Camerarius an Crato, 15.04.1565: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Eine ausführliche Erschließung des Briefwechsels zwischen Johannes Crato und Joachim Camerarius ist bereits vom Projekt "Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)" geplant. In die Datenbank "Opera Camerarii" wurden daher nur die Rohdaten aufgenommen (also keine Regesten und Semantisierungen). Genauere Informationen zu diesem Brief finden Sie unter folgendem Link: http://www.aerztebriefe.de/id/00004993
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=== Regest ===
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Camerarius gehe davon aus, dass Crato seinen Brief nun endlich erhalten habe und ihn nicht mehr in Gedanken als säumig verurteile, auch wenn er – offen gesagt – das Gefühl habe, bei allem täglich träger und langsamer zu werden. In seinem Alter müsse man entweder nachsichtig mit ihm sein oder ihm das Alter zum Vorwurf machen.
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Camerarius habe sich sehr gefreut, dass Crato ihm eine Abschrift des Briefes von [[Erwähnte Person::Giulio Alessandrini]] (s. Anm.) geschickt habe. Denn er habe ihn eifrig gelesen und großen Gefallen daran gefunden, weil die große Zuneigung für Crato aus ihm hervorzustrahlen schien.
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Was aber Crato betreffe und wozu er Camerarius um Rat gefragt habe, so wisse er nicht, wozu er raten oder ermuntern solle. Crato kenne jenes Sprichwort über die Maus und das Harz (vgl. Demosth. 50,26). Wenn er aber aus Pflichtgefühl oder wegen eines Hoffnungsschimmers dort (am Hof) geblieben sei und sich nicht entwinden könne, ohne dass seine persönlichen Verhältnisse oder sein guter Ruf großen Schaden erlitten, so könne er nichts anderes tun, als das, was man nicht ändern könne, zu ertragen und niemandem die Schuld dafür zu geben. Denn wie das Kirchenrecht sage, könne man nur das tun, was man auf angemessene Weise tun könne (s. Anm.). Wenn sich ihm aber ein guter Ausweg biete, warum solle Crato nicht darüber nachdenken? So wie die Griechen sagen: "Ich will weder den Honig noch die Bienen" (vgl. Sappho fr. 146). Bei all dem müsse Crato aber darauf achten, wer die Angelegenheit kenne. Camerarius hoffe, dass ihm die beste und richtige Lösung einfalle. Was er aber auch tue, Camerarius werde es billigen und nach Kräften verteidigen und loben.
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Er hoffe, dass sein Sohn [[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius|Ludwig]] in [[Erwähnter Ort::Frankfurt am Main|Frankfurt]] schon etwas Zuverlässiges über die restliche Reise nach Frankreich, von der Crato ja schon lange wisse, erfahren habe, und bete zu Christus um ihren glücklichen Ausgang.
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Er habe gerade sein jüngstes Kind, [[Erwähnte Person::Gottfried Camerarius|Gottfried]], bei sich und sei noch unentschieden, was er sich von dessen Anlagen und Neigungen versprechen könne.
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Grüße von Camerarius' Familie an Crato und seine Familie. Lebewohl.
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(Anne Kram)
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=== Anmerkungen ===
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* "eine Abschrift des Briefes von Giulio Alessandrini": Diese hat Crato seinem Schreiben an Camerarius vom 6.4.65 beigelegt (s. http://www.aerztebriefe.de/id/00039026).
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* "auf angemessene Weise tun könne": Das Zitat stammt aus der ''Summa'' des Heinrich von Susa (zitiert bei: Gallagher, Clarence: Canon Law and the Christian Community. Rom 1978, S. 132; https://books.google.de/books?id=jY4Ow07bwyYC&)
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=== Literatur und weiterführende Links ===
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* http://www.aerztebriefe.de/id/00004993

Aktuelle Version vom 1. Juli 2020, 12:06 Uhr


Chronologisch vorhergehende Briefe
Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 27.03.156527 März 1565 JL
Camerarius an Crato, 01.02.15651 Februar 1565 JL
Camerarius an Crato, 26.12.156426 Dezember 1564 JL
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 23.06.156523 Juni 1565 JL
Camerarius an Crato, 29.06.156529 Juni 1565 JL
Camerarius an Crato, 13.08.156513 August 1565 JL
Werksigle OCEp 1176
Zitation Camerarius an Crato, 15.04.1565, bearbeitet von Manuel Huth, Anne Kram und Ulrich Schlegelmilch (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1176
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 364-365
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1565/04/15
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort o.O.
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Nunc tandem meas literas tibi esse redditas confido
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Biographisches (Familie)
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:AK; Benutzer:US
Gegengelesen von
Datumsstempel 1.07.2020
Werksigle OCEp 1176
Zitation Camerarius an Crato, 15.04.1565, bearbeitet von Manuel Huth, Anne Kram und Ulrich Schlegelmilch (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1176
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 364-365
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1565/04/15
Datum gesichert? nein
Sprache Latein
Entstehungsort o.O.
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Nunc tandem meas literas tibi esse redditas confido
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Biographisches (Familie)
Datumsstempel 1.07.2020


Regest

Camerarius gehe davon aus, dass Crato seinen Brief nun endlich erhalten habe und ihn nicht mehr in Gedanken als säumig verurteile, auch wenn er – offen gesagt – das Gefühl habe, bei allem täglich träger und langsamer zu werden. In seinem Alter müsse man entweder nachsichtig mit ihm sein oder ihm das Alter zum Vorwurf machen.

Camerarius habe sich sehr gefreut, dass Crato ihm eine Abschrift des Briefes von Giulio Alessandrini (s. Anm.) geschickt habe. Denn er habe ihn eifrig gelesen und großen Gefallen daran gefunden, weil die große Zuneigung für Crato aus ihm hervorzustrahlen schien.

Was aber Crato betreffe und wozu er Camerarius um Rat gefragt habe, so wisse er nicht, wozu er raten oder ermuntern solle. Crato kenne jenes Sprichwort über die Maus und das Harz (vgl. Demosth. 50,26). Wenn er aber aus Pflichtgefühl oder wegen eines Hoffnungsschimmers dort (am Hof) geblieben sei und sich nicht entwinden könne, ohne dass seine persönlichen Verhältnisse oder sein guter Ruf großen Schaden erlitten, so könne er nichts anderes tun, als das, was man nicht ändern könne, zu ertragen und niemandem die Schuld dafür zu geben. Denn wie das Kirchenrecht sage, könne man nur das tun, was man auf angemessene Weise tun könne (s. Anm.). Wenn sich ihm aber ein guter Ausweg biete, warum solle Crato nicht darüber nachdenken? So wie die Griechen sagen: "Ich will weder den Honig noch die Bienen" (vgl. Sappho fr. 146). Bei all dem müsse Crato aber darauf achten, wer die Angelegenheit kenne. Camerarius hoffe, dass ihm die beste und richtige Lösung einfalle. Was er aber auch tue, Camerarius werde es billigen und nach Kräften verteidigen und loben.

Er hoffe, dass sein Sohn Ludwig in Frankfurt schon etwas Zuverlässiges über die restliche Reise nach Frankreich, von der Crato ja schon lange wisse, erfahren habe, und bete zu Christus um ihren glücklichen Ausgang.

Er habe gerade sein jüngstes Kind, Gottfried, bei sich und sei noch unentschieden, was er sich von dessen Anlagen und Neigungen versprechen könne.

Grüße von Camerarius' Familie an Crato und seine Familie. Lebewohl.

(Anne Kram)

Anmerkungen

Literatur und weiterführende Links