Camerarius an Crato, 26.12.1564: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Joachim Camerarius (1500-1574)
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Eine ausführliche Erschließung des Briefwechsels zwischen Johannes Crato und Joachim Camerarius ist bereits vom Projekt "Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)" geplant. In die Datenbank "Opera Camerarii" wurden daher nur die Rohdaten aufgenommen (also keine Regesten und Semantisierungen). Genauere Informationen zu diesem Brief finden Sie unter folgendem Link: http://www.aerztebriefe.de/id/00004986
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Nach seiner Rückkehr zu ihm (nach [[Erwähnter Ort::Leipzig]]) habe sein Sohn [[Erwähnte Person::Joachim Camerarius II.|Joachim]] Camerarius Cratos Brief (s. Anm.) übergeben. Kurz darauf sei ein weiterer Brief von Crato an den Sohn (s. Anm.) eingetroffen. Da sein Sohn glaube, aus seiner Reise einigen Nutzen gezogen zu haben, so wisse Camerarius, dass er Crato diesbezüglich im Namen seines Sohnes wegen seiner Freundlichkeit und seines Wohlwollens ihm gegenüber sehr viel schulde.
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Da Crato aufgrund der Erfordernis der Situation dort (in [[Erwähnter Ort::Breslau]]) bleiben müsse, solle er den Verdruss, den diese Verzögerung mit sich bringe, beiseite schieben und sich die Notwendigkeit dieses Ärgernisses leichter machen, indem er bedenke, dass er mit seiner ehrenhaften Bemühung und Hilfe nicht nur einem so großen Fürsten, sondern dem ganzen Staat einen Dienst erwiese (s. Anm.).
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Freilich habe Camerarius die Schwierigkeiten von Cratos Leben vor Augen, nicht nur die Nachteile, sondern auch das Unglück. Dennoch kenne Crato in jeder Schicksalslage ein ausgezeichnetes Trostmittel, nämlich dass er bezüglich seiner Absichten und Taten ein gutes Gewissen haben könne. Camerarius sei sich sicher, dass Crato ein solches habe, da er ja nicht nach Ruhm und Erfolg strebe, sondern der Pflicht oder vielmehr noch seinem Glauben folge. Camerarius bete, dass Gott Cratos Unternehmungen einen glücklichen Ausgang beschere, ihn und seine Familie zuhause beschütze und ihnen, wenn die Lage sich beruhigt habe, wieder denselben Umgang ermögliche, den sie früher miteinander gepflegt hätten. Vieles müssten sie gegen ihren Willen tun und erdulden. Dass dies wahr sei, habe auch Crato mehr als einmal erfahren.
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Camerarius habe [[Erwähnte Person::Franz Kram]] auf seiner Reise nach [[Erwähnter Ort::Dresden]] begleitet, um dort einige Aufgaben im Auftrag der [[Erwähnte Körperschaft::Universität (Leipzig)|Universität]] zu erledigen. Ihre Reise sei aber in eine ungünstige Zeit voller Trauer gefallen. Sie seien nämlich gerade an dem Tag in die Stadt gekommen, an dem die ehrbare Ehefrau von [[Erwähnte Person::Ulrich von Mordeisen]] gestorben sei und man begonnen habe, die Ankunft des Kaisers [[Erwähnte Person::Maximilian II. (HRR)]] zu erwarten. Daher sei diese Reise für Camerarius nicht sonderlich angenehm gewesen.
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Er habe seinen Sohn Joachim in großer Sorge um die Zukunft in Leipzig zurückgelassen und auch ihn selbst würden vielfältige Sorgen plagen.
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Es sei ein Büchlein herausgegeben worden, welches er diesem Brief beigefügt habe, ebenso wie einen Brief seines Sohnes Joachim an Crato (s. Anm.). Er habe das Päckchen aber in Dresden gelassen, damit es zu [[Erwähnte Person::Johann Neefe]] dorthin (unklar: ''ad... Naevium istuc'') geschickt werde. In welcher Furcht oder welchen anderen Wirrungen sich Camerarius befunden hätte, könne man aus seinen Versen ersehen.
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Es werde berichtet, dass von neuem Truppen zusammengezogen würden und den Ihren die äußerste Gefahr drohe, sodass Camerarius fürchte, dass der Beginn dieses Unglücks, über das es alte und neue Vorhersagen gebe, unmittelbar bevorstehe. Man sehe es hier und dort und keiner glaube, dass er davon betroffen sei, als ob die Vernichtung und Zerstörung des Staates ihre Städte und Dörfer unversehrt ließe. Notwendigerweise empfinde Camerarius bei solchen Überlegungen großen Schmerz. Aber sie alle sollten weiterhin inbrünstig zum ewigen Gott beten, dass er sich ihrer erbarme. Mehr müsse seiner Meinung nach jetzt darüber nicht geschrieben werden.
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Herzliche und pflichtschuldige Grüße von Franz Kram, der gerade bei ihm gewesen sei.
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Lebewohl.
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(Anne Kram)
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=== Anmerkungen ===
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* "Cratos Brief": Es scheint sich um den erst zwei Tage zuvor, am 24. Dezember, verfassten Brief Cratos zu handeln ([[Erlangen, UB]], Trew, Crato Nr. 212; s. http://www.aerztebriefe.de/id/00049498). In diesem berichtete Crato von seiner bevorstehenden Verpflichtung, am Ende des Januars zum Hof zurückzukehren, da dann die Bestattung König Ferdinands in Prag stattfinde. Eine Reise des jüngeren Joachim von Breslau nach Leipzig in nur zwei Tagen erscheint allerdings kaum denkbar.
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* "Brief von Crato an den Sohn": Nicht im Original erhalten: [[Erlangen, UB]], Trew, Crato Nr. 644 vom 11.11.1564 traf am 1. Dezember bei Joachim d.J. ein, Nr. 645 stammt bereits vom Januar 1565. Es könnte sich auch um den bei [[Scholz 1598]], Sp. 225-226 gedruckten Brief handeln (datiert „Dezember 1564“; vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00030037).
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* "einen Dienst erweise": Gemeint ist auch hier Cratos Teilnahme an der Bestattung König Ferdinands (vgl. erste Anm.).  
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* "Brief seines Sohnes Joachim an Crato": Nicht erhalten.
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=== Literatur und weiterführende Links ===
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* http://www.aerztebriefe.de/id/00004986

Aktuelle Version vom 1. Juli 2020, 09:09 Uhr


Chronologisch vorhergehende Briefe
Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Camerarius an Crato, um den 15.09.15646 September 1564 JL
Camerarius an Crato, 05.07.15645 Juli 1564 JL
Camerarius an Crato, 12.04.156412 April 1564 JL
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 01.02.15651 Februar 1565 JL
Camerarius an Crato, 27.03.156527 März 1565 JL
Camerarius an Crato, 15.04.156515 April 1565 JL
Werksigle OCEp 1169
Zitation Camerarius an Crato, 26.12.1564, bearbeitet von Manuel Huth, Ulrich Schlegelmilch und Anne Kram (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1169
Besitzende Institution
Signatur, Blatt/Seite
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 355-357
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1564/12/26
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum die dicato memoriae Στεφάνου Πρωτομάρτυρος
Unscharfes Datum Beginn
Unscharfes Datum Ende
Sprache Latein
Entstehungsort Dresden
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Filius meus Ioachimus reversus ad nos reddidit mihi literas tuas
Link zur Handschrift
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Biographisches (Familie); Politische Neuigkeiten
Handschrift unbekannt
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:US; Benutzer:AK
Gegengelesen von
Datumsstempel 1.07.2020
Werksigle OCEp 1169
Zitation Camerarius an Crato, 26.12.1564, bearbeitet von Manuel Huth, Ulrich Schlegelmilch und Anne Kram (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1169
Ausreifungsgrad Druck
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 355-357
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum 1564/12/26
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum die dicato memoriae Στεφάνου Πρωτομάρτυρος
Sprache Latein
Entstehungsort Dresden
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Filius meus Ioachimus reversus ad nos reddidit mihi literas tuas
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Biographisches (Familie); Politische Neuigkeiten
Datumsstempel 1.07.2020


Regest

Nach seiner Rückkehr zu ihm (nach Leipzig) habe sein Sohn Joachim Camerarius Cratos Brief (s. Anm.) übergeben. Kurz darauf sei ein weiterer Brief von Crato an den Sohn (s. Anm.) eingetroffen. Da sein Sohn glaube, aus seiner Reise einigen Nutzen gezogen zu haben, so wisse Camerarius, dass er Crato diesbezüglich im Namen seines Sohnes wegen seiner Freundlichkeit und seines Wohlwollens ihm gegenüber sehr viel schulde.

Da Crato aufgrund der Erfordernis der Situation dort (in Breslau) bleiben müsse, solle er den Verdruss, den diese Verzögerung mit sich bringe, beiseite schieben und sich die Notwendigkeit dieses Ärgernisses leichter machen, indem er bedenke, dass er mit seiner ehrenhaften Bemühung und Hilfe nicht nur einem so großen Fürsten, sondern dem ganzen Staat einen Dienst erwiese (s. Anm.).

Freilich habe Camerarius die Schwierigkeiten von Cratos Leben vor Augen, nicht nur die Nachteile, sondern auch das Unglück. Dennoch kenne Crato in jeder Schicksalslage ein ausgezeichnetes Trostmittel, nämlich dass er bezüglich seiner Absichten und Taten ein gutes Gewissen haben könne. Camerarius sei sich sicher, dass Crato ein solches habe, da er ja nicht nach Ruhm und Erfolg strebe, sondern der Pflicht oder vielmehr noch seinem Glauben folge. Camerarius bete, dass Gott Cratos Unternehmungen einen glücklichen Ausgang beschere, ihn und seine Familie zuhause beschütze und ihnen, wenn die Lage sich beruhigt habe, wieder denselben Umgang ermögliche, den sie früher miteinander gepflegt hätten. Vieles müssten sie gegen ihren Willen tun und erdulden. Dass dies wahr sei, habe auch Crato mehr als einmal erfahren.

Camerarius habe Franz Kram auf seiner Reise nach Dresden begleitet, um dort einige Aufgaben im Auftrag der Universität zu erledigen. Ihre Reise sei aber in eine ungünstige Zeit voller Trauer gefallen. Sie seien nämlich gerade an dem Tag in die Stadt gekommen, an dem die ehrbare Ehefrau von Ulrich von Mordeisen gestorben sei und man begonnen habe, die Ankunft des Kaisers Maximilian II. (HRR) zu erwarten. Daher sei diese Reise für Camerarius nicht sonderlich angenehm gewesen.

Er habe seinen Sohn Joachim in großer Sorge um die Zukunft in Leipzig zurückgelassen und auch ihn selbst würden vielfältige Sorgen plagen.

Es sei ein Büchlein herausgegeben worden, welches er diesem Brief beigefügt habe, ebenso wie einen Brief seines Sohnes Joachim an Crato (s. Anm.). Er habe das Päckchen aber in Dresden gelassen, damit es zu Johann Neefe dorthin (unklar: ad... Naevium istuc) geschickt werde. In welcher Furcht oder welchen anderen Wirrungen sich Camerarius befunden hätte, könne man aus seinen Versen ersehen.

Es werde berichtet, dass von neuem Truppen zusammengezogen würden und den Ihren die äußerste Gefahr drohe, sodass Camerarius fürchte, dass der Beginn dieses Unglücks, über das es alte und neue Vorhersagen gebe, unmittelbar bevorstehe. Man sehe es hier und dort und keiner glaube, dass er davon betroffen sei, als ob die Vernichtung und Zerstörung des Staates ihre Städte und Dörfer unversehrt ließe. Notwendigerweise empfinde Camerarius bei solchen Überlegungen großen Schmerz. Aber sie alle sollten weiterhin inbrünstig zum ewigen Gott beten, dass er sich ihrer erbarme. Mehr müsse seiner Meinung nach jetzt darüber nicht geschrieben werden. Herzliche und pflichtschuldige Grüße von Franz Kram, der gerade bei ihm gewesen sei. Lebewohl.

(Anne Kram)

Anmerkungen

  • "Cratos Brief": Es scheint sich um den erst zwei Tage zuvor, am 24. Dezember, verfassten Brief Cratos zu handeln (Erlangen, UB, Trew, Crato Nr. 212; s. http://www.aerztebriefe.de/id/00049498). In diesem berichtete Crato von seiner bevorstehenden Verpflichtung, am Ende des Januars zum Hof zurückzukehren, da dann die Bestattung König Ferdinands in Prag stattfinde. Eine Reise des jüngeren Joachim von Breslau nach Leipzig in nur zwei Tagen erscheint allerdings kaum denkbar.
  • "Brief von Crato an den Sohn": Nicht im Original erhalten: Erlangen, UB, Trew, Crato Nr. 644 vom 11.11.1564 traf am 1. Dezember bei Joachim d.J. ein, Nr. 645 stammt bereits vom Januar 1565. Es könnte sich auch um den bei Scholz 1598, Sp. 225-226 gedruckten Brief handeln (datiert „Dezember 1564“; vgl. http://www.aerztebriefe.de/id/00030037).
  • "einen Dienst erweise": Gemeint ist auch hier Cratos Teilnahme an der Bestattung König Ferdinands (vgl. erste Anm.).
  • "Brief seines Sohnes Joachim an Crato": Nicht erhalten.

Literatur und weiterführende Links