Das Beiwort *4

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Buch Engel (1922): Gutes Deutsch. Ein Führer durch Falsch und Richtig.
Seitenzahlen 133 - 133
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Nominalstil oder Verbalstil

Genannte Bezugsinstanzen: Schriftsprache
Text

Anders steht es mit einer sehr gefährlichen beiwörtlichen Anwendung der zweiten Mittelwortform. ,Lessing versuchte sich in den von Adolf Stahr beliebten Rettungen.' Hier tritt durch das mittelwörtliche Beiwort eine zeitliche Vorwegnahme ein, die oft zu höchst lächerlichen Wirkungen führen kann: ,Er wollte noch einmal den keinen Erfolg versprechenden, gänzlich verunglückten Versuch machen, seine Freunde umzustimmen.' Die tiefere Ursache solches unfreiwilligen Widersinns ist der deutsche Hang zur Satzstopferei: anstatt die Zeitfolge durch die Ordnung Hauptsatz — Nebensatz oder zweiter Hauptsatz auszudrücken, wird das Ergebnis vorwegnehmend schon in den Versuch hineingestopft. ,Kleist arbeitete damals noch an seinem von Tieck herausgegebenen Prinzen von Homburg.' Zur Zeit der Arbeit Kleists war der Prinz von Homburg noch nicht herausgegeben; aber die Schreiber solcher Sätze — es sind sehr gelehrte darunter — können ihr reiches Wissen nicht zurückhalten und es wohlgeordnet nach der Zeit- und Vernunftfolge von sich geben, sondern übersprudeln sich und uns auf einmal. Dieser Unsinn kommt auch bei gewöhnlichen Beiwörtern vor, die dem Sinne nach eine Zeitfolge besagen: erfolglos, ergebnislos, erfolgreich, vergeblich. — Weitere Beispiele stehen auf S. 228.


Zweifelsfall

Nominalstil oder Verbalstil

Beispiel
Bezugsinstanz Schriftsprache
Bewertung

anstatt, gefährlich, lächerlich, Unsinn, Widersinn

Intertextueller Bezug