Freyhub, Oratio in funere Camerarii (Werk), 1574

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Opus Camerarii
Werksigle OC 0903
Zitation Oratio in funere reverendi et clarissimi viri domini Ioachimi Camerarii Pabebergensis, bearbeitet von Joachim Hamm (19.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0903
Name Andreas Freyhub
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel Oratio in funere reverendi et clarissimi viri domini Ioachimi Camerarii Pabebergensis
Kurzbeschreibung Akademische Trauerrede des Andreas Freyhub auf Joachim Camerarius I., die er am 19.4.1574 in der Paulinerkirche in Leipzig hielt.
Erstnachweis 1574
Bemerkungen zum Erstnachweis Die Rede wurde am 19. April 1574 (terminus post quem) gehalten.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1574/04/19
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1574/12/31
Schlagworte / Register Leichenrede; Deutscher Bauernkrieg (1524-1526); Nachruf (Prosa); Reichstag 1526 (Speyer); Biographisches (Spanienreise); Biographisches; Biographisches (Buchbesitz); Biographisches (Familie); Biographisches (Hochzeit); Biographisches (Krankheit); Biographisches (Reise); Biographisches (Rezeption); Biographisches (Stellenangebote und Berufungen); Biographisches (Studium); Biographisches (Trauerfall); Biographisches (Universitätswesen); Biographisches (Unterricht); Biographisches (Wappen)
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Überliefert in
Druck Freyhub, Oratio in funere Camerarii (Druck), 1574
Erstdruck in
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
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Notizen Inhalt wird momentan erfasst
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Bearbeiter Benutzer:JH
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Bearbeitungsdatum 19.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0903
Zitation Oratio in funere reverendi et clarissimi viri domini Ioachimi Camerarii Pabebergensis, bearbeitet von Joachim Hamm (19.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0903
Name Andreas Freyhub


Sprache Latein
Werktitel Oratio in funere reverendi et clarissimi viri domini Ioachimi Camerarii Pabebergensis
Kurzbeschreibung Akademische Trauerrede des Andreas Freyhub auf Joachim Camerarius I., die er am 19.4.1574 in der Paulinerkirche in Leipzig hielt.
Erstnachweis 1574
Bemerkungen zum Erstnachweis Die Rede wurde am 19. April 1574 (terminus post quem) gehalten.
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn) 1574/04/19
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende) 1574/12/31
Schlagworte / Register Leichenrede; Deutscher Bauernkrieg (1524-1526); Nachruf (Prosa); Reichstag 1526 (Speyer); Biographisches (Spanienreise); Biographisches; Biographisches (Buchbesitz); Biographisches (Familie); Biographisches (Hochzeit); Biographisches (Krankheit); Biographisches (Reise); Biographisches (Rezeption); Biographisches (Stellenangebote und Berufungen); Biographisches (Studium); Biographisches (Trauerfall); Biographisches (Universitätswesen); Biographisches (Unterricht); Biographisches (Wappen)
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Druck Freyhub, Oratio in funere Camerarii (Druck), 1574
Carmen
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Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Bearbeitungsdatum 19.02.2020


Entstehung

Am 19.4.1574, unmittelbar nach der Beerdigung des Joachim Camerarius auf dem alten Gottesacker in Leipzig, hielt der Theologe Andreas Freyhub vor der versammelten Trauergemeinde in der Paulinerkirche die akademische Trauerrede.

Inhalt

Eine akademische Trauerrede Rede zu verfassen, sei eine ehrenvolle (wenn auch kurzfristige) Verpflichtung, der Freyhub aus Bewunderung für "unseren Lehrer" (Camerarius wird stets praeceptor noster genannt) gerne nachkomme, um den Verstorbenen als totius Germaniae lumen, et scholae nostrae firmissima columna zu würdigen (A2r).

Freyhub kommt zunächst auf die in Bamberg alteingesessene Familie Kammermeister zu sprechen. Er zitiert Joachims griechisches Gedicht (mit lat. Übers.) auf das Familienwappen (A3r) und rühmt den Vater Johannes Camerarius I., der höchsten Wert auf die Ausbildung seines Sohnes gelegt und im Jahr 1527 im 82. Lebensjahr verstorben sei, und die Mutter Martha, die eine Zierde des weiblichen Geschlechts und eine überaus kluge Frau gewesen sei: Als der Sohn ihr eine eigenhändige Mitschrift von Predigten Luthers zusandte, die er in Wittenberg gehört hatte, habe sie ihm geantwortet, dass sie diese tröstenden Worte zu schätzen wisse, den Sohn aber ermahnen müsse, nicht vorschnell dem Glauben eines anderen zu folgen (A3v).

Nach der ersten Ausbildung in seiner Heimatstadt ging Camerarius, so Freyhub, im April 1513 in Begleitung seiner Mutter nach Leipzig und begab sich in die Obhut des Bursenregenten Georg Helt (A4r). Aufgrund seiner schnellern Fortschritte erwarb er im September 1514 das Baccalaureat. Ab 1516 hörte er den Gräzisten Richard Croke und Johannes Metzler, im folgenden Jahr Petrus Mosellanus. In diesem Jahr 1517 habe Camerarius, so Freyhub, gemeinsam mit seinem Lehrer Helt eine Ablasspredigt des Johann Tetzel in der Paulinerkirche (in der Tetzel später beigesetzt wurde) gehört, und die Worte des Dominikaners hätten Helt dermaßen erzürnt, dass er mit seinem Schüler wütend die Kirche verlassen habe (B1r).

Im August des Jahres 1518 ging Camerarius an die Universität Erfurt, wo er aufgrund seines ihm vorauseilenden Ruhms schnell einige Schüler um sich versammeln konnte und Freundschaft u.a. mit Helius Eobanus Hessus schloss. Den Plan einer Frankreichreise habe Camerarius aufgrund des Ausbruchs der Pest aufgeben müssen. 1521 wurde er in Erfurt zum Magister promoviert und siedelt dann nach Wittenberg über, wo er einen vertrauten Umgang mit Martin Luther und Philipp Melanchthon pflegte (LVTHERI vero et Philippi, clarissimorum Germaniae luminum, etiam domestica consuetudine et intima vsus est familiaritate, B1v). Dass zwischen Melanchthon und Camerarius eine wahrhafte und unverfälschte Freundschaft (veram et synceram amicitie coniunctionem, B1v) entstanden sei, bezeuge aufs Beste ihr Briefwechsel. Im Jahr 1522 verstarb die Mutter des Camerarius. Zwei Jahre später reiste Camerarius nach Basel zu Erasmus von Rotterdam, dessen Wertschätzung unter damaligen Gelehrten, so Freyhub, als hohes Gut galt (cumque ea aetate in magna felicitatis parte poneretur, si quis Magnum illum Erasmum Roterodamum vidisset, cum illo contulisset sermones, dignus habitus esset, ad quem ille scriberet, quemque aliquo eloquio ornaret, B1v). Nur en passant verweist Freyhub auf die Disputatio de imitatione, mit der Camerarius 1538 auf Erasmus' 'Ciceronianus' (1528) reagierte. In seinen Briefen an Melanchthon bzw. Camerarius habe Erasmus letzteren mit ehrenvollen Worten bedacht (honoroficam mentionem factam esse invenitur, B1v).

Im Jahr 1525, dem annus infaustus et infelix (B1v) des deutschen Bauernaufstandes, habe sich Camerarius auf eine Reise nach Preußen begeben und sei allenorts in den Kreisen der Gelehrten und der politischen Machthaber aufs freundlichste und ehrenvollste empfangen worden. Nachdem er in die Heimat zurückgekehrt war, wurde Camerarius im Jahr 1526 vom Nürnberger Rat zum Leiter des neuen Gymnasiums berufen (B2r). Auf dem Reichstag von Speyer sei Camerarius als lateinischer Dolmetscher (pro latino interprete, B2v) in eine Delegation Albrechts von Mansfeld aufgenommen worden, die zu Karl V. nach Spanien reisen sollte, letztlich aber nicht zustande kam. Freyhub verweist auf einen Brief Eobans an Camerarius, der zu diesem Anlass mit einer poetischen Beigabe verfasst wurde.

Im Jahr 1527 heiratete Camerarius Anna Truchseß (B2v). Aus der 46jährigen Ehe gingen fünf Söhne, deren Laufbahn Freyhub kurz skizziert, und vier Töchter hervor, deren Ehemänner - unter anderem der Wittenberger Theologe Esrom Rüdinger, verheiratet mit Anna Camerarius II. (B2v) - genannt werden. Die Frau des Joachim Camerarius starb am 15.7.1573. Ihr Tod habe, so Freyhub, die schwere Krankheit des Camerarius noch verschlimmert und sein eigenes Ableben beschleunigt. Das Jahr 1527 war für Camerarius auch getrübt, da der Vater verstarb und der Bruder Hieronymus in Gefangenschaft geriet (was Freyhub nur als res vulgo nota andeutet, B3r).

Beim Augsburger Reichstag im Jahr 1530 nahm Camerarius als Mitglied der Nürnberger Gesandtschaft teil. In welchen Ängsten und Nöten sich der Freund Melanchthon damals befand (considerans grauissimum onus, quod humeris suis impositum sustineret, B3v), habe, so Freyhub, Camerarius später immer wieder erinnert. Aufgrund seiner Verdienste und seines Ansehens habe der Herzog von Württemberg 1535 beschlossen, Camerarius an die Universität Tübingen zu berufen. Während seiner Tübinger Zeit habe Camerarius den Ruf und das Ansehen der Universität gemehrt, auch auch seine Publikationen für den akademischen Unterricht (aeditis Rhetoricarum exercitationem elementis, nunquam satis laudatis, B4r). Nachdem Georg von Sachsen im April 1539 gestorben war, habe sein Bruder Heinrich sich um die Universität Leipzig bemüht, und unter Melanchthons Mitwirkung brachte man die Berufung des Camerarius auf den Weg (B4r). Camerarius sagte zu, besuchte aber vorher noch das Religionsgespräch in Regensburg (1541). Mit Unterstützung von Caspar Borner habe er dann die instauratio Academiae in Angriff genommen, und diese Reform und Neuausrichtung der Universität wird von Freyhub ebenso ausgiebig gerühmt wie das segensreiche Wirken des Camerarius in seinen 33 Dienstjahren, insbesondere als mehrfacher Dekan und dreimaliger Rektor.

Freyhub lässt im Anschluss eine kurze Werkschau des Camerarius folgen, die zahlreiche seiner lateinischen und griechischen Opera erwähnt und die aus diesem Oeuvre ersichtliche Weisheit, Belesenheit und Schaffenskraft des praeceptor noster rühmt. Im Anschluss wird das hohe Ansehen des Camerarius im In- und Ausland, von Philipp Melanchthon und Georg von Anhalt (dessen Briefwechsel mit Camerarius erwähnt wird, C2r) über Georg von Sachsen bis hin zu Kaiser Maximilian II., der Camerarius zur Beratung über eine neue Kirchenordnung nach Wien berief.

Am 17.4.1574 starb Camerarius an seinem langjährigen Nierenleiden. Die Trauer über den verlorenen praeceptor noster mündet in eine Auseinandersetzung mit der stoischen Lehre von der Apatheia, die Freyhub zurückweist: Leid und die Empfindung von Leiden gehörten zum Menschsein, und insofern sei die Trauer um Camerarius ein begründeter, berechtigter Affekt, der nur in Gott aufgehoben werden kann. Freyhub zitiert ein lat. Gedicht auf den Tod, das Camerarius am 1. April als - quantum scitur - seine letzten Verse niedergeschrieben hatte (C4r), und deutet sein Ableben als Anzeichen für eine Wendung der Zeitläufte zum Schlechteren: Wie auf den Tod Luthers und Melanchthons, so werde auch auf den Tod des Camerarius Leid und Unheil folgen. Unheilvoll sei auch der heutige Tag, der 19. April, an dem 50 Jahre zuvor Petrus Mosellanus in Leipzig und 14 Jahre zuvor Philipp Melanchthon verstorben seien. Allein Gott vermöge dieses Unheil abzuwenden. Die Hoffnung richte sich darauf, dass sich ein würdiger Nachfolger finde (talem aliquem designet ac constituat successorem, D1v), und den Trauernden bleibe das Vertrauen auf die göttliche Gnade.

Forschung

Freyhubs Leichenrede enthält die ausführlichste (und bisher unersetzte) Lebensbeschreibung des Joachim Camerarius und ist Dokument eines ehrenvollen Gedenkens, das dem Camerarius in Leipzig zuteil wurde (siehe auch Testimonien).