Camerarius an Crato, 23.06.1565: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Eine ausführliche Erschließung des Briefwechsels zwischen Johannes Crato und Joachim Camerarius ist bereits vom Projekt "Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)" geplant. In die Datenbank "Opera Camerarii" wurden daher nur die Rohdaten aufgenommen (also keine Regesten und Semantisierungen). Genauere Informationen zu diesem Brief finden Sie unter folgendem Link: http://www.aerztebriefe.de/id/00004994
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=== Regest ===
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Es sei so, wie ein bekannter Vers sage, dass sich Gerüchte über schlimme Ereignisse schnell verbreiteten. Denn Crato kenne den Vers: "Die Überredung zu schlimmen Taten bahnt sich schnell einen Weg" (Soph. fr. 870 Radt). Und so sei auch die Nachricht über den äußerst beklagenswerten Tod dieses höchst ehrbaren Mannes schon hierher (nach [[Erwähnter Ort::Leipzig]]) gelangt, bevor Cratos Brief (s. Anm.) gebracht worden sei, der freilich eine kunstvollere Schilderung des Unglücks enthalten habe. Camerarius habe auch einen Freund verloren, der seine bescheidenen Dichtungen keinesfalls verachtet habe, wie er wisse. Aber der Verlust für das Gemeinwesen schmerze ihn mehr. Und solange er letzte Nacht keinen Schlaf finden konnte, habe er seinen Schmerz in zwei Verse gefasst, die es – wie er glaube – wert seien, aufgeschrieben zu werden: In diesem Grab, [[Erwähnte Person::Georg Sigismund Seld]], der du der Erde entrissen bist, liegt nach deinem Tod auch das Gemeinwesen. Camerarius hoffe, er sei in dem Augenblick, da er diese Verse schrieb, nicht zugleich Prophet gewesen. Aber sie sollten dies Gott überlassen.
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Er bemerke, dass Crato seine Sorgen eher verdränge, als sie zu äußern, und er wisse, dass es schwer sei, die Oberhand über sich zu behalten, vor allem wenn man mehreren Widrigkeiten [oder: Widersachern] gegenüberstehe. Dennoch solle Crato tun, was er könne, und das gelassen ertragen, was man nicht leichter machen könne.
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Er hoffe, dass Crato seine Schrift lesen und sein Urteil über sie abgeben werde, und werde ihm zumindest eine Kostprobe zuschicken, denn das ganze Werk werde er ihm kaum schicken können.
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Um das übrige, was Crato in seinem Brief angesprochen habe, werde er sich kümmern. Crato solle sich weiterhin eine angesehene Stellung bemühen.
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Er wisse gerade nicht, was er noch schreiben solle, und sei ohnehin schon einige Male unterbrochen worden. Der Briefbote sei angeblich in Eile. Grüße an Crato und seine Familie, auch von Camerarius' Familie. Lebewohl.
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(Anne Kram)
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=== Anmerkungen ===
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* "Cratos Brief": Cratos Brief vom 05.06.65 (s. http://www.aerztebriefe.de/id/00049505).
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=== Literatur und weiterführende Links ===
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* http://www.aerztebriefe.de/id/00004994

Aktuelle Version vom 1. Juli 2020, 12:48 Uhr


Chronologisch vorhergehende Briefe
Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 15.04.156515 April 1565 JL
Camerarius an Crato, 27.03.156527 März 1565 JL
Camerarius an Crato, 01.02.15651 Februar 1565 JL
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 29.06.156529 Juni 1565 JL
Camerarius an Crato, 13.08.156513 August 1565 JL
Camerarius an Crato, 20.04.156620 April 1566 JL
Werksigle OCEp 1177
Zitation Camerarius an Crato, 23.06.1565, bearbeitet von Manuel Huth, Ulrich Schlegelmilch und Anne Kram (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1177
Besitzende Institution Paris, BSG
Signatur, Blatt/Seite Ms 1456, Bl. 457r-v
Ausreifungsgrad Abschrift
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 365-366
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1565/06/23
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum 23.06.(o.J.); Jahr durch die Nachricht vom Tod Selds gesichert; im Druck zwischen Briefen vom 15.4.1565 und vom 29.6.1565 eingeordnet
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Ita est, ut versus notus memorat
Link zur Handschrift https://archive.org/details/MS1456
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Briefe/Parallelüberlieferung
Handschrift gesehen
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:US; Benutzer:AK
Gegengelesen von
Datumsstempel 1.07.2020
Werksigle OCEp 1177
Zitation Camerarius an Crato, 23.06.1565, bearbeitet von Manuel Huth, Ulrich Schlegelmilch und Anne Kram (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1177
Besitzende Institution Paris, BSG
Signatur, Blatt/Seite Ms 1456, Bl. 457r-v
Ausreifungsgrad Abschrift
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 365-366
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1565/06/23
Datum gesichert? ja
Bemerkungen zum Datum 23.06.(o.J.); Jahr durch die Nachricht vom Tod Selds gesichert; im Druck zwischen Briefen vom 15.4.1565 und vom 29.6.1565 eingeordnet
Sprache Latein
Entstehungsort Leipzig
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Ita est, ut versus notus memorat
Link zur Handschrift https://archive.org/details/MS1456
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Briefe/Parallelüberlieferung
Datumsstempel 1.07.2020


Regest

Es sei so, wie ein bekannter Vers sage, dass sich Gerüchte über schlimme Ereignisse schnell verbreiteten. Denn Crato kenne den Vers: "Die Überredung zu schlimmen Taten bahnt sich schnell einen Weg" (Soph. fr. 870 Radt). Und so sei auch die Nachricht über den äußerst beklagenswerten Tod dieses höchst ehrbaren Mannes schon hierher (nach Leipzig) gelangt, bevor Cratos Brief (s. Anm.) gebracht worden sei, der freilich eine kunstvollere Schilderung des Unglücks enthalten habe. Camerarius habe auch einen Freund verloren, der seine bescheidenen Dichtungen keinesfalls verachtet habe, wie er wisse. Aber der Verlust für das Gemeinwesen schmerze ihn mehr. Und solange er letzte Nacht keinen Schlaf finden konnte, habe er seinen Schmerz in zwei Verse gefasst, die es – wie er glaube – wert seien, aufgeschrieben zu werden: In diesem Grab, Georg Sigismund Seld, der du der Erde entrissen bist, liegt nach deinem Tod auch das Gemeinwesen. Camerarius hoffe, er sei in dem Augenblick, da er diese Verse schrieb, nicht zugleich Prophet gewesen. Aber sie sollten dies Gott überlassen.

Er bemerke, dass Crato seine Sorgen eher verdränge, als sie zu äußern, und er wisse, dass es schwer sei, die Oberhand über sich zu behalten, vor allem wenn man mehreren Widrigkeiten [oder: Widersachern] gegenüberstehe. Dennoch solle Crato tun, was er könne, und das gelassen ertragen, was man nicht leichter machen könne.

Er hoffe, dass Crato seine Schrift lesen und sein Urteil über sie abgeben werde, und werde ihm zumindest eine Kostprobe zuschicken, denn das ganze Werk werde er ihm kaum schicken können.

Um das übrige, was Crato in seinem Brief angesprochen habe, werde er sich kümmern. Crato solle sich weiterhin eine angesehene Stellung bemühen.

Er wisse gerade nicht, was er noch schreiben solle, und sei ohnehin schon einige Male unterbrochen worden. Der Briefbote sei angeblich in Eile. Grüße an Crato und seine Familie, auch von Camerarius' Familie. Lebewohl.

(Anne Kram)

Anmerkungen

Literatur und weiterführende Links