Camerarius an Crato, 12.04.1564: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Weitere Abschrift: [[Paris, BNF]], ms. Dupuy 797, S. 446-447 (https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b100367367).
  
Eine ausführliche Erschließung des Briefwechsels zwischen Johannes Crato und Joachim Camerarius ist bereits vom Projekt "Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)" geplant. In die Datenbank "Opera Camerarii" wurden daher nur die Rohdaten aufgenommen (also keine Regesten und Semantisierungen). Genauere Informationen zu diesem Brief finden Sie unter folgendem Link: http://www.aerztebriefe.de/id/00004987
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Dafür, dass Camerarius zur Zeit weniger oft Briefe an Crato schreibe, gebe es zwei Gründe. Zum einen fänden sich seltener Briefboten, zum anderen zweifle er nicht daran, dass sein Sohn [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.|Joachim]] sehr gewissenhaft an ihn schreibe. Da Crato von diesem viele Briefe erhalte, glaube Camerarius, dass er leicht auf die Lektüre seiner Briefe verzichten könne. Er freue sich aber sehr über Cratos beständige Kontaktpflege, vor allem da Crato so beschäftigt sei.
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Weil Crato aber nicht nur ziemlich empfindlich auf das zu reagieren scheine, was er – ob er wolle oder nicht – ertragen müsse, sondern auch versuche, das, was man hier und dort über ihn sage und denke, aus dem Geschwätz sozusagen zu erhaschen, müsse Camerarius an die Beherztheit und die festen Grundsätze in ihm appellieren, die seiner Bildung und Weisheit angemessen seien. Warum kümmere er sich jetzt um den Klatsch seiner Neider oder Gegner oder irgendwelcher oberflächlicher Leute? Crato kenne sich doch selbst und sei sich der beste Zeuge für seine Absichten und Taten. Die Kinder (s. Anm.) sagten im Spiel, dass man König werde, wenn man recht handele (Hor. ep. 1,1,59f.), usw. Crato kenne ja seinen [[Erwähnte Person::Horaz]]. Deshalb solle Crato, nicht nur um selbst ruhiger zu werden, sondern auch um sich mehr an seinen Gegnern und Feinden zu rächen, auf solches Gerede nicht einmal hören und es nicht an sich heranlassen oder es wenigstens ignorieren. Crato solle das, was Camerarius als treuer Freund zu dieser Sache an ihn geschrieben habe, wohlwollend aufnehmen, was er zweifellos tun werde.
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Camerarius höre gerüchteweise, dass es Kriegsvorbereitungen gebe und viele in Angst versetzten. Über die Vorgänge und Pläne wisse er aber überhaupt nichts, außer dass er die Verwüstung der Heimat ([[Erwähnter Ort::Bamberg]]) vor den Augen habe.
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(''folgender Absatz in keiner der beiden Abschriften, sondern nur im Druck enthalten:'')
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Camerarius habe von hier (aus [[Erwähnter Ort::Leipzig]]) einige Briefe an Crato geschickt, zusammen mit seinen [[Erwähntes Werk::Aristoteles, Oeconomica, 1564|''Oeconomica'']], einer Übersetzung aus dem Griechischen ins Lateinische.
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Gestern habe ihm [[Erwähnte Person::Unbekannt|ein junger Mann aus Frankreich]] Briefe von [[Erwähnte Person::Hubert Languet]] (s. Anm.) überbracht; einen  davon, der an Crato gerichtet sei, lege er bei.
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Camerarius' private Situation sei – Christus sei Dank – erträglich.
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Cratos Freund [[Erwähnte Person::Martin Drembeck|(Martin) Drembeck]] habe Camerarius Grüße ausgerichtet, wie ihm Crato in seinem Brief an ihn aufgetragen habe. Dieser leide stark unter "Flüssen" (''fluxiones'') in den Schultern und Hüften.
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Diesen Brief habe er hier (in Leipzig) jemandem übergeben, der ihn über Freunde von [[Erwähnter Ort::Prag]] zu Crato bringen lassen werde. Denn er habe geglaubt, die Gunst des Schicksals wieder nutzen zu müssen.
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Grüße von Camerarius' Familie an Crato und seine Familie. Lebewohl.
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(Anne Kram)
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=== Anmerkungen ===
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* "Die Kinder": Nur der Druck enthält die Variante ''pueri ludentes'', wie es bei Horaz zu finden ist. Beide Abschriften weisen die Variante ''praeter ludentes'' auf.
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* "Briefe von Hubert Languet": Es dürfte sich um zwei Schreiben vom 6.3.1564 handeln (an Camerarius: siehe http://wiki.camerarius.de/OCEp_1297; an Crato: ehem. [[Breslau, StB]], R 249, Nr. 34 (Verlust 1945; vgl. [http://www.aerztebriefe.de/id/00012032 hier]). Camerarius antwortete Languet ebenfalls am 12. April; s. http://wiki.camerarius.de/OCEp_1124.
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=== Literatur und weiterführende Links ===
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* http://www.aerztebriefe.de/id/00004987

Aktuelle Version vom 1. Juli 2020, 09:26 Uhr


Chronologisch vorhergehende Briefe
Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 05.06.15635 Juni 1563 JL
Camerarius an Crato, 19.03.156319 März 1563 JL
Camerarius an Crato, 06.07.15626 Juli 1562 JL
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 05.07.15645 Juli 1564 JL
Camerarius an Crato, um den 15.09.15646 September 1564 JL
Camerarius an Crato, 26.12.156426 Dezember 1564 JL
Werksigle OCEp 1170
Zitation Camerarius an Crato, 12.04.1564, bearbeitet von Manuel Huth, Ulrich Schlegelmilch und Anne Kram (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1170
Besitzende Institution Paris, BSG
Signatur, Blatt/Seite Ms 1456, Bl. 455 r-v
Ausreifungsgrad Abschrift
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 357-358
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1564/04/12
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Prid. Id. April. natali meo. 64. (so im Druck); prid. April. (!) natali meo LXIIII (so in der Hs.)
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Quominus saepe literae ad te meae hoc tempore perveniant
Link zur Handschrift https://archive.org/details/MS1456
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Briefe/Parallelüberlieferung; Politische Neuigkeiten
Handschrift gesehen
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:US; Benutzer:AK
Gegengelesen von
Datumsstempel 1.07.2020
Werksigle OCEp 1170
Zitation Camerarius an Crato, 12.04.1564, bearbeitet von Manuel Huth, Ulrich Schlegelmilch und Anne Kram (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1170
Besitzende Institution Paris, BSG
Signatur, Blatt/Seite Ms 1456, Bl. 455 r-v
Ausreifungsgrad Abschrift
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 357-358
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1564/04/12
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Prid. Id. April. natali meo. 64. (so im Druck); prid. April. (!) natali meo LXIIII (so in der Hs.)
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Quominus saepe literae ad te meae hoc tempore perveniant
Link zur Handschrift https://archive.org/details/MS1456
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Briefe/Parallelüberlieferung; Politische Neuigkeiten
Datumsstempel 1.07.2020


Weitere Abschrift: Paris, BNF, ms. Dupuy 797, S. 446-447 (https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b100367367).

Regest

Dafür, dass Camerarius zur Zeit weniger oft Briefe an Crato schreibe, gebe es zwei Gründe. Zum einen fänden sich seltener Briefboten, zum anderen zweifle er nicht daran, dass sein Sohn Joachim sehr gewissenhaft an ihn schreibe. Da Crato von diesem viele Briefe erhalte, glaube Camerarius, dass er leicht auf die Lektüre seiner Briefe verzichten könne. Er freue sich aber sehr über Cratos beständige Kontaktpflege, vor allem da Crato so beschäftigt sei.

Weil Crato aber nicht nur ziemlich empfindlich auf das zu reagieren scheine, was er – ob er wolle oder nicht – ertragen müsse, sondern auch versuche, das, was man hier und dort über ihn sage und denke, aus dem Geschwätz sozusagen zu erhaschen, müsse Camerarius an die Beherztheit und die festen Grundsätze in ihm appellieren, die seiner Bildung und Weisheit angemessen seien. Warum kümmere er sich jetzt um den Klatsch seiner Neider oder Gegner oder irgendwelcher oberflächlicher Leute? Crato kenne sich doch selbst und sei sich der beste Zeuge für seine Absichten und Taten. Die Kinder (s. Anm.) sagten im Spiel, dass man König werde, wenn man recht handele (Hor. ep. 1,1,59f.), usw. Crato kenne ja seinen Horaz. Deshalb solle Crato, nicht nur um selbst ruhiger zu werden, sondern auch um sich mehr an seinen Gegnern und Feinden zu rächen, auf solches Gerede nicht einmal hören und es nicht an sich heranlassen oder es wenigstens ignorieren. Crato solle das, was Camerarius als treuer Freund zu dieser Sache an ihn geschrieben habe, wohlwollend aufnehmen, was er zweifellos tun werde.

Camerarius höre gerüchteweise, dass es Kriegsvorbereitungen gebe und viele in Angst versetzten. Über die Vorgänge und Pläne wisse er aber überhaupt nichts, außer dass er die Verwüstung der Heimat (Bamberg) vor den Augen habe.

(folgender Absatz in keiner der beiden Abschriften, sondern nur im Druck enthalten:)

Camerarius habe von hier (aus Leipzig) einige Briefe an Crato geschickt, zusammen mit seinen Oeconomica, einer Übersetzung aus dem Griechischen ins Lateinische.

Gestern habe ihm ein junger Mann aus Frankreich Briefe von Hubert Languet (s. Anm.) überbracht; einen davon, der an Crato gerichtet sei, lege er bei.

Camerarius' private Situation sei – Christus sei Dank – erträglich.

(die folgenden beiden Absätze in keiner der beiden Abschriften, sondern nur im Druck enthalten:)

Cratos Freund (Martin) Drembeck habe Camerarius Grüße ausgerichtet, wie ihm Crato in seinem Brief an ihn aufgetragen habe. Dieser leide stark unter "Flüssen" (fluxiones) in den Schultern und Hüften.

Diesen Brief habe er hier (in Leipzig) jemandem übergeben, der ihn über Freunde von Prag zu Crato bringen lassen werde. Denn er habe geglaubt, die Gunst des Schicksals wieder nutzen zu müssen.

Grüße von Camerarius' Familie an Crato und seine Familie. Lebewohl.

(Anne Kram)

Anmerkungen

  • "Die Kinder": Nur der Druck enthält die Variante pueri ludentes, wie es bei Horaz zu finden ist. Beide Abschriften weisen die Variante praeter ludentes auf.
  • "Briefe von Hubert Languet": Es dürfte sich um zwei Schreiben vom 6.3.1564 handeln (an Camerarius: siehe http://wiki.camerarius.de/OCEp_1297; an Crato: ehem. Breslau, StB, R 249, Nr. 34 (Verlust 1945; vgl. hier). Camerarius antwortete Languet ebenfalls am 12. April; s. http://wiki.camerarius.de/OCEp_1124.

Literatur und weiterführende Links