Camerarius an Collatinus, 17.11.1539

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Werksigle OCEp 1431
Zitation Camerarius an Collatinus, 17.11.1539, bearbeitet von Jochen Schultheiß (03.05.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1431
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Commentarii explicationum secundi libri Homericae Iliados, 1540
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. A2r-A4r
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Petrus Collatinus
Datum 1539/11/17
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Datierung am Ende des Briefes: XV cal. Decembris,
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Tübingen
Zielort Innsbruck
Gedicht? nein
Incipit Cum visum esset emittere
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? nein
Paratext ? nein
Paratext zu Camerarius, Commentarii explicationum secundi libri Homericae Iliados, 1540
Kurzbeschreibung Camerarius klagt zunächst über den aktuellen Zerfall der Gelehrsamkeit. Daraufhin behandelt er die Entstehung von Kommentar und Übersetzung: Sie seien nicht kurzfristig entstanden, sondern beruhten auf langjähriger Lektüre und Aufzeichnung von Anmerkungen. Hierbei reflektiert Camerarius auch über seine Kommentartechnik. Ziel des Kommentars ist der Einsatz im schulischen Unterricht. Die Maxime des Übersetzens lautet: so nah wie nötig und so frei wie möglich.
Anlass
Register Kommentarpraxis; Übersetzungstheorie; Didaktik; Elementarunterricht
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:JS
Gegengelesen von Benutzer:US
Datumsstempel 3.05.2020
Werksigle OCEp 1431
Zitation Camerarius an Collatinus, 17.11.1539, bearbeitet von Jochen Schultheiß (03.05.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1431
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Commentarii explicationum secundi libri Homericae Iliados, 1540
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck Bl. A2r-A4r
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Petrus Collatinus
Datum 1539/11/17
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Datierung am Ende des Briefes: XV cal. Decembris,
Sprache Latein
Entstehungsort Tübingen
Zielort Innsbruck
Gedicht? nein
Incipit Cum visum esset emittere
Regest vorhanden? nein
Paratext ? nein
Paratext zu Camerarius, Commentarii explicationum secundi libri Homericae Iliados, 1540
Kurzbeschreibung Camerarius klagt zunächst über den aktuellen Zerfall der Gelehrsamkeit. Daraufhin behandelt er die Entstehung von Kommentar und Übersetzung: Sie seien nicht kurzfristig entstanden, sondern beruhten auf langjähriger Lektüre und Aufzeichnung von Anmerkungen. Hierbei reflektiert Camerarius auch über seine Kommentartechnik. Ziel des Kommentars ist der Einsatz im schulischen Unterricht. Die Maxime des Übersetzens lautet: so nah wie nötig und so frei wie möglich.
Register Kommentarpraxis; Übersetzungstheorie; Didaktik; Elementarunterricht
Datumsstempel 3.05.2020


Regest

Camerarius berichtet Petrus Collatinus, dass er den Text des zweiten "Ilias"-Buches ins Lateinische übersetzt und an der Universität in Tübingen ausgelegt habe (conversum Latine, & explicatum in scola nostra). Auf seinen Wunsch hin schickt er ihm nun Übersetzung und Kommentar zu. Camerarius klagt zunächst über den aktuellen Zerfall der Gelehrsamkeit.
Camerarius behandelt ebenso die Entstehung von Kommentar und Übersetzung: Sie seien nicht kurzfristig entstanden, sondern beruhen auf langjähriger Lektüre und Aufzeichnung von Anmerkungen (post multorum annorum assiduam huius autoris lectionem & sedulam annotationem eorum quae ad illius scripta intelligenda facere viderentur). Hierbei reflektiert Camerarius auch über Kommentartechnik. Zwar wird diese Gattung geringgeschätzt (hoc scriptionum genus esse humile & abiectum). Sein Ziel sei es auch nicht, in der Tradition antiker griechischer ζητήματα und προβλήματα nur einige einzelne, bedeutsame homerische Stellen zu kommentieren - solche hat er auch selbst gesammelt. Vielmehr strebt er die didaktische Zielsetzung an, hiermit die Ausbildung der Schüler zu unterstützen. Ebenso bekennt er sich zu der Praxis eines Übersetzens, das so nah wie nötig und so frei wie möglich ist (alligavi autem me ad legem quandam traductionis talem, ut, si possem, verba verbis annumerarem, qua nusquam nisi numeris cogentibus, solutum me esse volui). Mit einer solchen Übersetzungstechnik habe er den Schülern mehr genutzt und eine größere Leistung erbracht als einige Aristophanes- und Homerübersetzer neueren Datums. Er thematisiert die Problematik semantischer Inkongruenzen zwischen den Sprachen beim Übersetzen (non solum plurima in his linguis proprietate diversa sint atque discrepent, sed multa etiam in Latinis saepe redundent de Graecis, saepe deficiant). Wenngleich andere in Anspruch nehmen können, die groben Linien und die Figuren zum Ausdruck gebracht zu haben (se poetarum lineamenta & figuras expressuros esse), darf doch kein Verstoß gegen Inhalt (res) und Begrifflichkeiten (verba) vorkommen. Problematisch ist es, wenn Begriffe "verdunkelt" (obscurare) oder "entstellt" (depravare) werden.

(Jochen Schultheiß)

Anmerkungen

Zielort mutmaßlich aus dem Wirkungsort des Adressaten erschlossen. Er wird adressiert als ad Oenipontem Musarum antistes.