Camerarius an Crato, 05.07.1564: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Eine ausführliche Erschließung des Briefwechsels zwischen Johannes Crato und Joachim Camerarius ist bereits vom Projekt "Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)" geplant. In die Datenbank "Opera Camerarii" wurden daher nur die Rohdaten aufgenommen (also keine Regesten und Semantisierungen). Genauere Informationen zu diesem Brief finden Sie unter folgendem Link: http://www.aerztebriefe.de/id/00004989
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[[Erwähnte Person::Cicero]] ärgere sich, dass er nur als ''optimus consul'' bezeichnet wurde (vgl. Cic. ep. ad Att. 12,21,1), als ob dieses hervorragende Lob nicht ausreichend sei. Kaiser Trajan, der Herrscher der Welt, sei mit der Bezeichnung ''optimus princeps'' gerühmt worden. Ja sogar bei den Titeln Jupiters werde ''optimus'' früher als ''maximus'' genannt. Deshalb scheine es keineswegs leichtfertig zu sein, den Kaiser als ''optimus'' zu bezeichnen – vor allem da Cicero selbst schreibe, dass es sehr selten sei, dass man in jeder Hinsicht ''optimus'' ist. Es seien wieder Gerüchte im Umlauf, dass also dieser beste Kaiser ([[Erwähnte Person::Ferdinand I. (HRR)]]), dem Crato mit Umsicht und Fleiß diene, verstorben sei. Und auch wenn zuverlässige Leute bekräftigten, dass es so sei, so glaube Camerarius doch, dass er noch am Leben sei, und hoffe es inständig. Er hoffe aber, dass er dabei – so wie die Dinge stünden – in einem möglichst guten und gesunden Zustand sei. Aber das müsse man Gottes Willen überlassen.
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Seinem Sohn [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius|Ludwig]] habe er aufgetragen, sorgfältig darauf zu achten, sich, wie [[Erwähnte Person::Plautus]] sagte (vgl. Plaut. merc. 374. 376), zuerst den von Crato übertragenen Aufgaben zuzuwenden. Und Camerarius hoffe, dass er seine Pflicht erfülle.
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Sein Sohn [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.|Joachim]] schreibe, dass ihm neue Sorgen erwüchsen, da der (fürstbischöfliche) Hof seiner Heimat ([[Erwähnter Ort::Bamberg]]) ihn in seine Dienste nehmen wolle. Dies laufe sowohl Camerarius' Plänen als auch denen seines Sohnes zuwider.
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Hier (in [[Erwähnter Ort::Leipzig]]) sei alles beinahe beim Alten.
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Cratos Freund [[Erwähnte Person::Martin Drembeck|(Martin) Drembeck]] verlasse schon lange nicht mehr das Haus und werde von Flüssen (ῥεύματα), wie sie [[Erwähnte Person::Hippokrates]] nenne, geplagt, allerdings nicht in den Füßen, sondern in den Schultern und Hüften.
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Aber auch alle Angelegenheiten des öffentlichen Lebens seien sehr unsicher, veränderten sich ständig und gäben Anlass zu großer Sorge, da die Situation schon seit langem verworren und unvorhersehbar sei. Es sei denn, dass die verderbenbringenden Pläne schon Erfolg hätten und unheilvolle Vorhaben schon in die Tat umgesetzt würden, wie manche sagten.
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Man habe erzählt, dass [[Erwähnte Person::Süleyman I. (Osmanisches Reich)|der türkische Herrscher]] tot sei, und es verbreite sich das Gerücht, dass [[Erwähnte Person::Philipp II. (Spanien)|der spanische König]] einen Feldzug plane und Kriegsvorbereitungen treffe. Über all das müsse Crato dort (am Kaiserhof) gut informiert sein.
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Grüße von Camerarius und seiner Familie an Crato und seine Familie. Lebewohl.
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=== Literatur und weiterführende Links ===
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* http://www.aerztebriefe.de/id/00004989

Aktuelle Version vom 1. Juli 2020, 09:46 Uhr


Chronologisch vorhergehende Briefe
Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 12.04.156412 April 1564 JL
Camerarius an Crato, 05.06.15635 Juni 1563 JL
Camerarius an Crato, 19.03.156319 März 1563 JL
 Briefdatum
Camerarius an Crato, um den 15.09.15646 September 1564 JL
Camerarius an Crato, 26.12.156426 Dezember 1564 JL
Camerarius an Crato, 01.02.15651 Februar 1565 JL
Werksigle OCEp 1172
Zitation Camerarius an Crato, 05.07.1564, bearbeitet von Manuel Huth, Anne Kram und Ulrich Schlegelmilch (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1172
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 359-360
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1564/07/05
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum 3. Non. Quintil. 64
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort o.O.
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Optimum consulem se appellatum M. Cicero aegre fert
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Biographisches (Familie); Politische Neuigkeiten
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:AK; Benutzer:US
Gegengelesen von
Datumsstempel 1.07.2020
Werksigle OCEp 1172
Zitation Camerarius an Crato, 05.07.1564, bearbeitet von Manuel Huth, Anne Kram und Ulrich Schlegelmilch (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1172
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 359-360
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1564/07/05
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum 3. Non. Quintil. 64
Sprache Latein
Entstehungsort o.O.
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Optimum consulem se appellatum M. Cicero aegre fert
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Biographisches (Familie); Politische Neuigkeiten
Datumsstempel 1.07.2020


Regest

Cicero ärgere sich, dass er nur als optimus consul bezeichnet wurde (vgl. Cic. ep. ad Att. 12,21,1), als ob dieses hervorragende Lob nicht ausreichend sei. Kaiser Trajan, der Herrscher der Welt, sei mit der Bezeichnung optimus princeps gerühmt worden. Ja sogar bei den Titeln Jupiters werde optimus früher als maximus genannt. Deshalb scheine es keineswegs leichtfertig zu sein, den Kaiser als optimus zu bezeichnen – vor allem da Cicero selbst schreibe, dass es sehr selten sei, dass man in jeder Hinsicht optimus ist. Es seien wieder Gerüchte im Umlauf, dass also dieser beste Kaiser (Ferdinand I. (HRR)), dem Crato mit Umsicht und Fleiß diene, verstorben sei. Und auch wenn zuverlässige Leute bekräftigten, dass es so sei, so glaube Camerarius doch, dass er noch am Leben sei, und hoffe es inständig. Er hoffe aber, dass er dabei – so wie die Dinge stünden – in einem möglichst guten und gesunden Zustand sei. Aber das müsse man Gottes Willen überlassen.

Seinem Sohn Ludwig habe er aufgetragen, sorgfältig darauf zu achten, sich, wie Plautus sagte (vgl. Plaut. merc. 374. 376), zuerst den von Crato übertragenen Aufgaben zuzuwenden. Und Camerarius hoffe, dass er seine Pflicht erfülle.

Sein Sohn Joachim schreibe, dass ihm neue Sorgen erwüchsen, da der (fürstbischöfliche) Hof seiner Heimat (Bamberg) ihn in seine Dienste nehmen wolle. Dies laufe sowohl Camerarius' Plänen als auch denen seines Sohnes zuwider.

Hier (in Leipzig) sei alles beinahe beim Alten.

Cratos Freund (Martin) Drembeck verlasse schon lange nicht mehr das Haus und werde von Flüssen (ῥεύματα), wie sie Hippokrates nenne, geplagt, allerdings nicht in den Füßen, sondern in den Schultern und Hüften.

Aber auch alle Angelegenheiten des öffentlichen Lebens seien sehr unsicher, veränderten sich ständig und gäben Anlass zu großer Sorge, da die Situation schon seit langem verworren und unvorhersehbar sei. Es sei denn, dass die verderbenbringenden Pläne schon Erfolg hätten und unheilvolle Vorhaben schon in die Tat umgesetzt würden, wie manche sagten.

Man habe erzählt, dass der türkische Herrscher tot sei, und es verbreite sich das Gerücht, dass der spanische König einen Feldzug plane und Kriegsvorbereitungen treffe. Über all das müsse Crato dort (am Kaiserhof) gut informiert sein.

Grüße von Camerarius und seiner Familie an Crato und seine Familie. Lebewohl.

(Anne Kram)

Literatur und weiterführende Links