(Annehmen), daß oder als ob, als wenn?

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 279 - 280
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Unsicherheit
Text

Vorsicht in Ablehnung und Anwendung erfordert das jetzt statt daß oft auftretende als ob oder als wenn, dem die Sprachrichter entweder zu große Abneigung oder Nichtachtung, die Männer der Zeitungen eine unberechtigte Vorliebe entgegenbringen. Es ist am Platze, wo es dem Darsteller darauf ankommt, die Aussage des Nebensatzes als nicht zutreffend hinzustellen, und wo dies im regierenden Haupt- oder Zeitworte nicht deutlich genug ausgedrückt erscheint. Mit Recht hat also Gellert lieber gesagt: Sie wird denken, als ob sie ihnen deswegen erst gewogen würde, als: daß sie ...gewogen wird, da in dieser Form jede Andeutung von dem Irrtümlichen dieses Gedankens fehlen würde. Desgleichen sagt Goethe trefflichst: Wir gefallen uns im Mittelmäßigen, weil es uns in Ruhe läßt; es gibt uns das behagliche Gefühl, als wenn man mit seinesgleichen umginge. Auch gegen den in mehreren Zeitungen gleichlautend abgedruckten Satz läßt sich demnach nichts einwenden: Ganz so steht es mit der Behauptung, die ... selbst in Deutschland hier und da gemacht wird, als ob die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland gelockert seien. Sodann ist als ob noch am Platze, wenn der Inhalt eines Satzes weniger den Wortlaut einer Aussage und eines Ge $Seite 280$ dankens, als vielmehr nur allgemeiner die Richtung angibt, in der sie sich bewegt hat, wie wenn Goethe sagt: Die Mutter ließ mir vorspiegeln, als wenn sie nach Civita Vecchia den Weg genommen hätte, oder, was an der Sache nichts ändert, mit der Stellung des Fragesatzes Eltze: England überhäuft die Regierung der Vereinigten Staaten mit Tadeln und Vorwürfen, als ließe sie sich beständig von den Sklavenhaltern beeinflussen. Sonst wird als ob, als wenn heute mit Vorliebe noch hinter Hauptwörtern wie Annahme, Meinung, Verdacht, Schluß u. ä. gesetzt, meist aus Sucht nach Neuerem und Ungewöhnlichem, also mindestens in dieser Häufigkeit nicht nachahmenswert. In Zeitungen heißt es z. B. der Verdacht, als ob ich Dürer nicht genug schätzte, und: Wir warnen vor der gutmütigen Annahme, als ob Tisza gehen würde. Unbedingt falsch ist es, wo eine bestimmte Vermutung und eine wahrscheinliche Annahme ausgesprochen wird; nie gehört auch der Indikativ dazu, wie sich ihn die Deutsche Ztg. erlaubt: Es scheint also, als ob die panslavistische Aktionspartei nicht gesonnen ist (statt sei), die Campagne als beendigt zu betrachten, oder Avonianus: Es scheint, als ob man nun auch in Deutschland von der bloßen Anhäufung toten Wissens zur Bildung und Übung des Urteils, zur künstlerischen Anordnung schreiten will; und mit sinnverwandtem Ausdruck Hergesell (Mit Zeppelin nach Spitzbergen): Das Ganze macht den Eindruck, als wenn diese Arbeitsstätte (Wellmanns) erst vor ganz kurzer Zeit verlassen worden ist. Freilich schrieb schon E. T. A. Hoffmann: So schien es, als wenn sie nicht ihren gemütlichen Ton finden konnten, und: Es war, als schien sie Vergebung zu erflehen, und neuerdings P. Ernst: Es erscheint uns heute so, als ob mit einem Male das ganze Mittelalter vergessen ist.


Zweifelsfall

Subjunktion: Auswahl

Beispiel
Bezugsinstanz Zeitungssprache, Eltze - A. (?), Gellert - Christian Fürchtegott, Goethe - Johann Wolfgang, gegenwärtig, Sprachgelehrsamkeit, Neu
Bewertung

am Platze, Frequenz/in dieser Häufigkeit, Frequenz/oft auftretende, läßt sich demnach nichts einwenden, meist aus Sucht nach Neuerem und Ungewöhnlichem, Mit Recht lieber, mit Vorliebe, nicht nachahmenswert, nie, trefflichst, Unbedingt falsch, unberechtigte Vorliebe, Vorsicht in Ablehnung und Anwendung erfordert

Intertextueller Bezug


Zweifelsfall

Konjunktiv oder Indikativ

Beispiel
Bezugsinstanz Zeitungssprache, Hergesell - Hugo, Hoffmann - Ernst Theodor Amadeus, Ernst - Paul, Avonianus, Neu, Gegenwärtig
Bewertung
Intertextueller Bezug