Projektbeschreibung

Aus Kallimachos
Wechseln zu:Navigation, Suche
[bearbeiten]

 Bilder und Texte auf dem Weg ins digitale Zeitalter

Projektbeschreibung

KALLIMACHOS führt Geisteswissenschaftler, Informatiker und Bibliothekare in einem regionalen Digital-Humanities-Zentrum zusammen. Die an der Universität Würzburg vorhandenen Kooperationen und Kompetenzen werden durch Partner am DFKI Kaiserslautern (OCR) und an der Universität Erlangen-Nürnberg (Linguistische Informatik) ergänzt. Der Aufbau des Zentrums wird bis zum 3. Quartal 2017 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Fördermaßname e-Humanities bezuschusst.

Unser Aufgabenschwerpunkt liegt auf der Erarbeitung digitaler Editionen und quantitativer Analyseverfahren aus dem Bereich des Text Mining, z.B. Stilometrie, Topic Modeling und Named Entity Recognition. Wir bieten unseren Projektpartnern die nötige technische und soziale Infrastruktur, die Geisteswissenschaftler bei der Beantwortung von Forschungsfragen auf der Basis digitaler Methoden unterstützt.

Auf der technischen Seite gehören dazu die Entwicklung und Bereitstellung der benötigten Software-Komponenten und das Erarbeiten prototypischer Arbeitsabläufe, die in bereits vorhandene Infrastrukturen integriert werden. Dabei ist uns gerade auch die langfristige Verfügbarkeit, Pflege und Archivierung der Projekte, Portale und Forschungsdaten ein wichtiges Anliegen. Insofern baut KALLIMACHOS eine intergrierte Struktur für Forschungsdatenmanagement in den Geisteswissenschaften auf.

Außerdem fördern wir durch regelmäßige Workshops und Tagungen den Austausch zwischen den regionalen und überregionalen Digital-Humanities-Projekten. Durch Beratungen und Schulungen führen wir Fachleuten, aber auch weniger technikaffinen Wissenschaftlern und dem akademischen Nachwuchs die Möglichkeiten digitaler Methoden zur Bearbeitung von Forschungsfragen vor Augen und bieten methodische, technische und organisatorische Unterstützung.

Prototypische Arbeitsabläufe zu Edition und Datenanalyse

Ausgehend von unseren Teilprojekten als Use Cases werden prototypische Abläufe zur Datenerfassung und -analyse für die Geisteswissenschaften etabliert und für das Zielpublikum verständlich dokumentiert. Im Rahmen der Entwicklung des Workflowmanagementsystems Wüsyphus II können etablierte Tools zu Arbeitsketten zusammengefügt werden. Diese sollen durch interne und öffentliche Schulungen auch einer größeren Öffentlichkeit im Bereich der Digital Humanities bekannt gemacht werden. Die ermittelten Best-Practice-Implementierungen werden in die Workflows integriert, am Beispiel der Use Cases empirisch validiert und der Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt. So wird das „Nachbauen“ mit eigenen Daten im Rahmen weiterer Projekte vereinfacht.

Nicht jedes Teilprojekt durchläuft alle Punkte der Wüsyphus-II-Workflowkette. So kann es etwa vorkommen, dass für ein Projekt bereits die nötigen Digitalisate vorliegen, womit das Einscannen der physischen Originale nicht nötig ist. Die Planung eines individuellen Projektworkflows ist aber für alle Teilprojekte obligatorisch. Die folgende Grafik zeigt, welche Arbeitsschritte der Workflowkette für unsere Use Cases von Bedeutung sind:

alt=Darstellung der Teilhabe der Usa Cases Narragonien digital, Anagnosis, Schulwandbilder digital,  Narrative Techniken und Untergattungen, Leserlenkung in Bezug auf Figuren und Identifizierung Anonymer Übersetzer an der Workflowkette.  Ein Projektworkflow wird für alle Teilprojekte konzipiert. Beim Schulwandbilder-Projekt müssen die nötigen Scans zunächst angefertigt und über den Metadateneditor erfasst und verwaltet werden. Für die Projekte Narragonien digital, Anagnosis und für die Schulwandbilder sind OCR-Komponenten vorgesehen, für Anagnosis und Narragonien werden außerdem synoptische Editoren zur Verfügung gestellt. An den folgenden Modulen Export und Portaldarstellung, Semantic Media Wiki/Textanalyse sowie der abschließenden Versionierung partizipieren alle Use-Cases in unterschiedlichem Maße.

Einscannen der Originale

Das in der Zentralbibliothek der Universität eingerichtete Digitalisierungszentrum stellt die nötige Technik und das Fachpersonal für die Neu- und Ersterstellung von hochwertigen Digitalisaten zur Verfügung. Auch für schwierige Fälle stehen innovative Lösungen parat: So sind mit einer eigens angefertigten Buchwippe auch konservatorisch sichere Scanarbeiten an Büchern mit einem Öffnungswinkel nur 60° möglich und für die Digitalisierung großformatiger Poster steht eine spezielle Unterdruck-Saugwand zur Verfügung.

Metadateneditor

 Benutzeroberfläche des Metadateneditors
Benutzeroberfläche des Metadateneditors

Der bereits existierende Metadateneneditor des Digitalisierungszentrums ermöglicht die zentrale Pflege umfassender vordefinierter Metadatensätze für Handschriften, Inkunabeln, Drucke und Grafiken. Verbesserungen der Web-Performance und der Benutzerführung sind für kommende Erweiterungen des Metadateneditors in WüSyphusII geplant. Auch die Aufnahme weiterer Datentypen, z.B. für Artefakte und andere Realia, ist vorgesehen.

OCR-Modul

Collage verschiedener Typentabellen
Erstellung von Typentabellen, hier am Beispiel des Teilprojekts Narragonien.

Das OCR-Modul stellt eine automatisierte Vorverarbeitung für die Volltexterstellung zur Verfügung. Auf der Grundlage der Arbeiten und Softwarebausteine des DFKI wird der im Projekt verfolgte Ansatz aus folgenden Schritten bestehen:

  • Integration der bisherigen OCR-Komponenten auf Softwarebene,
  • Training von neuen Zeichensätzen für historische Druck- und Handschriften,
  • Entwicklung von „Wörterbüchern“ für historische Orthographien,
  • Weiterentwicklung der nichtparametrischen Methoden für die Bildvorverarbeitung, Layoutanalyse und Sprachmodellierung.


Synoptischer Editor

Ansicht des Transkriptionseditors. Links ist der Originalscan, rechts der bearbeitete Transkriptionstext. In einem aufgerufenen Fenster können verschiedene historische Glyphen ausgewählt werden, die auf einer heutigen Computertastatur nicht zu finden sind
Beispiel: Der für das Teilprojekt Narragonien entwickelte synoptische Editor zur vereinfachten Korrektur von OCR-Transkriptionen.

Das Modul bietet ein Framework für Online-Editoren, in denen Texte und Bilder nebeneinander angezeigt, annotiert und über Bild-Text-Links verknüpft werden können. Die Editoren können dabei auf die Anforderungen der jeweiligen Projekte zugeschnitten werden. So wird ein intuitives Web-Editionswerkzeug geschaffen, das auch ohne tiefgreifende Kenntnisse von Textkodierung und XML-Formaten eine manuelle Nachkorrektur von OCR-Resultaten ermöglicht. Damit wird, in Verbindung mit der Benutzerrechteverwaltung und der Redaktionsinfrastruktur des WÜsyphus II-Workflowsystems, die Einbeziehung von Hilfskräften, Seminarteilnehmern und sogar interessierten "Laien" in Editionsprojekte möglich gemacht.

Datenexport und Web-Portale

Die annotierten Texte, Bilder und weitere Datentypen werden je nach Projektanforderung in eine Vielzahl gängiger Export- und Austauschformate überführbar sein. So wird z.B. über TEI-konforme XML-Kodierungen auch der Datenaustausch mit dem TextGrid-Repository ermöglicht. Neben den Exportformaten werden für die Projektportale auch individuelle Anzeigelösungen angeboten: Insbesondere das vorgestellte Framework für synoptische Editoren kann auch zur Erstellung eines synoptischen Viewers für die Web-Präsentation der Teilprojekte genutzt werden. So können etwa die zugrundeliegenden Scans eines Texts, der OCR-Text oder Transkriptionen, Übersetzungen, Annotationen und Metadaten parallel angezeigt oder ausgeblendet werden.

Semantic MediaWiki

Logo von Semantic MediaWiki

Auf der Basis von Semantic MediaWiki, einer Open-Source-Erweiterung des von Portalen wie Wikipedia bekannten Wiki-Systems, wird eine einfach benutzbare und schnell anpassbare Web-3.0-Komponente zur Bearbeitung, Strukturierung und Präsentation der erfassten Daten zur Verfügung gestellt. Dank Benutzerrechteverwaltung und der automatischen Versionierung von Änderungen ist SMW insbesondere auch für die Implementierung von Crowdsourcing-Verfahren geeignet. Für die Übernahme der Daten aus der Wiki-Umgebung nach WüySyphus II werden Schnittstellen und Importroutinen entwickelt. Für weniger komplexe Projekte kann SMW auch direkt als Anzeigeportal weiterverwendet werden. Die bereits mitgelieferten Such- und Abfragemöglichkeiten des Systems eignen sich insbesondere auch für die Umsetzung von Datenbankprojekten.

Textanalyse-Schnittstelle

Dieses Modul unterstützt, aufbauend auf den Textanalyse-Use-Cases:

  • die Zusammenstellung eines Korpus zu analysierender Texte aus dem TextGrid-Repository bzw. WÜsyphus u.a. anhand ihrer Metadaten,
  • die Aufbereitung der gewählten Texte mit ihren Metadaten für ihre Analyse mit UIMA,
  • die Durchführung der Analyse und schließlich
  • eine Einbindung der Analyseergebnisse in TextGrid, etwa durch die Rückübertragung von Annotationen durch UIMA nach TEI.

Diese Teilschritte können, ggf. in angepasster Form, auch allgemeiner von anderen Projekten nachgenutzt werden. So sollen langfristig auch Neulinge und "Laien" im Bereich Datenanalyse von den Vorteilen der automatischen Analyseverfahren profitieren, etwa wenn es um die Erkennung grammatischer Fälle oder von Eigennamen in einem Text geht. Als Austauschformat zwischen den Textanalyse-Modulen und WüSyphus II ist das CoNLL-Format vorgesehen.

Versionierung und Archivierung

Ein entscheidendes und oft vernachlässigtes Kriterium für den Erfolg digitaler Projekte nicht nur in den Geisteswissenschaften ist die abschließende Sicherstellung einer langfristigen Nachvollziehbarkeit und Nachnutzbarkeit der zugrundeliegenden Datenpakete. Für "lebendige", d.h. für beständig weitergepflegte und erweiterte Datensammlungen und Teilkorpora ist vor allem die Gewährleistung der Datensicherheit von entscheidender Wichtigkeit. Zur Versionsverwaltung sind neben den vorgestellten Wiki-Lösungen auch Git-basierte Systeme vorgesehen. Parallel zur stabilen Verfügbarmachung und Versionierung der Daten werden Methoden zu ihrer Langzeitarchivierung implementiert.

Koordination

Forschungsstelle für philologische Digitalisierung der Universität Würzburg

Am Hubland

D-97074 Würzburg

Telefon: 0931/31-80534

E-mail



Partner an der JMU Würzburg

Textmining-Kompetenzen

Am Hubland, Bau 8

D-97074 Würzburg

Tel.: 0931-31 88421

E-Mail







Projektgruppe Narragonien digital


Projektgruppe Anagnosis

Lehrstuhl I (Gräzistik)

Residenzplatz, 2 (Südflügel)

D-97070 Würzburg



Projektgruppe Schulwandbilder digital

Forschungsstelle Historische Bildmedien

Campus Hubland Nord

Oswald-Külpe-Weg 86

D-97074 Würzburg

Tel.: 0931 31 89672

E-mail



Projektgruppe Identifikation von Übersetzern


  • Jonathan Maier


Projektgruppe Romangattungen

Am Hubland, Bau 8

D-97074 Würzburg

Tel.: 0931-31 88421

E-Mail





Projektgruppe Romanfiguren



Am Hubland, Bau 8

D-97074 Würzburg

Tel.: 0931-31 88421

E-Mail



Externe Partner

Bismarckstr. 6

91054 Erlangen

Tel.: +49 09131 85-29251

E-mail



Forschungsgruppe Wissensmanagement

Trippstadter Straße 122

67663 Kaiserslautern

Tel.: 0631 20575-1000

E-Mail



FAQ

Ich habe ein geisteswissenschaftliches Projekt, für das ich gerne mit KALLIMACHOS zusammenarbeiten würde. Wen soll ich kontaktieren und wann können wir anfangen?

  • Zur Zeit befindet sich KALLIMACHOS noch in der Aufbauphase, d.h. dass wir in Zusammenarbeit mit den derzeitigen Teilprojekten ein Workflowsysten aufbauen, das für eine große Bandbreite geisteswissenschaftlicher Projekte nachgenutzt werden kann. Ende 2017 wird diese Phase abeschlossen sein und das System für weitere Projekte zur Verfügung stehen. Gerne können Sie aber auch schon vorher mit uns Kontakt aufnehmen und ihre Pläne mit uns besprechen. Anfragen richten Sie am besten direkt an den Projektleiter Dr. Hans-Günter Schmidt oder an kallimachos@bibliothek.uni-wuerzburg.de


Brauchen wir eigene Digital Humanities-Kompetenzen, um ein Projekt bei KALLIMACHOS zu starten?

  • Der Grundgedanke von KALLIMACHOS ist, eine digitale Infrastruktur gerade für weniger computeraffine Lehrstühle und Forschungsgruppen zur Verfügung zu stellen. Die benutzerangepassten Tools des Workflowsystems sollen den Geisteswissenschaftlern ermöglichen, sich ganz auf den Forschungsprozess zu konzentrieren – auch ohne sich vertieft in die Spezifika von XML-Kodierung, Datenbankarchitektur, OCR-Verfahren usw. einzuarbeiten.


Eigentlich müssen wir für unser Projekt gar nichts mehr digitalisieren, sondern können direkt mit vorliegenden Daten weiterarbeiten. Ist das noch ein Fall für KALLIMACHOS?

  • Ihr Projekt muss nicht die gesamte Workflowkette von Anfang an durchlaufen, sondern kann an einer beliebigen Stelle einsetzen. Wenn bereits Bilder, digitale Texte oder sogar ganze Editionen vorliegen, sollten die Folgeschritte der Workflowkette auch auf diese Daten anwendbar sein.


Eigentlich brauchen wir nur Digitalisate und e-Texte, die weiteren Schritte der Workflowkette sind für unser Projekt nicht relevant. Ist das noch ein Fall für KALLIMACHOS?

  • Ihr Projekt muss die Workflowkette nicht bis zum Ende durchlaufen. Auch reine Digitalisierungs- und OCR-Projekte ohne die weitere Analyse und Präsentation der Daten sind möglich.


Eigentlich ist unser Projekt schon abgeschlossen, aber wir suchen eine dauerhafte Lösung für die Web-Präsentation und die Archivierung. Ist das noch ein Fall für KALLIMACHOS?

  • Auch solche Fälle sind in der KALLIMACHOS-Workflowkette explizit vorgesehen: Unsere Portallösungen (Semantic MediaWiki und der GlassFish-Application-Server) und der Baustein Archivierung werden auch für bereits abgeschlossene oder nur noch unregelmäßig weitergepflegte Projekte nutzbar sein. So kann dem Problem der oft begrenzten "Halbwertszeit" kleinerer Digitalisierungs- und Datenbankprojekte entgegengewirkt werden.


Was ist mit den weiteren Dienstleistungen des Digitalisierungszentrums?

  • Weitere Dienstleistungen des Digitalisierungszentrums wie z.B. die Erstellung der elektronischen Semesterapparate (ESA) oder Repro-Dienste sind nicht Teil des Infrastrukturprojektes KALLIMACHOS. Diese Angebote und die dazugehörigen Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme finden sie hier.


Wo finde ich das Digitalisierungszentrum?

  • Seit dem Sommersemester 2015 befindet sich das Digitalisierungszentrum im 3. Stock der Zentralbibliothek auf der von Treppe bzw. Aufzug aus gesehen rechten Seite (ehem. Räumlichkeiten des Instituts für Hochschulkunde). Gegenüber liegt der Lesesaal Sondersammlungen, dort befindet sich das Büro des Projektleiters (Raum 305) und der für größere Runden genutzte Besprechungsraum 303. Bitte beachten Sie, dass keine Taschen und Mäntel in die Lesesäle der ZB mitgenommen werden dürfen. Schließfächer finden sie rechts vom Haupteingang.