Camerarius an Crato, 01.02.1565: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Eine ausführliche Erschließung des Briefwechsels zwischen Johannes Crato und Joachim Camerarius ist bereits vom Projekt "Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)" geplant. In die Datenbank "Opera Camerarii" wurden daher nur die Rohdaten aufgenommen (also keine Regesten und Semantisierungen). Genauere Informationen zu diesem Brief finden Sie unter folgendem Link: http://www.aerztebriefe.de/id/00004992
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Vor fünf Tagen habe Camerarius seinen Sohn [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.|Joachim]] trotz eines ungelegenen Schneesturms weggeschickt. Aber da er dorthin (nach [[Erwähnter Ort::Nürnberg]]) zurückkehren musste, wo zu bleiben er sich daraufhin entschlossen hatte, habe der Aufbruch nicht aufgeschoben werden können. Crato solle mit ihnen um Gottes Beistand für den glücklichen Ausgang der Reise und des Plans beten.
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Auch darüber, seinen anderen Sohn [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius|Ludwig]] wegzuschicken, habe er nachgedacht. Denn er bedenke nicht, was für ihn selbst, sondern was für seine Familie nützlich sei, und berücksichtige deren Vorteil, nicht seine eigene Bequemlichkeit. So wie aber nicht jedes Land alles hervorbringe, wie ein Dichter sage (vgl. Verg. Ecl. 4,39), so finde nicht jeder überall seinen Platz. Er habe Joachim aber bis nach [[Erwähnter Ort::Schulpforta]] begleitet, wo dieser einen Brief an Crato (s. Anm.) geschrieben habe, den er mitschicke.
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Was Crato und die Aufgaben betreffe, die sich ihm böten, so falle Camerarius viel Beunruhigendes dazu ein. Aber er hoffe dennoch, dass so, wie zwischen Burzeldorn und stachligem Hauhechel Blüten der zarten Levkojen wüchsen, wie ein unbekannter alter Dichter sage (PLG 3, p. 689 Bergk), so auch etwas Angenehmes an den Stellen und bei den Angelegenheiten erwachse, deren Unannehmlichkeiten Crato fürchte. Aber diese und auch Camerarius' sonstige Angelegenheiten müsse Crato pflichtschuldigst Gott überlassen. Alle übrigen Widrigkeiten solle er tapfer ertragen. Obwohl er gut wisse, dass dies leichter gesagt als getan sei, habe er dennoch geglaubt, es anmahnen zu müssen, und nichts anderes zu Cratos Trost beitragen können. Woher er diesen Mut nehmen könne, wisse Crato selbst.
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[[Erwähnte Person::Unbekannt|Jakob]] (s. Anm.) habe bei Camerarius vorgesprochen, sei aber bereits wieder auf dem Weg. Deshalb habe er diesen Brief am Tag nach dessen Abreise einem anderen Briefboten gegeben.
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Weder über die Begräbnisfeierlichkeiten noch über den Reichstag (''conventus Imperatorius'') höre man schon etwas und es seien nicht einmal Gerüchte im Umlauf. In Ungarn stünden die Dinge (s. Anm.) Gerüchten zufolge nicht schlecht. Er hoffe, dass nicht irgendwelche aufrührerischen privaten Bestrebungen öffentlichen Aktionen zuvorkämen.
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Mit [[Erwähnte Person::Christoph von Karlowitz]] habe er ausgemacht, dass, wenn Crato dem Vernehmen nach in diesem Monat nach [[Erwähnter Ort::Prag]] reise, sie einander bei Karlowitz (wohl: in Joachimsthal) treffen könnten, falls ein Treffen in Prag nicht genehm sei. Aber Camerarius glaube, dass Cratos Reise nicht zustandekomme, da ihm bestätigt wurde, dass [[Erwähnte Person::Maximilian II. (HRR)|der Kaiser]] in [[Erwähnter Ort::Wien]] festsitze.
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Nun erwarte er einen Brief über die Reise seines Sohnes Joachim und einige seiner Erledigungen. Er bete zu Christus um deren guten Ausgang und um Schutz für Crato und seine Familie. Lebewohl.
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(Anne Kram)
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=== Anmerkungen ===
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* "Brief an Crato": Nicht nachweisbar.
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* "Jakob": Im [[Camerarius an Crato, 12.04.1562|Brief vom 12.4.62]] erscheint ein Jakob als Briefbote. Vielleicht handelt es sich um denselben Jakob.
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* "In Ungarn stünden die Dinge": Gemeint ist wohl der 2. Österreichische Türkenkrieg.
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=== Literatur und weiterführende Links ===
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* http://www.aerztebriefe.de/id/00004992

Aktuelle Version vom 1. Juli 2020, 11:33 Uhr


Chronologisch vorhergehende Briefe
Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 26.12.156426 Dezember 1564 JL
Camerarius an Crato, um den 15.09.15646 September 1564 JL
Camerarius an Crato, 05.07.15645 Juli 1564 JL
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 27.03.156527 März 1565 JL
Camerarius an Crato, 15.04.156515 April 1565 JL
Camerarius an Crato, 23.06.156523 Juni 1565 JL
Werksigle OCEp 1175
Zitation Camerarius an Crato, 01.02.1565, bearbeitet von Manuel Huth, Anne Kram und Ulrich Schlegelmilch (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1175
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 363-364
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1565/02/01
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Calend. Februar. 65
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Nudius quintus dimisi filium meum
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Biographisches (Familie); Biographisches (Reise); Politische Neuigkeiten; Türkenkriege/Türkengefahr
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:AK; Benutzer:US
Gegengelesen von
Datumsstempel 1.07.2020
Werksigle OCEp 1175
Zitation Camerarius an Crato, 01.02.1565, bearbeitet von Manuel Huth, Anne Kram und Ulrich Schlegelmilch (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1175
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 363-364
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1565/02/01
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Calend. Februar. 65
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Nudius quintus dimisi filium meum
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Biographisches (Familie); Biographisches (Reise); Politische Neuigkeiten; Türkenkriege/Türkengefahr
Datumsstempel 1.07.2020


Regest

Vor fünf Tagen habe Camerarius seinen Sohn Joachim trotz eines ungelegenen Schneesturms weggeschickt. Aber da er dorthin (nach Nürnberg) zurückkehren musste, wo zu bleiben er sich daraufhin entschlossen hatte, habe der Aufbruch nicht aufgeschoben werden können. Crato solle mit ihnen um Gottes Beistand für den glücklichen Ausgang der Reise und des Plans beten.

Auch darüber, seinen anderen Sohn Ludwig wegzuschicken, habe er nachgedacht. Denn er bedenke nicht, was für ihn selbst, sondern was für seine Familie nützlich sei, und berücksichtige deren Vorteil, nicht seine eigene Bequemlichkeit. So wie aber nicht jedes Land alles hervorbringe, wie ein Dichter sage (vgl. Verg. Ecl. 4,39), so finde nicht jeder überall seinen Platz. Er habe Joachim aber bis nach Schulpforta begleitet, wo dieser einen Brief an Crato (s. Anm.) geschrieben habe, den er mitschicke.

Was Crato und die Aufgaben betreffe, die sich ihm böten, so falle Camerarius viel Beunruhigendes dazu ein. Aber er hoffe dennoch, dass so, wie zwischen Burzeldorn und stachligem Hauhechel Blüten der zarten Levkojen wüchsen, wie ein unbekannter alter Dichter sage (PLG 3, p. 689 Bergk), so auch etwas Angenehmes an den Stellen und bei den Angelegenheiten erwachse, deren Unannehmlichkeiten Crato fürchte. Aber diese und auch Camerarius' sonstige Angelegenheiten müsse Crato pflichtschuldigst Gott überlassen. Alle übrigen Widrigkeiten solle er tapfer ertragen. Obwohl er gut wisse, dass dies leichter gesagt als getan sei, habe er dennoch geglaubt, es anmahnen zu müssen, und nichts anderes zu Cratos Trost beitragen können. Woher er diesen Mut nehmen könne, wisse Crato selbst.

Jakob (s. Anm.) habe bei Camerarius vorgesprochen, sei aber bereits wieder auf dem Weg. Deshalb habe er diesen Brief am Tag nach dessen Abreise einem anderen Briefboten gegeben.

Weder über die Begräbnisfeierlichkeiten noch über den Reichstag (conventus Imperatorius) höre man schon etwas und es seien nicht einmal Gerüchte im Umlauf. In Ungarn stünden die Dinge (s. Anm.) Gerüchten zufolge nicht schlecht. Er hoffe, dass nicht irgendwelche aufrührerischen privaten Bestrebungen öffentlichen Aktionen zuvorkämen.

Mit Christoph von Karlowitz habe er ausgemacht, dass, wenn Crato dem Vernehmen nach in diesem Monat nach Prag reise, sie einander bei Karlowitz (wohl: in Joachimsthal) treffen könnten, falls ein Treffen in Prag nicht genehm sei. Aber Camerarius glaube, dass Cratos Reise nicht zustandekomme, da ihm bestätigt wurde, dass der Kaiser in Wien festsitze.

Nun erwarte er einen Brief über die Reise seines Sohnes Joachim und einige seiner Erledigungen. Er bete zu Christus um deren guten Ausgang und um Schutz für Crato und seine Familie. Lebewohl.

(Anne Kram)

Anmerkungen

  • "Brief an Crato": Nicht nachweisbar.
  • "Jakob": Im Brief vom 12.4.62 erscheint ein Jakob als Briefbote. Vielleicht handelt es sich um denselben Jakob.
  • "In Ungarn stünden die Dinge": Gemeint ist wohl der 2. Österreichische Türkenkrieg.

Literatur und weiterführende Links