Angst, bange, zu fürchten machen

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Buch Matthias (1929): Sprachleben und Sprachschäden. Ein Führer durch die Schwankungen und Schwierigkeiten des deutschen Sprachgebrauchs.
Seitenzahlen 204 - 205
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Unsicherheit

In diesem Kapitel behandelte Zweifelsfälle

Behandelter Zweifelfall:

Verb: Valenz

Genannte Bezugsinstanzen: Schupp - Johann Balthasar, Umgangssprache, Literatursprache, Neu, Gegenwärtig, Schriftsprache, Gehobene Sprache
Text

Bei machen + Infinitiv eines transitiven Verbums hat der dritte Fall einen ähnlichen Anhaltepunkt und einen Kreis, innerhalb dessen er gestattet ist, wie bei lassen. Gestatten doch Formeln wie zu schaffen, zu tun, zu schreiben, zu wissen machen u. a. nur den dritten Fall. Dazu kommen die Wendungen einem oder einen angst oder bange (in Anlehnung daran auch heiß) machen, deren dritter Fall sich bei jenem aus der auch substantivischen Natur von Angst, bei diesem aus der ursprünglich nur adverbialen von bange als das Ursprünglichere ergibt. Daran schloß sich leicht einem oder einen zu fürchten machen, und auch für gruseln und grauen machen muß der Wechsel zugestanden werden. Selbst einem etwas glauben machen ist bei der Anlehnung an aufbinden, weiß machen neben dem richtigeren einen etwas glauben machen kaum mehr auszurotten. Doch damit muß die Grenze erreicht sein. Beiläufig gilt es überhaupt, mit der Zusammenstellung von machen mit Infinitiven in der sorgfältigen Sprache sparsam zu sein. Oft ist machen geradezu undeutsch, ganz besonders, wenn es anstatt lassen steht. So in neueren Romanen: Wir machten die Jugend des Dorfes bis in die Nacht hinein springen. Man sah darauf, auch den Schein vermeiden zu machen. Der Tod machte ihr ein namhaftes Vermögen zufallen; ähnlich freilich bisweilen schon bei den Klassikern. In der Umgangssprache begünstigt noch eins den dritten Fall neben den genannten Zeitwörtern: die Bequemlichkeit einer Leideform. Denn niemand bildet zu der Tätigkeitsform: Man läßt mich wissen, fühlen eine Leideform: ich werde wissen -, fühlen gelassen. Aber wie schon B. Schupp der Tätigkeitsform einem etwas zu wissen tun entsprechend bildete: es wurde mir durch ... Briefe zu wissen gemacht, so hört man in bequemlicher Rede noch heute: jetzt wurde ihm seine damalige Härte fühlen gelassen, der Schriftsprache natürlich gleich wenig angemessen als nach § 215, 9 das Passivum mir ist etwas gelehrt worden.

§ 217. Eine freiere Art von Ergänzungen des Verbalbegriffes sind auch viele Orts- und Zeitbestimmungen entweder noch oder doch ursprünglich gewesen, mögen sie auch jetzt als Umstandsbestimmungen aufgefaßt werden. Oder wer verstünde nicht die Verwandtschaft solcher Wendungen wie: seine Zeit absitzen und vier Wochen sitzen, seinen Weg -, seiner Wege gehn und allerorten zu finden sein? Auch hier waltet ein Bedeutungsunterschied zwischen dem zweiten und vierten Falle ob.


Zweifelsfall

Verb: Valenz

Beispiel
Bezugsinstanz Schupp - Johann Balthasar, Umgangssprache, Literatursprache, neu, gegenwärtig, Schriftsprache, gehobene Sprache
Bewertung

Bequemlichkeit, das Ursprünglichere, der Schriftsprache natürlich gleich wenig angemessen, Frequenz/niemand bildet, geradezu undeutsch, in der sorgfältigen Sprache sparsam zu sein, kaum mehr auszurotten, muß der Wechsel zugestanden werden, nur, richtigeren

Intertextueller Bezug