Camerarius, Narratio de Helio Eobano Hesso, 1553: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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(Überlieferungsverbund und Entstehungsumstände der ‚Narratio‘)
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Die ‚Narratio‘ beginnt mit einer Einleitung (A2r-[A5]r), an die sich, ohne typographische Markierung, die eigentliche biographische Erzählung anschließt. Anfangs wendet sich Camerarius an seinen alten [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Erfurt)|Erfurter]] Studienfreund [[Widmungsempfänger::Adam Krafft|Adam Krafft]] aus [[Erwähnter Ort::Fulda]], der zuletzt in [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Marburg)|Marburg]] Eobans Kollege gewesen war. Camerarius erinnert Krafft an die gemeinsame Studienzeit in Erfurt, eine glückliche Erinnerung, die in der musenfeindlichen und unheilvollen Gegenwart Freude und Beruhigung verspreche. Man habe sich 1518 in Erfurt kennengelernt, gemeinsam die antiken Autoren studiert, und Camerarius habe sich durch seine Griechischkenntnisse hervorgetan, die ihm [[Erwähnte Person::Richard Croke|Richard Croke]] (A3r) vermittelt hatte. In dieser idealisierten Erfurter Studienzeit (''sanctissima & optima vita'') sei es Krafft gewesen, der Camerarius mit Eobanus bekannt gemacht habe, und dieser habe sich dem Jüngeren wohlwollend zugewandt und ihn in den (mitunter auch kontroversen) [[Erwähnte Körperschaft::Sodalität (Erfurt)|Erfurter Freundeskreis]] eingebunden. Der damalige, beiderseitig fruchtbare Austausch über die ''studia humanitatis'' sei erneuert worden, als Camerarius, fünf Jahre nach seinem Weggang aus Erfurt, 1526 nach Nürnberg ging und erneut mit Eoban in engeren Kontakt trat.  
 
Die ‚Narratio‘ beginnt mit einer Einleitung (A2r-[A5]r), an die sich, ohne typographische Markierung, die eigentliche biographische Erzählung anschließt. Anfangs wendet sich Camerarius an seinen alten [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Erfurt)|Erfurter]] Studienfreund [[Widmungsempfänger::Adam Krafft|Adam Krafft]] aus [[Erwähnter Ort::Fulda]], der zuletzt in [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Marburg)|Marburg]] Eobans Kollege gewesen war. Camerarius erinnert Krafft an die gemeinsame Studienzeit in Erfurt, eine glückliche Erinnerung, die in der musenfeindlichen und unheilvollen Gegenwart Freude und Beruhigung verspreche. Man habe sich 1518 in Erfurt kennengelernt, gemeinsam die antiken Autoren studiert, und Camerarius habe sich durch seine Griechischkenntnisse hervorgetan, die ihm [[Erwähnte Person::Richard Croke|Richard Croke]] (A3r) vermittelt hatte. In dieser idealisierten Erfurter Studienzeit (''sanctissima & optima vita'') sei es Krafft gewesen, der Camerarius mit Eobanus bekannt gemacht habe, und dieser habe sich dem Jüngeren wohlwollend zugewandt und ihn in den (mitunter auch kontroversen) [[Erwähnte Körperschaft::Sodalität (Erfurt)|Erfurter Freundeskreis]] eingebunden. Der damalige, beiderseitig fruchtbare Austausch über die ''studia humanitatis'' sei erneuert worden, als Camerarius, fünf Jahre nach seinem Weggang aus Erfurt, 1526 nach Nürnberg ging und erneut mit Eoban in engeren Kontakt trat.  
  
Einige Zeit nach Eobans Tod (1540) habe Camerarius die erste Ausgabe seiner Briefe ge-mustert, die 1543 in Marburg erschienen war, und zahlreiche Fehler und Nachlässigkeiten entdeckte (A4r). So habe er den Plan gefasst, die von Eoban an ihn geschriebenen Briefe herauszugeben, als Zeugnis der beiderseitigen Freundschaft und als Dokument der gemein-sam verbrachten Zeit. Hiervon habe er sogleich Krafft unterrichtet (de quo statim ad te scripsi A4v) und ihn um biographische Informationen über Eoban gebeten.  
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Einige Zeit nach Eobans Tod (1540) habe Camerarius die erste Ausgabe seiner Briefe gemustert, die 1543 in Marburg erschienen war, und zahlreiche Fehler und Nachlässigkeiten entdeckt (A4r). So habe er den Plan gefasst, die von Eoban an ihn geschriebenen Briefe herauszugeben, als Zeugnis der beiderseitigen Freundschaft und als Dokument der gemeinsam verbrachten Zeit. Hiervon habe er sogleich Krafft unterrichtet (''de quo statim ad te scripsi'' A4v) und ihn um biographische Informationen über Eoban gebeten.
In einem undatierten Brief, der offenbar die direkte Antwort auf den nicht erhaltenen Brief des Camerarius ist (vgl. Krause 1854, I 6), lobt Krafft das Bemühen des Camerarius um Eobans memoria und verspricht, ihm alles zuzuschicken, was er von Eobans Anfängen (de incunabulis) bei unterrich-teten Personen in Erfahrung bringen könne (OCEp_0221). Einem zweiten Schreiben vom 1.6.1544 gab er offenbar die versprochenen Informationen zu Eobanus bei (OCEp_0222). Camerarius hat die-se nach eigener Angabe in seiner ‚Narratio‘ ausgearbeitet: „Scripturus autem de eobano nostro […] Fuit igitur, vt significatur, quum tuis, tum aliorum, quorum opera in his perquirendis vsus fuisti, literis, Eobani patria […] (A5r).
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Handschriften von Eobans Briefen habe Camerarius zudem von Georg Sturz und Johann Gröningen erhalten (A5r). Dass diese Materialsammlung bisher nicht im Druck erschienen sei, liege an hinderlichen Umständen. Doch hoffe er, das Buch werde nun eine angenehme Lektüre sein.
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In einem undatierten Brief, der offenbar die direkte Antwort auf den nicht erhaltenen Brief des Camerarius ist (vgl. [[Krause 1854]], I 6), lobt Krafft das Bemühen des Camerarius um Eobans ''memoria'' und verspricht, ihm alles zuzuschicken, was er von Eobans Anfängen (''de incunabulis'') bei unterrichteten Personen in Erfahrung bringen könne ([[OCEp_0221]]). Einem zweiten Schreiben vom 1.6.1544 gab er offenbar die versprochenen Informationen zu Eobanus bei ([[OCEp_0222]]). Camerarius hat diese nach eigener Angabe in seiner ‚Narratio‘ ausgearbeitet: ''Scripturus autem de eobano nostro'' […] ''Fuit igitur, vt significatur, quum tuis, tum aliorum, quorum opera in his perquirendis vsus fuisti, literis, Eobani patria'' […] (A5r).
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Handschriften von Eobans Briefen habe Camerarius zudem von [[Erwähnte Person::Georg Sturtz]]und [[Erwähnte Person::Johannes Gröningen|Johannes Gröningen]] erhalten (A5r). Dass diese Materialsammlung bisher nicht im Druck erschienen sei, liege an hinderlichen Umständen. Doch hoffe er, das Buch werde nun eine angenehme Lektüre sein.

Version vom 18. Februar 2020, 19:09 Uhr


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Opus Camerarii
Werksigle OC 0591
Zitation De H(elio) Eobano Hesso Narratio Ioachimi Camerarii Pabebergensis, ad cl(arissimum) v(irum) Adamum Cratonem Fuldensem, amicum suum, bearbeitet von Joachim Hamm (18.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0591
Name Joachim Camerarius I.
Status Verfasser
Sprache Latein
Werktitel De H(elio) Eobano Hesso Narratio Ioachimi Camerarii Pabebergensis, ad cl(arissimum) v(irum) Adamum Cratonem Fuldensem, amicum suum
Kurzbeschreibung
Erstnachweis 1553
Bemerkungen zum Erstnachweis
Datum unscharfer Erstnachweis (Beginn)
Datum unscharfer Erstnachweis (Ende)
Schlagworte / Register
Paratext zu
Paratext? nein
Paratext zu
Überliefert in
Druck Camerarius, De Helio Eobano Hesso, 1553, Camerarius, De Helio Eobano Hesso, 1696
Erstdruck in Camerarius, De Helio Eobano Hesso, 1553
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. A2r-D4v
Carmen
Gedicht? nein
Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Folgende Handschriften und gedruckte Fremdwerke beeinflussten/bildeten die Grundlage für dieses Werk
Bearbeitungsstand
Überprüft noch nicht am Original überprüft
Bearbeitungsstand unkorrigiert
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JH
Gegengelesen von
Bearbeitungsdatum 18.02.2020
Opus Camerarii
Werksigle OC 0591
Zitation De H(elio) Eobano Hesso Narratio Ioachimi Camerarii Pabebergensis, ad cl(arissimum) v(irum) Adamum Cratonem Fuldensem, amicum suum, bearbeitet von Joachim Hamm (18.02.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OC_0591
Name Joachim Camerarius I.




Sprache Latein
Werktitel De H(elio) Eobano Hesso Narratio Ioachimi Camerarii Pabebergensis, ad cl(arissimum) v(irum) Adamum Cratonem Fuldensem, amicum suum
Kurzbeschreibung
Erstnachweis 1553



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Überliefert in
Druck Camerarius, De Helio Eobano Hesso, 1553, Camerarius, De Helio Eobano Hesso, 1696
Carmen
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Erwähnungen des Werkes und Einfluss von Fremdwerken
Wird erwähnt in
Bearbeitungsdatum 18.02.2020


Die erstmals 1553 in Nürnberg gedruckte 'Narratio de Helio Eobano Hesso' gilt als "eine der frühesten und zugleich bedeutendsten Dichterbiographien der deutschen Literatur" (Robert 2004, 180). Sie zählt zu den biographischen Schriften, die im Œuvre des Camerarius eine bedeutende Stellung einnehmen (Hamm 2011, 431f.): Neben den als Paratext publizierten biographischen Skizzen (zu Xenophon, Aesop, Albrecht Dürer, Daniel Stibar und Hieronymus Baumgartner) und den Gedenkreden (auf Kurfürst Moritz von Sachsen und auf Herzog Eberhard im Bart) stehen drei umfängliche Biographien, die das Leben von Eobanus (1553), Georg von Anhalt (1555) und Philipp Melanchthon (1566) darstellen.

Überlieferungsverbund und Entstehungsumstände der ‚Narratio‘

Die ‚Narratio‘ beschreibt Vita und Werk des Helius Eobanus Hessus (1488-1540), der mit Camerarius seit dessen Studium in Erfurt (ab 1518) befreundet und später sein Kollege am Nürnberger Gymnasium war. Eoban zählte, spätestens nach der Publikation seiner ‚Heroides Christianae‘ (1514), zu den bedeutendsten neulateinischen Poeten seiner Zeit. Sein Lebenslauf (Krause 1879, Huber-Rebenich 2009) erhellt sich aus seinen Briefen, aus seiner Heroide an die posteritas sowie aus der lateinischen Biographie des Camerarius. Diese ist Hauptteil eines Sammelbandes, den Camerarius ganz in den Dienst von Eobans memoria stellte und 1553 in Nürnberg zum Druck brachte.

Zu Beginn des Bandes ist Eobans signum abgebildet, der apollinische Schwan, begleitet von einem lateinischen Epigramm Eobans. Conrad Mutian hatte Eoban, dem anerkannt besten Poeten des Erfurter Humanistenkreises, dieses Dichterwappen verliehen, und Eoban trug es fortan als ehrenvolle Auszeichnung (vgl. Ludwig 1999, 123-127).

Die ‚Narratio‘ beginnt mit einer Einleitung (A2r-[A5]r), an die sich, ohne typographische Markierung, die eigentliche biographische Erzählung anschließt. Anfangs wendet sich Camerarius an seinen alten Erfurter Studienfreund Adam Krafft aus Fulda, der zuletzt in Marburg Eobans Kollege gewesen war. Camerarius erinnert Krafft an die gemeinsame Studienzeit in Erfurt, eine glückliche Erinnerung, die in der musenfeindlichen und unheilvollen Gegenwart Freude und Beruhigung verspreche. Man habe sich 1518 in Erfurt kennengelernt, gemeinsam die antiken Autoren studiert, und Camerarius habe sich durch seine Griechischkenntnisse hervorgetan, die ihm Richard Croke (A3r) vermittelt hatte. In dieser idealisierten Erfurter Studienzeit (sanctissima & optima vita) sei es Krafft gewesen, der Camerarius mit Eobanus bekannt gemacht habe, und dieser habe sich dem Jüngeren wohlwollend zugewandt und ihn in den (mitunter auch kontroversen) Erfurter Freundeskreis eingebunden. Der damalige, beiderseitig fruchtbare Austausch über die studia humanitatis sei erneuert worden, als Camerarius, fünf Jahre nach seinem Weggang aus Erfurt, 1526 nach Nürnberg ging und erneut mit Eoban in engeren Kontakt trat.

Einige Zeit nach Eobans Tod (1540) habe Camerarius die erste Ausgabe seiner Briefe gemustert, die 1543 in Marburg erschienen war, und zahlreiche Fehler und Nachlässigkeiten entdeckt (A4r). So habe er den Plan gefasst, die von Eoban an ihn geschriebenen Briefe herauszugeben, als Zeugnis der beiderseitigen Freundschaft und als Dokument der gemeinsam verbrachten Zeit. Hiervon habe er sogleich Krafft unterrichtet (de quo statim ad te scripsi A4v) und ihn um biographische Informationen über Eoban gebeten.

In einem undatierten Brief, der offenbar die direkte Antwort auf den nicht erhaltenen Brief des Camerarius ist (vgl. Krause 1854, I 6), lobt Krafft das Bemühen des Camerarius um Eobans memoria und verspricht, ihm alles zuzuschicken, was er von Eobans Anfängen (de incunabulis) bei unterrichteten Personen in Erfahrung bringen könne (OCEp_0221). Einem zweiten Schreiben vom 1.6.1544 gab er offenbar die versprochenen Informationen zu Eobanus bei (OCEp_0222). Camerarius hat diese nach eigener Angabe in seiner ‚Narratio‘ ausgearbeitet: Scripturus autem de eobano nostro […] Fuit igitur, vt significatur, quum tuis, tum aliorum, quorum opera in his perquirendis vsus fuisti, literis, Eobani patria […] (A5r).

Handschriften von Eobans Briefen habe Camerarius zudem von Georg Sturtzund Johannes Gröningen erhalten (A5r). Dass diese Materialsammlung bisher nicht im Druck erschienen sei, liege an hinderlichen Umständen. Doch hoffe er, das Buch werde nun eine angenehme Lektüre sein.