Überflüssige Neubildungen

Aus Zweidat
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hinweis: Dieses Kapitel ist derzeit noch in Bearbeitung. Die angezeigten Informationen könnten daher fehlerhaft oder unvollständig sein.

Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 25 - 25
Externer Link zum Kapiteltext

Nur für eingeloggte User:

Unsicherheit
Text

Das Münzrecht, vollends ein wertvolles, weitreichendes steht nur den Königen und Völkern zu, und auch Worte zu prägen ist nicht jeder Schreiber noch Schriftsteller berufen und berechtigt, sondern allein der allgemeine Sprachgeist, dessen sprachgewandte gute Beobachter und die, durch welche er vor allem lebendig wird und bleibt, die wenigen wirklich schöpferischen Denker, Dichter und Könner. So wagte Musäus: sie waghalsten, oder J. H. Voß: sie wettforschten, und ein Könner (DAZ 28) Flugzeuge, die wendiger sind als alle bisherigen. Das von diesen geprägte Edelmetall wird man denn am sichersten von minderwertigem Zusatze reinhalten, wenn man nie eine Neubildung wagt oder von anderen gleichwenig Münzberechtigten entlehnt, solange im nämlichen Werte und Sinne die guten alten oder gar einfachere Formen noch kenntlich und in Umlauf sind. Inhaftnahme ist z. B. schlecht und überflüssig neben Verhaftung, ähnlich Vorzeuge kommender Furcht und Voranzeige, sachentsprechend neben sachgemäß, Verwohlfeilerung neben Verbilligung, Knechtschaffenheit (T. R.) statt Knechtsinn, Übereinkommenheiten (T. R.) statt Überlieferungen oder in einvierteljährigen Fristen neben vierteljährigen, Überbevölkerung (KW 26) statt Übervölkerung. Es ist nicht Zufall, daß die Wendungen: die Arbeiten erfordern eine bedeutende Zeitlänge (statt [eine] lange Zeit) und die Obsorge über etwas liegt mir an (statt die Sorge liegt ob) von demselben Falschmünzer herrühren, geradeso wie abgefällte Bäume, einen Baum bestehen lassen, ersorgend, Herstammung des Namens wieder alle von einem andern (Jensen). Auch landhinein ist keine Verbesserung statt landeinwärts, gleichbürtige Freundin statt ebenbürtige (M. Fischer 1916), noch das jetzt schon weitverbreitete Gepflogenheit statt Gewohnheit, Sitte, Brauch; noch verkehrter freilich ist in der Betroffenheit des Geschicks statt so vom Geschick betroffen und recht breit der längst vergessenen Welt der Wohlgehabentlichkeit bei R. H. Bartsch. Überhaupt setze man keine schwerfällige Bildung auf -heit neben vorhandene auf -e, wie Großheit, Dürrheit, umgekehrt eher die knappen Formen auf -e neben den eingebürgerten auf -heit, wie Trockene der Felder oder die Flaue der Börse. Vgl. § 9, 1.


Zweifelsfall

Zweifelsfall Importplatzhalter

Beispiel

waghalsten, wettforschten, bisherigen, Inhaftnahme, Verhaftung, Vorzeuge, Voranzeige, sachentsprechend, sachgemäß, Verwohlfeilerung, Verbilligung, Knechtschaffenheit, Knechtsinn, Übereinkommenheiten, Überlieferungen, einvierteljährigen, vierteljährigen, Überbevölkerung, Übervölkerung, Zeitlänge, lange Zeit, die Sorge liegt mir ob, Obsorge, abgefällte, bestehen, ersorgend, Herstammung, landhinein, landeinwärts, gleichbürtige, ebenbürtige, Gepflogenheit, Gewohnheit, Sitte, Brauch, Betroffenheit, vom Geschick betroffen, Wohlgehabentlichkeit, Großheit, Dürrheit, Trockene, Flaue

Bezugsinstanz 20. Jahrhundert, Zeitungssprache, Voß - Johann Heinrich, Jensen - Wilhelm, gegenwärtig, Schreiber guten Stils, Zeitungssprache, Fischer - Max, Musäus - Johann Karl August, Bartsch - Rudolf Hans, Schreiber guten Stils, Sprachgelehrsamkeit, Zeitungssprache
Bewertung

Edelmetall, eher, Frequenz/weit verbreitete, keine Verbesserung, knappen, minderwertigem, noch verkehrter, recht breit, schlecht, schwerfällige Bildung, Überflüssige

Intertextueller Bezug