Allgemeiner Gesichtspunkt für die Wahl der Präpositionen

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 156 - 157
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Unsicherheit
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Die Wahl falscher Verhältniswörter beruht außer auf Mangel an Anschauung auch darauf, daß man das freilich aus noch klarerer Anschauung herausgewachsene Stilgesetz vielfach nicht kennt, wonach immer das Verhältniswort zu wählen ist, das der im regierenden Worte angedeuteten Bewegung, diese im eigentlichen räumlichen wie im übertragenen Sinne genommen, entspricht und das dann häufig das nämliche ist wie das, womit das regierende Wort zusammengesetzt ist. Also Ausdrücke der Scheidung, Trennung, Sonderung und Verschiedenheit fordern von; aber in dem Satze des Turnerschafts-V.-C. half auch von nicht, sondern nur etwa: unsere Ansichten wichen verschiedentlich von denen anderer Verbände ab, statt des Widerspruchsvollen ... gingen mit ihnen auseinander. Man hat eine Neigung gegen, auch zu jemand, nur zu etwas, wie auch Hinneigung nur zu bei sich hat, weil da das Hin- den Begriff der eigentlichen (Herab-) Neigung überwiegt. Zu Vorzug gehört vor, nicht gegen, wie O. Ehlers schreibt: Moussourie ist eine Sommerfrische, welcher gegen Simla der Vorzug ge- $Seite 157$ geben wird; und zu Vergleich mit oder zu: im V. mit (zu) meiner jetzigen Lebensart, im V. (nicht: meines begeisterten Freundes, sondern): mit meinem b. Freunde. Der Verfasser des „Höllenbreughels“ durfte nicht schreiben: Ununterrichtetheit (!) für die Genesis der Kunst; denn zu unterrichten gehört von (in, über). In der Tägl. Rundschau steht des Liedes Macht auf vaterländischen Sinn, nicht gerechtfertigt trotz Schiller, der geschrieben hat: Die Seele hat Macht auf die Stärke der Beweggründe; entweder muß neben Macht, wenn es wie hier ein ruhendes Übergewicht ausdrückt, über treten, oder, wenn dem Sinne entsprechender auf gewahrt bleiben soll, Macht durch Einfluß ersetzt werden, ähnlich mußte es bei Fendrich heißen: Entweder ist es Furcht vor den Menschen oder Gewöhnung (nicht: Gewohnheit) an die Behaglichkeit des Himmels. Verwunderlicher ist die falsche Präposition natürlich neben einem sinnlich faßlicheren Begriffe wie Einverleibung, und doch schreibt die Tgl. R. auch: die Einverleibung mit (statt in) Italien. Auch bei aufpassen, aufmerken ist jetzt der Dativ, den noch Goethe hat (Ich merkte meinen inneren Geistesoperationen auf), der Wiederholung des auf gewichen, ebenso wie sich einem anschmiegen seltener geworden ist als an einen; auch Annäherung an jemand heißt es jetzt//1 Ebenso sagt z. B. Goethe noch Anhänger ans Deutsche, wofür wir sagen: Anhänger des Deutschen.//, nicht mehr, wie z. B. bei Fichte: zu jemand; desgleichen hat man nicht, wie ein Rechtsanwalt sagt: (An-)Forderungen gegen, sondern an den Nachlaß. Endlich wird auf Schnepfen aufgestellt und geschworen auf jemand und auf etwas, dies letzte zugleich in Angleichung an bauen auf, wie als Folge älterer sinnlicherer Auffassung in Erinnerung daran, daß die Finger beim Schwur auf ein Symbol aufgelegt wurden.

Jedenfalls ist schwören in mehr lateinisch als deutsch, gerade wie aus im Teilungsverhältnisse//1 s.o.//, das sich nicht nur in Übersetzungen also findet: Die Wetterglocke ist meist die älteste aus allen (v. Hörmann). Französisches Sprachgut ist in unmittelbar vor Jahreszahlen, besonders im kaufmännischen Geschäftsstile. Schon 1854 schrieb in diesem die Weserzeitung: Die russisch-holländische Anleihe begann in 1816 (statt begann 1816 oder im Jahre [i. J.] 1816), die griechische Anleihe wurde noch in 1853 ausgezahlt. Auf falsch verstandenem en beruht vielleicht auch die kaufmännische Wendung in der (statt: als E.) Einlage, Anlage übersende ich Rechnung, die sinnlos ist, wenn diese selbst die Einlage ist.


Zweifelsfall

Präposition: Auswahl

Beispiel
Bezugsinstanz Sportsprache, Ehlers - Otto Ehrenfried, Zeitungssprache, Langbehn - Julius, Schiller - Friedrich, Fendrich - Anton, Fichte - Johann Gottlieb, Fachsprache (Rechtswissenschaft), Übersetzer, Hörmann von Hörbach - Ludwig, Geschäftssprache, Goethe - Johann Wolfgang
Bewertung

Mangel an Anschauung, nicht gerechtfertigt, verwunderlicher, mehr lateinisch als deutsch

Intertextueller Bezug



Zweifelsfall

Datumsangaben

Beispiel
Bezugsinstanz 19. Jahrhundert, Geschäftssprache, Frankreich
Bewertung
Intertextueller Bezug