht aufgegeben.
Nun habe es Camerarius jedoch für richtig befunden, stattdessen einige kleinere Bemerkungen hinzuzufügen, die die Leser auf gewisse Dinge, die in dem Buch dargelegt seien, aufmerksam machen wollten (A6r/v). Über andere Sachverhalte wolle er seine Überlegungen weniger darstellen, als vielmehr nur andeuten. Wenngleich das Werk sehr hastig erstellt sei, hege Camerarius dennoch die Hoffnung, dass man es nicht für wertlos halten werde (A5v). Auch aus diesem geringfügigen Beitrag könne man bei aufmerksamer Lektüre Gewinn ziehen.
Über den Autor Aphthonios könne Camerarius nicht mehr sagen, als in der Suda stehe: Er habe diese "Progymnasmata" (als Vorübungen) zu der Lehre des Hermogenes (in doctrinam Hermogenis) geschrieben. Weder beschäme noch verdrieße Camerarius die stilistische Einfachheit (humilitas) solcher Werke. Bescheidenheit in der Beurteilung von Werken entspreche Camerarius' Herkunft und Stand. Nutzen liege auch für Kinder nicht in der großen, sondern in der kleinen Menge. Deshalb lasse er sich bei der Ausarbeitung nicht ermüden und freue sich wie ein Kind über den Herstellungsprozess selbst.
Dieses außergewöhnliche kleine Werk habe Camerarius Albrecht widmen wollen. Er habe über diesen gehört, dass er sich eifrig der Lehre des christliche Glaubens und der schönen Künste hingebe (A6r/v). Der Vater Albrecht (Friedrichs) (Albrecht von Preußen) sei sehr bemüht um die Bildung seines Sohnes. Dies mehre den Ruf des Hauses Brandenburg. Das Werk schließt mit Glückwünschen an den Prinzen (A8r/v).

Anmerkungen

  • Anm. 1: Diese Gedanken erinnern an Luthers Zwei-Reiche-Lehre. Diese Aussage überrascht bei Camerarius und erklärt sich möglicherweise aus dem Adressatenbezug und aus der Tatsache, dass er Werbung für ein Unterrichtswerk macht, das ganz im Weltlichen angesiedelt ist.
  • Anm. 2: Hiermit beschreibt Camerarius wohl die Präparierung des Textes mit Sonderzeichen.