Wortschatz und Wortform *11

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Buch Engel (1922): Gutes Deutsch. Ein Führer durch Falsch und Richtig.
Seitenzahlen 77 - 78
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Unsicherheit
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Was ist richtiger, Hülfe oder Hilfe? Im Mittelhochdeutschen gab es nur Hilfe, im Oberdeutschen stets nur Hilfe; im Mittel- und Niederdeutschen hieß und heißt es Hülfe, so auch bei Luther. Der beste Schrift- und Sprachgebrauch hat sich für Hilfe entschieden (Vaterländischer Hilfsdienst), und dem sollen und wollen wir uns fügen.

Gescheit oder gescheut? Mit Ausnahme ganz vereinzelter Fälle bei Lessing und Schiller nur gescheit (von scheiden, sondern, urteilen). Das Wort hat mit scheuen nichts zu tun, und der gute Sprachgebrauch hat sich gescheiterweise durchweg für gescheit entschieden.

Liederlich oder lüderlich? Der Ursprung steht nicht fest, die Ableitung von Luder ist falsch; der gute Sprachgebrauch bevorzugt liederlich.

Die fast unsprechbare Jetztzeit, einst ein sehr beliebtes Schlag- und Modewort, stirbt glücklich aus und sollte von keinem guten Schreiber mehr in die Feder genommen werden. Sie wird auf Jean Paul zurückgeführt und hat schon den Zorn Schopenhauers erregt.

Einzelheit oder Einzelnheit? Kaum mehr streitig, denn das n gehört nicht zum Stamm, — also nur Einzelheit.

In manchen Nachschlagebüchern, z. B. im Duden, werden andere, anderen, unsere, unseres, unseren als die eigentlich richtigen, die gekürzten Formen: andre, andern, unsre, unsers, unsern nur als geduldet aufgeführt. Sprache kommt vom Sprechen: man spricht nicht, oder fast nie, andere usw., also schreibt auch jeder, der die gekürzten Sprechformen schreibt, richtig. Wer durchaus nicht so schreibe zu dürfen wähnt, $Seite 78$ Wie er selber spricht, dem ist nicht zu raten. Ebenso spricht niemand bayerisches Bier, bayerische Truppen, Bayerischer Platz; folglich sind die kurzen Formen nicht nur richtiger, sondern die allein richtigen.

Die Ableitungen von Länder- und Städtenamen richten sich nach dem heimischen Sprachgebrauch: die Einwohner von Bremen heißen weder Bremener noch Bremenser, sondern Bremer, die von Emden Emder, von Eisleben Eisleber, von Baden Badener, von Meiningen Meininger, nicht etwa Meiningener.

Diesseit, jenseit oder diesseits, jenseits? Für das Umstandswort (,Diesseits herrscht Ruhe' ) nur mit s; für das Vorwort (,diesseit des Rheins' ) genügt die Form ohne s.