Camerarius an Crato, 13.08.1565: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Eine ausführliche Erschließung des Briefwechsels zwischen Johannes Crato und Joachim Camerarius ist bereits vom Projekt "Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)" geplant. In die Datenbank "Opera Camerarii" wurden daher nur die Rohdaten aufgenommen (also keine Regesten und Semantisierungen). Genauere Informationen zu diesem Brief finden Sie unter folgendem Link: http://www.aerztebriefe.de/id/00005079
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In diesen Tagen habe Camerarius erfahren, dass Crato seine Heimat ([[Erwähnter Ort::Breslau]]) verlassen und am 15. Juli wieder an den Kaiserhof aufgebrochen sei. Er glaube aber, dass Crato vor seiner Abreise noch seinen Brief (s. Anm.) erhalten habe, den er beunruhigt und in Eile über die unglückliche Lage seines Sohnes ([[Erwähnte Person::Philipp Camerarius|Philipp]]) geschrieben habe. Und er wisse, dass sein Schmerz sofort ebenso großen Schmerz bei Crato verursacht habe. Er wisse noch nicht, was dort (in [[Erwähnter Ort::Rom]])geschehen sei oder geschehen werde, und bete unablässig zu Gott, dass er das Wohl und das Leben seines Sohnes bewahre und die Hoffnung auf Heil und ewiges Leben nicht vergebens sei, und zu Christus, dass er seinem Sohn Ausdauer gebe und ihm die göttliche Wahrheit offenbare. Er habe erfahren, dass [[Erwähnte Person::Johann Ulrich Zasius|(Johann Ulrich) Zasius]] große Anstrengungen in dieser Angelegenheit unternommen habe – auch um Camerarius' willen und überdies sogar noch, bevor der Brief von Kurfürst [[Erwähnte Person::August (Sachsen)]] am Kaiserhof angekommen sei. Dafür sei er ihm zu größtem Dank verpflichtet. Er zweifle nicht daran, dass Zasius sich auch weiterhin bemühen werde, alles in seiner Macht Stehende zu tun. Er glaube, dass seine Besorgnis um seinen Sohn von keinem guten Menschen kritisiert werde, und schäme sich nicht für die Liebe für seine Kinder. Diese Angelegenheit hielten aber die meisten für außergewöhnlich. Er wisse, dass sein Sohn schweigsam und in keiner Weise streitlustig sei und ein sanftes Wesen habe. Wenn ihm aber eine Abneigung gegen den Namen Camerarius geschadet habe, müsse er dies ertragen. Kluge Leute verstünden jedoch, wohin derartige Angelegenheiten führen könnten. Aber genug von diesen Ausführungen. Er bete zu Gott um einen glücklichen Ausgang.
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Was Crato über die Grabinschrift geschrieben habe (s. Anm.), habe Camerarius ziemlich traurig gemacht. Denn er habe bemerkt, dass Cratos Gedanken und Sorgen mit einem gewissen Schrecken oder eher Ängstlichkeit verbunden seien. Deshalb fürchte er, dass Crato großen Kummer erleide. Allerdings wüssten sie, dass den früheren wahren Gläubigen vor allem das Begräbnis sehr wichtig gewesen sei, auch wenn er den Eindruck habe, die ganze Angelegenheit sei für die Lebenden wichtiger als für die Verstorbenen. Aber darüber dürfe und wolle er jetzt nicht schreiben. Camerarius habe Cratos Wunsch entsprochen und etwas verfasst, um das fromme Gedenken zu ehren, wenn Cratos es so wolle. Crato solle darüber entscheiden und seine Bemühungen gutheißen.
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Er erwarte Cratos Brief sehnlich und wünsche ihm in diesen unruhigen Zeiten das Beste. Er wisse nicht, ob Crato seine Familie (an den Kaiserhof) mitgenommen habe, und bete zu Gott um Schutz für Crato und seine Familie.
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Es werde erzählt, dass der dänische König ([[Erwähnte Person::Friedrich II. (Dänemark und Norwegen)]]) einen Seesieg errungen habe, allerdings einen kadmischen (= opferreichen), wie manche sagten. Über die pannonischen Angelegenheiten seien verschiedene Gerüchte im Umlauf, aber keine guten. Vom Meer nähere sich allmählich auch eine Seuche.
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Lebewohl.
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(Anne Kram)
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=== Anmerkungen ===
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* "seinen Brief": Camerarius berichtet Crato im Brief vom 6.7.65 von der Gefangennahme seines Sohnes Philipp in Rom (s. http://www.aerztebriefe.de/id/00042042).
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* "über die Grabinschrift geschrieben habe": vgl. [[Erlangen, UB]], Trew, Crato von Krafftheim Nr. 221 (http://www.aerztebriefe.de/id/00049507).
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=== Literatur und weiterführende Links ===
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* http://www.aerztebriefe.de/id/00005079

Aktuelle Version vom 1. Juli 2020, 13:15 Uhr


Chronologisch vorhergehende Briefe
Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 29.06.156529 Juni 1565 JL
Camerarius an Crato, 23.06.156523 Juni 1565 JL
Camerarius an Crato, 15.04.156515 April 1565 JL
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 20.04.156620 April 1566 JL
Camerarius an Crato, 11.05.156611 Mai 1566 JL
Camerarius an Crato, 12.06.156612 Juni 1566 JL
Werksigle OCEp 1179
Zitation Camerarius an Crato, 13.08.1565, bearbeitet von Manuel Huth, Ulrich Schlegelmilch und Anne Kram (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1179
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 367-369
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen Schelhorn 1740, S. 99-100 (gekürzt)
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1565/08/13
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Id. Sextil.; Jahr im Druck: 1566; durch Schelhorn a.a.O. inhaltsbedingt zu 1565 verbessert
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit His diebus cognovimus te ex patria discessisse
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Biographisches (Familie); Politische Neuigkeiten
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:US; Benutzer:AK
Gegengelesen von
Datumsstempel 1.07.2020
Werksigle OCEp 1179
Zitation Camerarius an Crato, 13.08.1565, bearbeitet von Manuel Huth, Ulrich Schlegelmilch und Anne Kram (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1179
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 367-369
Sonstige Editionen Schelhorn 1740, S. 99-100 (gekürzt)
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1565/08/13
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum Id. Sextil.; Jahr im Druck: 1566; durch Schelhorn a.a.O. inhaltsbedingt zu 1565 verbessert
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit His diebus cognovimus te ex patria discessisse
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Biographisches (Familie); Politische Neuigkeiten
Datumsstempel 1.07.2020


Regest

In diesen Tagen habe Camerarius erfahren, dass Crato seine Heimat (Breslau) verlassen und am 15. Juli wieder an den Kaiserhof aufgebrochen sei. Er glaube aber, dass Crato vor seiner Abreise noch seinen Brief (s. Anm.) erhalten habe, den er beunruhigt und in Eile über die unglückliche Lage seines Sohnes (Philipp) geschrieben habe. Und er wisse, dass sein Schmerz sofort ebenso großen Schmerz bei Crato verursacht habe. Er wisse noch nicht, was dort (in Rom)geschehen sei oder geschehen werde, und bete unablässig zu Gott, dass er das Wohl und das Leben seines Sohnes bewahre und die Hoffnung auf Heil und ewiges Leben nicht vergebens sei, und zu Christus, dass er seinem Sohn Ausdauer gebe und ihm die göttliche Wahrheit offenbare. Er habe erfahren, dass (Johann Ulrich) Zasius große Anstrengungen in dieser Angelegenheit unternommen habe – auch um Camerarius' willen und überdies sogar noch, bevor der Brief von Kurfürst August (Sachsen) am Kaiserhof angekommen sei. Dafür sei er ihm zu größtem Dank verpflichtet. Er zweifle nicht daran, dass Zasius sich auch weiterhin bemühen werde, alles in seiner Macht Stehende zu tun. Er glaube, dass seine Besorgnis um seinen Sohn von keinem guten Menschen kritisiert werde, und schäme sich nicht für die Liebe für seine Kinder. Diese Angelegenheit hielten aber die meisten für außergewöhnlich. Er wisse, dass sein Sohn schweigsam und in keiner Weise streitlustig sei und ein sanftes Wesen habe. Wenn ihm aber eine Abneigung gegen den Namen Camerarius geschadet habe, müsse er dies ertragen. Kluge Leute verstünden jedoch, wohin derartige Angelegenheiten führen könnten. Aber genug von diesen Ausführungen. Er bete zu Gott um einen glücklichen Ausgang.

Was Crato über die Grabinschrift geschrieben habe (s. Anm.), habe Camerarius ziemlich traurig gemacht. Denn er habe bemerkt, dass Cratos Gedanken und Sorgen mit einem gewissen Schrecken oder eher Ängstlichkeit verbunden seien. Deshalb fürchte er, dass Crato großen Kummer erleide. Allerdings wüssten sie, dass den früheren wahren Gläubigen vor allem das Begräbnis sehr wichtig gewesen sei, auch wenn er den Eindruck habe, die ganze Angelegenheit sei für die Lebenden wichtiger als für die Verstorbenen. Aber darüber dürfe und wolle er jetzt nicht schreiben. Camerarius habe Cratos Wunsch entsprochen und etwas verfasst, um das fromme Gedenken zu ehren, wenn Cratos es so wolle. Crato solle darüber entscheiden und seine Bemühungen gutheißen.

Er erwarte Cratos Brief sehnlich und wünsche ihm in diesen unruhigen Zeiten das Beste. Er wisse nicht, ob Crato seine Familie (an den Kaiserhof) mitgenommen habe, und bete zu Gott um Schutz für Crato und seine Familie.

Es werde erzählt, dass der dänische König (Friedrich II. (Dänemark und Norwegen)) einen Seesieg errungen habe, allerdings einen kadmischen (= opferreichen), wie manche sagten. Über die pannonischen Angelegenheiten seien verschiedene Gerüchte im Umlauf, aber keine guten. Vom Meer nähere sich allmählich auch eine Seuche.

Lebewohl.

(Anne Kram)

Anmerkungen

Literatur und weiterführende Links