Camerarius an Crato, um den 15.09.1564: Unterschied zwischen den Versionen

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Eine ausführliche Erschließung des Briefwechsels zwischen Johannes Crato und Joachim Camerarius ist bereits vom Projekt "Frühneuzeitliche Ärztebriefe des deutschsprachigen Raums (1500-1700)" geplant. In die Datenbank "Opera Camerarii" wurden daher nur die Rohdaten aufgenommen (also keine Regesten und Semantisierungen). Genauere Informationen zu diesem Brief finden Sie unter folgendem Link: http://www.aerztebriefe.de/id/00004990
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=== Hinweise zur Datierung ===
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Als Terminus post quem ergibt sich für den Brief der Tod Ferdinands I. am 25.7.1564. Crato ist nach dem Tod des Kaisers vom Kaiserhof in seine Heimat Breslau zurückgekehrt und wird von Camerarius dazu im Brief beglückwünscht. Der Zeitraum lässt sich jedoch noch weiter eingrenzen, denn Crato schreibt Camerarius am 3.9.64 noch aus Wien (vgl. [[Erlangen, UB]], Trew, Crato von Krafftheim Nr. 206, s. http://www.aerztebriefe.de/id/00049492) und am 23.9.64 bereits aus Breslau (vgl. [[Erlangen, UB]], Trew, Crato von Krafftheim Nr. 207, s. http://www.aerztebriefe.de/id/00049493) und berichtet hier, dass er Franz Kram Einzelheiten über seinen Fortgang vom Hof erzählt habe. Berücksichtigt man, dass Crato Camerarius anscheinend schon von seiner wohlwollenden Wiederaufnahme in Breslau berichtet hat und dieser Brief von Breslau nach Leipzig überbracht wurde und Franz Kram danach noch von Camerarius aus Leipzig nach Breslau reisen musste, ist der Brief wohl um den 15.9.64 verfasst worden.
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Camerarius habe [[Erwähnte Person::Franz Kram]] bei seinem Aufbruch (nach [[Erwähnter Ort::Breslau]]) diesen Brief mitgegeben, obwohl er sehr gehofft habe, er selbst oder sein Sohn ([[Erwähnte Person::Ludwig Camerarius|Ludwig]]) könnten sich ihm anschließen. Aber sowohl seine Arbeit an der Universität als auch andere Verpflichtungen hätten diese so lange und nicht notwendige Reise nicht zugelassen. Ludwig habe aber die Transportmöglichkeit gefehlt und sie hätten niemanden damit belasten wollen. Deshalb komme nun an ihrer Stelle ihr Brief zu Crato.
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Camerarius habe in diesen Tagen zwei Briefe von Crato erhalten. In dem einen nehme Crato zwar nicht wütend, aber doch irgendwie verstimmt auf eine Kritik von Camerarius Bezug. Wenn er Crato getadelt habe, so habe er dies aus Sorge um sein Ansehen und aus Zuneigung getan und Crato wisse sicher, dass dies unter wahren Freunden nicht unüblich sei. Camerarius habe aber den Eindruck gehabt, dass Crato all seine Wunden, indem er sozusagen Hand an sie legte, nicht geheilt, sondern sogar noch verschlimmert habe. Und er habe es für seine Freundschaftspflicht gehalten, ihm darüber seine Meinung mitzuteilen.
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Was Crato über seine Gesundheit schreibe, habe Camerarius sehr beunruhigt. Crato solle sich also nicht nur mit der Heilkunst des Apollon-Sohns Asklepios, in der Crato sich auszeichne, pflegen, sondern auch mit der Dichtkunst des Musenführers Apollon, zu der jene andere großartige Kunst hinzugekommen sei. Zur Gemütsruhe trage auch ein harmonisches eheliches Miteinander entscheidend bei und die körperlichen Kräfte könnten so erhalten werden.
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Camerarius habe dies während eines ziemlich schweren Unwetters geschrieben, das deutlich durch die Konstellation und den Lauf der Gestirne angekündigt worden sei. Und es bestehe kein Zweifel, dass sich diese Konstellation gravierend auf Kranke auswirke.
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Camerarius beglückwünsche Crato und seine Heimat (Breslau) zur wiedergefundenen Gunst (s. Anm.) und wisse nicht, für welche Seite dies von größerem Nutzen sei. Wenn aber immer noch eine Schwierigkeit bestehe, so hoffe er, dass sie leicht gelöst werden könne oder zumindest nicht allzu lästig sei, vor allem wenn Crato die seiner Klugheit und seinem Anstand angemessene Gelassenheit und Selbstbeherrschung walten lasse.
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Über alle anderen privaten und öffentlichen Angelegenheiten bei Camerarius (in [[Erwähnter Ort::Leipzig]]) könne ihn der von ihm sehr geschätzte Franz Kram unterrichten. Camerarius habe dessen herausragende Anlagen und seine Wahrheitsliebe erkannt und von ihm die höchste Zuneigung und Freundlichkeit erfahren. Seine anderen hervorragenden lobenswerten Eigenschaften müsse er nicht schildern.
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Camerarius wisse, dass Crato sich sehr über das Zusammentreffen mit Franz Kram freuen werde, und er werde durch Franz Kram bei Crato sozusagen vertreten, denn ein Freund sei das andere Selbst (Aristot. Nic. Eth. 1170b).  
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Lebewohl. Grüße von Camerarius' Familie.
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(Anne Kram)
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=== Anmerkungen ===
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* "zur wiedergefundenen Gunst": Nach dem Tod [[Ferdinand I. (HRR)|Ferdinands I.]] 1564 ist Crato vom Kaiserhof in Wien wieder in seine Heimat Breslau zurückgekehrt. Mit der "wiedergefundenen Gunst" spielt Camerarius vielleicht auch darauf an, dass Crato wegen des Verdachts, er sei ein Calvinist, in Breslau Anfang der 1560er Jahre angefeindet wurde, und könnte damit ausdrücken, dass er nach seiner Rückkehr wohlwollender aufgenommen wurde.
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=== Literatur und weiterführende Links ===
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* http://www.aerztebriefe.de/id/00004990

Version vom 1. Juli 2020, 10:26 Uhr


Chronologisch vorhergehende Briefe
Chronologisch folgende Briefe
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 05.07.15645 Juli 1564 JL
Camerarius an Crato, 12.04.156412 April 1564 JL
Camerarius an Crato, 05.06.15635 Juni 1563 JL
 Briefdatum
Camerarius an Crato, 26.12.156426 Dezember 1564 JL
Camerarius an Crato, 01.02.15651 Februar 1565 JL
Camerarius an Crato, 27.03.156527 März 1565 JL
Werksigle OCEp 1173
Zitation Camerarius an Crato, um den 15.09.1564, bearbeitet von Manuel Huth, Ulrich Schlegelmilch und Anne Kram (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1173
Besitzende Institution Paris, BSG
Signatur, Blatt/Seite Ms 1456, Bl. 455v-456r
Ausreifungsgrad Abschrift
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 360-362
Zweitdruck in
Blatt/Seitenzahl im Zweitdruck
Sonstige Editionen
Wird erwähnt in
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Abschrift o.D.; "1564" nur im Druck
Unscharfes Datum Beginn 1564-09-06
Unscharfes Datum Ende 1564-09-20
Sprache Latein
Entstehungsort o.O.
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Proficiscenti istuc Cl. V. D. Francisco Crammae
Link zur Handschrift https://archive.org/details/MS1456
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Paratext zu
Kurzbeschreibung
Anlass
Register Briefe/Parallelüberlieferung; Briefe/Redaktionelle Überarbeitung
Handschrift gesehen
Bearbeitungsstand validiert
Notizen
Wiedervorlage ja
Bearbeiter Benutzer:MH; Benutzer:US; Benutzer:AK
Gegengelesen von
Datumsstempel 1.07.2020
Werksigle OCEp 1173
Zitation Camerarius an Crato, um den 15.09.1564, bearbeitet von Manuel Huth, Ulrich Schlegelmilch und Anne Kram (01.07.2020), in: Opera Camerarii Online, http://wiki.camerarius.de/OCEp_1173
Besitzende Institution Paris, BSG
Signatur, Blatt/Seite Ms 1456, Bl. 455v-456r
Ausreifungsgrad Abschrift
Erstdruck in Camerarius, Epistolae familiares, 1595
Blatt/Seitenzahl im Erstdruck S. 360-362
Fremdbrief? nein
Absender Joachim Camerarius I.
Empfänger Johannes Crato
Datum gesichert? nein
Bemerkungen zum Datum Abschrift o.D.; "1564" nur im Druck
Unscharfes Datum Beginn 1564-09-06
Unscharfes Datum Ende 1564-09-20
Sprache Latein
Entstehungsort o.O.
Zielort o.O.
Gedicht? nein
Incipit Proficiscenti istuc Cl. V. D. Francisco Crammae
Link zur Handschrift https://archive.org/details/MS1456
Regest vorhanden? ja
Paratext ? nein
Register Briefe/Parallelüberlieferung; Briefe/Redaktionelle Überarbeitung
Datumsstempel 1.07.2020


Hinweise zur Datierung

Als Terminus post quem ergibt sich für den Brief der Tod Ferdinands I. am 25.7.1564. Crato ist nach dem Tod des Kaisers vom Kaiserhof in seine Heimat Breslau zurückgekehrt und wird von Camerarius dazu im Brief beglückwünscht. Der Zeitraum lässt sich jedoch noch weiter eingrenzen, denn Crato schreibt Camerarius am 3.9.64 noch aus Wien (vgl. Erlangen, UB, Trew, Crato von Krafftheim Nr. 206, s. http://www.aerztebriefe.de/id/00049492) und am 23.9.64 bereits aus Breslau (vgl. Erlangen, UB, Trew, Crato von Krafftheim Nr. 207, s. http://www.aerztebriefe.de/id/00049493) und berichtet hier, dass er Franz Kram Einzelheiten über seinen Fortgang vom Hof erzählt habe. Berücksichtigt man, dass Crato Camerarius anscheinend schon von seiner wohlwollenden Wiederaufnahme in Breslau berichtet hat und dieser Brief von Breslau nach Leipzig überbracht wurde und Franz Kram danach noch von Camerarius aus Leipzig nach Breslau reisen musste, ist der Brief wohl um den 15.9.64 verfasst worden.

Regest

Camerarius habe Franz Kram bei seinem Aufbruch (nach Breslau) diesen Brief mitgegeben, obwohl er sehr gehofft habe, er selbst oder sein Sohn (Ludwig) könnten sich ihm anschließen. Aber sowohl seine Arbeit an der Universität als auch andere Verpflichtungen hätten diese so lange und nicht notwendige Reise nicht zugelassen. Ludwig habe aber die Transportmöglichkeit gefehlt und sie hätten niemanden damit belasten wollen. Deshalb komme nun an ihrer Stelle ihr Brief zu Crato.

Camerarius habe in diesen Tagen zwei Briefe von Crato erhalten. In dem einen nehme Crato zwar nicht wütend, aber doch irgendwie verstimmt auf eine Kritik von Camerarius Bezug. Wenn er Crato getadelt habe, so habe er dies aus Sorge um sein Ansehen und aus Zuneigung getan und Crato wisse sicher, dass dies unter wahren Freunden nicht unüblich sei. Camerarius habe aber den Eindruck gehabt, dass Crato all seine Wunden, indem er sozusagen Hand an sie legte, nicht geheilt, sondern sogar noch verschlimmert habe. Und er habe es für seine Freundschaftspflicht gehalten, ihm darüber seine Meinung mitzuteilen.

Was Crato über seine Gesundheit schreibe, habe Camerarius sehr beunruhigt. Crato solle sich also nicht nur mit der Heilkunst des Apollon-Sohns Asklepios, in der Crato sich auszeichne, pflegen, sondern auch mit der Dichtkunst des Musenführers Apollon, zu der jene andere großartige Kunst hinzugekommen sei. Zur Gemütsruhe trage auch ein harmonisches eheliches Miteinander entscheidend bei und die körperlichen Kräfte könnten so erhalten werden.

Camerarius habe dies während eines ziemlich schweren Unwetters geschrieben, das deutlich durch die Konstellation und den Lauf der Gestirne angekündigt worden sei. Und es bestehe kein Zweifel, dass sich diese Konstellation gravierend auf Kranke auswirke.

Camerarius beglückwünsche Crato und seine Heimat (Breslau) zur wiedergefundenen Gunst (s. Anm.) und wisse nicht, für welche Seite dies von größerem Nutzen sei. Wenn aber immer noch eine Schwierigkeit bestehe, so hoffe er, dass sie leicht gelöst werden könne oder zumindest nicht allzu lästig sei, vor allem wenn Crato die seiner Klugheit und seinem Anstand angemessene Gelassenheit und Selbstbeherrschung walten lasse.

Über alle anderen privaten und öffentlichen Angelegenheiten bei Camerarius (in Leipzig) könne ihn der von ihm sehr geschätzte Franz Kram unterrichten. Camerarius habe dessen herausragende Anlagen und seine Wahrheitsliebe erkannt und von ihm die höchste Zuneigung und Freundlichkeit erfahren. Seine anderen hervorragenden lobenswerten Eigenschaften müsse er nicht schildern. Camerarius wisse, dass Crato sich sehr über das Zusammentreffen mit Franz Kram freuen werde, und er werde durch Franz Kram bei Crato sozusagen vertreten, denn ein Freund sei das andere Selbst (Aristot. Nic. Eth. 1170b).

Lebewohl. Grüße von Camerarius' Familie.

(Anne Kram)

Anmerkungen

  • "zur wiedergefundenen Gunst": Nach dem Tod Ferdinands I. 1564 ist Crato vom Kaiserhof in Wien wieder in seine Heimat Breslau zurückgekehrt. Mit der "wiedergefundenen Gunst" spielt Camerarius vielleicht auch darauf an, dass Crato wegen des Verdachts, er sei ein Calvinist, in Breslau Anfang der 1560er Jahre angefeindet wurde, und könnte damit ausdrücken, dass er nach seiner Rückkehr wohlwollender aufgenommen wurde.

Literatur und weiterführende Links